Profilbild von danielamariaursula

danielamariaursula

Lesejury Star
offline

danielamariaursula ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit danielamariaursula über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2020

Niemand ist wirklich böse!

Dog Man 5
0

George und Harold, die offiziellen Zeichner der Dogman Comics sind nun in der 5. Klasse und sollten den Klassiker „Der Herr der Fliegen“ lesen. Harold hatte jedoch keine Lust und hat sich statt dessen ...

George und Harold, die offiziellen Zeichner der Dogman Comics sind nun in der 5. Klasse und sollten den Klassiker „Der Herr der Fliegen“ lesen. Harold hatte jedoch keine Lust und hat sich statt dessen alle Folgen von „Der Herr der Ringe“ angeschaut.... George jedoch fand die Geschichte total inspirierend und beginnt in Anlehnung daran den nächsten Dogman Band: Das personifizierte Böse in Gestalt von Kater Petey kann es nicht lassen, seinen Sohn/Klon auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen und bricht daher täglich aus dem Gefängnis aus. Dogman, Klein-Petey und Roboter 80-HD haben jedoch beschlossen, sich zu einer Superhelden-Freundesgruppe zusammen zu schließen. Doch so einfach bleibt es nicht, durch einen Fehler von unserem Lieblingsheldenhund Dogman, brechen noch weitere Bösewichte aus, die es auf unsere Freunde und sogar den großen Petey abgesehen haben!

Meine Tochter (noch 10) ist ein totaler Lesemuffel und hat meistens keine Lust zu lesen. Diesen Dogman hat sie mir aber aus der Hand geschnappt und weg war sie. Dann habe ich sie nur noch kichern gehört! Sie findet auch diesen Band wieder super lustig und kann sich immer noch an den Flip-O-Ramas erfreuen. Das sind quasi kleine Daumenkinos, mitten im Buch, die es lebendig werden lassen.

Egal ob Junge oder Mädchen, Kinder lieben Dogman und seine verrückt-witzigen Abenteuer. Dafür bedarf es auch bei diesem Band keinerlei Vorkenntnisse, auch nicht von Goldings Klassiker „Der Herr der Fliegen“. Kennt man diesen amerikanischen Klassiker doch, lassen einen die Parallelen, als Erwachsenen richtig grinsen. Das Thema ist sehr geschickt eingebaut. Insgesamt geht es aber um ganz universelle Themen: Freundschaft, dass niemand wirklich Böse ist und sich jederzeit doch entscheiden kann, die Seiten zu wechseln, Heldentum für jedermann, dass kein Held unfehlbar ist, Zusammenhalt und den Versuch die Welt ein bisschen besser zu machen. Das geht, doch immer, oder? Meinen ersten Dogman fand ich ein bisschen heftig für die Zielgruppe ab 8 Jahren. Zu viel Gewalt. Aber eigentlich stimmt das nicht. Es ist einfach nur der Kampf Gut gegen Böse, das ewig neue Thema. Es stirbt nie jemand und keiner kommt je wirklich zu Schaden. Die Bösen werden nicht getötet, sondern kommen ins Gefängnis, wo sie gerne auch mal ausbrechen, damit es ja eine neue Geschichte gibt. Daher sind die Geschichten aber auch erst ab 8 Jahren, damit man diese feinen Unterschiede verstehen kann. Der Text ist so kurz, das könnten auch jüngere Kinder (gut, es ist nicht in Fibelschrift gedruckt und ein relativ kleiner Typensatz gewählt), aber von der Reife her ist 8 Jahre einfach richtig. Nach obenhin ist die Altersgrenze völlig offen!

Die Illustration ist recht einfach gestaltet, was ja auch logisch ist, denn offiziell haben ja Harold und George, zwei Fünftklässler diese Reihe geschrieben und gezeichnet. Das ist aber nur die Rahmenhandlung, denn eigentlich steckt Dav Pilkey hinter der Reihe, die in den USA die Massen begeistert. Ihm ist die Leseförderung ein ganz großes Anliegen und daher baut er sie diesmal auch in sein Abenteuer ein: Haustieren vorzulesen hilft Kindern unglaublich Lesefortschritte zu machen, denn Haustiere kritisieren nicht, sondern genießen die Aufmerksamkeit. Also wird auch hier der „Katze“ vorgelesen. Im Anhang sind Kinder abgedruckt, die freiwillig Katzen vorlesen, wozu es auch Projekte in Tierheimen gibt, wenn man keine eigene Katze hat. Unsere Katze klettert mir übrigens auch beim Lesen auf dem Schoß. Eine sehr gute Alternative ist es übrigens auch, den jüngeren Nachbarskindern vorzulesen. Jede Leseeinheit hilft!
Apropos Illustrationen, es gibt zum Schluss wieder einen Zeichenkurs mit Harold und George, um das Zeichnen der Lieblingshelden zu lernen.

Was ich super finde, ist das es zu Beginn eines jeden Dogman Bandes immer das Vorwort: Unsere Geschichte bis hierher gibt. Da findet jeder schnell hinein, selbst ohne Vorkenntnisse oder schusselige Leser sind wieder sofort mittendrin.

Eine ganz klare Leseempfehlung meiner Tochter und des Nachbarssohns!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.06.2020

Spannender Einblick ins Mittelalter

Mittelalter
0

Die vier Freunde von der Schülerzeitung Jette (11), Lilli (9), Ben (10) und Finn (11) sollen diesmal als Wissensprofis alles über das Mittelalter herausfinden. Wann war das eigentlich nochmal und warum ...

Die vier Freunde von der Schülerzeitung Jette (11), Lilli (9), Ben (10) und Finn (11) sollen diesmal als Wissensprofis alles über das Mittelalter herausfinden. Wann war das eigentlich nochmal und warum heißt es eigentlich so? Um mehr über diese mehrere hundert Jahre dauernde Epoche herauszufinden, ziehen die vier Kinder erst einmal in ein Museumsdorf. Jette ist ganz schön erstaunt, dass sie dort vor der Tür alles abgeben müssen, was nicht in die Zeit gehört. Armbanduhr o.k. aber ihr Tablet, das ist verdammt hart! Zum Glück finden sie gleich ein Mädchen in ihrem Alter, das sie herumführt und auch erst einmal einkleidet. Sie gehört zur großen Gruppe der Bauern und das freiwillig! Sie erklärt den Wissensprofis die Stände. Finn staunt nicht schlecht, dass der Klerus, also die Angehörigen der Kirche, von ihrem Ansehen her noch über dem Adel standen. Das wäre auch was für ihn gewesen, der studierte, gebildete Stand! Ben wäre aber lieber der König und hätte das Sagen. Natürlich schleichen sie sich auch ins Kloster und bestaunen die Schreibstube und die ersten gedruckten Bibeln, dank Johannes Gutenberg. Eine Erfindung, die quasi das Ende des Mittelalters einleitete: die Erfindung des Buchdrucks. Doch solange sie dort im Museumsdorf sind, müssen sie sich als Bauernkinder unterordnen und hart arbeiten! Nach diesem beeindruckenden Erlebnis zieht es sie nicht nur in die Bibliothek, sondern auch auf ein trubeliges Mittelalterfest!

Meine Große (13) liebt diese Reihe für wissbegierige Kinder von 8 – 12 Jahren, die ein wirklich umfangreiches Grundwissen vermittelt, perfekt für Grundschule und Unterstufe! Wer nicht gerne liest, aber dennoch neugierig ist, kann hier eine Menge lernen. In Hörspielform, mit Kindersprechern, die als junges Reporterteam den Dingen auf den Grund gehen! Auch wenn sie sich mal mit ihren Fragen an erwachsene Experten wenden, sprechen diese stets auf Augenhöhe mit ihnen. Dadurch ist das Wissen für Kinder nie belehrend, sondern spannend und kann aufgesogen werden! Mit vielen Geräuschen versehen, klingt es richtig lebensnah und kurzweilig. So wird Geschichte für Kinder erlebbar! Die die Erwachsenen haben jeder ihre eigene Stimme und meine Große freute sich besonders mal wieder ihren Lieblingssprecher Robert Missler zu hören.

Meiner Jüngsten gefällt es sehr gut, dass die Wissensprofis in dieser Folge noch frecher sind und auch mal Unsinn machen und sich in Bereiche schleichen, in denen sie nichts zu suchen haben und dann auch noch Unfug anrichten! Da hatte sie gleich mehr Spaß beim Zuhören und hat gerne im Auto mitgehört.

Die CD ist wieder sehr schön gestaltet, mit Illustrationen aus der beliebten Sachbuchreihe aus dem Ravensburger Verlag. So ist in der linken CD-Klappe ein Ritterdorf beim Ritterturnier zu sehen und rechts, unter der CD eine Ritterburg. Hier hätte ich mir allerdings beides Mal eine Beschriftung gewünscht, damit man das Gesehene besser zum Gehörten zuordnen kann. Das finde ich bei den übrigen Bänden besser. Im Booklet gibt es natürlich wieder eine Nachmachaktion: Butter zum Selbstmachen! Fast so wie im Mittelalterdorf mit dem Butterfass. Kommentar meiner Kinder: Das kann Mama auch so, mit dem Mixer! Tja, im Sommer passiert das gerne mal unfreiwillig.

Wieder ein kurzweiliges Abenteuer der Wissensprofis, bei dem wieder jede Menge Wissen hängen geblieben ist und Zusammenhänge erfasst werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.06.2020

Eiskalt

Von zerfallenen Träumen
0

Nik Pohl ist immer noch genauso unstylisch und unangepasst, wie bisher. Aber seit seiner Zusammenarbeit mit Startup-Millionär Jon und Pathologe Balthasar ist seine Arbeitsmoral deutlich besser als zu Kripozeiten. ...

Nik Pohl ist immer noch genauso unstylisch und unangepasst, wie bisher. Aber seit seiner Zusammenarbeit mit Startup-Millionär Jon und Pathologe Balthasar ist seine Arbeitsmoral deutlich besser als zu Kripozeiten. Die Kripo München vermisst ihn aber auch nicht und sein Ex-Chef Naumann und sein Ex-Partner Danilo sind froh, wenn sie ihn nicht sehen. Doch das ändert sich, als eine junge, namenlose Tote erdrosselt in einer leeren Wohnung eines neuen Häuserblocks gefunden wird. Zur Tatzeit ist auf den Überwachungsbändern ausgerechnet Nik Pohl zu sehen. Anonyme Hinweise geben den Zweien sogar den Tipp, in Niks Kofferraum nachzuschauen. Computerwiz Jon schlägt Alarm, aber das ist nicht alles. Niks Brieftasche mit einem Foto der Toten und einer Aufnahme der Ermordung werden im Fundbüro abgegeben und nun wird mit Hochdruck nach ihm gefahndet. Doch so einfach ist es nicht, es meldet sich jemand, der die Tote zu kennen behauptet und das deckt sich nicht mit Niks Ermittlungen. Welch schräges Spiel geht hier ab? Irgendjemand scheut keine Kosten, um Nik fallen zu sehen, während jemand ganz anderes ihn unbedingt in die Aufklärung eines kalten Falles hereinziehen will. Wollen sich Jon, Balthasar und Nik in noch einen Fall hineinziehen lassen?

Dieser Fall zieht Nik nicht nur in die Armutsviertel unter den Brücken von München, sondern auch in die Welt der Auftragskiller und der Schönen und Reichen und Mächtigen von München. Irgendjemand scheint sich ganz schön auf den Schlips getreten zu fühlen. Da Nik nicht immer feinfühlig ist, kommen da so einige in Betracht, so dass das kein viel versprechender Ermittlungsansatz ist. Dann doch eher die Identität der Toten, die viel zu jung war, um so benutzt zu werden. Vielschichtig und komplex entwickeln sich diese zwei Fälle und nicht nur Nik schwirrt da bisweilen der Kopf, dem aber auch mal wieder einiges zugemutet wird. Ganz klar sind seine Ermittlungen nicht gut für seine Gesundheit! Wer immer dahinter steckt, ist eiskalt und skrupellos, unglaublich reich und ausgesprochen gut vernetzt. Nik wird nun von mindestens zwei Seiten gejagt und die Fahndung der Polizei ist da fast noch sein geringstes Problem.

Auch dieser Fall ist hart und rasant. Nichts für schwache Nerven, denn es gibt mehr als nur die eine Tote. Einige der Opfer lernt man sogar näher kennen und schätzen, da nimmt man nicht gerne Abschied, das geht auch dem ermittelnden Gespann so.
Ich finde die technischen Spielereien von Jon immer unglaublich faszinierend, während Nik so eher eine One-Man-Kampfmaschine ist, trotz seiner nicht immer artgerechten Ernährung. Nik und Co. halten sich nicht immer ans Gesetz, auch wenn sie es kennen und sich daher auch bemühen, ihre Ergebnisse so zu präsentieren, dass sie nachher gerichtsverwertbar sind. Legal sind ihre Methoden trotzdem nicht immer, wobei sie diesmal auf einige sehr gebildete Menschen treffen, die dies dennoch nicht sonderlich stört.

Nik ist der Typ einsamer Wolf, kein Frauenschwarm, dazu hat er auch keine Zeit, keinen Nerv und ist viel zu selten unversehrt. Romantik kann man von seinen Fällen nicht erwarten, auch wenn er Emotionen kennt und er mit Wehmut bisweilen zurückdenkt. Anders als seine Gegner ist er kein eiskalter Killer, nur ein nicht immer gesetzestreuer Ermittler, der nicht locker lässt. Daher kann man auch bei diesem Fall sicher sein, dass es richtig spannend wird. Selbst wenn man gegen Ende schon eine Ahnung von dem „wer“ und „warum“ hat, so ist das Tempo so hoch und die Spannung zum Zerreißen, dass es mich nicht gestört hat. Etwas wehmütig war ich allerdings schon, weil auch einige interessante Personen ihr Leben für die Suche nach Erkenntnis und Gerechtigkeit lassen mussten. Was mir gut gefiel: Nik, ist Unkraut und vergeht nicht, aber das heißt nicht, dass er nicht ganz schön lädiert wird. Das macht ihn deutlich glaubwürdiger. Irgendwie mag ich diese schräge Truppe, trotz all ihrer Gesetzesüberschreitungen.... Dieser Folgeband ist ohne Vorkenntnisse gut verständlich, auch wenn es kurze Hinweise auf die bisherigen Bände gibt. So fand ich den Einstieg in diesen Fall deutlich einfacher, als bei seinem ersten Auftrag.

Alexander Hartung kommt aus Mannheim, lässt seine eigenwilligen Ermittler aber selten dort ermitteln, sondern lieber in Berlin oder München. Seine Selfpublishing-Thriller sind mittlerweile so erfolgreich, dass sie sogar vertont werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.06.2020

Lauf für Deine Chance!

Patina
0

Patina ist gerade überall die Neue. In der Chester Academy, der feinen Schule für fast nur weiße Schüler und in ihrem Laufteam den Defenders, gefühlt aber auch in ihrem eigenen Leben. Sie ist 15 Jahre ...

Patina ist gerade überall die Neue. In der Chester Academy, der feinen Schule für fast nur weiße Schüler und in ihrem Laufteam den Defenders, gefühlt aber auch in ihrem eigenen Leben. Sie ist 15 Jahre alt und vor fünf Jahren starb plötzlich ihr geliebter Vater, er wachte morgens einfach nicht auf! Dabei war er so voller Lebensmut, er war gerade dabei sich seinen Traum zu erfüllen und Konditor zu werden! Ihrer Mutter ging es schon vorher nicht ganz so gut, sie hatte Taubheitsgefühle in den Füßen. Aus Frust über den Verlust futterte sie jede Menge süßes Gebäck und erst mussten ihr wegen der Diabetes die Zehen amputiert werden, dann die Füße und schließlich die Unterschenkel. So konnte sie ihre zwei Töchter nicht mehr alleine versorgen und Patti und ihre kleine Schwester Maddy wurden liebevoll von ihren Paten, Onkel Toni, dem Bruder ihres Vaters und seiner weißen Frau genannt Marmie aufgenommen. Beide geben sich unglaublich viel Mühe mit den Mädchen, aber so ganz ohne ihre Freunde und in der Gewissheit, dass es ihrer Ma immer schlechter geht, ist es nicht einfach. Immerhin ist in ihrem Laufteam auch Sunny, der auch in ihrer alten Schule war. Im Team sticht sie farblich nicht heraus, aber wird sie es auch schaffen eine Teamplayerin für die 4 x 800 m – Staffel zu werden und sich unter ihren aufgetakelten Mitschülerinnen zu behaupten?

Ich bin mir meiner Hautfarbe meistens nicht bewusst. In ihrer Kindheit in ihrem „normalen“ Viertel und auf der staatlichen St. Barnabys Middle School mit überwiegend farbigen Schülern, war dies für Patina auch kein so großes Thema. Sie fühlte sich gut und vor allem normal. Sie waren nicht reich, nicht arm, das Leben hielt für sie Chancen und Hoffnungen bereit. Nun ist es ein ständiger Kampf. Ihr Kopf ist voll gestopft mit To-Do-Listen! Sie will ihre Ma nicht enttäuschen, Onkel Toni und Marmie, die sie so liebevoll aufnahmen, auch nicht, im Team will sie siegen und in der Schule den Anschluss nicht verlieren. Das letztere ist ganz schön schwierig, wenn alle sich schon seit dem Kindergarten kennen und strahlend weiß sind. Alle sind strahlend und geschminkt, was ihre Ma ihr verbietet. In der Cafeteria sitzt sie stets allein und nun sollen sie für Geschichte ein Gemeinschaftsprojekt bearbeiten zum Thema: Frauen, die die Welt veränderten. Die ganze Gruppe bekommt eine gemeinsame Note und sie braucht eine gute Note, damit alle auf sie stolz sind! Ausgerechnet sie ist mit den hohlköpfigen Taylors und der für sie nicht einschätzbaren Becca in einer Gruppe! Ihr Thema und das was sie dazu herausfinden, finde ich übrigens sehr interessant und auch mir war nicht alles bekannt, obwohl ich mich mit ihr bereits beschäftigt habe.

Für Patina ist das Leben nach einer glücklichen Kindheit zu einem einzigen Kampf geworden. Dabei bekommt sie eine gute Ausbildung, hat ein liebevolles Dach über dem Kopf, es fehlt ihr scheinbar an nichts, außer an innerer Ruhe! Der Verlust hat sie stark geprägt und gezeichnet. Für mich unvorstellbar. Patti bezeichnet ihr früheres Leben, als normal, sie waren nicht arm und nicht reich. Scheinbar aber nicht gut medizinisch versorgt, ein ganz typisches Problem der schwarzen Bevölkerung, nicht nur in Amerika, auch im Vereinigten Königreich sind sie von den schweren Folgen von Corona ganz besonders betroffen, wegen der schlechten medizinischen Grundversorgung. Dass die Mutter wegen Diabetes schon in jungen Jahren die Beine verliert, für mich hier unvorstellbar. Dann muss sie auch noch zweimal die Woche ins Krankenhaus zur Dialyse!Ein Albtraum! Das Thema Diabetes in der schwarzen Bevölkerung geht derzeit oft durch die Medien, keine ausreichende Versicherung, Obama Care soll abgeschafft werden... Aber hier kam ich ins Grübeln. Wenn sie sich kein Insulin leisten kann, wer bezahlt dann die teure Dialyse und die Amputationen? Das wird leider überhaupt nicht angesprochen. Vielleicht war dies für den Autor so selbstverständlich und normal, dass er es nicht der Erwähnung wert fand, vielleicht fiel dies den geringen Kürzungen zum Opfer, vielleicht wurde es für die Zielgruppe als zu langweilig eingestuft? Mich würde es brennend interessieren, das Gesundheitssystem finde ich spannend.

Patina wächst völlig anders auf als Ghost, viel behüteter und doch auch voller Elend. Ihre Normalität, ist sicherlich nicht die meiner blonden Töchter. Für Patina ist Leben ein Kampf und jetzt kämpft sie gerade mit sich. Sie ist das Kämpfen so gewohnt, dass das Spielerische fehlt, sie ist kein Teamplayer, ein Versorger ihrer Schwester ja, aber wenn sie verliert, kennt sie keine Verwandten mehr! Selbst der zweite Platz ist kein Sieg, sondern eine Niederlage. Ihr Trainer erkennt es und nimmt sie hart heran. Dabei greift das Trainerteam zu ungewöhnlichen und für die Jugendlichen peinliche Maßnahmen. Doch sie wirken!

Pattis Leben ist für mich unvorstellbar. Wenn was ist, geht man zum Arzt. Medikamente, die man benötigt, sind bezahlbar. Elite-Schulen nur für einen Teil der Bevölkerung, haben wir hier fast gar nicht. Für mich ist es wohl ebenso fremd, wie Ghosts täglicher Kampf ums Überleben. Patti kämpft darum jung zu sein. Apropos Ghost, seine Geschichte endete vor seinem großen Lauf, was ich ziemlich frustrierend fand, hier erfährt man, wie er endete. Ich war sehr froh, dass dieser Erzählstrang wieder aufgegriffen wurde. Allerdings endet Patinas Geschichte ähnlich abrupt und man muss Sunnys Story folgen, um zu erfahren, wie es mit ihr weiter geht.

Patinas Leben ist nicht so, wie wir uns das Leben der schwarzen Comunity in den USA vorstellen. Daher hätte ich mir z.T. mehr Erklärungen gewünscht. Wie wird die teure Privatschule für Patti und Maddy bezahlt? Nur weil ihre Tante weiß ist und einen weißen Krankenhauskittel trägt, ist sie nicht automatisch reich. Heißt die Farbe des Kittels, dass sie Ärztin ist? Woher nimmt sie die Zeit, sich auch noch um die Schwägerin zu kümmern und warum schritt sie dann nicht früher ein? Klar, Patina wird fürs Studium ein Stipendium benötigen und da ist das Laufleistungsteam der beste Weg. Aber das wird leider nicht angesprochen. Es wird immer nur betont, dass sie bessere Noten braucht, aber warum? Das fehlt mir, da fand ich Ghost einfach schlüssiger, dabei hat mich der Einstieg mit dem Eintauchen in Pattis Leben echt erschüttert und die Einblicke in die ihrer Mitschülerinnen ließen mich bisweilen schadenfroh grinsen.

Jodie Leslie Ahlborn mag ich als Sprecherin sehr gerne. Sie hat mich auch diesmal nicht enttäuscht, sie klingt jung, bisweilen etwas zickig, bockig, teeniehaft eben und dann wieder wild entschlossen oder desillusioniert. Doch habe ich beim Hören nie vergessen, dass sie weiß ist. Dafür ist sie mir einfach zu bekannt. Die Illusion, farbig zu sein, konnte sie mir nicht vermitteln. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Sprechergenre in Deutschland noch viel blassgesichtiger ist, als die Schauspielerriege. Warum? Keine Ahnung! Klar, Stimmen haben keine Hautfarbe, aber wenn ein Sprecher so bekannt ist, wie Jodie Ahlborn, hat man oft auch ein Gesicht vor Augen, wenn man nicht ganz tief in der Geschichte versinken kann. Hier wurde ich nicht von der mangelnden Qualität der Sprecherin abgelenkt, sondern durch Grübeleien über das Schul- und Gesundheitssystem und deren Finanzierung. Wer bezahlt die Dialyse? Wer bezahlt die Schule? Bei Ghost war klar: es gibt kein Geld für nix! Und er hatte auch nichts. Bei Patina ist es anders, komplizierter, aber wie? Nun bin ich Juristin und interessiere mich für solche Dinge, die Zielgruppe ab 12 Jahren wohl eher weniger... das kann der Grund dafür sein, warum diese Themen nicht so ausgebreitet werden, denn oft liegt in der Kürze die Würze. Im Mittelpunkt steht eine andere Art von Armut. Die Diskriminierung im Gesundheits- und Bildungssystem und die Bedeutung die Leistungen im Sport in den USA haben (Danke, dass ich hier geboren wurde!).

Jason Reynolds weiß, wovon er erzählt. Er ist aktuell einer der wichtigsten jungen, schwarzen Autoren der USA. Er studierte Literaturwissenschaften und kreatives Schreiben. Er hat nicht nur etwas zu erzählen, was es unbedingt wert ist gehört zu werden, er vermag es auch so zu schildern, dass man einfach zuhören muss!

Für alle die fürchten, dass eine Geschichte über ein Laufteam langweilig ist: Nein, das ist sie ganz und gar nicht. Hier bekommen junge Hörer/Leser Einblicke in eine für uns fremde, unvorstellbare Welt. O.k. Wir haben im Laufe der Corona-Krise gelernt, dass wir in Deutschland mit unserem Gesundheitssystem gesegnet sind und die gute Versorgung auch in Europa nicht selbstverständlich ist, aber das ist für uns wohl immer noch außerhalb des Denkbaren, was Pattis Familie geschieht. Auch die schulischen Ungleichheiten, sind in den Bundesländern, in denen es viele Privatschulen gibt wie z.B. NRW und Hessen für mein Empfinden nicht so krass. Eine sehr wichtige Reihe, um den Nachwuchs spüren zu lassen, was die Menschen auf die Straßen treibt, um für mehr Gerechtigkeit und das Recht auf Leben, für jede Hautfarbe zu demonstrieren!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.06.2020

Da bekommt man Lust selbst kreativ zu werden!

ART PLAY – Das Spiel mit Kunst
0

Dieses Buch kam an und meine Jüngste stürzte sich sofort darauf, magisch angezogen!

Ein Buch das inspiriert und zeigt, dass Kunst nicht nur das ist, was viele Erwachsene sich darunter vorstellen, sondern ...

Dieses Buch kam an und meine Jüngste stürzte sich sofort darauf, magisch angezogen!

Ein Buch das inspiriert und zeigt, dass Kunst nicht nur das ist, was viele Erwachsene sich darunter vorstellen, sondern oft auch einfach der spielerische Umgang mit Formen, Farben, Strukturen und Materialien. Viele Seiten laden zum sofortigen Ausprobieren und Malen ein, direkt ins Buch, andere zeigen was möglich ist. Dabei weist das Buch folgende Struktur auf: Zeichnen (Linien, Ausmalen, Schattieren, Nachzeichnen, Perspektive, Reibebilder, Kritzeleien), Farbe (Primärfarben, Farbkreis, Komplementärfarben, Farbe und Stimmung), Formen (Kreise, Quadrate, Rechtecke Punkte, Dreiecke), Malen (Wasserfarben, Stifte, Tropfen, Vermischen, Kleckse, Sgraffito, Abdrücke), Papier (Collage, Origami, Kirigami, Buntpapier, Pappfiguren, Fotomontage), Drucken (Modelldruck, Kohlepapier, Fingerdruck, Marmorieren), Muster (Texturen, Mosaikmuster, Blätter, Labyrinthmuster, Endlosmuster, Kreisel).

Das findet meine Jüngste 5./6. Klasse: super, das kann ich mir stundenlang anschauen und das will ich alles ausprobieren. Darf ich? Darf ich auch reinmalen – Schaumal das ist extra zum Ausprobieren! Das Marmorieren möchte ich zuerst ausprobieren, das sieht so schön aus!

Das meint der Museumspädagoge und Realschulkunstlehrer: Viele tolle Ideen! Es ist viel dabei, was ich mit Besuchergruppen im Museum umsetzen kann oder auch demnächst mit meinem neuen Fünftklässlern ausprobieren kann. Habe ich mir gleich selbst gekauft, Du willst Dein Buch ja wieder haben!

Das meint seine Frau, die Gymnasialkunstlehrerin: Wer ist denn die Zielgruppe? Das ist ja ganz viel Stoff von dem was wir im 5. und 6. machen und wovon ich ganz ähnliche Arbeitsblätter zu Hause habe. Für Kleine alleine ist das aber zu schwierig und wenn die das dann alles schon mit ihren Eltern zu Hause machen, was sollen wir dann mit den Kindern machen?

Das meine Ich: naja, gut, den Farbkreis haben meine Kinder im 5. Schuljahr gemacht und teilweise auch im 6. wieder dank eines Lehrerwechsels und auch ich schon. Macht aber nichts, das passt immer und ist hier wirklich schön aufbereitet. Aber das meine Kinder das alles in der Unterstufe gemacht hätten, kann ich nun wirklich nicht behauptet. Hier sind viele tolle kreative Ideen für jeden der den Rausch der Farben kennt und liebt. Nicht alles ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Autorin möchte, dass man das Buch akribisch von vorne bis hinten durcharbeitet. Es inspiriert und regt zum Ausprobieren an, dazu seinen eigenen Ideen freien Lauf zu lassen und auszuprobieren wozu man Lust hat, dabei findet man dann viele tolle hilfreiche Tipps und Kniffe. Alles ist möglich, nichts ist verboten, es soll einfach Spaß machen und gefallen. Es gibt kein richtig oder falsch. Ich stimme meiner Tochter zu, dass ich es unglaublich ansprechend gestaltet finde. Es fasst sich angenehm an, ist dick und doch recht leicht und die Gestaltung finde ich ungewöhnlich und frisch. Hiermit schafft es jeder, sein Haus mit Originalen zu schmücken, statt Kunstdrucke von IKEA zu kaufen. Ist stressfreier und macht mehr Spaß, gemeinsam oder alleine.

Die schottische Autorin Marion Deuchars ist eine renommierte Künstlerin und Grafikerin, deren Handschrift man in vielen Werbeanzeigen von Samsung bis HP wiedererkennt. Handschriften sind dabei ihr Markenzeichen, das sich auch in diesem Buch auf jeder Seite wiederfindet.

Fazit: die Anforderungen an Kunst sind ganz unterschiedlich, wahrscheinlich auch je nach Erwartungshorizont. Wir finden es sehr ansprechend, wollen aber auch keine Schulnoten für unsere Werke und sind da ganz entspannt. Hauptsache uns gefällt es und wir haben Spaß dabei! Das ist hier garantiert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil