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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2024

Tod in Turin

Die Frau in Rot
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Die Hauptperson in diesem Krimi ist die Psychoanalytikerin Camilla di Salvo. Eine intelligente Frau, ohne die neuerdings bei Ermittlern so beliebten merkwürdigen Spleens. Sie hat zwar auch eine nicht ungetrübte ...

Die Hauptperson in diesem Krimi ist die Psychoanalytikerin Camilla di Salvo. Eine intelligente Frau, ohne die neuerdings bei Ermittlern so beliebten merkwürdigen Spleens. Sie hat zwar auch eine nicht ungetrübte Kindheit, aber der Autorin sei Dank, dies wird nicht weiter breitgewalzt, sondern das Augenmerk einzig auf die Tote in Rot gerichtet, über deren Todesursache noch der Hauch eines Rätsels schwebt.
Die Tochter der Toten sucht Camilla eines Tages unvermittelt auf, weil sie eine Therapie wegen ihrer Alpträume beginnen möchte, die sie seit dem Tod der Mutter heimsuchen. Auch wenn keine Behandlung zustande kommt, so ist di Salvo doch sehr fasziniert von den Mordumständen. Sie sucht nach Lösungen, aber manche Antworten fallen ihr auch ohne ihr Zutun zu.
Das Buch liest sich richtig gut. Wahrscheinlich, weil alles an Camilla so normal ist und man sich gut mit ihr identifizieren kann. Der Plot ist intelligent geschrieben und der Schreibstil ist sehr angenehm. Es herrscht ein gleichmäßiges Spannungslevel vor. Man kann mit dem Lesen ruhig zwischendurch mal pausieren, aber man findet sich schnell wieder zurecht. Auch die ganze Atmosphäre in Turin wird ruhig und ansprechend geschildert. Auf mich wirkt es fast wie eine Einladung, selbst einmal durch diese schönen Straßen zu bummeln.
Dies ist mein erstes Buch von Giulia Conti, aber sicher nicht mein letztes.

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Veröffentlicht am 24.09.2024

Kakao-san

Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen
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In Tokio, idyllisch unter Kirschbäumen gelegen, findet man das gemütliche Café Marble. Es ist Dreh- und Angelpunkt eines Reigens von Lebensgeschichten. Viele Personen, die einen Bezug zum Marble haben, ...

In Tokio, idyllisch unter Kirschbäumen gelegen, findet man das gemütliche Café Marble. Es ist Dreh- und Angelpunkt eines Reigens von Lebensgeschichten. Viele Personen, die einen Bezug zum Marble haben, kommen zu Wort. Jeder Lebensweg ist anders, doch faszinierend sind sie alle. Als Europäer gewinnt man auch kurze Einblicke in die japanische Denkweise. Die Autorin hat einen geradlinigen Schreibstil, der dennoch eine Nähe zu den Protagonisten herstellt. Sehr geschickt lässt sie ihren Roman mit einem kleinen Kakaofleck beginnen und schlägt mit eben diesem Fleck auch den Bogen zum Schluss.
Es ist ein sehr feinsinniges Buch, das unterhaltsam und nachdenklich zugleich ist, ein Buch zum Selberlesen und zum Verschenken.
Die Hörbuchversion wird sehr ansprechend eingelesen von Jana Kozewa und Tim Gössler

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Der Juwelenraub

Agency for Scandal
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Izzy Stanhopes Vater ist verstorben und hinterlässt nichts als Schulden. Die Mutter flüchtet sich in Krankheit, sodass es an Izzy hängen bleibt, nach außen hin den Ruf der Familie zu wahren. Doch im prüden ...

Izzy Stanhopes Vater ist verstorben und hinterlässt nichts als Schulden. Die Mutter flüchtet sich in Krankheit, sodass es an Izzy hängen bleibt, nach außen hin den Ruf der Familie zu wahren. Doch im prüden und versnobten viktorianischen Zeitalter hat eine Frau wenig Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Es sei denn, durch eine Heirat mit einem wohlhabenden Mann. Allerdings begeben sich Frauen damit in eine lebenslange Abhängig- und Unmündigkeit. Ehefrauen geraten oft durch die Schuld der Männer in üble Zwangslagen, und in diesem Fall ist die Agentur von Mrs. Finch die richtige Anlaufstelle, um diskret für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen. Und Izzy hat das große Glück, hier als Detektivin angestellt zu sein. Somit ist der finanzielle Bankrott vorerst von ihrer Familie abgewendet und sie führt ein aufregendes und selbstbestimmtes Leben. Der Roman handelt nun von ihren spannenden Abenteuern, die sie mit dem absolut attraktiven Duke Max Vane erlebt. Man erfährt viel von der damaligen Lebensart, gleichzeitig aber ist es auch ein zarter Liebesroman, in dem man mit der Heldin die ganze romantische Gefühlsskala durchleben kann. Und außerdem ist es natürlich noch eine Art historischer Krimi, der hoffentlich bald eine Fortsetzung erhält. Die Protagonisten sind einem nämlich schnell ans Herz gewachsen. Besonders gut gefällt mir die Hörbuchversion, die sehr lebendig und einfühlsam von Nora Schulte vorgelesen wird.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Leben in der Rezession

Die Sache mit Rachel
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Rachel ist eine junge Frau aus gutem Hause. Die Eltern, beide Zahnärzte, ermöglichen ein privilegiertes Heranwachsen mit Privatschulen und allem Pipapo. Doch zu Rachels Studienbeginn schlägt in Irland ...

Rachel ist eine junge Frau aus gutem Hause. Die Eltern, beide Zahnärzte, ermöglichen ein privilegiertes Heranwachsen mit Privatschulen und allem Pipapo. Doch zu Rachels Studienbeginn schlägt in Irland die Rezession brutal zu. Die Eltern können sich die Studiengebühren nicht mehr leisten, und Rachel muss sich neben der Uni noch Aushilfsjobs suchen. Um Geld zu sparen, zieht sie mit dem schwulen James in ein heruntergekommenes Haus. James erweist sich einerseits als Glücksgriff, denn die beiden verstehen sich von Grund auf gut. Aber diese enge Freundschaft verhindert auch, dass sich Rachel rückhaltlos in eine Liebesbeziehung begibt. Immer ist James dazwischen, quasi als letzte Instanz. Er selbst hat sein Herz an einen bisexuellen Professor verloren und durchlebt alle Höhen und Tiefen der Liebe.
Rachel ist keine Frau, die man kennenlernen möchte. Sie ist völlig auf sich bezogen, trinkt, hascht, macht Sex, ist unehrlich. Sie führt ein Lotterleben ohne groß nachzudenken, und genau das führt sie auf den Tiefpunkt ihres Lebens.
Vieles in diesem Roman ist einfach nur deprimierend. Die ständige Armut und Arbeitslosigkeit, die ewige Trinkerei, das fürchterliche Haus. Dazu kommt die Charakterschwäche von Rachel, die nichts auf die Reihe bringt.
Zum Glück wird die Grundstimmung gegen Ende besser, aber bis dahin muss man als Leser viel aushalten, was weder schön noch spannend ist.
Schwierig, ob ich so ein Buch empfehlen möchte. Aber in der Rezession war Irland nun mal ein bitterarmes Land mit einer unmenschlichen Abtreibungspolitik. Dieser Punkt wird auch sehr ausführlich, eigentlich schon viel zu ausführlich, behandelt. Wenn man mal von den unsympathischen Protagonisten absieht, ist die Handlung sehr nah am wirklichen Leben geschrieben. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er diese Art von Romanen mag.

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Cosy Crime aus Cornwall

Der Mordclub von Shaftesbury – Nur die Toten kommen in den Garten
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Es gibt ein Wiedersehen mit der netten Penelope, die in dem beschaulichen Shaftesbury eine neue Heimat und auch die große Liebe gefunden hat. Es geht natürlich wieder sehr skurril zu, fast fühlt man sich ...

Es gibt ein Wiedersehen mit der netten Penelope, die in dem beschaulichen Shaftesbury eine neue Heimat und auch die große Liebe gefunden hat. Es geht natürlich wieder sehr skurril zu, fast fühlt man sich in eine Szene aus einem Inspector Barnaby Krimi versetzt, in denen es oft merkwürdige Dorffeste gibt. In Shaftesbury ist eine hochbetagte Stickerin gestorben. Zusammen mit ihrem ebenfalls verstorbenen Mann, einem Gartenarchitekten, haben sie beeindruckende Kunstwerke geschaffen und sich somit einen großen Namen gemacht. Nun soll ein örtlicher Stickwettbewerb zu ihren Ehren ausgetragen werden. Und wie immer soll Penelope alles ausrichten, weil sie ein Händchen für Organisation hat.
Wieder wird der Leser mit allerhand schrägen Typen konfrontiert, mit an Klamauk grenzender Situationskomik und immer wieder mit erfrischenden Szenen beim Landttierarzt samt seiner liebenswert neunmalklugen Tochter. Doch die Autorin bewahrt geschickt die Grenze zur Lächerlichkeit, so bleibt es bei einer heiteren Grundstimmung, die ein Lächeln aufs Gesicht zaubert und auch Lust auf weitere Fortsetzungsgeschichten macht.

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