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Veröffentlicht am 13.08.2024

Interessantes Ermittlerduo und ein komplexer Cold-Case

Das Dickicht
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Ein fast zwei Jahrzehnte zurückliegender Entführungsfall beschäftigt diese zwei charakterlich doch sehr verschiedenen Ermittler sehr intensiv, da besonders der ältere Kollege Juha Korhonen bereits bei ...

Ein fast zwei Jahrzehnte zurückliegender Entführungsfall beschäftigt diese zwei charakterlich doch sehr verschiedenen Ermittler sehr intensiv, da besonders der ältere Kollege Juha Korhonen bereits bei diesem – einem der ersten Einsätze beim LKA Hamburg – auch emotional involviert war. Sein jüngerer, farbiger Kollege Lucas «Lux» Adisa, eher ein rationaler, sportlicher Typ, findet Unstimmigkeiten in der alten Entführungsakte Boysen. Beide folgen damaligen Hinweisen und finden sich wieder in einem kreativ gesponnenen Netz von Lügen mit unerwarteter, spannender Auflösung. Geschickt eingebaut ist die Thematik um Prepper und um die Tragödie von Opfer und Täter, deren Situation sich umkehrt in diesem Fall. Der Schreibstil gefällt, sein realistisch aufgebautes Szenarium ist nachvollziehbar. Über beide sympathische Ermittler gibt es auch private Informationen, die sie menschlich dem Leser näher bringen. Auch scheint der trockene, hanseatische Charme in manchen Dialogen durch. Insgesamt ein abwechslungsreicher Lesegenuss!

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Die zerbrechliche Schönheit des Lebens

Die Unvollkommenheit des Glücks
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Die zunächst unabhängigen Lebensgeschichten zweier mit sich unzufriedenen Menschen treffen schließlich zusammen, enden in einer zarten Liebesgeschichte. Beide sehr verschiedenen, gut beschriebenen Charakteren ...

Die zunächst unabhängigen Lebensgeschichten zweier mit sich unzufriedenen Menschen treffen schließlich zusammen, enden in einer zarten Liebesgeschichte. Beide sehr verschiedenen, gut beschriebenen Charakteren auf der Suche nach dem befriedigenden Sinn ihres Lebens und nach Glück scheinen sich magisch anzuziehen. Was wirklich im Leben zählt, wird in einem Kriegsszenarium herausgestellt, beschrieben in bildlicher Wortwahl, teils poetischem, philosophischem Schreibstil. Einige Lebensweisheiten besonders in der ersten Romanhälfte im Zusammenhang mit Anas verzweifelter Lebenssituation regen vielleicht auch zum Nachdenken über das eigene Leben an. Beide Hauptfiguren haben während ihres Selbstfindungsprozesses schließlich, über Raum und Zeit hinweg, eine Tür gefunden mit der Erkenntnis, dass Glück nie vollkommen ist. Aber gerade in seiner Unvollkommenheit liegt wohl die eigentliche Schönheit. Glück allein scheint nicht der Sinn des Lebens zu sein.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Ich sehe was, was du nicht siehst. – Mehr als ein Kinderspiel!

Ich komme nicht zurück
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Die Szenerie spielt im Ruhrgebiet in Zeiten der Corona-Pandemie und in den 80-/90-ger Jahren. Der Verlauf einer tiefen Freundschaft zwischen drei Kindern aus verschiedenen Kulturkreisen in bescheidenen ...

Die Szenerie spielt im Ruhrgebiet in Zeiten der Corona-Pandemie und in den 80-/90-ger Jahren. Der Verlauf einer tiefen Freundschaft zwischen drei Kindern aus verschiedenen Kulturkreisen in bescheidenen Lebensverhältnissen wird erzählt in zeitlichen Rückblicken. Durch historische Ereignisse wie der Angriff in New York auf das World Trade Center am 11.September 2001 wird diese Freundschaft sehr belastet durch Anfeindungen, Vorurteile und Klischees Dritter. Auch das Versterben von Hannas warmherzigen, immer hilfsbereiten Großeltern sorgt für mehr Risse und innerer Distanz mit zunehmendem Alter. Die verschiedenen Charaktere der drei Freunde sind realistisch beschrieben: Cem – der Fels im Trio mit Zeyna, der ruhelosen, starken Abenteurerin und der klammernden, eifersüchtigen Hanna, als Erwachsenen immer noch gefangen in depressiven, einsamen Kindheits-Erinnerungen. Überhaupt wird das häusliche Milieu mit den offenen, liebenswürdigen Großeltern bildlich detailliert und gut vorstellbar lebendig beschrieben. Der Schreibstil verändert sich bei Hannas tiefgreifenden emotionalen Notständen durch staccato-artige Wiederholungen, beim Ableben der Großeltern, bei ihren verzweifelten Kontaktversuchen mit Zeyna immer noch auf der Suche nach dem verlorenen WIR und UNS. Sich selber endlich zu finden im Jetzt gelingt erst bei einem vertrauten Gespräch mit Cem, bei einer Erklärung des endgültigen Bruches zwischen den engen Freundinnen, in weihnachtlichem Ambiente – sprachlich und dramaturgisch ideal an das Romanende platziert. Themen wie der Strukturwandel im Ruhrgebiet, Corona-19, Armut und Einsamkeit bilden den Hintergrund zu einer vordergründigen Geschichte über eine besondere, teils lebenslange Freundschaft.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Die verschiedenen Arten von Liebe

Das größte Rätsel aller Zeiten
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Das Cover weist diverse Einzelheiten aus dem Buchinhalt auf, sinnvoll verteilt um Grundrisse miteinander verschlungener Oktogone mit dem Anwesen von Creighton Hall, einer Sanduhr voller Asche, einem typisch ...

Das Cover weist diverse Einzelheiten aus dem Buchinhalt auf, sinnvoll verteilt um Grundrisse miteinander verschlungener Oktogone mit dem Anwesen von Creighton Hall, einer Sanduhr voller Asche, einem typisch englischen Taxi, einer Tasse Tee etc. – alles auch farblich kostbar gestaltet in guter Verarbeitung. Im Zentrum steht Clayton Stumper, der nach dem Tod von Miss Pippa Allsbrook, Oberster Kreuzworträtselautorin, Gründerin und Präsidentin der mysteriösen ›Gemeinschaft der Rätselmacher ist, vor dem größten Rätsel seines Lebens steht. Bei seiner Suche nach dem fehlenden Puzzleteil in seinem bisher 25-jährigen Leben trifft er auf eine Reihe meist introvertierter, kauziger Typen, deren Geschichte bis ins Jahr 1979 in London zurückgeht. Bis zu Claytons Abenteuerreise zwecks Lösung des letzten Rätsels entfalten sich charakterliche Details zu den kreativen, intelligenten Mitgliedern der eingeschworenen Gemeinschaft. Auf zwei Erzählebenen kommt man als Leser den kantigen bis sehr sympathischen Meistern der Rätsel näher. Mithilfe der brieflichen Hinweise von Pippa wird im zweiten Teil ein spannender roter Faden zu Claytons Vergangenheit gespannt. Der warmherzige Schreibstil hat auch humorvolle Sequenzen, gepaart mit sehr vielen kreativen Ideen. Ein tiefsinniger Lesegenuss!

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Die Geschichte eines bewegten Lebens

Nur nachts ist es hell
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Das Cover zeigt ein Paar von hinten unter einem Regenschirm in nasskalter, nächtlicher Straßenszene. Diese wirkt gut beleuchtet, wie der Buchtitel – eher eine Metapher - suggeriert.
Der Stammbaum im ...

Das Cover zeigt ein Paar von hinten unter einem Regenschirm in nasskalter, nächtlicher Straßenszene. Diese wirkt gut beleuchtet, wie der Buchtitel – eher eine Metapher - suggeriert.
Der Stammbaum im Anhang stellt klar, wem die weibliche Hauptfigur ihre Lebensgeschichte beschreibt, eingebettet in geschichtlich wichtige Ereignisse ihrer Zeit. Leider sind ihre Rückblicke nicht chronologisch sortiert. Elisabeth Tichy, geb. Brugger, Ärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Wien, erzählt ihrer Enkelin Christina Brugger nicht nur ausgiebig über ihre lebenslangen Geschwisterbeziehungen nicht nur in der dörflichen Hofmühle und über die einschneidenden Vorkommnisse zwischen zwei Weltkriegen mit ihr als Lazarett- bzw. Krankenschwester. Ihr Rückblick beginnt 1973, beschreibt eine Protestkundgebung in Sachen Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches in Österreich. Nicht nur dieses Thema, sondern die Gleichstellung der Frau überhaupt wie z.B. das Wahlrecht, Zulassung zum Medizinstudium etc. beschäftigt sie sehr. Weiterhin gibt es politische und medizin-historische Abschweifungen nicht nur Österreich betreffend, auch über rechtliche Fragen zu Schwangerschaftsabbruch und Abtreibungsmethoden.
Auch menschliche Grundsatzfragen werden angesprochen: Hat jeder die Verantwortung, etwas beizutragen, um Missstände in der Welt zu beseitigen? Oder sollte der Mensch nur auf sich selbst und auf seine unmittelbar Nächsten gut achten? Denn genauer betrachtet, wenn das jeder Einzelne verantwortungsvoll täte, gäbe es ja schon weniger Elend. Aber genug ist es vermutlich nicht. Wie weit erstreckt sich Verantwortung? Und was macht einen Menschen zu dem, was er ist? Was prägt ihn? Der Kopf und das Temperament.
Nicht nur durch den Tod ihres Ehemanns Georg erscheinen Elisabeth die Tage kurz, dunkel und trostlos. Nur nachts war es hell, und in diesen hellen Nächten sickerte allmählich ins Gedächtnis, dass der Krieg vorbei war.
Durch die ungeordneten Retrospektiven wirkt der Roman nicht wie eine abgerundete, harmonische Einheit, auch wenn einzelne Sequenzen sehr informativ sind. Alles wirkt eher wie ein Tagebuch, gefüllt mit unsortierten Erinnerungsfetzen aus einer sehr bewegten Zeit mit interessanten Charakteren.

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