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Veröffentlicht am 30.09.2022

Unverzichtbar!

Das große Brotbackbuch
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120 Rezepte für Brot und Gebäck, mit vier einfachen Grundteigen und allem Wichtigen rund um und über Sauerteig, insbesondere wie man ihn ansetzt und pflegt. Dennoch kann man sofort losbacken, denn während ...

120 Rezepte für Brot und Gebäck, mit vier einfachen Grundteigen und allem Wichtigen rund um und über Sauerteig, insbesondere wie man ihn ansetzt und pflegt. Dennoch kann man sofort losbacken, denn während der Sauerteigansatz mit der Reifung beginnt, so gibt es genügend Rezepte mit Hefe, bei denen der Teig z.B. mit Naturjoghurt gesäuert wird, so dass man gleich los legen kann. Wenn dann auch mal etwas übrig bleibt und älter wird, macht das auch nichts, denn zum Ende des Buches gibt es auch noch Rezepte von süß bis herzhaft zur Verarbeitung von Brotresten. Das finden wir total stark und gerade die gerösteten und gewürzten Brotscheiben lieben wir.

Die Rezepte sind wirklich appetitlich fotografiert, so dass man sofort losbacken will, denn die Auswahl ist riesig und so findet sich so einige, bei denen man auch gleich die Zutaten im Haus hat. Es kann also gleich los gehen und wie das immer ist bei Rezepten von Christina Bauer, so sind diese wirklich sehr einfach. Auch für absolute Anfänger geeignet und schnell, so dass man es auch als arbeitendes Elternteil hinbekommt, sich die Zeit dafür zu nehmen. So verlockend es auch ist gleich los zu legen: wer gerade kein erfahrener Brotbäcker ist, sollte sich schon noch die Zeit nehmen die Grundlagen des Brotbackens vorher durchzulesen. Diese sind sehr anschaulich und Wichtiges auch in mehren Schritten mit Fotos veranschaulicht, wie z.B. der Ansatz eines Sauerteigs. Das finde ich ungemein hilfreich. Neben den Grundlagen und Kniffen, den zu verwendenen Materialien und Zutaten, werden auch typische Probleme und Pannen geschildert, wie man sie erkennt und wie man sie behebt. Außerdem wird nicht nur erklärt, wie man Pannen vermeidet, oder die perfekte Kruste zaubert, es geht auch um die Auswahl der Zutaten und die richtige Lagerung des Brotes. Fotos zeigen zudem das ungemahlene Korn, für all jene, die es noch selbst mahlen und schroten wollen. Da es sich um eine östereichische Bäckerin und einen ebensolchen Verlag handelt, werden die Mehlmahlgrade für beide Länder angegeben, da die Bezeichnungen jeweils variieren, bei jedem Rezept. Das macht es einfacher, als bei den Vorgängerbänden, in denen es bei den ersten Auflagen im allgemeinen Erklärteil stand und bisweilen überlesen wurde (weil man vor Eifer nicht vorne angefangen hat, sondern direkt mit Backen begonnen).

Wir haben gleich mal drei Rezepte ausprobiert: das Wurzelbrot, das Sonnenblumenbrot und ein Körnerbrot. Alle drei wurden sehr knusprig und gerade das Wurzelbrot soll ich nun regelmäßig machen, weil es nicht nur sehr knusprig, sondern auch fluffig und gleichzeitig herzhaft wurde. Nur der Name löste Verwunderung aus, aber als ich auf die knotige Form hinwies, haben sie es gleich eingesehen! Nein, es werden keine Wurzeln mit eingebacken!

Was mir sehr gut gefällt ist, dass ich mit diesen Rezepten nicht nur sicher bin, dass es gelingt, ich habe auch Einfluss auf die Qualität des Brotes, anhand der von mir gewählten und gekauften Zutaten. Da kann man sicher sein, dass es frei von Zusatzstoffen oder Süßungsmitteln ist.

Die Auswahl ist so vielfältig, dass für jede Gelegenheit etwas dabei ist, egal ob es um Alltagsbrot, Snacks, Partybrote oder süße Brote oder Zöpfe für das Sonntagsfrühstück geht, dass die Kinder auch nicht die Lust auf Brot verlieren.

Wieder ein unverzichtbarer Dauerbrenner für den Alltag, für mehr Abwechslung auf dem Tisch!

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Veröffentlicht am 27.09.2022

Fußball kann möderisch sein

Letzte Halbzeit
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Hummel versucht die Trennung von Beate zu verkraften und besucht mit dem 12 jährigen Paul, dem Sohn seiner neuen Flamme Karla, das DFB-Pokalspiel des 1. FC Eichach gegen 1860 München in der Allianz Arena. ...

Hummel versucht die Trennung von Beate zu verkraften und besucht mit dem 12 jährigen Paul, dem Sohn seiner neuen Flamme Karla, das DFB-Pokalspiel des 1. FC Eichach gegen 1860 München in der Allianz Arena. Doch die 2. Halbzeit wird vorzeitig abgebrochen: Lucky Duvic, der Star der Regionalmannschaft, bricht direkt beim Torschuß tot zusammen! War es wirklich nur die Folge von fatalem Doping oder steckt mehr dahinter? Als dann noch der Neuzugang des 1. FC Bayern München, der den gleichen Spielerberater wie Lucky Duvic hatte, von der Restaurantplattform des Olympiaturms auf den Beton darunter stürzt, scheint dies mehr als ein Zufall. Vor Ort stoßen die Ermittler der Mordkommission auf ein paar spaßige Bestatter, denen sie nicht so ganz über den Weg trauen. Genau wie Marlon Schilling, dem Sohn eines hohen politischen Tieres, der gerade von der Sitte zur Mordkommission wechselt, als sein Vater eine Sicherheitskonferenz für die Balkanstaaten in München leitet. Auf Vorschlag des Polizeichefs, dessen Doktorvater Marlons Vater war, werden nun bis auf Kommissar Mader, der nach Regensburg wechseln soll, alle Mordermittler für die Sicherheitskonferenz abgestellt.

Wie schon beim letzten Fall bin ich bei dem recht abrupten Einstieg anfangs immer etwas überfordert. Habe ich etwas verpasst? Hummel ist nicht mehr mit Beate zusammen? Wer ist Karla? Aber da alles erklärt wird, bin ich dann auch ganz gut reingekommen. Das ganze Team ist wieder beisammen, plus Verstärkung durch den Neuen Marlon. Trotz seiner erstaunlichen Kenntnisse und Einblicke in die Fußball-Szene kann sich nur Dosi für den kernigen Kerl erwärmen, allerdings könnte das auch daran liegen, dass ihr Frankies Heiratsantrag noch als Schreck in den Knochen sitzt. Das krasseste ist aber, dass Chef Dr. Günther Mader als Leiter der Mordkommission in dessen alte Heimat Regensburg wegloben will. Mader ist auch noch unschlüssig, was er davon halten soll. Immerhin erinnert es ihn daran, dass er zu Beginn seiner Kripolaufbahn fest entschlossen war, den Mord an seinem Vater im Dienst aufzuklären. Ist das nach all den Jahren eigentlich noch möglich? Was glaubt er eigentlich jetzt finden zu können, was vor ihm noch keinem aufgefallen ist, oder wollte die Tat eigentlich bislang keiner aufklären? Einiges was Dr. Günther gerade so ausheckt ist nicht weniger seltsam als die Fußballer-Event Bestattungen des Bestattungsunternehmens Miller. Wenn einer der Ihren stirbt, lassen es die Bayern so richtig krachen, selbst wenn er noch nie für sie aufgelaufen ist. Bisweilen ein absurd schräger Humor mit markig, trockenen Sprüchen. Komplex sind die einzelnen Handlungsstränge in einander verschlungen, sogar der Mord an Maders Vater steckt da irgendwie mit drin, neben Waffenhandel, illegalem Doping und der Wettmafia, ach von Bestechung und Korruption ganz zu schweigen. All das ist eingebettet in die schwierigen Beziehungsverhältnisse der Ermittler und Hummels Traum vom ersten veröffentlichen eigenen Krimi: Markant, männlich, bayrisch und selbstironisch. Ob das die breite Öffentlichkeit ebenso begeistert wie ihn, bleibt abzuwarten, aber zumindest kann man einige seiner Entwürfe mithören. - Eigentlich bin ich ja ganz froh, dass dieser Krimi nicht aus Hummels Feder stammt ;) Nix für ungut!

Als Kriminaler in München ist man natürlich selbst nicht Teil der Schickaria, ebenso wie die Regionalligisten. So führen einen diese Ermittlungen dieses Mal in die Welt der Normalos, der Träumer und der Gescheiterten. Ein krasser Kontrast zu der Welt der Waffenschieber, Funktionäre und der inneren Sicherheit, zu der Dr. Günther den Bogen spannt, als er sich von seinem Doktorvater für die Sicherheitskonferenz für die Balkanstaaten einspannen lässt. Ein wilder Potpurri, bei dem man sich gut konzentrieren sollte, um nicht den Faden zu verlieren. Da wäre vielleicht manchmal etwas weniger mehr gewesen.

Michel A. Grimm klingt wieder urbayrisch, mal gemütlich, mal grantelnd, mal arrogant oder beschränkt - halt der typische Schnitt durch die Bevölkerung, mit all ihrem Irrsinn. Nur der 12 jährige Paul scheint unerschütterlich zu sein und den Durchblick nicht zu verlieren. Ein schöner Kontrast für mich. Trotz des bayrischen Einschlags konnte ich der Geschichte bis zu ihrem absurd, ironischen Showdown gut folgen. In Bayern ist halt nicht alles Idylle pur, bisweilen verschlägt es auch die ganz harten Kerle dorthin. Kein Cosy-Crime, aber auf jeden Fall ein Krimi der sich selbst nicht so bierernst nimmt! Ich habe mich gut amüsiert.

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Veröffentlicht am 21.09.2022

Fröhliche-freches Kinderbandenabenteuer

Karlchen hilft allen, ob sie wollen oder nicht
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Karla (6), genannt Karlchen, ist die Hilfsbereitschaft in Person. Allerdings ist gut gemeint nicht immer gut und viele ihrer Hilfen kommen leider nicht so gut an. Statt sich über die etwas missglückte ...

Karla (6), genannt Karlchen, ist die Hilfsbereitschaft in Person. Allerdings ist gut gemeint nicht immer gut und viele ihrer Hilfen kommen leider nicht so gut an. Statt sich über die etwas missglückte Hilfe zu freuen, ärgern sie sich über vermeintliche Streiche. Zur Strafe muss Karlchen dann immer in Mamas Wäschezimmer und Socken sortieren. Sie wohnt in einem kleinen Tal auf einem Hof mit ihrem kleinen Bruder Johann, Mama und Papa,Opa und vielen Tieren. Leider leben dort außer ihr und Johann keine anderen Kinder. Daher freut sich Karlchen umso mehr, dass bald eine Berliner Influencerin mit ihren Kindern Alban (8) und Pippa (7) die ersten Gästen in Mamas neuer Ferienwohnung sein werden. Mama träumt von einer guten Bewertung in den sozialen Medien und Karlchen von einer echten Kinderbande, mit Geheimsprache und Bandenlager. Wie enttäuscht ist sie da, als die Großstadtkids sie als Baby bezeichnen und nichts mit ihr zu tun haben wollen! Das kann Karlchen nicht auf sich sitzen lassen, immerhin kommt sie nach den Ferien in die Schule!

Tja, es gibt sie doch, die beste Freundschaft im 5. Anlauf oder so! Eigentlich wächst Karlchen ja in einem Kinderparadies auf, nur ohne Kinder! Und Kindheit ohne Freunde und Spielkameraden ist ja irgendwie doof, selbst im Paradies. Kein Wunder also, dass sie total enttäuscht ist, als die Ferienkinder erst mal alles langweilig und sie zu klein finden. Dabei liegt das weniger an Karlchens Alter, oder einer Großstadthybris. Nach und nach merkt man, wo denn ihr Problem liegt: ihre Mutter ist Influencerin und sie dürfen erst genießen und Spaß haben, wenn sie vorher schon genügend authentische sprich gestellte Bilder oder Filme für ihren Blog fertig hat. Auf Dauer ist das nicht nur mega-lästig, sondern auch echt anstrengend. Von wegen Traumjob Influencer! Ich finde es ja sehr gut, dass Kinder so schon recht früh lernen, dem schönen Schein in den sozialen Medien zu misstrauen und sich vielleicht einen anderen Traumberuf überlegen. Aber keine Sorge, es wird alles locker, witzig eingebaut. Im Zweifel gibt es auch immer noch den grantelig, verschmitzten Opa, der auch keine Lust hat Fotomodell zu spielen, aber dafür Süßigkeiten liebt.... Ja, nicht alle Erwachsenen sind immer Vorbilder, aber die Kinder haben ein gutes Gespür dafür, wer ihre Sympathie verdient hat und wer nicht.... Naja, zumindest müssen auch die Kinder erst Mal Vorurteile und Ängste abbauen.

Karlchen hat das schwere Schicksal, dass ihre guten Taten ständig missverstanden werden, aber sie ist nicht allein. Auch ihre Hoftiere werden von den jungen Neuankömmlingen nicht so richtig geschätzt. Dabei kann sie gar nicht verstehen, wie man denn vor ihrer Ziegenschwester, oder Opas Prachthühnern Angst haben kann. Diese Angst will Karlchen Pippa und Alban unbedingt nehmen und lässt sich daher von Opa und Mama Geheimrezepte gegen Angst verraten. Letztendlich ist Karlchen höchst erfolgreich und erlebt die schönsten Ferien, aller Zeiten, aber nicht wegen dieser Geheimrezepte. Ich glaube ja, dass es Alban und Pippa genauso ergeht, auch wenn sie es anfangs nie zugegeben hätten. Wie es bei ihnen zu diesem Sinneswandel kommt, ist ebenso abenteuerlich wie witzig, sogar tierisch witzig! Denn die Tiere sind nicht nur waaaaahnsinnig authentisch, sie tragen auch unbedingt mit zum Gelingen dieser piratenstarken Freundschaft bei. Ob sie wohl noch mal wieder kommen werden, diese Großstädter?

Man hört genau, wieviel Spaß Britta Steffenhagen mit all den Plänen und Pannen von Karlchen hat. Mit viele Schwung und Schalk in der Stimme erzählt sie von diesem Sommer der großen Pläne, ehe Karlchen in die Schule kommt. Aufregung und Vorfreude sprudeln ebenso aus ihr hervor, wie Ratlosigkeit und Enttäuschung, wenn Karlchens Pläne mal wieder ganz anders ausgehen, als geplant. Dabei variiert sie das scheinbare Erzähltempo und passt es den Spannungsbögen stets an. Nur für den Fall, dass die jungen Hörer nicht bemerkt haben, in welcher Gefahr Karlchen und ihre neuen Freunde stecken. Ach ja, wie auch Michel in seinem Tischlerschuppen, lernt Karlchen die Zeit im Wäschenzimmer richtig zu genießen! Es gibt Kinder, die schaffen es halt auch, selbst aus Strafen das Beste zu machen!

Fröhlich frecher Kinderbandenspaß für die ganze Familie ab 5 Jahren.

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Veröffentlicht am 20.09.2022

Jugendlich frische Romantic Mystery

Das Buch der Seelen
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Seit Generationen betreibt die Familie MacDonald ein Fotostudio in einem alten, mehrstöckigen Altstadthaus in Edingburgh. Auch Elsie scheint die Leidenschaft ihrer Familie für Blenden, Beleuchtung und ...

Seit Generationen betreibt die Familie MacDonald ein Fotostudio in einem alten, mehrstöckigen Altstadthaus in Edingburgh. Auch Elsie scheint die Leidenschaft ihrer Familie für Blenden, Beleuchtung und Tiefenschärfe geerbt zu haben. Seit Kindertagen hütet sie ein antikes Fotoalbum ihres Ur-Ur-Großvaters John mit seinbar missglückten Aufnahmen. Sämtliche Motive weisen rotglühende Augen auf und sind auch sonst etwas gruselig, mit Ausnahme des Bildes des rotäugigen jungen Lord Aiden Storm, der im Jahr 1900 nur knapp älter war, als Elsie jetzt, ehe er spurlos verschwand. Mangels Geschwistern und Haustieren hat sie sich angewöhnt, mit seinem Foto zu sprechen und hat das Bild des gespenstischen Riesenhundes sogar früher „Gassi geführt“. Doch nach einem Schulreferat über das Familienunternehmen, bei welchem sie das Album durch die Klasse gehen lässt, fehlen diese zwei Aufnahmen und drei weitere. Elsie ist untröstlich, bis sie plötzlich Lord Aiden Storm erst auf Instagram und dann noch in ihrer Schule wieder sieht. Wie ist das möglich?

Bei diesem Cover und diesem Klappentext wusste ich sofort: Das ist ein Buch für mich! Als Jugendliche war ich leidenschaftliche Romantic Mystery-Leserin. Ganz offensichtlich liebe ich das Genre auch heute noch. Ich mag die Mischung aus junger Liebe, Romantik und schauriger Spannung, ohne Ekelfaktor. Hier hat sich die Gänsehaut wunderbar mit dem Herzklopfen und der Sehnsucht nach Grannys fantastischem Shortbread abgewechselt. Dabei hat mir besonders gut gefallen, dass ich im Gegensatz zu Elsie eben nicht davon überzeugt war, dass Aiden einer von den Guten ist. Warum sonst wäre er in dem Fotoalbum ihres Vorfahren gefangen gewesen, wenn er denn kein Monster gewesen ist? Diese Geschichte ist inspiriert von Oscar Wildes Meisterwerk „Das Bildnis des Dorian Grey“ und Dorian wurde unter seiner strahlenden Hülle immer verdorbener. Trifft dies auch auf Aiden zu? Kann ein junger, gutaussehender Adeliger mit unfassbarem Reichtum eigentlich anders als verdorben sein? Allerdings ist Aiden nicht der Einzige an dessen Charakter ich gezweifelt habe. Klar, Benisha ihre beste Freundin ist natürlich ein Fels in der Brandung, aber wie sieht es mit der schönen Stella, der Tochter der Freundin von Stellas Vater aus?

Ein altes Schloss in Schottland, ein verfallendes Herrenhaus neben der Schule und natürlich ein alter, still gelegter Friedhof sind ebenso die stimmungsvollen Kulissen, wie die Katakomben von Edinbourgh. Über diese habe ich mittlerweile so viel gelesen, dass ich mich echt ärgere, dass ich zwar in Edinbourgh war, aber immer nur oberirdisch. Welch perfekter Ort für üble Machenschaften!

Hier treffen zwei Jahrhunderte sehr charmant aufeinander. Natürlich misstraut Aiden Smartphones und Computern, aber es wird nie in Lächerliche gezogen, ebensowenig, wie seine formvollendeten Manieren, die aus der Zeit gefallen sind. Ein junger Held, der eine schwere Bürde zu tragen hat. Ob er dieser Aufgabe gerecht werden kann? Natürlich kann Elsie ihn nicht auf rauschende Adelsbälle begleiten, wie es Ende des 19. Jahrhunderts üblich war, aber so ein Halloween- oder Winterball ist für Mittelstufenschülerinnen auch viel cooler. Die Zwänge sind viel geringer und Details für ihre Fotolinse findet Elsie allemal. Ohnehin fand ich Elsie ja von Anfang an eine sehr sympathische Heldin, mit ihrer Liebe für Details und ihrem Hang zum Eigenwilligen. Sie ist eine kein 08/15-Mädchen, die einfach irgendwelchen Trends hinterher läuft, sondern sich aus ihrer Familientradition das für sie passende Hobby aussucht und ihm mit Hingabe frönt.

Sehr stimmungsvoll, gerade zur jetzigen Jahreszeit, wenn draußen der Regen prasselt und man ohnehin mit einer heißen Tasse in den Händen vor sich hinfröstelt. Wie gut, dass es einem zum Schluss dann wieder warm ums Herz wird, aber nicht ohne die Gänsehaut davor. Ab 12 Jahren.

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Veröffentlicht am 15.09.2022

Vorsicht, wer zuhört...

Fräulein vom Amt – Die Nachricht des Mörders
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Alma Täubner, Tochter einer soliden Mittelstandsfamilie möchte ihr Leben selbst bestimmen und arbeitet daher als Fräulein beim Telefonamt und teilt sich eine Wohnung mit ihrer Schulfreundin, der kessen ...

Alma Täubner, Tochter einer soliden Mittelstandsfamilie möchte ihr Leben selbst bestimmen und arbeitet daher als Fräulein beim Telefonamt und teilt sich eine Wohnung mit ihrer Schulfreundin, der kessen Emmy Wolke, einer Floristin. Eines Tages belauscht sie auf der Arbeit eine heisere Kratzstimme eine kryptische Nachricht übermitteln. Ein Auftrag an einer Dame unter den Kolonaden sei ausgeführt worden. Eine Nachricht, die sie verwirrt, doch ein Blick in die Zeitung lässt sie erstarren: eine unbekannte, verstümmelte Frauenleiche wurde unter den Kolonaden gefunden. Die unbekannte Tote lässt Alma nicht los und sie meldet ihre Informationen der Kriminalpolizei. Doch der Kriminalrat wiegelt ihre Aussage als bloßen Zufall ab, weist auf die käufliche Profession der Unbekannten hin und die Bedeutung der kommenden Rennsaison. Doch Alma lässt nicht locker, mit Hilfe ihres Cousins Walter, eines Medizinstudents überzeugt sie sich vom Anblick der unbekannten Toten. Tatsächlich war sie ihr schon mal begegnet, bei einem Kurkonzert und sicherlich keine Prostituierte. Nun setzt Alma alles daran, den Mörder zu entlarven und erhält dabei Hilfe von Emmy, Walter und Kommissarsanwärter Ludwig Schiller.

Die legendären, lasterhaften Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts als die Menschen nach Leben und Zerstreuung lechzten, während die Reichsmark immer mehr an Wert verlor und gute Arbeit selten. Alma und Emmy sind zwei junge, selbst bewusste Frauen, die sich nicht von Konventionen unterkriegen lassen wollen, mit einer gewissen Faszination für die geheimnisvolle, halbseidene Unterwelt. Die Jetons in den Rocktaschen der toten führt Alma in verruchte illegale Casinos und auf die mondäne Rennbahn. Wenn ihre Großmutter wüsste, wo sie sich herumtreibt, wäre sie sprachlos, ebenso wie ihre Zimmerwirtin! Doch Alma bleibt hartnäckig und kaum hat sie die Identität der Toten herausgefunden, ereignet sich ein zweiter Mord! Während Walter immer häufiger in ihrer kleinen Wohnung auftaucht, wartet auch der Kommissarsanwärter immer häufiger auf das junge Fräulein vom Amt.

Mit viel Flair der mondänen Kurstadt in seinem goldenen Zeitalter, ein wenig Romanze und halbseidener Verruchtheit, erhält man nicht nur Einblicke in die Welt berufstätiger Frauen und der Vorbehalte gegen sie. Man kann Detail für Detail dieses scheinbar willkürliche brutale Verbrechen entlarven und dabei mehr über die Welt an den Schaltkreisen der technischen Kommunikation erfahren. Eine Welt, die Frauen verlassen mussten, sobald sie heirateten... Diese kleinen Informationen, die zeigen, dass bei aller Benachteiligung von Frauen, wir dennoch schon einiges auf dem Weg der Gleichberechtigung geschafft haben, mag ich ebenso gerne, wie die Beziehungsgeflechte zwischen den Protagonisten. Alma, die Tochter aus solidem Hause, die sich aus der Abhängigkeit befreien will und eine Schwäche für den gutaussehenden Kommissarsanwärter hat, der nach den Kriegserlebnissen sein Jurastudium nicht fortsetzte, ist ebenso sympathisch, wie ihre Mitbewohnerin. Emmy Wolke ist flatterhaft, wie ein Schmetterling und lässt Männerherzen höher schlagen. Allerdings kann sie sich kaum für einen entscheiden, zu Almas Glück, denn ansonsten wäre sie sicherlich längst unter der Haube und Alma müsste ihrer gestrengen Zimmerwirtin alleine trotzen. Während die zwei jungen Frauen der vermeintlichen Leichtigkeit der Jugend nachgehen, halten sie natürlich auch die Augen offen nach attraktiven jungen Männern. Diese waren damals Mangelware, da die meisten nicht unversehrt aus dem Krieg zurückkehrten und das Durchschnittsalter der Gefallenen bei 21 Jahren lag. Schatten und Licht liegen in Baden Baden eng beieinander, in vielerlei Hinsicht.

Dagmar Bittner haucht mit ihrer jungen und ebenso lebendigen, wie sympathischen Stimme Alma und Emmy Leben ein. Mal klingt sie nachdenklich, dann wieder neugierig oder aufgeregt und auch das blanke Entsetzen ist ihr bisweilen anzuhören. Mit ihrer unnachahmlichen Stimme verleiht sie diesem Krimi zusätzlichen Schwung und Esprit.


Der Krimi ist stark geprägt vom Flair der Zeit in der er spielt und trotz der wilden Verfolgungsjagden zum Schluß und den verruchten Spelunken eher ein cosy crime. Dennoch ist der Kriminalfall wendungsreich mit einem zu Beginn unerwarteten Ausgang. Ich bin schon gespannt, was Alma Täubner als nächstes auf dem Amt belauschen wird!

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