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Veröffentlicht am 02.01.2021

Anspruchsvolle theologische Texte für jeden Tag des Jahres

Ein Jahr mit C. S. Lewis
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Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, den Tag mit einem besinnlicheren Moment ausklingen zu lassen. Daher war ich ganz erfreut, als ich C.S. Lewis als Jahresbegleiter entdeckte: "Ein Jahr mit C.S. ...

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, den Tag mit einem besinnlicheren Moment ausklingen zu lassen. Daher war ich ganz erfreut, als ich C.S. Lewis als Jahresbegleiter entdeckte: "Ein Jahr mit C.S. Lewis" - Texte aus seinen Werken zu jedem Tag des Jahres. Das Buch, das bereits 2003 erschienen ist, wurde nun von Gerth-Medien in einer neuen Ausgabe herausgebracht. 

Wer sich von dem Verfasser der "Chroniken von Narnia" leichte Kost verspricht, der wird mit dem Buch eines anderen belehrt: Lewis war von Beruf Wissenschaftler - seinen Texten merkt man es an. Und so findet man in dem Lesebuch zwischendurch auch leicht zu lesende Texte, aber auch allerhand schwere Kost, wo es mehr als eine Tasse Kaffee braucht, bis man verstanden hat, was Lewis sagen will. Beim Lesen hatte ich oft den Eindruck, dass mir der Zusammenhang des Gesagten fehlt, auch wenn in der Regel mehrere Auszüge hintereinander aus dem gleichen Buch von Lewis stammen. 

Vermisst habe ich auch eine Einleitung oder ein Nachwort, in dem erklärt wird, in welcher Logik die Texte ausgewählt wurden, nach welcher Absicht sie in ihre Reihenfolge gebracht wurden. Hier wäre es gut gewesen, wenn man als Leser sich vor der Lektüre der einzelnen Tage einen groben Überblick verschaffen hätte können, was ihn im Laufe des Jahres erwartet.

Schade finde ich, dass kein Auszug aus den "Chroniken von Narnia" verwendet wurde - in den Büchern sind ja viele christliche Motive aufgegriffen. Aber vielleicht hätte das gar nicht zu dem Andachtsbuch gepasst. Denn Lewis erweist sich hier als niemand, der zum Nachdenken einlädt, sondern als einer, der etwas aufzeigen will, dem es um Erkenntnis geht. 

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Veröffentlicht am 28.11.2020

Ohne Hörspiel: nicht überzeugend

Asterix - Der Goldene Hinkelstein
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Nein, das gleich vorneweg: Ein neuer Asterix-Comic, das ist „Der goldene Hinkelstein“ nicht. Vielmehr ist es das Skript eines Hörspiels, das bereits 1967 in Frankreich veröffentlicht wurde. Und nein: es ...

Nein, das gleich vorneweg: Ein neuer Asterix-Comic, das ist „Der goldene Hinkelstein“ nicht. Vielmehr ist es das Skript eines Hörspiels, das bereits 1967 in Frankreich veröffentlicht wurde. Und nein: es ist kein Comic. Die alten Hörbuchillustrationen von Albert Uderzo sind auch in diesem Band nur Illustrationen und können einen Comic nicht ersetzen, auch wenn sie für den Band neu bearbeitet wurden.

Die Handlung ist einem Hörspiel für Kinder entsprechend eher einfach erzählt, es konzentriert sich alles auf die Haupthandlung: Troubadix‘ Auftritt beim Bardenwettstreit um den Preis des „Goldenen Hinkelsteins“. Hinzu kommt noch ein kunstliebender römischer General, der gerne seinen eigenen Barden hätte…

Ich muss zugeben: Wäre das Heft zusammen mit dem Hörspiel erschienen, hätte ich es deutlich besser bewertet. Nur als Textheft ist es eine eher fade Angelegenheit, den neuen Asterix zu lesen.

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Veröffentlicht am 18.10.2020

Ulrich und die Flucht aus seinem Leben

Die Geschichte von Ulrich, der bei IKEA einzog und das Glück fand
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Ulrich ist arbeitslos. Nach dem Tod seiner Eltern schafft er es nicht, selbständig zu werden. Als er vom Arbeitsamt aufgefordert wird, einen Computerkurs zu absolvieren, tritt er die Flucht aus seinem ...

Ulrich ist arbeitslos. Nach dem Tod seiner Eltern schafft er es nicht, selbständig zu werden. Als er vom Arbeitsamt aufgefordert wird, einen Computerkurs zu absolvieren, tritt er die Flucht aus seinem Leben an und so entsteht „Die Geschichte von Ulrich, der bei Ikea einzog und das Glück fand„.

A.S. Dowidat, Theologin aus Bonn, hat sich diese Geschichte ausgedacht. Es ist eine recht nachdenklich daherkommende Geschichte – auch wenn das knallgelbe Cover vielleicht etwas andere Erwartungen weckt. Die „Geschichte von Ulrich“ ist eher ein modernes Märchen darüber, wie man mit seinem Leben zurechtkommen kann als über das Finden von Glück. Wer ein Buch erwartet wie „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ wird sicherlich das Buch enttäuscht beiseite legen. Denn als Ulrich schließlich das Möbelhaus zu seinem Wohnort erkürt und sich regelmäßig abends einschließen lässt, denkt er mitnichten über sein eigenes Glück nach.

Nein, Ulrich sucht nicht sein Glück. Vielmehr braucht es andere, die ihn schließlich aus seiner Lethargie befreien – oder aus seiner Rolle als bloßer Beobachter, wie Ulrich sich sieht. Gisela etwa, aber auch die ominöse Nachtwächterin, der er immer wieder begegnet. Dazu kommt eine Stimme, die ihn immer wieder ruft „Komm, Ulrich…“ – und die ihn immer zur Nachtwächterin führt.

Nichtsdestotrotz hat Ulrich auch andere Seiten. So versteckt er Zettel in dem Möbelhaus, die die Finder zum Nachdenken anregen sollen – er selbst allerdings tut dies mitnichten. „Glauben Sie, dass im Selbstaufbauen von Möbeln Lebensglück liegt?“ steht etwa auf einem der Zettel.

Diese Zettel gehörten zu den humorvolleren Ideen des Buches. Auf mich wirkte das Buch allerdings insgesamt sehr konstruiert. Alles muss eben gut ausgehen. Zudem kommen einzelne Szenen sehr plakativ daher. Ulrich etwa, so sagt es der Roman, sei jemand, der „noch nie“ etwas abgelehnt habe. Noch nie… – naja! Dann die Versöhnung mit den Eltern: ratzfatz im Sauseschritt wird alles vergessen, was die Beziehung zuvor belastet hat. Wer’s glaubt…

Auch der Bezug zur Religion gehört zu dem, was mich an dem Buch nicht ganz überzeugt hat. Die Begegnung mit der Religion ist auf drei größere Szenen fokussiert. Sehr mundgerecht wird danach dann präsentiert, was Ulrich daraus lernen konnte. Als Leser wird man in „Die Geschichte von Ulrich, der bei Ikea einzog und das Glück fand“ von der Autorin an eine sehr enge Leine genommen. Für mich war es eine zu enge Leine.

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Veröffentlicht am 19.09.2020

Von Ahas zu Hiskia

Sei du meine Stärke
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Mit ihrer neuen Reihe „Die Chroniken der Könige“ begibt sich Lynn Austin in das Zeitalter der Könige Israels. Ihr erster Band „Sei du meine Stärke“ spielt im 8. Jahrhundert vor Christus, zur Zeit der Könige ...

Mit ihrer neuen Reihe „Die Chroniken der Könige“ begibt sich Lynn Austin in das Zeitalter der Könige Israels. Ihr erster Band „Sei du meine Stärke“ spielt im 8. Jahrhundert vor Christus, zur Zeit der Könige Ahas und Hiskia.

Das Südreich Juda ist dabei in keiner guten Verfassung: schwere militärische Niederlagen führen dazu, dass Juda zu einem Vasallenstaat der Assyrer wird. Außerdem werden in Jerusalem sogar im Tempel andere Götter angebetet.

Nur wenig erfährt man in den Büchern der Chroniken und der Könige über diese Zeit. Lynn Austin gelingt es, aus den knappen biblischen Informationen eine spannende Geschichte entstehen zu lassen. Schon der Beginn des Romans hat es in sich: der älteste Sohn des Königs soll dem Gott Moloch geopfert werden. Dennoch gelingt es Hiskias Mutter Abi, dass ihr Sohn in der Thora unterwiesen wird. Das Buch endet damit, dass Hiskia nach Ahas‘ Tod zum neuen König wird und das Land wieder zurück zum JHWH-Glauben führt.

Die Mischung aus Fiktion und Fakten überzeugt, auch wenn manches eher unserer Zeit entspricht, etwa die starke Fokussierung des Opfers auf den Aspekt der Vergebung. Gottestreue und Vertrauen stehen im Zentrum vieler Gespräche, sodass es nicht verwundert, dass viel aus dem Buch der Psalmen zitiert wird. Etwas anachronistisch sind die Verweise auf die Gottesebenbildlichkeit des ersten Schöpfungsberichts und auf Hiob – beide Texte waren zur Zeit der Handlung noch nicht bekannt.

Sehr gelungen ist das Einfühlungsvermögen in die Figuren. Aus unterschiedlichen Perspektiven wird das Geschehen beleuchtet, sodass man die Gedankenwelt am Königshof, am Tempel und die der Propheten kennenlernt.

Für mich war der Hauptbeweggrund, das Buch zu lesen, die Möglichkeit, eher unbekannte biblische Texte kennen zu lernen. Das gelang mir bereits bei Lynn Austins Buchreihe über die Rückkehr aus dem Exil nach Israel.

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Veröffentlicht am 11.09.2020

Verlust der eigenen Identität

Der verlorene Sohn
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Olga Grjasnowa begibt sich in ihrem neuen Roman „Der verlorene Sohn“ in ferne Welten: Jamalludin ist Sohn eines kaukasischen Herrschers. Als der Krieg gegen Russland verloren scheint, wird Jamalludin zum ...

Olga Grjasnowa begibt sich in ihrem neuen Roman „Der verlorene Sohn“ in ferne Welten: Jamalludin ist Sohn eines kaukasischen Herrschers. Als der Krieg gegen Russland verloren scheint, wird Jamalludin zum Spielball der Mächte: Der Zar lässt das Kind im Sommer 1839 nach St. Petersburg verschleppen, wo er am Hof des russischen Zaren aufwächst.

Die Absicht des Zaren ist klar: er will später in Jamalludin einen treuen Vasallen als kaukasischer Herrscher haben. Jamalludin wächst in einer russischen Familie auf, ohne Kontakt zu seiner echten Familie. Er schlägt schließlich sogar eine militärische Laufbahn ein – wohl wissend, dass er eines Tages gegen das russische Militär in den Krieg ziehen könnte.

Jamalludin, selbst Muslim, wächst in einer ganz anderen Kultur auf als die eigene. Nach Jahren rechnet er gar nicht mehr damit, jemals wieder nachhause zu kommen, verlobt sich sogar mit einer Russin. Doch sein Vater, Schamil, kann seine Freilassung vom Zaren erpressen. Wieder zuhause, in seiner Familie, wird er mit Argusaugen beobachtet. Man traut ihm nicht über den Weg, er muss noch beweisen, ob er einer der Ihrigen ist. Denn: „Ihre Vertrautheit lag zu lange zurück und sie wussten nicht, wie sie an die Vergangenheit anknüpfen sollten.“

So hat Olga Grjasnowa einen Roman verfasst, der den Verlust der eigenen Identität thematisiert, ohne auf eine starke erzählerische Entfaltung zu verzichten. Denn Jamalludin erweist sich unter anderem als ein genauer Beobachter der russischen Verhältnisse, der Unzufriedenheit in der Bevölkerung und des Arrangements der Macht am Ende des Zarenreichs.

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