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Veröffentlicht am 05.05.2024

Emotionale Geschichte über Menschen die grausames erlebt haben

Zeit zu verzeihen
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Als die Russen kurz davor stehen in ihr Dorf einzudringen, flüchtet Rosa mit ihren drei kleinen Kindern in die nächste grössere Stadt. Dort fährt, so hiess es überall, ein letzter Zug in den Westen. In ...

Als die Russen kurz davor stehen in ihr Dorf einzudringen, flüchtet Rosa mit ihren drei kleinen Kindern in die nächste grössere Stadt. Dort fährt, so hiess es überall, ein letzter Zug in den Westen. In eisiger Kälte, meterhohem Schnee stapft sie mit dem Schlitten, ihrem Hab und Gut und ihren drei kleinen Kindern die 17 km lange Strecke. Viele haben dieselbe Idee und alle wollen in den sicheren Westen. Doch Rosa bemerkt schnell, dass dieser Zug nicht in den Westen fährt und die erhoffte Freiheit bringt. Sie versucht mit ihren Söhnen aus dem Gewimmel zu kommen und notgedrungen wieder nach Hause zu laufen. Auf der Damentoilette des Bahnhofes finden sie ein ausgesetztes Baby. Glücklicherweise tauchen zwei weitere Frauen, Mutter und Tochter, auf und nehmen sich dem ausgesetzten Baby an. Die kleine Clara, findet hoffentlich ein neues zu Hause. Mit ihren drei Söhnen versucht Rosa ihr zu Hause wieder einzurichten und ja nicht von den Russen erwischt zu werden. Kälte, wenig Essen und die ständige Gefahr entdeckt zu werden, setzt der kleinen Familie zu. Als wäre dies nicht schon Schicksal genug, verliert Rosa ihre zwei ältesten Söhne und wird von den Bewohnern des Dorfes immer mehr ausgegrenzt. Als einzig verbleibende Deutsche hat sie keine Rechte und der kleine Viktor muss sich durchkämpfen, um überhaupt eine Ausbildung machen zu können. Ein Leben das man sich dem eigenen Kind nicht wünscht und man auch Opfer bringen muss.

‘Zeit zu verzeihen’ widmet sich wahren Begebenheiten und lässt den Leser erahnen, welche Grausamkeiten Rosa, ihre Familie, die kleine Clara und viele weitere durchmachen mussten. Hera Lind lässt einem nur so durch die Seiten fliegen, den als Leser möchte man unbedingt wissen, wie es Viktor und seiner Mutter ergangen ist, aber natürlich auch was aus der kleinen Carla geworden ist. Zu Beginn erfährt man sehr viel über die Geschichte von Rosa und Viktor, etwa zur Mitte des Buches wird zur Geschichte von Carla gewechselt, die nichts von ihrer Vergangenheit ahnt. Einige Vorkommnisse lassen den Leser sprachlos zurück und beeindrucken einem, wie stark man als Person sein kann, wenn man sich auf etwas konzentrieren kann.

Rosa fand ich eine sehr eindrucksvolle Frau. Sie kämpft für ihre Familie, den sie hat es ihrem gefallenen Mann Paul versprochen. Dieses Versprechen gibt ihr Kraft und sie baut für sich und ihre Söhne ein gutes Leben auf. Auch von Schicksalsschlägen lässt sie sich nicht unterkriegen. Berührend fand ich, dass Viktor mit dem älter werden die Beschützerrolle von seiner Mutter übernommen hat und nun seine Mutter beschützt. Ein Rollentausch, den beide am Leben hält und ihnen Kraft für ihre neue Lebenssituation gibt. Von Carla erfährt man am Anfang ganz wenig, doch je mehr man in ihre Geschichte eintaucht, umso bewundernswerter ist ihr Kampfgeist. Wie Rosa lässt sie sich nicht unterkriegen und hat die Hoffnung ihre Liebsten und vor allem ihre leibliche Mutter nochmals zu sehen. Alle prägt ein Gedanke, Hoffnungsschimmer oder Versprechen um diese schwierige Zeit zu überstehen.

Eine emotionale Geschichte, die mich vielfach sprachlos zurück liess. Wie kann Menschen so grausames angetan werden? Eine Leseempfehlung, für alle welche gerne Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg lesen die auf einer wahren Begebenheit beruhen.

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Veröffentlicht am 30.04.2024

Emotionale Geschichte im 2. Weltkrieg

Und Großvater atmete mit den Wellen
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Konrad ist ein leidenschaftlicher Seemann. Als das Schiff auf dem er stationiert ist, von den Japanern angegriffen wird, kann er sich mit viel Geschick retten. Doch Überleben mitten auf dem Meer in einem ...

Konrad ist ein leidenschaftlicher Seemann. Als das Schiff auf dem er stationiert ist, von den Japanern angegriffen wird, kann er sich mit viel Geschick retten. Doch Überleben mitten auf dem Meer in einem Rettungsboot und mit einem schwer verletzten Kollegen ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Über mehrere Wochen ist Konrad und sein Kollege ständigem Sonnenschein und der immer drohenden Gefahr, von einem Feind entdeckt zu werden ausgesetzt. Völlig entkräftet wird Konrad vor der Insel Java gerettet, sein Kollege hat es leider nicht geschafft. Glücklicherweise kommt er in ein Spital in dem die junge Norwegerin Sigrid arbeitet. Sie spricht seine Sprache und kümmert sich rührend um ihn. Doch Java wird während des Krieges von den Japanern besetzt und sie werden in unterschiedliche Gefangenenlager gebracht. Sigrid, ihre jüngere Schwester Ingerid und ihre Mutter werden in ein Frauenlager gebracht. Die Zustände da sind schrecklich und die Frauen werden gezwungen auf dem Feld zu arbeiten. Essen und Medikamente werden immer knapper und die Hygiene lässt zu wünschen übrig. Wer an Malaria, etc. erkrankt hat kaum eine Chance die Krankheit zu überleben. Auch im Männerlager sieht es nicht besser aus. Konrad und Sigrid geben den Traum nicht auf, dass sie einander wieder sehen werden. Mit diesem Gedanken kämpfen sie sich durch die widrigsten Umstände und geben die Hoffnung nicht auf.

‘Und Grossvater atmete mit den Wellen’ ist das zweite Buch der Autorin das ich gelesen haben. Genauso wie der erste Band der Reihe, konnte mich die Geschichte von Beginn weg fesseln. Eine emotionale Geschichte, bei der man auch als Leser hofft das alles gut ausgeht und sich die Wege von Konrad und Sigrid wieder kreuzen. Die Zustände in den Lagern, sowie die Behandlung der Inhaftierten werden so detailgetreu beschrieben, das man als Leser ein Bild vor Augen hat.

Konrad ist ein wahrer Kämpfer. Er gibt nicht auf und will sich und sein Kollege unbedingt retten, auch wenn die Chance auf Erfolg sehr klein ist. Auch im Lager lässt er sich nicht so schnell unterkriegen und wagt auch mal ein Risiko einzugehen. Die gelernte Krankenschwester Sigrid wird als eine sympathische, junge Frau dargestellt, die sich um ihre Familie, aber auch alle anderen kümmert. Ihre Ausbildung kommt ihr im Lager zugute, doch muss sie auch schlimme Situationen durchstehen. Sie kommt immer wieder an ihre seelischen Grenzen, kämpft aber immer weiter.

Eine emotionale Geschichte, die den Leser ans Buch fesselt und eine würdige Fortsetzung der Reihe ist.

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Veröffentlicht am 13.04.2024

Gelungenes Debüt mit Verbesserungspotential

Die Auszeit
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Eine Auszeit in einem abgelegenen Luxusretreat dass alles erdenkliche bietet, tönt nach einem richtigen Traum. Diesen Traum können die Influencerin Viktoria und ihre Freunde erfüllen. Sie wurde vom Inhaber ...

Eine Auszeit in einem abgelegenen Luxusretreat dass alles erdenkliche bietet, tönt nach einem richtigen Traum. Diesen Traum können die Influencerin Viktoria und ihre Freunde erfüllen. Sie wurde vom Inhaber Pierre eingeladen eine Reportage auf ihren sozialen Kanälen über das Retreat zu posten. Ihr Ziel ist dabei die Marke von 1 Million Followern zu erreichen und dies mit ihren engsten Weggefährten zu feiern. Doch zwischen den Freunden scheint etwas nicht zu stimmen, die Stimmung ist sehr angespannt. Was nicht alle wissen, ist das Viktoria seit einiger Zeit von einem Stalker verfolgt wird. Sie hat während des Aufenthaltes ständig das Gefühl beobachtet zu werden und befürchtet dass ihr Stalker sie bis ins Retreat verfolgt. Als es zu einem tragischen Todesfall kommt, gibt es schnell eine Verdächtige. Alle Spuren deuten auf Karla, die beste Freundin von Viktoria. Doch die kann sich an nichts erinnern und ist sich sicher das sie unschuldig ist. Doch alle sind gegen sie und so begibt sie sich alleine auf Spurensuche.

‘Die Auszeit’ ist das erste Buch der Autorin Emily Rudolf. Ein gelungenes Debüt, dass gerade im Mittelteil mehr Spannung hätte haben dürfen. Der Anfang und das Ende sind sehr spannend, so dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legt. Durch den Mittelteil muss man sich jedoch durchkämpfen. Hier werden viele Details über die verschiedenen Beziehungen zwischen den Freunden erzählt, die in einer gekürzten Fassung den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht gehalten hätten. Ein durchaus spannender Krimi und ein Debut das Lust auf mehr Bücher der Autorin weckt.

Die Geschichte dreht sich um Viktoria und ihre Freunde. Viktoria, die erfolgreiche Influencerin, konnte mich nicht vollends überzeugen. Ihre Influencer-Karriere steht für sie im Vordergrund und alles andere kommt anschliessend. Dies macht sie eher unsympathisch und der Umgang mit Julian macht diese Wahrnehmung nicht gerade besser. Josephine fand ich sehr sympathisch. Als neue in der eingeschworenen Truppe muss sie sich zuerst zurechtfinden. Doch der Verlauf der Geschehnisse lassen mich als Leser, wieder einmal mehr an meiner Menschenkenntnis zweifeln oder man kann auch sagen, die Autorin führt den Leser gezielt an der Nase rum.

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Veröffentlicht am 09.04.2024

Spannende und geheimnisvolle Familiengeschichte

Das Geheimnis von Dikholmen
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Mit der einsamen Insel Dikholmen finden die drei Frauen Lillemor, Inga und Eira einen Zufluchtsort. Die Schäreninsel wird nach der Flucht Eira’s neues Zuhause. Einsam lebt sie in ihrer Kate und möchte ...

Mit der einsamen Insel Dikholmen finden die drei Frauen Lillemor, Inga und Eira einen Zufluchtsort. Die Schäreninsel wird nach der Flucht Eira’s neues Zuhause. Einsam lebt sie in ihrer Kate und möchte keine Namen hören. Auch versucht sie mit niemandem zu sprechen und erhält dadurch den Namen «die stumme Frau». Einige Jahre später kommt die schwangere Inga auf die Schäreninsel, nachdem sie aus ihrem Zuhause geflohen ist. Sie wurde von ihrer Stiefmutter regelrecht aus dem jahrelangen Zuhause vertrieben und Inga sieht das Ferienhaus ihres Vaters als einzigen Fluchtort. Doch so alleine an einem einsamen Ort, in einem Haus ohne Strom und fliessendem Wasser ist für sie sehr ungewohnt. Beide Frauen bekommen Hilfe von Magnus. Er versorgt die Frauen auf der Insel regelmässig mit Lebensmitteln und schaut nach ihnen. Lillemor ist ein Inselkind und kennt die Schäreninseln wie ihre Westentasche. Doch für ihr Studium geht sie nach Deutschland und lernt dort auch ihre Liebe Bernhard kennen. Weit weg von den Schäreninseln wandern ihre Gedanken jedoch immer wieder zurück in ihre Heimat und ihrem guten Freund Eskil. Zusammen mit ihrem Mann Bernhard und ihrem Sohn Timmy arbeitet sie in ihrer eigenen Töpferwerkstatt, doch einige Jahre später ist ihr Leben komplett aus den Fugen geraten. Auf einer Wanderung versucht sie zu sich selbst zu finden und ihre grosse Last abzuwerfen. Die Zufallsbekanntschaft einer Pilgerin bringt sie dabei noch mehr zum nachdenken und Lillemor fasst einen wichtigen Entschluss für ihre Zukunft.

‘Das Geheimnis von Dikholmen’ ist eine spannende Familiengeschichte, wobei lange nicht klar ist, wie die Geschichte der drei Frauen zusammenhängt. Durch das ganze Buch hindurch rätselt man als Leser wie die Verbindungen sein können, denkt das eine oder andere Mal dass dies gar nicht sein kann und ist am Schluss umso überraschter welche Geheimnisse ans Licht kommen. Die Landschaft rund um die Schäreninsel und die einsame Insel Dikholmen kann man sich als Leser sehr gut vorstellen und es passt sehr gut zur Geschichte der drei Frauen. Einsamkeit, Geheimnisse und Schicksalsschläge prägen die Geschichte und fesseln den Leser an das Buch.

Die drei Hauptprotagonistinen sind sympathisch beschriebene Charaktere. Lillemor hat eine grosse Last zu tragen, was sie aber bis zu ihrer Wanderung nicht bemerkt. Von ihr erfährt man auch sehr viel aus der Vergangenheit, wo auch die beiden anderen Frauen bereits eine Rolle spielen. Ihre Geschichte nimmt am meisten Platz ein, ergänzt jedoch die Geschichte von Inga und Eira gut. Für Inga hält das Leben nicht viel gutes bereit. Vertrieben von zu Hause, der Mann den sie nicht Heiraten kann und dann auch noch die Krankheit. Einziger Lichtblick ist ihr Sohn Eskil und der Zusammenhalt auf der Insel. Für Eira scheint die Insel der einzige Ort zu sein, an dem sie sich sicher fühlt. Sie hat heimlich ihren Mann und die Zwillinge verlassen, um sie vor etwas zu beschützen.

Ein spannender Roman über drei starke Frauen, die ein gemeinsames Geheimnis verbindet und ihr Lebensglück auf den Schäreninseln gefunden haben.

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Veröffentlicht am 29.03.2024

Unterhaltsamer Roman

Sie haben Ihren Rollator beim Zumba vertauscht
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Als das Nobel-Altenheim «Senior Palace» seine Toren öffnet, herrscht helle Aufregung im Haus Sonnenuntergang. Schnell geht das Gerücht um, dass auch das Haus Sonnenuntergang zur Kette des Senior Palace ...

Als das Nobel-Altenheim «Senior Palace» seine Toren öffnet, herrscht helle Aufregung im Haus Sonnenuntergang. Schnell geht das Gerücht um, dass auch das Haus Sonnenuntergang zur Kette des Senior Palace gehören soll. Doch die langjährigen Pflegekräfte rund um Sybille Bullatschek lassen sich dies nicht gefallen und wehren sich dagegen. Als wäre dies nicht schon genug, müssen sich Sybille und ihre beiden Kolleginen auch noch mit einem Kriminalfall auseinandersetzen. Den das Geld in der Tasche von einem Heimbewohner stammt aus einem Raubüberfall und niemand im Heim scheint die Tasche zu vermissen. Sie müssen sich etwas einfallen lassen, was mit der Tasche und dem Geld passieren soll, ohne dass sie mit dem Raubüberfall in Verbindung gebracht werden. Von Sybille und ihren Kolleginnen ist grosses Improvisationstalent gefragt, den sie möchten alle ihren Job behalten und ja nichts mit dem Raubüberfall zu tun haben. Und dann ist da noch die Geschichte mit dem ominösen J.B., mit dem Sybille chattet und der ständig ihren Wagen zuparkt. Wer steckt hinter diesem Kürzel, James Bond wird es ja nicht sein.

‘Sie haben ihren Rollator beim Zumba vertauscht’ ist ein sehr unterhaltsamer Roman. Das Setting rund um das Altenheim finde ich sehr spannend und die Autorin schafft es, den Leser ab der ersten Seite zu fesseln. Viele Passagen laden zum schmunzeln ein und entführen den Leser mitten in den Alltag eines Altenheimes. Das Buch hält krumme Geschäfte, tollpatschige Szenen und viel Humor bereit. Das gewisse Wörter im Dialekt geschrieben sind, wertet meiner Meinung nach das Buch auf und ist überhaupt nicht störend.

Sybille ist eine sympathische Pflegekraft, die nie zur Ruhe kommt. Auch wenn sie krankgeschrieben ist, lassen ihr die Heimbewohner keine Ruhe. Sie hat aber auch das Talent in die spektakulärsten Situationen zu gelangen und muss dann immer im Improvisationstalent hervorholen. Frau Spielmann fand ich witzig, Die alte Dame beweist einen guten Geschäftssinn und begibt sich dabei nicht einmal in Gefahr. Eine gewiefte alte Dame, die sich durch niemanden aufhalten lässt.

Ein Roman der zum schmunzeln einlädt und den Leser auf eine unterhaltsame Weise in den Alltag einer Pflegekraft und ins Altenheim entführt.

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