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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein interessanter Einblick in die Politik der 70er Jahre ...

Die Frau der Stunde
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Ich freue mich sehr zu Die Frau der Stunde gegriffen zu haben, denn hiermit legt Heike Specht ein vielschichtiges, klug komponiertes Buch vor, das persönliche Lebenswege mit größeren gesellschaftlichen ...

Ich freue mich sehr zu Die Frau der Stunde gegriffen zu haben, denn hiermit legt Heike Specht ein vielschichtiges, klug komponiertes Buch vor, das persönliche Lebenswege mit größeren gesellschaftlichen Fragen verknüpft. Im Zentrum steht eine Frau, die in einem entscheidenden Moment ihres Lebens handeln muss – und damit nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern auch ihre Rolle in einer von Erwartungen und Machtstrukturen geprägten Umwelt neu definiert.
Spechts Stärke liegt vor allem in der Figurenzeichnung. Die Protagonistin wirkt glaubwürdig und komplex, fern von einfachen Heldinnenklischees. Ihre Zweifel, inneren Konflikte und Entscheidungen werden feinfühlig und psychologisch überzeugend dargestellt. Dadurch entsteht eine große Nähe zur Figur, die es leicht macht, sich in ihre Situation hineinzuversetzen. Auch die Nebenfiguren sind sorgfältig ausgearbeitet und tragen dazu bei, das erzählte Umfeld lebendig und authentisch wirken zu lassen.
Stilistisch überzeugt der Roman durch eine klare, präzise Sprache, die zugleich atmosphärisch dicht ist. Heike Specht nimmt sich Zeit für Zwischentöne und lässt wichtige Themen – etwa Selbstbestimmung, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage nach Verantwortung – organisch aus der Handlung heraus entstehen, ohne belehrend zu wirken. Das Erzähltempo ist ruhig, aber konsequent, und unterstützt die nachdenkliche Grundstimmung des Buches.
Die Frau der Stunde ist kein lauter, effekthaschender Roman, sondern ein leises, nachhaltiges Leseerlebnis. Er richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich für starke Frauenfiguren, historische oder gesellschaftliche Kontexte und eine reflektierte Auseinandersetzung mit persönlichen Entscheidungen interessieren. Nach der letzten Seite bleibt vor allem eines: das Gefühl, eine Geschichte gelesen zu haben, die lange nachwirkt. Von mir gibt es für diesen gut durchdachten Roman 4,5 Sterne, die ich gerne auf die volle Punktzahl aufrunden. Sicher werde ich noch das ein oder andere Buch dieser interessanten Frau in die Hände nehmen, bin schon sehr gespannt auf ihre Biografien!

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Das Buch und ich haben leider keine tiefe Freundschaft geschlossen ...

Weißes Licht
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Schafft man es eigentlich im Leben richtig glücklich zu werden … forever and ever? Dieser Frage versucht der Autor Eric Puchner auf den Grund zu gehen, indem er mich als Leserin Garret, Charlie und Cece ...

Schafft man es eigentlich im Leben richtig glücklich zu werden … forever and ever? Dieser Frage versucht der Autor Eric Puchner auf den Grund zu gehen, indem er mich als Leserin Garret, Charlie und Cece begleiten lässt. Während Charlie eindeutig der Sunnyboy der beiden jungen Männer zu sein scheint, hat Garret es mit seinem schwulen, schwerkranken und ewig mittellosen Vater wahrlich nicht leicht im Leben. Dennoch verbindet die Beiden eine innige Freundschaft, die noch aus Collegezeiten besteht und nur durch den Tod des Dritten im Bunde einen Schatten übergeworfen bekam. So verwundert es auch nicht, als Charlie Garret bittet, bei seiner Eheschließung mit Cece als Laienpriester zu agieren. Doch dann geschieht das Unglaubliche, Garret verliebt sich in Cece …

Der Klappentext dieses Debütromans las sich für mich, als könnte dieses Buch ein Roman genau meinem Beuteschema entsprechen, ich liebe ja problembehaftete Romane! Und dann auch noch ein ausgewähltes Buch für den von mir verehrten „Oprahs Bookclub“, das war eine vielversprechende Kombination. Mmmmhhh … und dann kam der Roman und zog sich wie Kaugummi. Was war hier passiert? Ich wollte das Buch wirklich mögen aber der Autor schaffte es nicht, mich von Charakteren zu überzeugen. Ich begleitete die Drei durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens, durfte neues Leben begrüßen und altes verabschieden, wurde mit Drogen und Anders sein konfrontiert und dennoch sprang der Funke nicht über. Gut gefallen hat mir allerdings, dass ich beim Lesen an manchen Stellen begann über mein eigenes Leben nachzudenken um für mich selbst mal wieder in Relation zu setzen, dass niemand ein perfektes Leben führt. Ich vergebe hier leider nur drei gutgemeinte Sterne, freue mich aber dennoch, dass ich durchgehalten habe. Eine wirkliche Empfehlung möchte ich diesmal aber nicht aussprechen … das nächste Mal wieder ;)

Veröffentlicht am 20.11.2025

Die Geheimnisse der Vergangenheit verlangen nach Aufklärung ...

Die Verlorene
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Nach dem Tod der Großmutter Änne stellt sich ihre Enkelin Laura die Frage, welcher Mensch sich hinter der Verstorbenen wirklich verborgen hat. Warum hat sie ihr Leben lang um ihre Vergangenheit in Schlesien ...

Nach dem Tod der Großmutter Änne stellt sich ihre Enkelin Laura die Frage, welcher Mensch sich hinter der Verstorbenen wirklich verborgen hat. Warum hat sie ihr Leben lang um ihre Vergangenheit in Schlesien solch ein Geheimnis gemacht? Laura, schwanger und dadurch mit viel Zeit an der Hand, will auf Ännes Spuren wandeln und unternimmt eine Reise nach Polen – ehemals Schlesien – wo ihre Familie einst zu Hause war. Was war damals geschehen und was werden Lauras Nachforschungen zu Tage führen? Schnell merkt die junge Frau, dass die spärlichen Erzählungen ihrer Großmutter nicht mit dem übereinstimmen, was sie in alten Unterlagen gefunden hat. Die Spurensuche vor Ort ist nicht einfach, doch ich als Leserin habe das Glück mit der Autorin in einem zweiten Zeitstrang direkt in die Vergangenheit springen zu dürfen. Was sich allerdings dort vor mir entfaltet, nimmt mir mehr als einmal beim Lesen den Atem ...

Mit „Die Verlorene“ hat mich die sympathische Autorin Miriam Georg endgültig von ihrem Schreibtalent überzeugt. Sie präsentiert mir als Leserin einen Roman, der sich langsam, aber sicher in seiner tragischen Dramatik so steigert, dass ich das Gefühl hatte, die Seiten blättern sich wie von selbst um. Er entwickelte ein wahre Sogwirkung! Mit seinem unerwarteten und sehr emotionalen Ende konnte mich das Buch schlussendlich komplett überzeugen und begeistern. Hierfür vergebe ich sehr gerne mit fünf Sternen die absolute Bestnote und wünsche dem Buch eine große Leserschaft und ebenso viel Erfolg. Immer wenn man glaubt, nun hat man wirklich alle Geschichten rund um den Zweiten Weltkrieg und sein Grauen gehört, kommt eine großartige Autorin wie Miriam Georg daher und überzeugt einen vom Gegenteil … Chapeau!!!

Veröffentlicht am 19.11.2025

Ein flotter Rückwärtssalto in die 70er Jahre ...

Die Schneiderei in der Fliedergasse - Große Träume
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Ich freue mich ja immer Bücher lese zu dürfen, die nahe an meinem eigenen Wohnort liegen und zu denen ich dadurch eine Beziehung habe. So habe ich es genossen, mit den Zwillingen Leonard und Susanne ein ...

Ich freue mich ja immer Bücher lese zu dürfen, die nahe an meinem eigenen Wohnort liegen und zu denen ich dadurch eine Beziehung habe. So habe ich es genossen, mit den Zwillingen Leonard und Susanne ein wenig durch Tübingen zu spazieren, obwohl ich die Umstände eher als – nun suche ich nach einem Wort – eigennützig bezeichnen würde. Eigennützig nicht von mir aber von dem Vater, der seinen Zwillingen quasi auf dem Totenbett das Versprechen abnimmt, dass Leo Jura studieren wird und Susanne die Belange der familieneigenen Schneiderei durch eine kaufmännische Ausbildung im Griff behalten soll. Dabei haben die Beiden ihre eigenen Ambitionen! Doch als die Existenz der Schneiderei in Gefahr gerät, trauen sich weder Leo noch Sanne der Mutter damit entgegenzutreten. Als dann aber auch noch ihrer beider Liebesleben eine Eigendynamik entwickelt, der sie sich schwer entziehen können, merken sie, dass es so nicht mehr weitergehen kann …
Das charmante Autorinnenduo Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, das sich hinter dem Pseudonym Katharina Oswald verbirgt, entführt mich in die 1970er Jahre und führt mir mal wieder vor Augen, dass sich in den letzten fünfzig Jahren doch so einiges getan hat. Längst sind heute die Rollenbilder von Mann und Frau in keinem solch rigiden Schema mehr angesiedelt und auch die gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung wird heute nicht mehr strafrechtlich verfolgt und Gott sei Dank weitestgehend akzeptiert. Die Autorinnen schaffen es spielend die damalige Atmosphäre der 70er einzufangen, eine Zeit, in der ich selbst Kind war und noch herrliche Erinnerungen daran habe.
Susanne und Leonard könnten damals genauso existiert haben wie im Buch dargestellt und machen richtig Lust auf mehr … mehr zu erfahren, wie es mit der Schneiderei und natürlich vor allem mit den Zwillingen weitergehen wird. Authentische Darstellungen, Charaktere, die man schnell liebgewinn und natürlich viel Lokalkolorit verschafften mir viele vergnügliche Lesestunden. Liebe Andrea, liebe Claudia … schon heute freue ich mich auf den Folgeband rund um Leo und Sanne in Tübingen. Ich vergebe sehr gerne glitzernde vier Sterne verbunden mit einer Leseempfehlung an alle, die sich einfach mal lesenderweise fallen lassen möchten.

Veröffentlicht am 18.11.2025

Die Fäden des Schicksals verwoben zu einer berührenden Geschichte ...

Lebensbande
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Dass Mechtild Borrmann zu einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen gehört, ist denen, die mich kennen inzwischen bekannt. Dass sie mich aber auch mit ihrem neuen Buch „Lebensbande“ wieder absolut in ...

Dass Mechtild Borrmann zu einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen gehört, ist denen, die mich kennen inzwischen bekannt. Dass sie mich aber auch mit ihrem neuen Buch „Lebensbande“ wieder absolut in den Bann ziehen konnte, möchte ich in dieser Rezension nachdrücklich vermerken.

Das Buch handelt von drei Frauen, die das Schicksal zusammenbringt und selbst der Tod nicht wirklich trennen kann. Ich lerne Lene kennen, die junge Frau, die ausgerechnet in den Zeiten der „braunen Brut“ ein Kind zur Welt bringt, das ein wenig anders ist als andere Kinder und um dessen Leben und Schicksal sie verbissen kämpfen muss. Nora, die unfreiwillig ein Verbrechen begeht und davon ein Leben lang verfolgt wird und schließlich Lotte, die nie die Hoffnung aufgibt, trotz schwerster Bedingungen an die Liebe ihres Lebens zu glauben.

Mit viel Feingefühl ohne aber jemals gefühlsduselig zu werden vermittelt mir die Autorin eine Geschichte, die zu Tränen rührt. Geschickt spinnt sie ein Netz aus Geheimnissen, die mich als Leserin immer wieder ins Grübeln brachten. Als ich glaubte für mich eines der Rätsel gelöst zu haben, taten sich neue Spuren auf und es war doch alles wieder ganz anders. Was aber durch den Roman erhalten bleibt ist das Leid, dass diese drei Frauen während und nach dem Krieg ertragen mussten und das für uns heute schwer vorstellbar ist. Für mich entwickelte das Buch einen wahren Lesesog, dem ich mich am Schluss gar nicht entziehen konnte. Sehr, sehr gerne vergebe ich hier mit fünf Sternen die wohlverdiente absolute Bestnote und freue mich heute schon auf weitere Lektüre aus Mechtild Borrmanns Feder.