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Veröffentlicht am 22.09.2024

Langsamer Fluss der Zeit

Das Geheimnis der Glasmacherin
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Das Geheimnis der Glasmacherin ein Roman von Tracy Chavalier (Hoffmann und Campe Verlag- Atlantik)

Sie haben den Stein geschickt über die Oberfläche der Lagune geworfen. Ein weiterer Hüpfer, und er landet ...

Das Geheimnis der Glasmacherin ein Roman von Tracy Chavalier (Hoffmann und Campe Verlag- Atlantik)

Sie haben den Stein geschickt über die Oberfläche der Lagune geworfen. Ein weiterer Hüpfer, und er landet im Jahr 1631 – dank der Zeit alla Veneziana. S. 169

Mich spricht die wundervolle, ja zauberhafte Aufmachung dieses Romans an. Ein grandioses Cover und der dazu passende Farbschnitt runden das Ganze perfekt ab.
Leider dämpft das Geschrieben zwischen den beiden Buchdeckeln meine Euphorie. Die Autorin beginnt mit einer gut erzählten Familiengeschichte in Venedig und Murano. Die bildhafte Darstellung der Kulisse und der eindrücklich beschriebene Umgang mit dem Material Glas zeugen von einer hervorragenden Recherche. Ihre Hauptprotagonistin Orsala startet ihre (Zeit-)Reise durch die Jahrhunderte mit allen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Es geht ums Geschäft, den Handel, Macht und Konkurrenz sowie um Freundschaft und den Zusammenhalt der Familie. Dabei meistert sie in einem gemächlichen Tempo samt Alterungsprozess und Zeitsprüngen verschiedene Herausforderungen und trifft auf alte Bekannte. Die Autorin verweist auf den ersten Seiten des Buches auf den langsamen Fluss der Zeit. Doch habe ich diesen Wink nicht ganz ernst genommen und bekomme hier eine teils fantastisch angehauchte Geschichte präsentiert. Ich hatte manchmal meine Schwierigkeiten und doch, wenn man sich auf die Erzählung einlässt, kommt man gut durch die Lesestunden. Etwas holprig und abgeflacht, vielleicht ist es der Übersetzung aus dem Englischen geschuldet? Und doch soll das keine Verunsicherung sein, denn die Geschichte ist durchaus lesenswert!

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Veröffentlicht am 05.09.2024

Elisabeth erzählt

Nur nachts ist es hell
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Nur nachts ist es hell ein Roman von Judith W. Taschler (Zsolnay Verlag)
Einmal in der Eden Bar, wir waren betrunken, sagte mein Bruder Eugen zu mir:“Wenn du nicht meine Schwester wärst, würde ich dich ...

Nur nachts ist es hell ein Roman von Judith W. Taschler (Zsolnay Verlag)
Einmal in der Eden Bar, wir waren betrunken, sagte mein Bruder Eugen zu mir:“Wenn du nicht meine Schwester wärst, würde ich dich vom Fleck weg heiraten. Weißt du, es gibt dreierlei Frauen: die Geheimnisvollen, die Exzentrischen und die Nüchternen, das sind diejenigen,die in klarer Schärfe denken und bei denen man stets weiß, woran man ist. Du gehörst eindeutig zu Letzteren, und das liebe ich an dir.“
Ich küsste ihn auf die Wange und zog ihn auf die Tanzfläche. S.290

Elisabeth, die jüngste Schwester erzählt aus ihrem Leben zwischen und während der Weltkriege. Ihre Berichte ähneln Tagebucheinträgen, die Erinnerungen teils in Romanform geschrieben. Diese Mischung ist interessant und anspruchsvoll. Selbstverständlich kann man diesen Roman eigenständig lesen. Doch liest man ihn infolge der ersten Geschichte „Über Carl reden wir später“, hat mich diese Familiengeschichte der Bruggers nicht enttäuscht aber etwas unbefriedigt zurückgelassen. Manch schnelle Anekdoten fühlen sich an, als ob noch etwas Füllung fehlt. Die Schnellichkeit und Vielfalt hat mich beim Lesen das ein oder andere Mal überrollt. Gern hätte ich mir ein paar Seiten mehr, weniger theoretisch und in gedrosseltem Tempo gewünscht. „Über Carl reden wir morgen“ ist für mich um Längen eindrücklicher geschrieben.

Trotzdem steckt die Liebe im Detail und und man merkt, dass es ein Herzensbuch der Autorin ist. Ich lese immer wieder gern einen Judith W. Taschler und freue mich auf ihre Veröffentlichungen. Die Themen, die sie aufgreift gepaart mit den geschichtlichen Details sind interessant. Hier durchstreift ihre starke Protagonistin, die Medizin, die Frauenrechte, den Fortschritt, streift die Politik und die Geschichte im emotionalen Blickwinkel der Differenzen der Generationen, Familienkonstelationen und gesellschaftlichen Konventionen. Sie stellt ethische Fragen, beantwortet sie einleuchtend und lässt dabei Raum zum Nachdenken.

Fazit: Ich habe den Roman mit kleinen Abstrichen gern gelesen. Er ist ehrlich und direkt. Hilfreich fand ich den Stammbaum am Ende des Buches.

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Veröffentlicht am 14.07.2024

Grüne Liebe

Zimmerpflanzenliebe
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Zimmerpflanzenliebe ein Ratgeber von Antonia Hartwich aus dem Kosmos-Verlag

„Nicht immer läuft alles glatt und nicht jede Pflanze fühlt sich direkt wohl, wenn sie einzieht. Ich finde aber, Pflanzen zu ...

Zimmerpflanzenliebe ein Ratgeber von Antonia Hartwich aus dem Kosmos-Verlag

„Nicht immer läuft alles glatt und nicht jede Pflanze fühlt sich direkt wohl, wenn sie einzieht. Ich finde aber, Pflanzen zu retten und auch mal zu verlieren, ist ein wichtiger Prozess, um schneller zu sehen, wann etwas OFF ist, wie ich immer sage.“ S.32

Da bei mir oftmals etwas OFF ist und ich dieses Schicksal für mich, meine Pflanzen und meinen Gelsbeutel nicht akzeptieren möchte, beschäftigte ich mich mit der Lektüre der gelernten Gärtnerin. Es sollte nicht zu meinem Nachteil sein, denn die überaus ansprechende Aufmachung macht Lust durch jede einzelne Seite zu stöbern. Der lockere Schreibstil gefällt mir besonders gut und die zahlreichen Tipps hören sich richtig gut an. Die Zimmerpflanzenliebe punktet mit fundierten Fakten und einem überdurchschnittlich großen Maß an Liebe zu den grünen Exemplaren und Mitbewohnern.
Antonia Hartwich hat mich überzeugt, wobei mich die Fotographien mit ihr keineswegs stören. Im Gegenteil, ihre Passion wird bildhaft festgehalten und ergänzt den informativen Text wunderbar.
Die getroffene Auswahl der angesprochenen Pflanzen ist überschaubar. Es finden sich, zu meiner Freude einige Schmuckstücke, die ich selbst zu Hause habe. Nach dem Studieren des Ratgebers wird sich unser Zusammenleben wohl noch viel freundschaftlicher gestalten.

Fazit: Gehen Sie mit der Zeit, geben Sie der jungen Autorin und Influencerin eine Chance! Es lohnt sich! Ich jedenfalls hatte sehr viel Spaß beim Lesen.

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Veröffentlicht am 10.06.2024

Erfrischend und lehrreich

Die Rückenlüge
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Die Rückenlüge ein Ratgeber von Robin Nürnberg

„Mir als Physiotherapeut liegt es sehr am Herzen, dem unnötigen Leid durch weitverbreitete Mythen, Irrglauben und Fehlinformationen bestmöglich entgegenzuwirken. ...

Die Rückenlüge ein Ratgeber von Robin Nürnberg

„Mir als Physiotherapeut liegt es sehr am Herzen, dem unnötigen Leid durch weitverbreitete Mythen, Irrglauben und Fehlinformationen bestmöglich entgegenzuwirken. S.15

Das ist ihm gelungen! Um aus der Schmerzspirale herauszukommen, erklärt der renommierte Physiotherapeut wie es geht und wie man sich selbst helfen kann. Er räumt mit Mythen und Vorurteilen auf, so dass man eine gute Orientierung durch den Dschungel der Schmerzprophylaxe, Schmerzbehandlung und Gesunderhaltung des Körpers hat. Robin Nürnberg betrachtet den Körper ganzheitlich. Er gibt Tipps und Übungen, die man leicht nachvollziehen kann anschaulich an die Hand. Nicht nur in diesem Ratgeber kann man etwas von dem engagierten Physiotherapeuten lernen, auch in den sozialen Medien ist er unterwegs und hautnah erlebbar.
„Jeder kleine Schritt zählt!“ Überhaupt liegt der Schlüssel für ein gesundes, bewegliches Leben in der Prävention, die meiner Ansicht nach, in unserer Gesellschaft viel zu kurz kommt. Man müsste nur regelmäßig den inneren Schweinehund überwinden und einen maßvollen Umgang mit Lebens- und Genussmitteln pflegen, dann könnte sicher die ein oder andere Tablettengabe veringert und eingefleischete Standardtherapien vermieden werden.

Fazit: Bewegung ist unser Freund! Mit kleinen Dingen und einer kontinuierlichen Regelmäßigkeit lässt sich vieles bewirken.

Eine gelunge und hilfreiche Lektüre!

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Veröffentlicht am 10.06.2024

Anfänglich stark, dann Schwierig, später wenig fesselnd

In den Augen meiner Mutter
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In den Augen meiner Mutter von Jo Leevers (Droemer Verlag)

Georgie ist merkwürdig gleichmütig, hin und wieder tätschelt sie ihren Bauch und nippt an einem Kakao, der so süß ist, dass ihr die Zähne davon ...

In den Augen meiner Mutter von Jo Leevers (Droemer Verlag)

Georgie ist merkwürdig gleichmütig, hin und wieder tätschelt sie ihren Bauch und nippt an einem Kakao, der so süß ist, dass ihr die Zähne davon wehtun. Sie hat sich fünfzehn Minuten lang für dieses Getränk angestellt also will sie jeden Schluck genießen. Es ist unerwartet tröstlich zuz beobachten, in was für ein Durcheinander das Leben aller anderen gerade ist: Es gibt ihr das Gefühl, nicht so allein zu sein. S.44

Georgie steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes. Sie stößt in den sozialen Medien auf ein Foto, welches ihre Mutter Nancy zeigt. Diese hat die Familie verlassen, als Georgie und ihr Bruder Schulkinder waren.
Die Tochter begibt sich auf eine überstürzte Suche nach Nancy zusammen mit ihrem Bruder, den sie mit ins Boot bzw. Auto holt. Während dieser Fahrt treten unausgesprochene Sachen ans Tageslicht. Verschwiegenes und Ungereimtheiten verschärfen die familiäre Situation.

Der Roman erzählt abwechseld aus der Perspektive von Georgie und ihrer Mutter Nancy. Mit jedem Kapitel kommt man den beiden Frauen ein Stück weit näher und taucht in die Vergangenheit der Familie ein. Wobei mir Nancy authentischer und greifbarer erscheint als ihre Tochter. Georgie wirkt auf mich naiv und daher wenig sympathisch. Weitere tragische Rollen in der Geschichte spielen Dan, Georgies Bruder, Frank der Vater und ein gewisser Gerry Mac, dessen Rolle erst später offensichtlich wird, sowie der Freund von Georgie, der (leider) eine nebensächliche Rolle spielt.
Die Autorin hinterfragt die Rolle der Frau innerhalb der Familie und Gesellschaft sowie konkret das Muttersein mit allen äußeren Erwartungen.

Fazit: Ich verlasse die Lektüre sehr zwiespältig. Einerseits finden sich sehr gute Ansätze, das Thema ist äußerst interessant und ein starker Einstieg verlocken zum Weiterlesen. Doch im Laufe der Geschichte flacht der Spannungsbogen ab, Zufälle und letztendlich nicht ausreichend beleuchte Situationen und Personen hinterlassen einen faden Beigeschmack. Ein deprimierendes Buch mit lichtem Hoffnungsschimmer am Ende.

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