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Veröffentlicht am 26.04.2023

Das Wien der einfachen Leute – eine warmherzige Milieubeschreibung!

Das Café ohne Namen
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Das Wien ab 1966 wird stimmungsvoll beschrieben und die Hauptfigur Robert Simon über mehr als zehn Jahre begleitet in seiner Tätigkeit als Pächter einer alten Gaststätte am Marktplatz. Sehr einfühlsam ...

Das Wien ab 1966 wird stimmungsvoll beschrieben und die Hauptfigur Robert Simon über mehr als zehn Jahre begleitet in seiner Tätigkeit als Pächter einer alten Gaststätte am Marktplatz. Sehr einfühlsam wird das Leben der Anwohner, Leute aus dem ärmeren sozialen Milieu und Markthändler oder Mädchen aus der nahe gelegenen Fabrik und manchem Arbeiter, teils mit Rückblicken beschrieben. Diese allzu menschlichen, teils melancholischen Beschreibungen der Menschen in ihren teils schweren Lebenssituationen lassen den Leser tief in das Milieu und die teils traurige Grundstimmung gleiten. Einzelne Porträts schätzen diesen gemütlichen, ja menschlichen Ort als ihre lebenswichtige Anlaufstelle besonders zum Miteinander-Reden, während sich drum herum bauliche Modernisierungen breit machen. Mit dem Einsturz der Reichsbrücke 1976 ist das alte Österreich endgültig vorbei, nur in Erinnerungen fühlen sich besonders ältere Menschen noch heimisch. Das warmherzige Miteinander gefällt – ein Lesegenuss!

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Veröffentlicht am 25.04.2023

Westberlin 1948/49 – sehr gerne wäre ich bei den Ansprachen des Oberbürgermeisters Reuter dabei gewesen.

Die Kinder der Luftbrücke
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Dieser emotionale, historische Roman mit vielen einfühlsamen Details gespickt gibt ein lebendiges Bild wieder mit vielen Nöten um das tägliche Überleben zwischen Ruinen, vor allem Lebensmittel- und Brennstoffknappheit. ...

Dieser emotionale, historische Roman mit vielen einfühlsamen Details gespickt gibt ein lebendiges Bild wieder mit vielen Nöten um das tägliche Überleben zwischen Ruinen, vor allem Lebensmittel- und Brennstoffknappheit. Die für Westdeutschland und vor allem für Berlin wichtige Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg wird äußerst lebendig beschrieben. Als absolutes Lesehighlight würde ich dieses Buch Lesern empfehlen, die diese Epoche deutscher Geschichte nicht miterlebt haben. Der geschichtliche Hintergrund wird sehr unterhaltsam in Schreibstil und Wortwahl angeboten, nicht belehrend. Charakteren waren meist sympathisch, menschlich realistisch in all seinen Nöten beschrieben, nur mit Inga und dem Ladenbesitzer Kluth als negative Gegenpole. Die Gefühlswelt von Nora, hadernd zwischen ihrem verschollenen Ehemann Joachim und dem US-Piloten Matthew, hätte vielleicht etwas rarer ausgebreitet werden können. Das Cover stellt eine wichtige Szene mit den Rosinenbombern dar – gelungen.

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Veröffentlicht am 24.04.2023

Zu konstruiert und teilweise unrealistisch.

Mutterliebe
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In den Rückblicken vor dem Kindermord erfährt man Aufschlussreiches zum besseren Verständnis der Tat – sinnvoll. Denn was könnte eine Mutter alles dazu bringen, ihr eigenes Kind zu töten? Insgesamt wirkt ...

In den Rückblicken vor dem Kindermord erfährt man Aufschlussreiches zum besseren Verständnis der Tat – sinnvoll. Denn was könnte eine Mutter alles dazu bringen, ihr eigenes Kind zu töten? Insgesamt wirkt dieser Krimi sehr konstruiert, teils unrealistisch durch zu viele auch zeitlich glückliche Zufälle. Wie z.B. könnte Malte mit einer Waffe in den Gerichtssaal stürmen und ohne Probleme so nahe und lange vor der Angeklagten bzw. der Journalistin Kiki so aggressiv agieren können ohne gestört zu werden. Weitere seltsame Zufälle: Kiki setzt Maltes‘ blonde Perücke auf, hat sie natürlich immer griffbereit in ihrer Tasche und setzt sich der drastischen Gefahr aus, erschossen zu werden? Sehr gebastelt oder? Maltes‘ Schicksal ist ohnehin fragwürdig: Ist er nun im U-Haft oder wurde er im Gerichtssaal erschossen, wie im letzten Kapitel erwähnt? Dass Herr Bentz seine Tochter Larissa bei den Besuchen der Mutter in dieser Einrichtung mit einbezieht, halte ich für ungünstig. Der große Medikamenten-Skandal sticht als solcher nicht drastisch und klar strukturiert genug heraus. Überhaupt sind die Endkapitel enttäuschend. Das Cover ist künstlerisch ansprechend gewählt, die Hauptfigur mit dem Tatort und dem Gerichtsgebäude darstellend.

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Veröffentlicht am 22.04.2023

Eine sehr beeindruckende Frau – lesenswerter Roman!

Die einzige Frau im Raum
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Ein Roman über Kapital, Macht, Nationalsozialismus, Sexismus, Hollywoods Filmindustrie und Schuldgefühle - über die 30er und 40er Jahre in Deutschland , Österreich und Amerika mit einer schönen, erfolgreichen ...

Ein Roman über Kapital, Macht, Nationalsozialismus, Sexismus, Hollywoods Filmindustrie und Schuldgefühle - über die 30er und 40er Jahre in Deutschland , Österreich und Amerika mit einer schönen, erfolgreichen Hauptfigur. Das Leben wohl einer sehr unterschätzten und mir bisher unbekannten Frau der Geschichte wird in angenehmem Schreibstil aufgeblättert: Hedy Lamarr als Schauspielerin, aber auch als Erfinderin im Bereich Militärtechnologie, was irritiert in diesem Mix. Trotz oder gerade wegen ihrer beruflichen Hollywood-Erfolge kann sie sich als Frau ohne wissenschaftliche Ausbildung nicht durchsetzen. Ihre Schuldgefühle gegenüber den europäischen Juden und ihre Ohnmacht gegenüber den Verbrechen an ihnen, aber auch ihr Heimweh nach Österreich und Wien belasten sie wohl sehr. Ihr Leben und ihre Charaktere werden lebendig beschrieben mit ihr hauptsächlich als dekorativem Sexfaktor, weniger als kluge, eigenwillige, starke Frau in schwierigen politischen Zeiten. Das Cover mit dem Titel in goldgelb verdeutlicht sehr gut ihre ihr aufgezwungene Rolle im goldenen Käfig.

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Veröffentlicht am 21.04.2023

Bedrückende Lebensverhältnisse – aufrüttelnd.

Dein Taxi ist da
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Das auffällige, comichafte Cover ist in knalligen Farben gestaltet, und genauso jung, direkt ist die Wortwahl und der Schreibstil in diesem gesellschaftskritischen, politischen Roman voller Sozialkritik ...

Das auffällige, comichafte Cover ist in knalligen Farben gestaltet, und genauso jung, direkt ist die Wortwahl und der Schreibstil in diesem gesellschaftskritischen, politischen Roman voller Sozialkritik gehalten. Nach einer gewissen anfänglichen Monotonie in den wiederholten Beschreibungen von Taxi-Fahrt, Einkaufen, nach Mama sehen schält sich die Taxifahrerin Damani heraus aus ihrem kargen Alltag voller unbezahlter Rechnungen, Schlafmangel, Unterbezahlung. Insgesamt geht es ums Überleben und Trauer, um Homosexualität, Rebellion gegen derzeitige Gesellschaftsstrukturen zwischen Arm und Reich, um Rassismus, um Identität nach Immigration. Damani als rebellische, starke Hauptfigur kommt ehrlich und authentisch daher, aber den Kampf um bessere Arbeitnehmerrechte besonders auch für Immigranten zusammen mit ihren Freunden auf Demonstrationen scheint erfolglos zu enden. Dass Liebe zwischen verschiedenen sozialen Schichten, zwischen Weißen und Schwarzen möglich sein könnte, steht auch im Raum. Insgesamt ein explosives Paket an Sozialkritik, festgemacht an der interessanten Persönlichkeit der Taxifahrerin – lesenswert.

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