Profilbild von danielamariaursula

danielamariaursula

Lesejury Star
offline

danielamariaursula ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit danielamariaursula über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2020

Sehr cool, auch für Mütter, Töchter und Lehrer

TheDadLab - Mit Papa coole Sachen machen - 40 einfache und witzige Experimente
0

Tja, um cool zu sein, muss man kein Superstar sein, man kann sich als Eltern auch einfach was einfallen lassen, oder auf die Fragen seiner Kinder achten und sie fantasievoll beantworten, so wie der Wirtschaftswissenschaftler ...

Tja, um cool zu sein, muss man kein Superstar sein, man kann sich als Eltern auch einfach was einfallen lassen, oder auf die Fragen seiner Kinder achten und sie fantasievoll beantworten, so wie der Wirtschaftswissenschaftler Sergei Urban, als Vollzeitvater zweier Söhne. Wie sie die Welt betrachten und in Frage stellen, gibt ihm Anlass die Mechanismen hinter den Phänomenen zu hinterfragen, zu recherchieren und wenn möglich, mit einfachen Mitteln aus dem Küchenschrank zu reproduzieren und erklären. Er lebt mit seiner Familie in London und betreibt sehr erfolgreich auf YouTube, Twitter, Instagram und Facebook @TheDadLab, wo er mit seinen Söhnen stetig Neues ausprobiert. Das Buch ist ursprünglich auf Englisch erschienen und es ist so erfolgreich, dass dort sogar bereits ein Nachfolgeband mit 50 Experimenten (10 davon sind neu) erschienen ist, allerdings wohl mit Illustrationen statt der wirklich hochwertigen Fotografien.

Auch wenn Sergei Urban betont, dass er weder Lehrer noch Forscher ist, ist dieses Buch super anregend nicht nur für Eltern, sondern auch für Lehrer. Viele dieser kleinen Experimente ab 4 Jahren lassen sich auch gut in den Schulalltag integrieren. So z.B. der Kohlenstoffdioxid- Feuerlöscher im Sachunterricht beim Thema Feuerwehr. Da werden nicht nur Jungsaugen strahlen, sondern alle Kinder der Klasse, werden diese Unterrichtsstunde ganz sicher nicht vergessen. Es ist einfach beeindruckend, wenn man Kerzen durch ein Gas, also optisch durch nichts, löscht. Mein Mann als Oberlehrer (also Ausbilder u.a. für inklusiven Unterricht auch für Sachunterricht) war von diesen Experimenten ebenso angetan, wie meine Grundschullehrerfreundin. Ich hatte vor allem geplant, mal interessante gemeinsame Abwechslung für die Ferien zu finden, für meine forschungsfreudige Jüngste. Diese Experimente sind zwar bereits ab 4 Jahren, es heißt aber nicht, dass sie nicht auch ältere Kinder zum Staunen bringen können. Bei Älteren könnten nur einige der Vorschläge bereits bekannt sein, wie in unserem Fall der Grasigel, den wir als Kresseigel bauten, oder die eingefrorenen Dinos, die für den besten Kindergeburtstag bei meiner Freundin sorgten. Die Experimente funktionieren also tatsächlich. Oft gibt es auch Alternativen, so haben wir auch schon riesige Seifenblasen mit Eimer und Wollschnüren geschaffen, ohne, dass es eines Plantschbeckens und eines Hulahoop-Reifens bedarf. Es ist aber für kleine Kinder in der Tat sehr beeindruckend, wenn ein Kind im Pool stehend in eine riesige Seifenblase gehüllt wird. Allerdings eher ein Effekt für die Sommerferien, im Winter sind dann die eingefrorenen Dinoeier praktischer, oder mit Wollschnüren kann man die gesamt Geburtstagsgesellschaft gleichzeitig riesigen Seifenblasen testen lassen.. Richtig schnell einfach und für Kinder ein riesiger Spaß ist der auch der Glibberschleim mit Wasser und Speisestärke. Ja, es gibt ausgebufftere Rezepte für Ältere, aber dieses ist schneller und gerade darin liegt der Reiz für die Kleinen. Auch finde ich es sympathischer als tubenweise Kleber und Kontaktlinsenmittel zu „verschwenden“ und deutlich günstiger. Bis auf Lebensmittelfarbe und durchsichtiger Einwegbechern hat man eigentlich alles schon zu Hause, was man benötigt. Ach ja, statt Glycerin kann man auch Tapetenkleister für die Superseifenblasen benutzen. Den haben wir genau zu diesem Zweck tatsächlich immer im Haus.

Sehr schön finde ich, dass für die Experimente nur Alltagsgegenstände benötigt werden und sie nicht aufwendig oder zeitintensiv sind. Dadurch funktionieren sie auch bei kleineren Kindern mit kürzerer Konzentrationsspanne und sie lassen sich eben gut in den Schulalltag integrieren.

Die Erklärungen sind gut verständlich und die Fotos machen neugierig. Man nimmt das Buch in die Hand und hat sofort Lust es nachzumachen. Die Fotos und Erklärungen sind sehr ansprechend gestaltet. Außerdem werden immer wieder Anregungen gegeben in welche Richtung weitere, aufbauende Experimente geführt werden könnten.

Dieses Buch soll vor allem eins: zeigen, dass man auch mit kleinen Kindern schon richtig erstaunliche Phänomene aus dem Küchenschrank hervor kitzeln kann und die Neugier für Wissen und Wissenschaft wecken! Es ist sind aber auch viele Ideen dabei, mit denen man bei Kindergeburtstagen richtig Eindruck schinden kann. Kinder lieben solche Aktionen! Wenig Aufwand, großer Effekt und bleibt länger im Gedächtnis als noch ein Tag im Indoorspielplatz....

Von erfahrenen Eltern, Lehrern und Kindern geprüft und empfohlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2020

Sehr vielschichtig

Schneetänzer
0

Jacob ist 18 und steht mitten im Abitur. Danach möchte er Musik und Englisch studieren. Er lebt mit seiner Mutter und seinem jüngeren Halbbruder beim Stiefvater einem Schweinemäster. Mit diesem versteht ...

Jacob ist 18 und steht mitten im Abitur. Danach möchte er Musik und Englisch studieren. Er lebt mit seiner Mutter und seinem jüngeren Halbbruder beim Stiefvater einem Schweinemäster. Mit diesem versteht Jacob überhaupt nicht. Er lehnt ihn und seine Methoden so sehr ab, dass er Vegetarier wurde. Im Streit wirft dieser ihm an den Kopf, dass sein Vater ein versoffener Indianer sei, der ihn fast umgebracht habe. Von der einst besten Freundin seiner Mutter erfährt er mehr und bricht in den Osterferien Hals über Kopf von seinen letzten Ersparnissen in den Norden Kanadas auf, um seinen Vater und seine Wurzeln kennen zu lernen. Doch sein Vater ist nicht in seinem Haus, sondern in einem einsamen Camp für Jugendliche, die auf die schiefe Bahn gerieten. Die Fahrt dorthin verläuft nicht wie geplant und so irrt er alleine durch die verschneite Einsamkeit, bis er auf einen Eisbären trifft, der ihn schwer verletzt. Zum Glück hat ein Wolfshund die Gefahr gewittert und ein alter Einsiedler rettet ihn und nimmt ihn auf.

Autorin Antje Babendererde liegt das Schicksal der amerikanischen Ureinwohner sehr am Herzen und thematisiert es daher nach eingehenden Recherchereisen in ihren Liebesromanen für Jugendliche. Ich schreibe Ureinwohner, da ich persönlich sonst immer an den Wilden Westen denke, doch spielen ihre Romane mal an der mexikanischen Grenze, mal ihm hohen Norden. Die Entwurzelung und das Fehlende Verständnis für ihre alte Kultur durch die Siedler verbindet alle diese naturnahen Stämme, die von der Jagd und somit von Fleisch leben. Es ist aber gerade keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei, sondern eine wichtige Energie und Nahrungsquelle in bisweilen sehr unwirtlichen Gegenden. Mit diesen Gedanken wird Jacob sehr interessant konfrontiert. Mit dem respektvollen Umgang mit Tieren, mit der nachhaltigen Jagd, im Gegensatz zur qualvollen Massentierhaltung. Der Gedanke, dass Luxus sein könnte, auf Fleisch zu verzichten, ist Jacob völlig fremd. Ebenso wie der Gedanke Eichhörnchen oder Bisamratteneintopf zu essen. Diesen respektvollen Einblick in diese wenig bekannte Kultur und ihre Probleme in den an den Rand gedrängten Reservaten fand ich sehr interessant. Natürlich werden auch die bekannten Probleme wie Alkohol und Drogen, die Herablassung der Weißen thematisiert, sonst wäre das Portrait auch nicht gründlich.

Erzählt wird dieser Überlebenskampf in der Wildnis und Kampf mit der eigenen Identität meistens aus Jacobs Sicht, der hier hoch im Norden Dinge über sich und seine Familie erfährt, die ihm aufgrund eines unfallbedingten Gedächtnisverlusts, entfallen waren. Er staunt und wundert sich, was seine Mutter ihm noch alles verschwiegen hat und sein leiblicher Vater wird ein immer größeres Rätsel. Ganz wie diese ihm völlig fremde Kultur, von deren Regeln und Glauben er keine Ahnung hat. Aleksandar Radenkovic liest ihn mit viel Gefühl mit einer jungen Stimme, die so viel Verletzlichkeit und Unsicherheit auszudrücken vermag, dass es den Hörer in seinen Bann zieht. Carla Swiderski übernimmt die Gedanken von Kimi, dem Mädchen, dass ihn in der Wildnis gesund pflegt und seine Wunden mit Zahnseide näht und dabei Jacobs Gefühlswelt völlig auf den Kopf stellt. Sowohl Jacob, als auch Kimi sind schwer traumatisiert. Es verbindet sie aber auch mehr, als ihr Cree-Aussehen. Beide haben schwer unter der neuen Partnerwahl ihrer Mütter gelitten und einen schwere Unfälle hinter sich, die sie für das Leben zeichneten. Kimi durch schwere Brandnarben und Jacob hat die Erinnerung an seine vier ersten Lebensjahre und somit an seine Herkunft vergessen. Hinzu kommen unerklärliche Krampfanfälle, die an Epilepsie erinnern, aber wohl seelischen Ursprungs sind. Das Mädchen, das sich in der Wildnis verkrochen hat, um den Einklang mit sich und der Natur zu finden und die Dämonen der Vergangenheit hinter sich zu lassen, zieht ihn unwiderstehlich an. Doch sie spottet über ihn. Ist es ein Schutzmechanismus, um nicht wieder verletzt zu werden? Sehr behutsam und nachvollziehbar wird auch die Liebesgeschichte, die scheinbar keine Zukunft hat, erzählt. Die Anziehung besteht seit dem ersten Blick, aber die Gefühle wachsen, mit dem Kennenlernen, mit Zögern und Zweifeln und Hindernissen. Welcher 18 Jährige ist denn auch schon so gefestigt, dass er über jeden Zweifel erhaben ist?
Bei allem Respekt für das Leben in der Natur und die alten Fertigkeiten, bin ich der Autorin sehr dankbar, daß sie Jacob nicht alles hinwerfen lässt, sondern ihn sein Abi im Auge behalten lässt. Natürlich ist das Abi kein Garant für irgendwas, wenn sich die Pläne jedoch erneut ändern, kann es nützlich sein, einen guten Schulabschluss zu haben und daran zweifelt Jacob auch nie. Hinwerfen ist für ihn kein Thema, auch wenn die Träume sich ändern, die Albträume, so wie seine Wünsche. Das empfinde ich als ganz starkes Signal: beendet, was ihr angefangen habt, sofern es in Euren Möglichkeiten liegt.

Eine schöne und ausgewogene Kombination aus Wünschen, Träumen, Plänen, Gefühlen und dem Wandeln zwischen Vergangenheit und Zukunft. Denn jede Zukunft ist auch von der Vergangenheit geprägt. Dabei liegt es in der Hand des Einzelnen das Beste daraus zu machen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2020

Zum Immerwiederhören

Royals
0

Die 17 jährige Daisy wächst in einem unbedeutenden, aber einst schillernden Städtchen in Florida auf. Ihr Vater ist Engländer und war mal 11 Monate lang ein Popstar, der das Wembley-Stadion füllte, dann ...

Die 17 jährige Daisy wächst in einem unbedeutenden, aber einst schillernden Städtchen in Florida auf. Ihr Vater ist Engländer und war mal 11 Monate lang ein Popstar, der das Wembley-Stadion füllte, dann kam der Absturz, Drogen, Entzug, bis er ihre Mutter kennen lernte, eine Journalistin. Diese schreibt nun in Florida Krimis. Neben der High School arbeitet Daisy an der Supermarktkasse mit ihrer besten Freundin Isabelle. Seit einem Jahr planen die zwei einen Trip nach Key West zu einer Bücherconvention. Doch aus diesem Traum wird für die leicht nerdige Daisy nichts. Denn ihre ältere Schwester Ellie ist mit Alex, dem Thronprinzen von Schottland liiert. Überraschend sind die zwei angereist um der Familie ihre Verlobung bekannt zu geben. Damit Daisy sich schon mal an ihre neue Rolle im Dunstkreis der Royals gewöhnt, soll sie den Sommer in Schottland verbringen. Irgendwie scheinen alle zu erwarten, dass Daisy und der ebenfalls 17 jährige Prinz Sebastian anbandeln. Doch der gutaussehende Prinz, ist nicht nur charmant und wild, er hat auch immer gleich eine Horde ebenso lauter Freunde um sich herum, die sogenannten königlichen Chaoten. Der ärmste und unbedeutendste von ihnen, Miles, wird ihr als Berater zur Seite gestellt, damit sie nicht von einem Fettnäpfchen ins andere tritt. Doch wenn man stets die Presse auf den Fersen hat, lässt sich das bei Daisy kaum vermeiden.

Zugegeben, anfangs war ich etwas irritiert, als die Geschichte an der Supermarktkasse begann. Von der Supermarktkasse in die königliche Familie, das schlägt noch die Fernsehmoderatorin, die Volleyballerin, Schauspielerin oder die persönliche Einkäuferin... Aber es stellt sich ja auch alles, etwas anders da. Die Tochter des Ex-Popstars, soll auch arbeiten und nicht verwöhnt aufwachsen.

Was ich sehr mag, ist dass Daisy zwar immer wieder irgendwelche Pleiten, Pech und Pannen unterlaufen, aber nicht aus Dusseligkeit. Es liegt nicht immer an ihr, es liegt oft an der Entourage, den ewig nervenden Kameras, dem Versuch ihnen zu entkommen oder die Fakten werden einfach von der Hofberaterin verdreht. Besser Daisy steht als Sündenbock da, als ein Mitglied der königlichen Familie!

Man bekommt herrliche Einblicke in die Maschinerie hinter königlichen Familien. Dem Ausmaß an Organisation dahinter, was wirklich geschieht und was die Presse, auch mit Hilfe der Hofberichterstatter, daraus machen. Denn zwischendrin gibt es immer wieder Auszüge aus der Klatschpresse und royalen Blogs, deutlich gekennzeichnet durch den Wechsel von Daisy's Ich-Perspektive in die vermeintlich allwissende dritte Person und dem Stimmwechsel bei Fanny Bechert, der dann gleich beifallheischend und reißerisch klingt. Das ist sehr amüsant.

Daisy bekommt Zeit für persönliche Entwicklung und nicht nur sie, sondern auch die übrigen Personen um sie herum. So versteht man nicht nur den Gesellschaftsapparat sehr gut, sondern auch die Motivation hinter einigen Strategien und die Reaktionen der Protagonisten. Die Liebesgeschichte hat viel Zeit sich glaubhaft zu entwickeln. Ich mag es überhaupt nicht, wenn zwei Protagonisten sich ansehen und sofort entflammt sind. Hier ist es nicht so. Daisy ist anfangs völlig überfordert von der Vielzahl an neuen Menschen die sie trifft, den Erwartungen die an sie gestellt werden und den Aufgaben, die auf sie zukommen. Immerhin hat sie sich ein Leben im royalen Dunstkreis nicht ausgesucht. Dies ist ein Jugendroman ab 14 Jahren. Es geht um zarte Gefühle und Gefühlswirren, nicht um lodernde Leidenschaft. Was ich absolut altersangemessen finde. Ich bin auch sehr froh, dass bei den Exzessen der königlichen Chaoten, diese sich lediglich betrinken und knutschen, aber keine Drogen konsumiert werden. Da wird deutlich auf das Alter der Leserschaft Rücksicht genommen.

Es ist eine wirklich süße Liebesgeschichte, die auch wegen der komplizierten Umstände, in denen sich die zwei kennenlernen, Zeit braucht. Aber ganz besonders hier gilt für mich: der Weg ist das Ziel. Es macht einfach Spaß Daisy durch diesen turbolenten königlichen Sommer zu begleiten, von einem gesellschaftlichen Highlight, das sich als Albtraum entpuppt, zum nächsten. Es gibt so viel, was schief gehen kann und Daisy stellt irritiert fest, dass sie immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Man erhält sowohl Einblick darin, was es bedeutet als Bürgerliche in eine königliche Dynastie herein zu heiraten, aber auch die Veränderungen, die dies für die Familie der Braut bedeuten. Mir tun Meghan, Pippa und Co. Nun noch mehr leid... aber auch die englischen Jungs, die ihre Schulzeit in den Eliteinternaten verbringen. Man baut Freundschaften fürs Leben und Seilschaften auf, aber zu welchem Preis?

Die Geschichte ist locker, flockig mit Liebe zu seinen Figuren erzählt. Auch wenn einige deutlich zu viel trinken, könnte man die CD bereits mit 12 Jahren hören, sofern man mit 12 schon Liebesgeschichten mag. Wobei diese hier keine expliziten Szenen aufweist, es gibt keinen Sex, lediglich Küsse, Händchenhalten, Umarmungen und Gefühle. Da es Daisy ins Land der zurückhaltenden Briten verschlägt, sind es oft Zuckungen der Gesichtsmimik, die die Gefühle verraten, statt großer Gesten oder Worte, was ich aber sehr viel süßer finde. Obwohl die Autorin Amerikanerin ist, zeugt diese Geschichte immer wieder von feinem, trocken britischen Humor. Auch die Liebesbeweise sind zurückhaltender, als ich es zuletzt gehört habe, hier riskiert niemand sein Leben, für eine Angebetete, die man erst wenige Stunden kennt. Wenn, geht es hier um die Ehre, das gesellschaftliche Leben.

Fanny Bechert war mir als Stimme kein Begriff und konnte mich angenehm überraschen. Sie klingt jung, frisch, manchmal verunsichert, irritiert, überfordert.... Daisys Vater gelingt ihr jetzt nicht ganz so überzeugend, aber er spielt ja nur eine Nebenrolle. Insgesamt finde ich sie absolut überzeugend, insbesondere den Wechsel zwischen Daisys Geschichte und den fantasievollen Berichten der Presse und Blogs. Sie schafft es auch, die Gefühle wachsen zu lassen, die aus den kleinen Gesten und Blicken entspringen und nicht aus großem Tamtam.

Es wird im Frühjahr eine Fortsetzung geben, aber nicht aus Daisys Sicht, sondern aus der, von Millie die im Internat das Zimmer mit der königlichen Zwillingsschwester (von Sebastian) Flora teilen muss.

Mich haben Rachel Hawkins und Fanny Bechert über 371 Minuten bestens unterhalten und ich habe jede Minuten davon genossen und gespannt gelauscht. Am Ende war ich einfach glücklich und gutgelaunt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2019

Toller Start, hervorragende Sprecherin, aber dann wird es unglaubwürdig

Todesfalle
0

Karen Rose gilt als Meisterin des Thrillers und da ich die Sprecherin Sabina Godec gerne höre, fand ich es einen guten Grund Karen Rose eine Chance zu geben.

Die 11-jährige Jazzie wurde von ihrer Mutter ...

Karen Rose gilt als Meisterin des Thrillers und da ich die Sprecherin Sabina Godec gerne höre, fand ich es einen guten Grund Karen Rose eine Chance zu geben.

Die 11-jährige Jazzie wurde von ihrer Mutter vom Ferienlager nicht abgeholt, nicht ganz so erstaunlich, seit der Trennung ihrer Eltern vor drei Jahren. Traurig und erschöpft kehrt sie in die kleine bescheidene Wohnung zurück, in der sie seit dem Fortgang des Vaters mit ihrer kleinen Schwester, ihrer Mutter und ihrer Großmutter wohnt, zurück. Doch ihre Mutter hat sie weder vergessen, noch hat sie sich sinnlos betrunken. Sie liegt erschlagen auf dem Wohnzimmerboden, herausgeputzt für die Abschlussveranstaltung des feinen Camps. Als Jazzie Geräusche hört, versteckt sie sich und sieht den Mann, der für ihr Unglück verantwortlich ist. Sie bleibt weiterhin ganz ruhig, um sich und ihre Schwester zu schützen. Fortan, wird sie schweigen.

Die Schwestern kommen in ein Reittherapieprogramm von Staatsanwältin Daphne. Nach und nach fasst Jazzie zu der jungen Praktikantin Taylor Vertrauen, die selbst vor kurzem ihr Mutter verloren hat. In einer Geheimoperation soll Taylor sich mit dem Mädchen zum Eisessen treffen, fernab von den Pferden, die Jazzie Angst machen. Doch so geheim ist der Plan nicht und der Tod der Schwestern und Taylor vom Täter längst beschlossen.

Sabina Godec hat mich nicht enttäuscht. Ihre Stimme ist einfach ein Genuss, in ihrer Wandelbarkeit und Wärme. Sie variiert und betont, so dass es nie monoton wird, sondern sie die Spannung optimal aufbauen kann. Einigen Schwächen des Werkes vermag aber auch sie nicht mehr Tiefe zu verleihen. So verknüpft die Autorin wohl gerne einen packenden Thriller mit einer Liebesgeschichte, wogegen ich nichts einzuwenden habe. Aber hier ging es mir viel zu schnell. Beide jungen Protagonisten sind schwer traumatisiert. Die junge Taylor ist 23 Jahre alt, aber so behütet aufgewachsen, dass sie noch nie einen Freund hatte. Doch kaum trifft sie auf Ford, der seit seiner großen Enttäuschung vor 2 Jahren kein Interesse an Frauen hatte, ist sie entflammt und kann die Finger nicht von ihm lassen. Ford ist so fasziniert von ihrer Nervenstärke und Umsicht, dass er mitten im Kugelhagel die Erektion seines Lebens bekommt. Das halte ich bei einem Kerl Mitte 20 für unwahrscheinlich... Auch ansonsten scheinen hier die X-Men mit am Start zu sein. Staatsanwältin Daphne hat mit Spendengeldern eine Farm für therapeutisches Reiten eingerichtet, auf der sämtliche Helden der vier bisherigen Bände arbeiten. Dies ist sicher ein echtes Schmankerl für Fans der Reihe, aber gerade so geballt auf einem Haufen, fühlt sich der Hörer von so viel Schönheit, Mut, Klugheit, psychologischem Feingefühl, Leidenschaft und wohlgesetzten Dialogen nicht ganz ernst genommen. Alle Liebespaare der vergangenen Bände verzehren sich noch vor Lust aufeinander.... Sorry, ich wollte einen lebensnahen Thriller...keine Fantasien mit rosa Herzchen.

Das Cover und seine schlichte Gestaltung hat mich sofort angesprochen. Auch der Einstieg ist wirklich packend, so dass ich sofort weiterhören wollte und mit den Vorgängern der Reihe geliebäugelt habe. Es wurde mir nur einfach nach einer Weile einfach zu schematisch und vorhersehbar. Dennoch habe ich mich Dank der Interpretin nie gelangweilt. Ich bedauere es nicht es gehört zu haben, unterhalten hat es mich schon, aber dass es aus der Masse positiv hervorsticht, kann ich leider auch nicht behaupten. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass es für Fans der Reihe interessant ist, zu erfahren, was aus den Helden der Vorgängerfälle geschehen ist. Aber dass diese nun alle glücklich und zufrieden wie eine große fruchtbare Familie zusammenleben, absolut politisch korrekt, war mir als Neuling einfach zu viel des Guten. Dabei blieben die Charaktere zudem farblos. Es waren auch einfach zu viele Figuren, um ihnen Tiefe zu geben. Zu oft handeln sie für mich auch nicht nachvollziehbar, insbesondere glaube ich nicht an so innige Gefühle binnen 48 h, denn länger ist dieser Zeitraum der großen Durchbrüche und Emotionen nicht.

Leider konnte mich mein erster Fall von Karen Rose nicht überzeugen. Zu blass blieben die Charaktere, die mich auch nicht zu überraschen vermochten, dennoch war es nie langweilig, weshalb ich das Hörbuch Dank der brillanten Sprecherin als mittelmäßig empfinde.

Ich bedanke mich ganz herzlich für mein Hörrundenexemplar und die Möglichkeit Karen Rose kennenzulernen bei Lübbe audio und der lesejury.

Hier findet Ihr eine Hörprobe:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/thriller/todesfalle/id_7648097

  • Einzelne Kategorien
  • Sprecherin
  • Spannung
  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 31.12.2019

Heldin wider Erwarten

Northanger Abbey
0

Catherine Morland ist jung und ziemlich durchschnittlich. Sie ist als älteste Tochter eines kinderreichen Landpfarrers aufgewachsen, der weder reich noch arm ist. In ihrer Gegend gibt es weder Landadel ...

Catherine Morland ist jung und ziemlich durchschnittlich. Sie ist als älteste Tochter eines kinderreichen Landpfarrers aufgewachsen, der weder reich noch arm ist. In ihrer Gegend gibt es weder Landadel noch sonstige Familien, mit denen sich ein gesellschaftlicher Umgang anbieten würde. Obwohl sie mittlerweile im gesellschaftsfähigen Alter ist, würde ihr Leben unbedeutend weiterlaufen, hätte sie nicht Mrs. Allen, die gutmütige und oberflächliche Gattin des größten Landbesitzers ihrer Heimatgemeinde, ausersehen, sie nach Bath zu begleiten. Catherine, die als Wildfang aufwuchs, ist mit den Gebräuchen der besseren Gesellschaft nicht sonderlich vertraut und leicht zu beeindrucken. Das zeigt sich auch in ihrer Vorliebe für die 1794 so modernen und beliebten Schauerromane. In jeder freien Minute verschlingt sie Udolpho, statt sich mit schicklichen oder lehrreichen Betrachtungen oder Lyrik zu beschäftigen. In Bath kennt ihre Gönnerin anscheinend niemanden und so ist Catherine hocherfreut, als der ebenfalls durchschnittlich ausschauende, aber sehr wohlerzogene Mr. Henry Tilney sie zum Tanz auffordert. Fortan romantisiert sie von ihm, doch er scheint Bath verlassen zu haben. Dafür trifft Mrs. Allen eine liebe Schulfreundin wieder, deren älteste Tochter Isabella, unverzüglich die junge Pfarrerstochter zu ihrer Busenfreundin ernennt. Wohl ahnt sie schon, daß deren Bruder und der ihrige enge Studienfreunde sind.

Dieser Gesellschaftsroman nimmt wie kaum ein anderer von Jane Austens Werken, die Gesellschaft, die Rolle junger Mädchen und den damaligen literarischen Geschmack aufs Korn. Diese Heldin hat eine überschäumende Fantasie und leider ist sie allzu leicht zu beeindruckend. Sie traut ihren Mitmenschen fast nur das Beste zu, auch wenn ihr Verhalten eigentlich das Gegenteil erkennen lässt. In ihrer Unbekümmertheit und Neugierde, war vor über zwanzig Jahren, dies mein Lieblingsroman, einer meiner Lieblingsautorinnen. Doch inzwischen, hat sich mein Geschmack etwas gewandelt. Jane Austens spitze Feder, die sich selbst den Erwartungen an die Rolle von Frauen in ihrer Zeit widersetzte, vermag mich noch immer zu amüsieren. Das große Unrecht, daß der armen Catherine jedoch widerfährt, die anscheinend kaum einer um ihrer selbst willen schätzt (ja, sie hat weder den Esprit von Emma, noch den scharfen Verstand von Eliza Bennett oder das milde Gemüt und treffsichere Urteilsvermögen einer Anne Elliot) stimmt mich etwas traurig. Auch wenn Mr. Henry Tilney und seine Schwester Eleanor sich über diese Schmähung empört zeigen, da sie nicht in Catherine Verhalten oder Wesen begründet sind, sondern einfach auf falschen Erwartungen fußen. Natürlich wandelt sich letztendlich alles zum Guten und die Heldin vertraut den wahren, statt den allzu überschwänglichen und doch wankelmütigen Freunden. Catherine hat ein gutes Herz, aber noch nicht wirklich gelernt, diesem recht zu vertrauen. Das macht sie aber irgendwie umso liebenswürdiger.

Fritzi Haberlandt, die selbst ebenfalls keine klassische Schönheit, aber alles andere als Durchschnitt ist, lässt mit ihrer ironisch, freundlichen Lesung Catherine vor dem geistigen Auge des Zuhörers erwachsen. Etwas spröde, sehr naiv, aber stets bemüht und freundlich, führt Fritzi Haberlandt beschwingt durch das gesellschaftliche Bath und seine Sitten und Gebräuche, um dann in das schaurig schöne und doch eigentlich ziemlich durchschnittliche Northanger Abbey zu entführen. Sie kitzelt mit ihrer Stimme aus diesem Klassiker Catherines Jugendlichkeit und Jane Austens Schmunzeleien über verbreitete Ansichten und Verhaltensweisen ihrer Zeit und ihres Standes hervor und verknüpft sie zu einem vergnüglich-geistreichen Hörerlebnis. Auch wenn es eine eigentlich konventionelle Aschenputtelgeschichte auf den ersten Blick zu sein scheint, macht es die Sprachgewandtheit von Jane Austen und der humorvoll, frische Schwung von Fritzi Haberlandt zu einer zeitlosen und doch kritischen Romanze mit Niveau.

Der Roman wurde sehr feinfühlig gekürzt und auch wenn dieses Hörbuch nur halb so lang dauert, wie die übrigen in ungekürzter Form: Northanger Abbey ist auch als Buch deutlich kürzer als ihre übrigen Werke... Der Geist und der Feinsinn, sowie die sprachliche Eleganz blieben erhalten, auch wenn mich gerade zu Beginn die Übersetzung bisweilen ein wenig die Stirn runzeln ließ. Einige Begrifflichkeiten wirkten auf mich angestaubter als die über 200 Jahre alte Vorlage. Schade, denn im Übrigen lässt diese Umsetzung nichts zu wünschen übrig. Aber, es ist die einzige Übersetzung des Werkes, die ich kenne, da ich die Buchvorlage mehrmals im Original gelesen habe. Dennoch ist es ein äußerst empfehlenswertes Hörbuch und auch zum Einstieg in die Welt des Landadels von Jane Austen geeignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere