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Veröffentlicht am 11.03.2019

Warum gutes Hören lebenswichtig ist

Ganz Ohr
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Vor wenigen Tagen, am 3. März, war der Welttag des Hörens. Passend dazu erschien Ende Februar "Ganz Ohr - Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält“. Thomas Sünder begann aus persönlicher ...

Vor wenigen Tagen, am 3. März, war der Welttag des Hörens. Passend dazu erschien Ende Februar "Ganz Ohr - Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält“. Thomas Sünder begann aus persönlicher Betroffenheit, sich mit dem Thema Gehör zu befassen. Zwölf Jahre lang arbeitete er als DJ, hatte sich an seinen Tinnitus und einseitig eingeschränkte Hörfähigkeit gewöhnt. Heftige Schwindelanfälle warfen ihn aus der Bahn. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Mediziner Dr. Andreas Borta, recherchierte Thomas Sünder. Dabei geht er zurück bis zu den Urtierchen, denn vor dem Gehör entstand der Gleichgewichtssinn, der heute ebenfalls in unseren Ohren zu finden ist.

Das Buch liest sich von Anfang an gut und flüssig. Mir persönlich waren die Erklärungen über die Entwicklung seit der Urzeit allerdings etwas zu ausführlich, diese hätte ich mir kompakter gewünscht. Die persönliche Geschichte Thomas Sünders dagegen liest sich sehr viel spannender. Traurig sind die Einblicke in unser „Akkord-Gesundheitssystem“. Ohne seinen Freund, Dr. Andreas Borta, wäre Herr Sünder als Patient niemals optimal behandelt worden. Auch das ist ein Grund, warum ich dieses Buch für wichtig halte. Je mehr wir als medizinische Laien wissen, um so besser können wir vorbeugen, um im besten Fall gar nicht erst zum Patienten zu werden. Das ist für mich die wichtigste Botschaft des Buches. Auch dass Schwerhörigkeit mehr als nur ein lästiges Übel ist und Menschen, die ihr Hörgerät nicht regelmäßig benutzen, „... weil die Batterien so teuer sind“, sich erhöhtem Demenzrisiko aussetzen, war für mich neu. Und falls wir doch als Patienten zum Ohrenarzt müssen, hilft dieses Buch, die richtigen Fragen zu stellen. Insofern finde ich es schade, dass das Buch zwar den Untertitel trägt „Alles über unser Gehör ...“, aber z.B. die Mittelohrentzündung samt ihren Risiken nicht aufgeführt ist. Ebenso vermisse ich ein Register, um bestimmte Schwerpunkte später noch einmal gezielt nachlesen zu können. Viele interessante Fakten, die Erwähnung finden, lassen sich nur schwer wiederfinden.

Fazit: ein interessantes, wichtiges Buch. Das vermittelte Wissen über unser Gehör kann helfen, die eigene Gesundheit zu erhalten. 4****

Veröffentlicht am 14.02.2019

Aufwachen! Umdenken! Bevor es zu spät ist.

Less Meat, Less Heat – Ein Rezept für unseren Planeten
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Sir Paul McCartney äußert sich in seinem Büchlein „Less Meat, Less Heat“ zu den negativen Folgen unsres stark gewachsenen Fleischkonsums und gibt Anregungen, was wir besser machen können. Er selbst ist ...

Sir Paul McCartney äußert sich in seinem Büchlein „Less Meat, Less Heat“ zu den negativen Folgen unsres stark gewachsenen Fleischkonsums und gibt Anregungen, was wir besser machen können. Er selbst ist bereits seit mehr als 40 Jahren Vegetarier. Seine Argumente sind nicht neu, jeder, der sich mit Vegetarismus oder Veganismus beschäftigt, hat sie bereits gehört oder gelesen. Aber die Art und Weise, wie sie hier präsentiert werden, spricht an – das kleine Büchlein hat nur 72 Seiten, inklusive Abbildungen und drei Rezepten von Sir Paul.

Es enthält eine Rede, die McCartey am 3. Dezember 2009 bei einer öffentlichen Anhörung im EU-Parlament gehalten hat. Vorausgegangen war sein Einsatz für einen fleischfreien Montag (oder einen anderen Wochentag), der in Schulen, bei Behörden und Unternehmen weltweit Anklang fand. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an den Aufschrei, der durch Deutschland ging, als die Grünen 2013 im Wahlkampf zur Bundestagswahl einen „Veggieday“ pro Woche auch für Deutschland forderten. Sie wurden als Partei der Verbote und Spaßverderber beschimpft. Weil niemand, der sich gegen dieses Ansinnen wehrt, über den eigenen Tellerrand blickt. Hauptsache Fleisch und möglichst viel, oft und billig. Welchen Schaden wir dadurch unserer Umwelt und dem Klima auf Jahrzehnte hinaus zufügen, erklärt McCartey in seiner Rede. Knapp zusammengefasst: Unsere Fleischfresserei zerstört die Lebensgrundlage unserer Kinder. Angesichts dieser durch nichts zu widerlegenden Tatsache ist die junge Generation gegenüber Argumenten wie denen McCartneys sehr viel aufgeschlossener.

Die Rezepte am Ende des Buches hätte es meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht, aber warum nicht mal Hummus nach Sir Pauls Rezept ausprobieren?

Fazit: Die Welt braucht mehr solcher Initiativen, Reden und Bücher, bis auch der letzte Dumme begreift, dass er an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Es ist dringend an der Zeit, auf Menschen wie Paul McCartney oder Greta Thunberg zu hören. 5*****

Veröffentlicht am 04.02.2019

Lesenswertes Drama

Dunkelmädchen
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Kann einer Mutter das eigene Kind so fremd sein, dass sie glaubt, es könnte vertauscht worden sein? Diese Vermutung stellt Elena auf, als Julia fast zwei Jahre alt ist. Natürlich klingt das unglaublich, ...

Kann einer Mutter das eigene Kind so fremd sein, dass sie glaubt, es könnte vertauscht worden sein? Diese Vermutung stellt Elena auf, als Julia fast zwei Jahre alt ist. Natürlich klingt das unglaublich, und trotzdem steigert Elena sich immer mehr hinein, sucht Beweise. Aber alle Indizien und Argumente lässt ihr Mann nicht gelten. Und mal ehrlich, welche Mutter käme ernsthaft auf die Idee, dass ihr Kind vertauscht wurde? Nicht bei der Geburt, sondern im Alter von einem halben Jahr? Klingt eher nach einem Fall für den Psychiater. Ich fand es sehr spannend, zu lesen, wie Elena immer wieder anfängt von dem Thema, weil es ihr keine Ruhe lässt. Genauso konnte ich aber ihren Mann verstehen, dass er einfach nur genervt war und weiterhin das schöne Familienleben haben wollte.

Die Autorin ließ mich erst ganz langsam ahnen, wo die Geschichte hinläuft ... um mich dann doch noch zu überraschen. Vielen Dank für dieses tiefgründige Drama, das mit wenigen Figuren auskommt, die dafür alle sehr lebensecht wirken. Elena als übervorsichtige, besorgte Mutter, Johannes, der Harmonie möchte, Noah und Florence mit ihrer Gelassenheit und dazwischen Julia, das Kind, um das sich alles dreht. Später dann noch Louanne, die Elenas Freundin wird. An der Stelle wurde mir erst klar, wie einsam Elena vorher gewesen sein musste, dass sie keine beste Freundin hatte, der sie sich anvertrauen konnte.

Der Thriller kommt fast ohne rohe Gewalt aus. Gerade das macht es so realistisch – das Gruselige passiert im Kopf und man fragt sich immer wieder, ob es echt ist oder nicht. Ein paar Stolpersteinchen gab es für mich im Text, die ich hier allerdings nicht aufzählen möchte. Trotzdem hat mich das Buch gepackt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Vielen Dank dafür.

Fazit: Lesenswerter Thriller, der Mitgefühl auslöst. 4****

Veröffentlicht am 15.01.2019

Enttäuschend

Die Zeit heilt keine Wunden
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Ein Ostseekrimi! Cover, Titel, Klappentext und Prolog versprachen Spannung und Lesegenuss. Das Thema grundsätzlich war hochinteressant. Eine Entführung, ein ungeklärter Todesfall, Spuren, die bis in die ...

Ein Ostseekrimi! Cover, Titel, Klappentext und Prolog versprachen Spannung und Lesegenuss. Das Thema grundsätzlich war hochinteressant. Eine Entführung, ein ungeklärter Todesfall, Spuren, die bis in die NS-Vergangenheit zurückreichen. Dazu noch ein junger Sportler, der neben seiner neu begonnenen Tätigkeit bei der Mordkommission auch noch für Olympia trainiert. Doch leider konnte das Buch die so geweckten Erwartungen nicht erfüllen. Die Zufälle wirkten an den Haaren herbeigezogen. Natürlich trifft Hannes fast nur Leute, die sich für die NS-Vergangenheit interessieren. Und wenn er dafür mit ihnen im Riesenrad festhängen muss. Richtig schlimm fand ich die Auflösung am Ende. Da hab ich mich, auf Deutsch gesagt, veralbert gefühlt. Es passte einfach nicht mit dem vorher Gelesenen zusammen. Klar können Menschen sich verstellen. Aber das hier war so grundsätzlich, nee! Vom Meer war auch wenig zu spüren. Es gibt Bücher, da schmeckt man beim Lesen die salzige Luft, spürt den Wind in den Haaren und hört die Wellen rauschen. Nichts davon wollte sich hier einstellen. Auch mit den Figuren wurde ich nur teilweise warm. Bis ich den Autor gegooogelt habe, dachte ich tatsächlich, er wäre Ü80. Die Sprache wirkt so antiquiert. Ebenso die Namen. Welche jungen Frauen Ende 20, Anfang 30 heißen heute Elke und Ines??? Und wer spricht so, wie hier in den Dialogen?

Warum ich trotzdem bis zum Ende durchgehalten habe? Weil ich auf eine logische Auflösung hoffte. Weil die Geschichte vom Thema her interessant war. Und weil es eine kalte dunkle Winterwoche war. Seine weiteren Fälle muss Hannes Niehaus allerdings ohne mich lösen.
Fazit: Konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. 2**

Veröffentlicht am 09.12.2018

Respekt vor unseren Wildtieren

Brehms Tierleben
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"Brehms Tierleben – Die Gefühle der Tiere" ist ein ungewöhnliches Buch, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Zum Einen die Herangehensweise Brehms – er betrachtete das lebende Tier, seinen Charakter, ...

"Brehms Tierleben – Die Gefühle der Tiere" ist ein ungewöhnliches Buch, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Zum Einen die Herangehensweise Brehms – er betrachtete das lebende Tier, seinen Charakter, Verstand, ja, seine Gefühle. Dieser Respekt vor dem lebenden, fühlenden Wesen scheint uns heute, in Zeiten der Massentierhaltung und „Entnahme“ störender Wildtiere abhanden gekommen zu sein. Um so wichtiger finde ich das Anliegen Karsten Brensings, auf der Grundlage von Brehms Werken neues Verständnis für die Tiere zu wecken, die hier in Deutschland mit uns ihren Lebensraum teilen. Und das ist für mich der zweite große Pluspunkt diese Buches – es beschreibt unsere heimischen Wildtiere. Wenn wir Glück haben und in nahezu unberührter Natur leben, wie z.B. hier im Oberen Donautal, können wir fast allen beschriebenen Tieren noch in freier Wildbahn begegnen. Persönlich hätte ich mir ja noch Luchs, Gämse und Uhu gewünscht, weil die hier ebenfalls unterwegs sind. Aber das konnten ja weder Brehm noch Brensing wissen.

Brehms Original-Texte in Kombination mit den historische Illustrationen, von denen schon Charles Darwin schwärmte, weil sie für ihn die besten waren, die er je gesehen hat, geben dem Buch sein ganz besonderes Gesicht. Es macht einfach Spaß, in dem Buch zu lesen, weil aus den Texten Brehms vor allem eins spricht: Respekt vor dem Tier. Es tut gut, sich daran wieder zu erinnern. Danke dafür, Dr. Karsten Brensing.

Fazit: Ein Buch voller Respekt vor unseren Wildtieren. Sehr empfehlenswert. 5*****