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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2024

Wer ist hier eigentlich böse?

Mirror: Weiß wie Schnee
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Da ich Märchenadaptionen sehr mag, kam ich auch um diese Version nicht herum. Es handelt sich in erster Linie um cosy Romantasy, die jedoch ein großes Problem mit ihrem Erzähltempo hat.

Die Protagonistin ...

Da ich Märchenadaptionen sehr mag, kam ich auch um diese Version nicht herum. Es handelt sich in erster Linie um cosy Romantasy, die jedoch ein großes Problem mit ihrem Erzähltempo hat.

Die Protagonistin Lena ist eine Ärztin, die sich plötzlich unverhofft in der Märchenwelt vom Schneewittchen wiederfindet – als die böse Königin. Sie hat aber kein Interesse daran, ihrem Schicksal einfach so kleinbeizugeben. Auf ihrer Suche nach einem Weg zurück in ihre eigene Welt, mischt sie sympathisch und mit Tatendrang die Märchenwelt durcheinander. Wer ist eigentlich gut und wer böse?

Bestimmte Klischees und Ungereimtheiten in den Märchen Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Dornröschen, Rumpelstilzchen und natürlich Schneewittchen werden genauer unter die Lupe genommen und Logiklücken aufgezeigt. Man merkt, dass die Autorin ein Herz für die Bösewichte besitzt, die ihrerseits ins Rampenlicht treten und ihre Qualitäten als Helden unter Beweis stellen können.

Die Geschichte selbst ist harmlos und recht locker erzählt. Hier und da hätte ich mir noch etwas mehr Humor und Biss gewünscht, aber am meisten störte mich, dass das Tempo nicht stimmt. Während die ersten zwei Drittel eher entspannt verlaufen und sich jedes Problem quasi immer wieder von selbst erledigt, überschlagen sich schließlich im letzten Drittel die Ereignisse. Plötzlich wird ein riesiger Hintergrundplot aufgedeckt, der sehr viel mehr Zeit bräuchte, um wirklich glaubhaft aufgebaut werden zu können. Es passiert einfach zu viel auf einmal.

Auch die Liebesgeschichte wird durch das schnelle Tempo ruiniert. Erst ist sie schrecklich in diesen Eric verliebt und zum Schluss kann sie nicht schnell genug von ihm wegkommen. Die Worte „Ich liebe dich“ kommen meiner Meinung nach völlig aus der Luft. Ich verstehe auch nicht, warum das Paar so von der Autorin erzwungen wurde, da ja noch mindestens ein weiteres Buch geplant ist.

Das Buch hatte für mich großes Potenzial und die Hintergrundidee ist durchaus toll. Leider funktioniert das Tempo der Geschichte überhaupt nicht, weshalb viel an Spannung und Glaubwürdigkeit einfach verloren geht. Schade! Ich bin noch unschlüssig, ob ich mir den zweiten Band holen werde.

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Jeder macht Fehler

Uppppps! Entschuldigung!
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Dass eine Entschuldigung durchaus auch Spaß machen kann, zeigt dieses wunderbare Buch zum durchaus ernst gemeinten Thema. Einen Fehler zuzugeben, sich zu entschuldigen oder es sogar wiedergutzumachen, ...

Dass eine Entschuldigung durchaus auch Spaß machen kann, zeigt dieses wunderbare Buch zum durchaus ernst gemeinten Thema. Einen Fehler zuzugeben, sich zu entschuldigen oder es sogar wiedergutzumachen, fällt nicht nur Kindern schwer. Insofern gibt dieses Buch ein paar wichtige Hinweise, wie man das auf gute Weise bewerkstelligen könnte.

Die Zeichnungen und Ideen sind liebevoll durchdacht und laden zum Schmunzeln und Lachen ein. Einige Situationen entspringen mitten dem Leben, etwa als der Waschbär von seiner Mama gezwungen wird, sich bei dem anderen zu entschuldigen, oder als das Nilpferd eher nach wilden Ausflüchten sucht. Es werden zahlreiche witzige Beispiele gebracht, die hier und da sicher Erinnerungen wecken.

Mir persönlich fehlt jedoch ein wenig die Perspektive der Geschädigten. Es geht tatsächlich nur darum, wie man sich entschuldigt und nur am Rande darum, warum eigentlich. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht als bloße Andeutungen. Man kann sich besser in die „Täter“ hineinfühlen als in die „Opfer“.

Dennoch ist das Buch toll und wichtig, um Kindern zu vermitteln, wie eine richtige Entschuldigung gelingen könnte. Gleichzeitig wird ihnen auch der Druck genommen. Fehler passieren uns allen und das ist nicht schlimm. Es geht mehr darum, wie man damit umgeht. Empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Witziges Abenteuer mit Gaming-Atmosphäre

Akademie Splitterstern 1: Akademie Splitterstern
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Bei „Akademie Splitterstern“ handelt es sich um ein aufregendes Abenteuer für Kinder ab ca. acht Jahren. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Lehrlingen, deren Begabung eher fragwürdig ist. Doch der Zauberer ...

Bei „Akademie Splitterstern“ handelt es sich um ein aufregendes Abenteuer für Kinder ab ca. acht Jahren. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Lehrlingen, deren Begabung eher fragwürdig ist. Doch der Zauberer Ribisel, die Barbarin Erika, der Wächter Garek und die Schurkin Fenja geben nicht so einfach auf und gewinnen bei ihrer Quest nicht nur weitere Level, sondern auch wahre Freunde.

Das Buch spielt ganz bewusst mit verschiedenen Merkmalen von Computerspielen bzw. RPGs wie „Dungeons and Dragons“. Die einzelnen Charaktere sammeln Sternenstaub um aufzusteigen und mit Hilfe von Artefakten, neuen Fähigkeiten und Kenntnissen können sie ihr Level stetig verbessern. Am Ende eines jeden Kapitels finden wir daher auch eine Übersicht über die aktuellen „Spielstände“ der vier Protagonisten. Das ist durchaus clever gemacht und begeistert sicherlich Kinder in diesem Alter.

Die Geschichte ist zudem kurzweilig und recht amüsant, wenn auch hier und da ziemlich voraussichtlich. Die Charaktere machen auf jeden Fall Spaß und ihre Beziehung zueinander wirkt authentisch. Aus diesen zusammengewürfelten Haufen aus „Verlierern“ entwickeln sich echte Freunde, die füreinander einstehen und zusammen jede Gefahr meistern können. Zudem sind der riesige, aber furchtsame Federbär sowie das fliegende Pigasus herrliche Maskottchen mit viel Charme.

Das Buch überzeugt zudem mit seiner genialen Aufmachung. Es gibt mehrere großformatige farbige Illustrationen, die die Atmosphäre der jeweiligen Schauplätze gut rüberbringen, sowie wechselnde Schwarz-Weiß-Darstellungen pro Kapitel. Die Bilder beschränken sich aber tatsächlich überwiegend auf die Orte. Die Helden und der Bösewicht selbst werden jedoch innerhalb der Geschichte selbst gar nicht abgebildet.

Insgesamt wird dieses Buch wahrscheinlich sowohl Jungen als auch Mädchen ab ungefähr acht Jahren begeistern können. Die Charaktere sind sympathisch und die Handlung spannend. Es eignet sich wahrscheinlich auch dazu, diverse Lesemuffel hinter der Konsole hervorzulocken und dem Lesen eine Chance zu geben.

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Ein poetisches Gothic-Märchen

Starling House
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Diese wunderschöne und berührende Geschichte ist voller Mystik und Poesie. Dabei beschönigt sie nichts. Es wird nie kitschig oder rührselig. Für mich eines der Highlights dieses Jahr.

Die Protagonistin ...

Diese wunderschöne und berührende Geschichte ist voller Mystik und Poesie. Dabei beschönigt sie nichts. Es wird nie kitschig oder rührselig. Für mich eines der Highlights dieses Jahr.

Die Protagonistin Opal ist eher hart und unnahbar. Seit ihre Mutter bei einem Autounfall starb, ist sie allein für das Wohl ihres jüngeren Bruders zuständig. Durch Betrügereien sowie Diebstähle hält sie sich und ihn gerade so über Wasser. Um Jasper ein besseres Leben zu ermöglichen, würde Opal fast alles tun, selbst in dem gruseligen Haus aus ihren (Alp-)Träumen zu arbeiten.

Starling House gehört dem seltsamen Arthur, der zurückgezogen lebt. Offensichtlich lehnt er Opals Anwesenheit in seinem Haus ab, dennoch engagiert er sie als Haushälterin und zahlt ihr deutlich zu viel. Sowohl um ihn als auch dieses mysteriöse Haus, das eine Art Eigenleben zu führen scheint, ranken sich viele eigenartige Geschichten. Zudem sind auch andere dubiose Gestalten sehr interessiert daran, was in diesem Haus eigentlich vor sich geht.

Das Buch ist überaus kurzweilig sowie spannend geschrieben. Dabei passiert in der ersten Hälfte im Grunde relativ wenig und dennoch wird man von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen. Die Autorin schreibt poetisch, witzig und emotional zugleich. Obwohl Opal sicher kein einfacher Charakter ist, war sie mir schnell sympathisch. Auch Arthur und ihr Bruder Jasper sind vielschichtige Persönlichkeiten, mit denen man sich auf Anhieb identifizieren kann. Allein die Bösewichte werden mir persönlich etwas zu klischeehaft und einseitig präsentiert.

„Starling House“ ist tatsächlich ein wunderschönes Buch, dessen Poesie und Magie noch lange nachhält und einen träumen lässt. Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Mein Freund, die Pflanze

Holly, Herbert und die Fleischfresserpflanze
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Eine fleischfressende Pflanze, die sprechen kann, vegetarisch lebt, sich für das Kochen begeistert und dazu noch gut in Mathe ist, kann eigentlich nur die perfekte Heldin für ein witziges Kinderbuch sein. ...

Eine fleischfressende Pflanze, die sprechen kann, vegetarisch lebt, sich für das Kochen begeistert und dazu noch gut in Mathe ist, kann eigentlich nur die perfekte Heldin für ein witziges Kinderbuch sein. Die Geschichte von Maja Konrad bietet tatsächlich kurzweilige Unterhaltung und liebenswerte Charaktere.

Holly ist alles andere als ein Rechenass, dennoch will sie es dem fiesen Angeber Nils beweisen. Da kommt ihr diese seltsame Pflanze nur recht, die ihr nicht nur leckere Mahlzeiten serviert, sondern sie auch durch die Aufgaben der Matheolympiade schummelt. Doch dann gerät Herr Pula selbst in Gefahr und Holly sowie ihr neuer Freund Herbert müssen alles geben, um ihren grünen Gefährten zu retten.

Das Buch macht Spaß und sprüht geradezu vor lustigen Ideen. Ich persönlich mag es zwar nicht ganz so sehr, dass die Betrügereien Hollys beim Rechnen als eher belanglos abgetan werden. Aber zumindest am Ende beginnt das Mädchen dann doch mal ein wenig zu üben. Interessanter als ihre Matheschummelei ist jedoch ohnehin die Beziehung zu ihren Freunden und dass Andersartigkeit nicht nur akzeptiert, sondern sogar geschätzt wird.

Holly lebt zum Beispiel untypischerweise bei ihrem alleinerziehenden Vater und Herbert wächst überwiegend bei seinen Großeltern auf. Überhaupt wirkt er in seiner ganzen Art und Kleidung sehr viel älter, als er eigentlich ist. Alle drei – Holly, Herbert und die Pflanze Herr Pula – sind füreinander da und geben auch nicht auf, wenn es schwierig wird. Es geht nicht darum, sich der Masse anzupassen, sondern sich selbst treu zu sein und für andere einzutreten.

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