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Veröffentlicht am 03.09.2025

Über Zugehörigkeit und Glauben, Schuld und Selbstbefreiung: 4,5⭐️

Monstergott
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Nachdem mir Caroline Schmitts Debütroman „Liebewesen“ sehr gut gefallen hatte, war ich schon sehr gespannt auf ihren neuen Roman mit dem sicher polarisierenden Titel „Monstergott“. Auch der Roman selbst ...

Nachdem mir Caroline Schmitts Debütroman „Liebewesen“ sehr gut gefallen hatte, war ich schon sehr gespannt auf ihren neuen Roman mit dem sicher polarisierenden Titel „Monstergott“. Auch der Roman selbst wird gewiss widersprüchliche Gefühle bei den Leserinnen hervorrufen.

Erzählt wird die Geschichte der Geschwister Esther und Ben. Sie wuchsen in einem sehr religiösen Umfeld auf, gehören auch als junge Erwachsene noch derselben konservativen Freikirche an. Der Glauben und die Gemeinde bestimmen seit jeher ihr gesamtes Leben, ihre Freizeitgestaltung, ihren Freundeskreis und ihr soziales Umfeld. In diesem „Safe Space“ ist äußerlich alles hip und modern, der charismatische Pastor trägt teure Sneakers, seine Frau teilt die Highlights der Predigten auf Instagram.
Doch Ben hat ein Problem, ein Geheimnis, von dem noch nicht einmal seine ihm ansonsten sehr nahestehende Schwester weiß. Mit allen Mitteln versucht er, sich aus den „Fängen der Sünde“ zu befreien, doch immer wieder scheitert er daran.
Esther dagegen hat von Klein auf gelernt, dass Frauen fürsorgliche Wesen sind und sich im Leben stets unterordnen muss, so steht es auch in der Bibel geschrieben. Doch sie möchte endlich als eigenständiger Mensch wahrgenommen werden, möchte als Musikerin nicht nur die Gottesdienste gestalten, sondern erfolgreich sein. Als sie ihren früheren Freund Paul wiedersieht, gerät ihre Glaubenswelt ins Wanken und ihr Lebenshunger erwacht.

Die starren Regeln der Glaubensgemeinschaft, der Alltag der Geschwister und ihre Überzeugungen – all das weckte sehr gemischte Gefühle in mir. Ich denke, viele werden solch ein Leben nicht nachvollziehen können. Doch das ist gar nicht nötig, um das Buch gut zu finden.

Caroline Schmitt hat für ihren Roman ein „unbequemes“ Thema gewählt, mit dem eventuell nicht jede
r etwas anfangen kann. Doch auch für nicht-religiöse Menschen ist die Geschichte gut nachfühlbar.

Die Autorin schreibt sehr klug und feinfühlig. Sie schafft es, dass man sich gut in die Gedanken und Gefühle der Protagonist*innen hineinversetzen kann, auch wenn man ihre Ansichten selbst nicht teilt.

Besonders gegen Ende hin überzeugt das Buch durch die gelungene Darstellung der Selbstbefreiung der Geschwister.

„Monstergott“ ist gewiss kein Feel-Good-Roman, keine einfache Lektüre. Es ist ein aufrüttelndes und kluges Buch, das uns einen Blick öffnet in die Strukturen strenger religiöser Gemeinschaften (und auch die Bigotterie, die oft dahinter steht!) - und den Mut bzw. schweren Weg, sich daraus zu lösen.

4,5⭐️

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Wenn die Gefühle Achterbahn fahren: Tolles Gefühle-Journal für Kinder

Little Hearts - Big Feelings - Mein Gefühle-Journal
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„Little Hearts - Big Feelings - Mein Gefühle-Journal“ ist nich einfach eingewöhnliches Tagebuch. Das Gefühle-Journal soll Kindern ab 8 Jahren helfen, ihre Gefühle besser zu verstehen. Meiner Meinung nach ...

„Little Hearts - Big Feelings - Mein Gefühle-Journal“ ist nich einfach eingewöhnliches Tagebuch. Das Gefühle-Journal soll Kindern ab 8 Jahren helfen, ihre Gefühle besser zu verstehen. Meiner Meinung nach kann das auch für größere Kinder hilfreich sein, um zum Beispiel das Gefühlschaos und die Stimmungsschwankungen vor und während der Pubertät besser durchzustehen.

Das Buch ist sehr farbenfroh und liebevoll illustriert und gestaltet. Die Farbgestaltung ist für Mädchen und Jungen gleichermaßen geeignet, das finde ich lobenswert.
Da es ein gebundenes Buch ist (das liebe ich!), ist es hochwertig von der Qualität her & der fest am Buch angebrachte Stift (mit Gummiband) ist natürlich besonders praktisch!

Im ersten Teil des Buchs findet man erstmal Steckbriefe zu den Gefühlen: Freude, Liebe, Wut, Angst, Kummer und Überraschung. Das finde ich sehr gelungen, vor allem, weil die Kinder selbst reflektieren können, wie sie mit den jeweiligen Gefühlen im Allgemeinen umgehen und was ihnen dabei hilft/helfen kann.

Danach folgen Wochen-Seiten für ein halbes Jahr sowie jeweils einen Monats-Rückblick.
Diese Seiten sind sehr schön und abwechslungsreich gestaltet. Dadurch, dass es keine leeren Seiten sind, sondern man vorgefertigte Felder zum Ausfüllen, Schreiben oder Zeichnen nutzen kann, kann hier jeder selbst kreativ werden bzw. auch eher „schreibfaule“ Kinder können gut damit arbeiten.

Wir sind sehr begeistert von diesem tollen „Tagebuch plus“, mit dem Heranwachsende auf spielerische und kreative Art lernen können, ihre Gefühle besser zu verstehen und vielleicht auch anders/besser damit umzugehen und Erlebnisse zu reflektieren.

Das tolle Eintragbuch bekommt eine ganz klare Empfehlung von uns!

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Veröffentlicht am 03.09.2025

CARE neu denken: Fürsorge geht uns ALLE an

Füreinander sorgen
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„Füreinander sorgen: Warum unsere Gesellschaft ein neues Miteinander braucht“ von Susanne Mierau ist ein aktuelles und wichtiges Buch.

Bei Fürsorge denken die meisten an Kinder oder alte Menschen. Das ...

„Füreinander sorgen: Warum unsere Gesellschaft ein neues Miteinander braucht“ von Susanne Mierau ist ein aktuelles und wichtiges Buch.

Bei Fürsorge denken die meisten an Kinder oder alte Menschen. Das ist richtig, aber Fürsorge ist noch viel mehr, ALLE Menschen benötigen Fürsorge. Ohne Fürsorge funktioniert unsere Gesellschaft nicht, dennoch wird Care-Arbeit und Fürsorge oft kein Wert beigemessen.

Susanne Mierau schreibt in ihrem Buch darüber, wie wichtig ein gutes Miteinander ist.

"Wir sind begrenzt an Zeit, aber auch an möglicher Belastung. Wir brauchen nicht mehr Zeit, sondern die Anerkennung, dass Füreinander-Sorgen Zeit und Energie kostet."

Die Vorstellung, dass Care-Arbeit, das Kümmern und Fürsorgen, keine Arbeit sind, ist leider noch weitverbreitet. Vor allem Frauen und Müller leiden nach wie vor darunter.

"Wir sind allesamt gefangen in der Vorstellung, dass Sorgearbeit keine Arbeit wäre und deswegen nach der Erwerbsarbeit Freizeit bestände, wir also theoretisch genügend Erholung hätten. Dabei ist das Umsorgen eben keine Freizeit in dem Sinne, dass wir uns in dieser Zeit um unsere Bedürfnisse, um Entspannung, um Ausgleich und ausreichend Schlaf kümmern könnten."

"Und was passiert mit den Mädchen, die von klein auf lernen, dass unbezahlte und nicht als Arbeit wahrgenommene Sorgearbeitet ihr natürlicher Zuständigkeitsbereich ist? Sie verinnerlichen es und übernehmen es als Aufgabe, wodurch das System am Laufen gehalten wird."

Es muss sich dringend etwas ändern, und zwar nicht nur „im Kleinen“, also im Familien- und Lebensalltag, sondern auch die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft müssen dringend die Strukturen von Grund auf verändern.

"Wir müssen unser Denken ändern, unsere Werte, unser Framing von Arbeit, Alltag und Zeit. Um das zu können, müssen wir, nachdem wir nun gesehen haben, dass Sorgearbeit sowohl im bezahlten als auch im unbezahlten Bereich zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt ist, in den Blick nehmen, warum das so ist. Und wir müssen verstehen, was das mit Macht und Hierarchien zu tun hat, deren Existenz uns in einem Verbrennungskreislauf menschlicher Ressourcen gefangen hält, indem gerade Frauen ein Verschleißgegenstand sind "

Susanne Mierau bietet in ihrem Buch keine allgemeingültigen „Lösungen“. Vielmehr zeigt sie auf, wie wir wieder miteinander in Beziehung gehen können, anstatt uns immer mehr voneinander zu entfernen und isoliert zu leben, denn Menschen sind soziale Wesen.

Für alle, die bereits thematisch ähnliche Bücher gelesen haben, bietet "Füreinander sorgen" vielleicht nicht unbedingt so sehr viel Neues. Dennoch halte ich es für ein durchaus empfehlenswertes Buch, denn es bedarf dringend eine Änderung. Wünschenswert wäre, wenn es besonders alle lesen, die glauben bei diesem Thema wären sie "raus" - denn Fürsorge geht uns ALLE an!

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Berührende und unterhaltsame Geschichte über Freundschaft und Mut

Rocky Winterfeld
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Der 11jährige Rocky lebt gemeinsam mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammen. Er ist traurig, dass ein bester Freund Marek mit seiner Familie nach Polen gezogen ist. Als eines Tages ein rätselhafter ...

Der 11jährige Rocky lebt gemeinsam mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammen. Er ist traurig, dass ein bester Freund Marek mit seiner Familie nach Polen gezogen ist. Als eines Tages ein rätselhafter Brief in seinem Briefkasten landet, wird sein Leben plötzlich auf den Kopf gestellt. Gemeinsam mit seiner Lehrerin Frau Popov sowie drei weiteren Mitschülerinnen ist er in einem klapprigen VW-Bus auf dem Weg nach Danzig zu einem Wissenschaftswettbewerb – gegen den Willen seiner Mutter. Auf engstem Raum mit den ziemlich schrägen Mitschülerinnen beginnt ein abenteuerlicher Roadtrip.

Die Geschichte wird aus Rockys Perspektive erzählt und ich konnte mich von Anfang an sehr gut in ihn hineinversetzen. Er war mir gleich sympathisch; ein sensibler und logisch denkender Junge, der oft überraschend kluge Worte findet:

"Vielleicht ist das ganze Leben wie eine Welle, denke ich, leicht-schwer-leicht-schwer-leicht-schwer, und wenn es gerade schwer ist, muss man nichts weiter machen als abzuwarten, bis das Leichte wiederkommt, weil es bestimmt kommt, statistisch gesehen."

"Der Fehler ist, dass sich um eine Freundschaftspflanze immer zwei kümmern müssen. Das haben Sie mir nicht gesagt. Denn sonst kann man sie noch so sehr hegen und pflegen. Wenn nur einer die Freundschaftspflanze gießt, wird es ihr nie gut gehen. Nie."

Das Buch ist eine gleichermaßen unterhaltsame wie berührende Geschichte über Freundschaft, das Überwinden von Vorurteilen und Mut.
Die Charaktere fand ich allesamt sehr authentisch und liebenswert dargestellt, jeder mit seinen Ecken und Kanten, was sie noch sympathischer und echter machte.

Meiner Meinung nach ein wirklich sehr empfehlenswertes Kinderbuch für Mädchen und Jungen ab ca. 10 Jahren!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Über Vergewaltigung sprechen: Faktenreiches Sachbuch

Vergewaltigung
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„Vergewaltigung“ von Mithu M. Sanyal, erschienen bei Edition Nautilus, ist ein kompaktes, faktenreiches Sachbuch, das verschiedene Perspektiven des Verbrechens „Vergewaltigung“ betrachtet.

Die Autorin ...

„Vergewaltigung“ von Mithu M. Sanyal, erschienen bei Edition Nautilus, ist ein kompaktes, faktenreiches Sachbuch, das verschiedene Perspektiven des Verbrechens „Vergewaltigung“ betrachtet.

Die Autorin stellt kluge und provokante Analysen dar, die Machtstrukturen und Konzepte von Sexualität und gesellschaftlichen Normen kritisch hinterfragen. Dabei beleuchtet sie historische, kulturelle und aktuelle Aspekte.

"Mit den Worten der Historikerin Joana Bourke: 'Vergewaltigung ist eine Form von sozialer Performance: Sie ist hochritualisiert. Sie variiert von Land zu Land und zwischen unterschiedlichen Zeiten. an Vergewaltigung ist nichts Zeitloses oder Zufälliges. Ganz im Gegenteil sind Vergewaltigung und sexuelle Gewalt tief in konkreten politischen, ökonomischen und kulturellen Umständen verwurzelt.'"

„Es gibt nicht die Wahrheit, die eine autoritative Geschichte über Vergewaltigung, sondern immer viele Wahrheiten und viele Blickwinkel. Es ging mir darum, Fenster zu öffnen und unterschiedliche Narrative hörbar zu machen, in dem Wissen, dass es - zum Glück - immer noch viel mehr zu sagen und zu reflektieren gibt.“

Mithy M. Sanyal geht der Frage nach, was Selbstbestimmung und Konsens wirklich bedeuten:

"Denn Konsens bedeutet nicht freier Wille, sondern freier Wille unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen."

Sie beleuchtet die rechtliche und soziale Bedeutung des Sexualstrafrechts und sie analysiert die Kulturgeschichte der Vergewaltigung, die Rolle von Geschlechterbildern und Rassismus sowie die Entwicklung der Rechtssprechung.

Ein kluges, tiefgründiges Buch, das volle Aufmerksamkeit beim Lesen fordert, aber einiges zu bieten hat.

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