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Veröffentlicht am 12.04.2023

Packender und atmosphärisch dichter Roman um die historische Figur William Marshal

Der dunkle Erbe
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Mit diesem Buch legt der Autor Tom Melley seinen vierten historischen Roman vor und konnte mich dabei ein weiteres Mal auf ganzer Linie überzeugen und begeistern. Nach drei zusammenhängenden Romanen, die ...

Mit diesem Buch legt der Autor Tom Melley seinen vierten historischen Roman vor und konnte mich dabei ein weiteres Mal auf ganzer Linie überzeugen und begeistern. Nach drei zusammenhängenden Romanen, die hauptsächlich in Deutschland und dem Heiligen Land angesiedelt sind, entführt er uns diesmal nach England und Frankreich und widmet sich dort der historischen Figur William Marshal.

Als im April des Jahres 1199 der englische König Richard Löwenherz überraschend verstirbt, verhilft sein alter Weggefährte William Marshal dessen Bruder John, der den wenig schmeichelhaften Beinamen Ohneland trägt, zum Königsthron. Dieser ist aber keineswegs eine Wunschlösung, sondern eher das kleinere Übel gegenüber seinem Neffen Arthur, der unter dem Einfluss des französischen Königs Philipp steht. Doch dass dieses Übel trotzdem ziemlich groß ist, muss Marshal in den folgenden Jahren auch am eigenen Leib erfahren.

Mit einem packenden Schreibstil erzählt der Autor eine atmosphärisch dichte Geschichte voller Spannung und Dramatik. Dabei erleben wir das zum Teil doch recht wilde Treiben aus den wechselnden Perspektiven von William und John, die zwischendurch aber auch immer wieder durch weitere Blickwinkel ergänzt werden. Das sorgt für einen umfassenden Blick auf das Geschehen, der dem Buch ausgesprochen gut bekommt und für eine prickelnde Atmosphäre sorgt. Getragen wird das Ganze von einer Riege gut gezeichneter und vielschichtig angelegter Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, eine gut aufeinander abgestimmte Mischung aus historischen und fiktiven Figuren, denen es problemlos gelingt, die Geschichte mit Leben zu füllen. Die Handlung hält sich dabei eng an die tatsächlichen Ereignisse rund um die Jahre 1199 bis 1204, der Autor nutzt die durchaus vorhandenen Lücken aber geschickt aus, um sie mit viel Einfallsreichtum zu füllen, ohne die Ereignisse zu verfälschen. Ein Personenregister und ein Nachwort am Ende des Buches geben nicht nur Auskunft über Dichtung und Wahrheit, sondern zeugen zudem von einer intensiven Recherchearbeit des Autoren, die der Geschichte absolut zugutekommt.

Wer auf spannende und atmosphärisch dichte historische Romane mit einer satten Portion Mittelalter steht, wird hier bestens bedient und unterhalten.

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Veröffentlicht am 11.04.2023

Grandioser Polit-Thriller mit einem beängstigenden Szenario, dass erschreckend realitätsnah rüberkommt

Die Macht der Wölfe
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Mit diesem Buch liefert der Autor Horst Eckert einen weiteren grandiosen und sehr facettenreichen Polit-Thriller ab und schickt Melia Adan und den altbekannten Vincent Veih, der zuvor bereits in drei Büchern ...

Mit diesem Buch liefert der Autor Horst Eckert einen weiteren grandiosen und sehr facettenreichen Polit-Thriller ab und schickt Melia Adan und den altbekannten Vincent Veih, der zuvor bereits in drei Büchern alleine ermittelt hat, in ihren vierten gemeinsamen Fall, der der Klasse der bisherigen Auftritte in nichts nachsteht. Dabei entwickelt er ein beängstigendes Szenario, das erschreckend realitätsnah rüberkommt und wohl weit weniger unvorstellbar ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Grundsätzlich braucht man keine Vorkenntnisse aus den ersten drei Bänden, um die Geschichte lesen und verstehen zu können. Alle hierfür erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören. Um die Entwicklung der Figuren und die immer wieder eingestreuten Anspielungen auf vergangene Ereignisse in Gänze genießen und nachvollziehen zu können, empfiehlt es sich aber schon, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, zumal auch diese Bände bereits beste Thriller-Unterhaltung bieten.

Während es Vincent Veih und das Düsseldorfer KK11 diesmal mit Leichenteilen zu tun bekommen, die auf einer Baustelle in der Landeshauptstadt gefunden werden, trifft sich Melia Adam auf Bitten ihres Vaters mit der Bundeskanzlerin, die mit einer früheren Verfehlung erpresst wird und völlig unannehmbare Forderungen erfüllen soll. Als Melia und Vincent erkennen, dass ihre Fälle zusammenhängen, stecken sie schon mitten in einer mörderischen und großangelegten Verschwörung, die das Land in seinen Grundfesten erschüttern könnte, und sie wissen bald nicht mehr, wem sie noch trauen können.

Mit einem packenden Schreibstil und einem hohen Erzähltempo, dass einem beim Lesen kaum Zeit zum Luftholen lässt, treibt der Autor das atmosphärisch dichte Geschehen voran und treibt es gekonnt immer weiter auf die Spitze, ohne dabei den Bogen zu überspannen und den Boden der Realität zu verlassen. Gekonnt greift der Autor dabei realen Bezüge, wie z.B. den rasant wachsenden Rechtspopulismus, den Ukraine-Krieg und die russischen Cyberangriffe auf und bindet sie mit viel Einfallsreichtum in die Geschichte ein, bis ein absolut überzeugendes Gesamtbild von erschreckender Aktualität entsteht. Obwohl er dabei eine Vielzahl von weiteren Themen in das Geschehen einfließen lässt, besteht zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer möglichen Überfrachtung der Geschichte. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und durchgehend vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, die größtenteils bereits aus früheren Büchern bekannt sind und durch ein paar Neuzugänge ergänzt werden, die reichlich frischen Wind in das Geschehen bringen. Zudem wird in diesem Buch eine offene Frage aus Vincents Vergangenheit, die schon seit seinem ersten Auftritt durch die Geschichten geistert, überzeugend und abschließend beantwortet.

Wer auf packende und atmosphärisch dichte Polit-Thriller steht, wird hier erneut bestens bedient und unterhalten. Darüber hinaus bietet die Geschichte auch viel Stoff zum Nachdenken und wirkt so noch lange über ihr Ende hinaus nach.

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Veröffentlicht am 05.04.2023

Schonungsloser Thriller voller Abgründe und Grausamkeiten

Totenkälte
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Mit diesem Buch gelingt der Autorin Mareike Palmer ein schonungsloser Thriller voller Abgründe und Grausamkeiten, der zudem doch ziemlich blutig ausfällt und somit schon absolut hartgesottene Leser benötigt. ...

Mit diesem Buch gelingt der Autorin Mareike Palmer ein schonungsloser Thriller voller Abgründe und Grausamkeiten, der zudem doch ziemlich blutig ausfällt und somit schon absolut hartgesottene Leser benötigt. Eine Verfilmung dieser Geschichte würde wohl definitiv als FSK18 eingestuft werden müssen und die Triggerwarnung zu Beginn des Buches ist auch absolut berechtigt.

50 Menschen erwachen in einem Labyrinth aus Räumen, in denen perfide Prüfungen und Aufgaben auf die Gruppe warten, die schnell für erste Opfer sorgen. So beginnt ein gnadenloser Überlebenskampf, bei dem die Chancen mehr als ungleich verteilt sind. Und ständig bleibt die Frage im Hinterkopf, warum man Teil dieser Gruppe ist und wer hier im Hintergrund die Strippen zieht.

Mit einem packenden Schreibstil und zahlreichen überraschenden Wendungen treibt die Autorin ihre gut aufgebaute Geschichte konsequent voran und schickt ihre Protagonisten (und damit auch uns Leser) von einem Schockmoment zum nächsten. Dabei schlägt sie ein mörderisch hohes Erzähltempo an, das einem beim Lesen kaum Zeit zum Luftholen lässt. Zunächst erleben wir das grausame Geschehen durch die Augen des Studenten und Ich-Erzählers Xen Wan, dessen eher nüchterner Erzählstil den Leser lange Zeit in einer Art Beobachterrolle hält. Im Verlauf der Geschichte kommt es dann aber zu einem Perspektivwechsel, der deutlich emotionaler daherkommt und dadurch eine wesentlich stärkere Wirkung hinterlässt. Die Mitglieder der Gruppe sind zwar insgesamt gut gezeichnet und vielschichtig angelegt, zu ihren Hintergründen erfährt man aber wenig bis nichts, so dass es mir lange Zeit schwergefallen ist, eine echte Bindung zu ihnen aufzubauen. Dieser Umstand hat mich die Qualen, die sie zu durchleiden haben, allerdings auch ein wenig besser ertragen lassen. Nach einer gewissen Zeit fängt man dann aber doch immer mehr an, zumindest mit den meisten der gequälten Seelen mitzufiebern.

Komplett überzeugen konnte mich das Buch allerdings nicht, darauf näher einzugehen würde hier dann aber doch zu sehr spoilern. Wer auf Thriller der etwas härteten Art steht, wird hier unter dem Strich aber gut bedient und spannend unterhalten.

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Veröffentlicht am 04.04.2023

Packender Mystery-Krimi mit viel Spannung und einer ordentlichen Portion Romance

Dämonen der Speicherstadt
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Mit diesem Buch legt die Autorin Heike Denzau, die ansonsten eigentlich eher für ihre Krimireihe um die Hauptkommissarin Lyn Harms von der Kripo Itzehoe bekannt ist, einen waschechten Mystery-Krimi vor, ...

Mit diesem Buch legt die Autorin Heike Denzau, die ansonsten eigentlich eher für ihre Krimireihe um die Hauptkommissarin Lyn Harms von der Kripo Itzehoe bekannt ist, einen waschechten Mystery-Krimi vor, der in Hamburg angesiedelt ist.

Als die junge Kommissarin Rahel Bathlevi zum Schauplatz eines brutalen Verbrechens gerufen wird, erscheint der Fall eigentlich klar. Ein Einbruchversuch ist aus dem Ruder gelaufen und hat den Hausherren und den Einbrecher das Leben gekostet, während die Ehefrau schwer verletzt überlebt hat. Doch Rahel kommt die Sache komisch vor und hakt nach. Dabei steht sie urplötzlich einem leibhaftigen Dämonen gegenüber und wird durch diesen Vorfall zum Mitglied einer mysteriösen Sondereinheit des BKA, die auf Dämonenjagd spezialisiert ist. Viel Zeit sich einzugewöhnen hat Rahel aber nicht, denn der Blutmond und damit die Ankunft der Ur-Dämonin stehen kurz bevor.

Mit einem packenden Schreibstil, viel Einfallsreichtum und einigen überraschenden Wendungen treibt die Autorin ihre gut aufgebaute Geschichte voran und steuert sie schnurstracks auf einen krachenden Showdown zu, der die Geschichte zu einem vorläufigen Ende bringt. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, die zum Teil ziemlich skurril ausfallen und dadurch auch immer wieder für Überraschungen gut sind. Die Geschichte erleben wir im Wesentlichen durch die Augen von Rahel und können so hautnah an ihren Ängsten und Zweifeln teilhaben. Immer wieder eingestreute Passagen aus der Perspektive der jungen Line, in deren Familie es zu allerlei seltsamen Vorkommnissen kommt, sorgen für zusätzlichen Grusel, der im weiteren Verlauf immer mehr mit der Hauptgeschichte verknüpft wird. Und auch wenn hier Grusel- und Fantasy-Elemente eindeutig im Vordergrund stehen, bringen einige der Figuren zusätzlich immer wieder eine Prise Humor in das Geschehen ein und sorgen so für ein befreiendes Lachen in all der Düsternis.

Ein grandioser und atmosphärisch dichter Mystery-Krimi mit einer ordentlichen Portion Romance, der mich auf ganzer Linie überzeugen und begeistern konnte. Auf die nach dem Ende dieser Geschichte unausweichlichen Fortsetzung bin ich nun schon sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 03.04.2023

Abwechslungsreiche Dark Fantasy - Anthologie über eine facettenreiche Figur der phantastischen Literatur

Scherben einer Göttin
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Ob als erste Frau Adams, als Göttin, als Dämonin oder als Geliebte Luzifers, die hinter den Spiegeln lebt, Lilith gehört auf jeden Fall zu den schillerndsten und facettenreichsten Figuren den phantastischen ...

Ob als erste Frau Adams, als Göttin, als Dämonin oder als Geliebte Luzifers, die hinter den Spiegeln lebt, Lilith gehört auf jeden Fall zu den schillerndsten und facettenreichsten Figuren den phantastischen Genres und präsentiert sich da als Gestalt mit den 1000 Gesichtern.

In dieser sehr abwechslungsreichen Dark-Fantasy-Anthologie versuchen nun 18 Autorinnen und Autoren hinter diesen Mythos zu blicken und die Figur der Lilith tiefer zu ergründen. Das Ergebnis ist mehr als gelungen und bietet unter dem Strich nicht nur spannende Unterhaltung, sondern verbreitet darüber hinaus auch noch eine eher düstere Grundstimmung, die der Figur so auch absolut gerecht wird.

Wie immer kann in einer solchen Sammlung nicht jeder Beitrag den persönlichen Lesegeschmack zu 100 Prozent treffen. Meine persönlichen Favoriten sind hier die Beiträge von. Olaf Raack, Anke Becker, Marco Geiger, Allegra Bork, Antje Bremer und Bjela Schwenk, die zudem auch als Herausgeberin fungiert. Aber auch die übrigen Geschichten haben ihren ganz eigenen Reiz und bieten durchgehend einen sehr hohen Unterhaltungswert. So konnte mich in dieser Anthologie auch der eine oder andere Beitrag durchaus neugierig auf weitere Werke aus der Feder der jeweiligen Autorinnen bzw. Autoren machen.

Wer auf spannende und abwechslungsreiche Geschichten aus der breiten Palette der Dark Fantasy steht, sollte in dieser Anthologie auf jeden Fall den einen oder anderen Beitrag ganz nach seinem Geschmack finden.

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