Das Kaff ist ein Käfig … Debütroman von Eva Lugbauer
Und am Ende stehlen wir Zitronen"Das Kaff ist ein Käfig."
Die 25jährige Isa fühlt sich gefangen, gehemmt und viel zu brav. Ihr Leben im kleinen österreichischen Dorf mit dem braven Martin als Partner, ihr Job als Kindergärtnerin, alles ...
"Das Kaff ist ein Käfig."
Die 25jährige Isa fühlt sich gefangen, gehemmt und viel zu brav. Ihr Leben im kleinen österreichischen Dorf mit dem braven Martin als Partner, ihr Job als Kindergärtnerin, alles ist ihr langweilig. Als Zugezogene wird sie ständig beäugt (diese Beschreibungen des Dorflebens fand ich sehr authentisch und treffend!). Während Martin an Hausbau und Kinder denkt, würde sie gerne ausbrechen aus diesem Leben.
"Ich verblöde. So kommt mir das manchmal vor. Ich werde immer dümmer. Ich verblöde in diesem Bauernkaff. Ich habe das Gefühl, alles steht hier, alles steht still. Und ich sterbe irgendwann vor Langeweile."
Durch Zufall lernt sie Zora kennen, die nach dem Selbstmord ihrer Tante ein Haus im Dorf erbt. Zora ist ein schillernder Lichtblick in Isas Leben, die beiden Frauen freunden sich an. Und Isa fängt an, sich freier zu fühlen:
"Da fiel es mir auf. Meine Gedanken und meine Lippen waren im Gleichklang. Ich sagte, was ich mir dachte. Nicht wie bei Martin. Nicht wie bei meinen Eltern. Nicht wie bei meinen Freunden. Ich wollte schreien."
"Ich lachte. Ich schrie. Ich sprang. Ich spritzte. Ich fühlte mich frei. Ich hatte mich schon lange nicht so frei gefühlt. Ich glaube, ich hatte mich überhaupt noch nie zuvor so frei gefühlt."
Isa sieht zufällig Zoras längst verstorbener Nichte Lou fast zum Verwechseln ähnlich. So beginnt Isa, sich als Lou auszugeben, als Lou könnte sie doch vielleicht ein anderes Leben führen?
"Wer bin ich? Und könnte ich nicht auch eine andere sein? Wenn ich wirklich wollte, könnte ich dann eine andere sein?"
"Jetzt hatte ich die Unordnung gefunden, nach der ich gesucht hatte."
Und dann wird alles recht chaotisch in Isas Leben, in der Rolle der unbändigen Lou geht sie mit Zora nach Wien, erlebt ein Abenteuer nach dem anderen und ihr Drang nach Leben und Freiheit könnte in Erfüllung gehen … wenn nur nicht die Gedanken in ihrem Kopf immer noch wie Kugeln herumschwirren würden.
Ich bin dieses Jahr auf die Autorin Eva Lugbauer aufgeworden dank ihres großartigen Romans "Schwimmen im Glas", der mich wirklich unendlich begeistert hat und für den ich eine ausdrückliche Leseempfehlung aussprechen möchte!
Daher wollte ich nun auch ihren Debütroman "Und am Ende stehlen wir Zitronen" lesen. Dieser war schon durchaus lesenswert und hatte viele gute Momente und kluge Gedanken, kommt aber leider doch nicht an "Schwimmen im Glas heran".
Dennoch ist das Potential der Autorin deutlich erkennbar und ich hoffe sehr, bald noch mehr von ihr zu lesen. Ich vergebe 3,5 ⭐️
Noch eine meiner Lieblingsstellen:
"Ich hasse gestellte Fotos", sagte ich, "auf gestellten Fotos wird das Glück eingesperrt. Aber Glück muss fliegen. Glück kann nicht gestellt werden und auf einem Foto eingefangen. Glück kann man nur fühlen. Nur fühlen! Innen! Innen drinnen! Bei gestellten Fotos geht es doch nur ums Aussehen, nur ums Außen. Aber das ist nicht die Wahrheit, niemals. Die Wahrheit ist das Fühlen, das Innen. Gestellte Fotos zerstören jedes Fühlen. Sie zerstören alles, was wir haben. Sie zerstören jeden Augenblick."