Profilbild von dasbuchzuhause

dasbuchzuhause

Lesejury Profi
offline

dasbuchzuhause ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit dasbuchzuhause über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2022

Untypisch überraschend für einen Krimi

Drei
0

Drei Frauen, ein Mann – alle drei Frauen suchen etwas und finden alle drei denselben Mann. Finden sie bei ihm das, was sie suchen oder etwas ganz anderes? Die Wahrheit über sich erzählt er ihnen nicht, ...

Drei Frauen, ein Mann – alle drei Frauen suchen etwas und finden alle drei denselben Mann. Finden sie bei ihm das, was sie suchen oder etwas ganz anderes? Die Wahrheit über sich erzählt er ihnen nicht, allerdings weiß er auch nicht alles über sie.

„Drei“ ist ein ganz ungewöhnliches Buch. Es wird von Anfang an ganz subtil eine Spannung aufgebaut, etwas fühlt sich nicht gut, nicht richtig an. Gil erzählt nicht alles über sich und es ist immer etwas offen, es gibt Zwischentöne, die nicht stimmig sind. Es wird ganz langsam etwas entwickelt, so dass es nicht sofort klar ist, dass es ein Krimi ist.

Und es fällt mir jetzt auch schwer darüber zu schreiben, denn dann würde ich viel zu viel verraten. Es ist sprachlich passend, es gibt Beschreibungen, die sowohl die Situation, die Personen und die jeweiligen Gefühle beschreiben und den Spannungsaufbau unterstützen. Dror Mishani schafft es, genaue Bilder der Charaktere entstehen zu lassen, wie sie leben und was sie denken, wann sie sich unwohl fühlen und wann nicht. Und dies schafft er bei allen drei Frauen und auch bei dem Mann, Gil, der jedes Mal derselbe bleibt.

Es ist ein ganz überraschendes Buch mit überraschenden Wendungen, an mehreren Stellen. Kriminalromane lese ich recht selten, aber bei diesem gefiel mir die Beschreibung und die Rezensionen, die ich darüber gelesen habe. Und ich wurde nicht enttäuscht, es ist ein leiser, aber trotzdem sehr spannender Krimi. Die Geschichte entwickelt sich ganz langsam und wird zum Ende hin immer spannender.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2022

Feine Beobachtungen des Miteinanders

Nebenan
0

Wie leben die Menschen „Nebenan“? Wie viel wissen wir überhaupt über die Menschen, die neben uns oder gegenüber von uns leben? Haben wir überhaupt eine Verbindung zu denjenigen, die ums herum, die nebenan ...

Wie leben die Menschen „Nebenan“? Wie viel wissen wir überhaupt über die Menschen, die neben uns oder gegenüber von uns leben? Haben wir überhaupt eine Verbindung zu denjenigen, die ums herum, die nebenan leben oder leben wir nur nebeneinander her und sind uns fremd?

In einem kleinen Ort am Nord-Ostsee-Kanal stellt Julia, eine der Hauptfiguren des Buches, am Anfang des Jahres fest, dass die Familie, die nebenan gewohnt hat, gar nicht mehr da ist – quasi über Nacht verschwunden. Dies setzt ein Gedankenkarussel bei ihr in Gang, denn eigentlich weiß sie gar nicht viel über diese Menschen, die im Haus neben ihr und ihrem Mann Chris gewohnt haben.
Aber Julia ist nicht die einzige, die sich Gedanken um diese Familie macht, auch Astrid beschäftigt sich damit, denn sie hat einen an die Besitzerin des Hauses gerichteten Brief nachts auf einem Feld gefunden und möchte ihn zustellen. Ihre Tante Elsa wohnt neben dem verlassenen Haus und hatte Kontakt zu den Bewohnern.

So kreisen die Gedanken um diese verschwundene Familie und gleichzeitig um die eigenen Verbindungen zu anderen Menschen.

Es ist nicht allein die Handlung, die den Charme dieses Buches ausmachen, obwohl das mysteriöse Verschwinden der Familie von nebenan eine gewisse Spannung birgt. Das Schöne des Buches sind die genauen und liebevollen Beschreibungen der Gedanken der einzelnen Figuren des Romans. Jede dieser Personen hat eine oder mehrere Sachen, die sie umtreibt und Kristine Bilkau schafft es so treffsicher, uns als Leser:innen Einblick in diese Gedankenwelt der jeweiligen Person geben.

Es sind diese genauen und liebevollen Beschreibungen, die das Buch für mich so besonders machen. Es gelingt ihr, die Verzweiflung Julias über die bislang erfolglosen Versuche schwanger zu werden zu schildern, das Gefühl Astrids, dass sie bedroht wird und nicht ausmachen kann, von wem und das Gefühl, dass sie die ehemals intensive Beziehung zu ihrer Nachbarin Marli vermisst, Elsa, wie sie langsam älter wird, dabei aber pragmatisch und liebevoll bleibt. Feine Beobachtungen des Innenlebens und wie diese Menschen miteinander verbunden sind.

Es ist aber trotzdem keine Geschichte, die langsam vor sich her plätschert, sondern sie besitzt einen langsamen Spannungsaufbau. Zum einen das Verschwinden der Familie, die Bedrohung, der Astrid ausgesetzt ist, die Sorge um Elsa und natürlich die Versuche von Julia und Chris, schwanger zu werden. Jede dieser Charaktere hat ein ganz eigenes Päckchen zu tragen und hat ganz besondere Eigenschaften, die im Zusammenspiel wichtig sind.

Alles in allem ein ganz wunderbares Buch über die Beziehungen, die wir alle haben zu den Menschen, die nebenan leben bzw. den Menschen, mit denen wir in irgendeiner Art verbunden sind und wie sich dies alles auf uns und unsere Gedanken auswirkt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.02.2022

Ein Buch, das hält, was es verspricht

Der Gesang der Flusskrebse
0

Lange bin ich um „Der Gesang der Flusskrebse“ herumgeschlichen, tue ich mich doch manchmal recht schwer mit solchen Bestsellergeschichten, die eine bestimmte Art der Rührseligkeit versprechen, die ich ...

Lange bin ich um „Der Gesang der Flusskrebse“ herumgeschlichen, tue ich mich doch manchmal recht schwer mit solchen Bestsellergeschichten, die eine bestimmte Art der Rührseligkeit versprechen, die ich nicht mag. Irgendwann habe ich mich dann doch herangetraut und wurde positiv überrascht.

Ja, im Buch geht es um Liebe und um Enttäuschung, es geht um das Erwachsenwerden und schwierigen Bedingungen, es gibt einen Kriminalfall und es ist berührt, aber es ist nicht rührselig. Delia Owens gelingt es, auf diesem schmalen Grat zu balancieren und die Geschichte nicht ins Kitschige kippen zu lassen. Dafür sorgt sie allein schon mit der sehr spröden Sprache der Küstenbewohner. Dies sind Menschen, die sehr handfest leben und sich dementsprechend ausdrücken.

Dann wird die Geschichte auch gut aufgebaut. Am Anfang ist klar, dass es einen Mordfall gibt im Jahre 1969. Dann geht es aber erst einmal mit dem Tag weiter, an dem Kyas Mutter ging und von da aus nähern sich die beiden Fäden der Geschichte ganz langsam an, bis sie schließlich zusammenfinden.

Feste Größen in ihrem Leben sind Jumpin‘ und Mabel, die sich um sie kümmern und ihr so unter die Arme greifen, dass sie es nicht merkt. Das macht das Buch auch aus, dass man als Leserin merkt, dass es in Kyas Leben auch die guten Momente gibt, gute Erinnerungen wie die Liebe zu ihrer Mutter und zu einem ihrer Brüder. Sie lernt Lesen und das hilft ihr ungemein. Es wird aber auch klar, wie einsam und ausgegrenzt sie ist und es wird nichts beschönigt an ihrem Leben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2022

Eine Geschichte von Freundschaft und vom Akzeptieren des Unabänderlichen

Auerhaus
0

Frieder hat versucht sich umzubringen und um ihm eine Chance auf ein anderes Leben zu geben, ziehen Anfang / Mitte der Achtziger sechs Freunde zusammen ins Auerhaus. Diese Wohngemeinschaft gibt den Jugendlichen ...

Frieder hat versucht sich umzubringen und um ihm eine Chance auf ein anderes Leben zu geben, ziehen Anfang / Mitte der Achtziger sechs Freunde zusammen ins Auerhaus. Diese Wohngemeinschaft gibt den Jugendlichen die Möglichkeit aus ihrem gewohnten Umfeld herauszukommen und die Möglichkeit, auf ihren Freund Frieder aufzupassen.

Das Buch hat mich beeindruckt, berührt, zum Lachen und zum Weinen gebracht. Es ist von Anfang an klar, wie es enden wird. Bov Bjerg schafft es, den leichten Ton der Jugend in diese sehr ernste Geschichte hineinzubringen. Die Jugend schafft es auf der einen Seite ganz ernst und verzweifelt zu sein und dann wieder völlig albern zu sein. Und das ist auch gut zu, denn erst dadurch wird dieses Buch so echt.

Die Wohngemeinschaft im Auerhaus sorgt füreinander, sie kümmern sich um Frieder, sie übernehmen Verantwortung und bauen auch gleichzeitig ganz viel Mist. Sie klauen Lebensmittel im Supermarkt, sie kiffen und trinken und dann sind sie wieder ganz erwachsen und sorgen dafür, dass Frieder einen geregelten Tagesablauf hat. Freundschaft ist eines der zentralen Themen dieses Buchs.

Gleichzeitig gibt es die erste Liebe mit Liebeskummer und Streitigkeiten und den Problemen der einzelnen WG-Bewohner:innen. Die Sprache ist eines der Mittel, die dieses Buch tragen und auch die Tatsache, dass schon am Anfang bekannt ist, wie die Geschichte enden wird. Trotzdem ist es kein völlig trauriges oder negatives Buch, es gibt trotz allem eine positive Grundstimmung durch die Fürsorge, die die jungen Menschen leben.

Auch wenn am Ende noch Fragen offen blieben, es gehört gerade zu der Sicht, aus der „Auerhaus“ geschrieben wurde, das nicht alles erzählt wurde. Es wurde das erzählt, was für Höppner nicht wichtig ist und nicht das, was wir als Leser:innen noch wissen möchten. Es ist eine Leseempfehlung, auch wenn es nicht immer leicht ist beim Lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2022

Haben wir noch die Wahl?

Noch haben wir die Wahl
0

Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen soll dieses Buch sein. Luisa Neubauer und Bernd Ulrich reden über die Themen, die jetzt und auch in den nächsten Jahren wichtig sein ...

Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen soll dieses Buch sein. Luisa Neubauer und Bernd Ulrich reden über die Themen, die jetzt und auch in den nächsten Jahren wichtig sein werden. Sie reden aus zwei zumindest altersmäßig unterschiedlichen Blickwinkeln miteinander über etwas, das beide Generationen angeht.

Das Buch hat den Untertitel „Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen“. Diesem Titel wird es nicht ganz gerecht. Es wird aber dem Anspruch gerecht, dass es darum geht, ein Konflikt des unterschiedlichen Mindsets zu sein und zwar nicht zwischen Luisa Neubauer und Bernd Ulrich, sondern zwischen dem, was in unser Gesellschaft über die verschiedenen Generationen hinweg zu beobachten ist. Und natürlich ist es auch ein Konflikt der Generationen, aber nicht nur, es geht noch tiefer und das wird gut herausgearbeitet.

Dass es ein Gespräch auf Augenhöhe ist, ist einer der vielen positiven Aspekte dieses Buchs. Es wird nicht künstlich versucht, wie es mittlerweile ja schon fast Standard in den Talkshows im Fernsehen ist, auf Konfrontation zu gehen. „Noch haben wir die Wahl“ ist kein Buch des Streits oder unüberbrückbarer Differenzen. Es sind zwei Menschen, die sich sehr intensiv mit dem, was sie machen, beschäftigen und deshalb klug ausgewählt für solch ein Buch. Denn so wird sich auf das Thema und nicht das Streiten konzentriert.

Es gab viel Input gerade in Bezug darauf, was die Klimakrise mit Gerechtigkeit zu tun hat und was von vielen Seiten zu tun ist. Was es heißt, nicht mehr mit den alten Methoden zu arbeiten. Es betrifft ja nicht nur jede:n Einzelne:n von uns, sondern alle. Die Medien sind gefordert, anders zu agieren. Wie kann es sein, dass es ein Ressort Sport oder Finanzen gibt, aber keines für Klimafragen mit eigens dafür ausgebildeten Journalist:innen? Wie muss sich die Politik, besonders die Geopolitik ändern? Was bedeutet Freiheit? Die Freiheit zu konsumieren bis der Arzt kommt und am anderen Ende der Welt bleibt nichts übrig?

Klar, auch der Konflikt zwischen den Generationen ist Thema, denn die ganz Jungen, die können jetzt noch gar nicht entscheiden. Es geht um Generationenverantwortung, wir, die Älteren, tragen die Verantwortung dafür, dass du nächste Generation in einer lebenswerten Umgebung leben kann.

Für mich, gerade auch im Hinblick auf die in diesem Jahr in Deutschland anstehenden Landtagswahlen eine absolute Leseempfehlung. Und eine Leseempfehlung in Hinblick auf die Ursachen der Klimakrise, um die wirkliche Dimension dieser drohenden Katastrophe zu verstehen und warum es unser aller Aufgabe ist, etwas zu tun.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere