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Veröffentlicht am 26.08.2017

Muss man lesen, bevor man zum Arzt geht!

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Colin Grzanna ist Arzt und schreibt aus seiner Sicht über unser Gesundheitssystem. Dass hier seit Jahren etwas falsch läuft, haben wir selbst schon geahnt - der Autor bestätigt es. Krankenhäuser müssen ...

Colin Grzanna ist Arzt und schreibt aus seiner Sicht über unser Gesundheitssystem. Dass hier seit Jahren etwas falsch läuft, haben wir selbst schon geahnt - der Autor bestätigt es. Krankenhäuser müssen mit immer weniger Personal kostengünstig arbeiten. Da gibt es Operationen die "lohnen" und andere, die in ambulante Zentren ausgelagert werden. Die Rettungsstellen der Krankenhäuser sind überlaufen, weil niedergelassene Fachärzte erst Termine in Wochen oder Monaten anbieten. Ärzte und Pflegemitarbeiter sind permanent überlastet und arbeiten doch am Menschen, wo Fehler tödlich sein können. Dazu kommen Patienten, die alle Verantwortung für ihre Gesundheit abgeben, die Ärzte und Medikamente werden's schon richten.

Gefallen hat mir die sehr persönliche Sicht- und Erzählweise des Autors. Wir erleben mit, wie er als Medizinstudent und junger Arzt nach und nach Illusionen verliert und trotzdem sein Bestes geben will. Wie er dabei selbst krank wird und einen Ausweg sucht. Seine an Begeisterung grenzende Überzeugung, dass jeder Einzelne etwas tun kann, damit unsere Gesellschaft und speziell unser Gesundheitssystem besser funktionieren, wirken ansteckend. Dieses visionäre, Wege aufzeigende Denken gefällt mir. Colin Grzanna malt das Bild einer Gesellschaft, in der wir alle gesünder und zufriedener leben könnten. Dieses Bild wäre Utopie, gäbe er nicht auch gleich die Lösung mit auf den Weg: Verantwortung übernehmen, für uns selbst, für unsere Mitmenschen. Wir müssen einfach nur genauer hinschauen, nicht aufs Smartphone, sondern auf unseren Körper und die Signale, die er uns gibt.

An vielen Stellen fühlte ich mich ertappt. Wir empfinden heute Dinge und Verhaltensweisen als normal, die vor Jahren als unhöflich galten und Verständnislosigkeit hervorgerufen hätten, wie beispielsweise in Gegenwart Anderer am Smartphone zu spielen oder zu schreiben, in öffentlichen Räumen oder Verkehrsmittel laut zu telefonieren, bei Facebook, Instagram & Co. den "Likes" hinterherzujagen und damit unser Selbstwertgefühl zu steigern, u.ä.

Der Autor will mit seinem Buch sehr viel:
- Die wunden Punkte unseres Gesundheitssystems aufzeigen,
- Die Vorgänge in unserem Körper verständlich machen,
- Unser Selbst-Bewusstsein aktivieren,
- Wege zeigen, wie jeder Einzelne gesünder leben kann,
- Zu mehr Achtsamkeit gegenüber unseren Mitmenschen aufrufen.

Vom Inhalt und von der Aussage her finde ich das Werk genial! Man spürt immer wieder, wie sehr dem Autor das Thema am Herzen liegt und wie er hofft, Andere dazu zu bewegen, den ersten Schritt in ein gesünderes Leben zu gehen. Und den zweiten, und den dritten ...
An manchen Stellen geht es sehr ins Detail, was die körperlichen Zusammenhänge angeht. Spannend, aber manchem Leser vielleicht zu lang. Viele Aussagen werden mehrfach wiederholt, es wirkt fast wie gepredigt.

Wenn das Buch möglichst viele Menschen erreichen und zum Umdenken bewegen soll, täten ihm drei Dinge gut:

1. Kürzen
2. Ein Lektorat
3. Ein anderes Cover

Ich mag wie ein Erbsenzähler daherkommen, aber es gibt jede Menge Stellen, die unprofessionell wirken: "Sie" als Anrede wird nun mal großgeschrieben, Kommafehler, Schusterjungen und Hurenkinder - sehr unschön z.B. bei den Tabellen auf S. 271 bis 273, wo Tabellenkopf und Inhalt nicht auf derselben Seite stehen - u.ä.
Das Cover spiegelt zwar kurz zusammengefasst den Inhalt des Buches wieder. Aber das ist nicht die Aufgabe eines Covers. Es soll Neugierde wecken und potentielle Leser ansprechen. Der Titel erklärt sich erst auf der letzten Seite. Ich hätte hinter dem Cover einen Jugendroman, eventuell sogar ein Comic oder Manga vermutet. Was nützt ein geniales Buch, wenn das Cover die Zielgruppe nicht anspricht? Wer von meinen Bloglesern würde im Buchladen nach diesem Buch greifen und warum?

Nur für diese drei Kritikpunkte, nicht für den Inhalt, ziehe ich einen Stern ab.
Für mich persönlich war das Buch teilweise wie ein Tritt in den Hintern. Ich versuche seit Jahren, gesünder zu leben, aber immer wieder inkonsequent, vor allem, was die Ernährung und die virtuelle Welt angeht.

Fazit: 4**** und unbedingte Leseempfehlung für jeden, der gesund alt werden und zufrieden leben möchte.

Veröffentlicht am 26.08.2017

Geniale Geschichte!

Schmerzflimmern
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Gregor ist Rettungssanitäter mit einer besonderen Gabe: Sobald er einen Menschen berührt, bleibt scheinbar für alle anderen die Zeit stehen, nur Gregor findet sich in der Zukunft wieder. Und zwar exakt ...

Gregor ist Rettungssanitäter mit einer besonderen Gabe: Sobald er einen Menschen berührt, bleibt scheinbar für alle anderen die Zeit stehen, nur Gregor findet sich in der Zukunft wieder. Und zwar exakt zum Zeitpunkt des Sterbens dieses Menschen. Das klingt abgefahren und ist in der Praxis auch so. Man stelle sich nur vor, beim Sex mit jemandem ständig diese Bilder vor Augen zu haben ...

Das Buch beginnt mit Gregors Versuch, beim Speed-Dating eine passende Partnerin zu finden. Da die Damen dort recht offensiv vorgehen, dürfen wir mit ihm gleich mehrfach Zeugen ungewöhnlicher Tode werden. Viel schwarzer Humor und doch ist in diesem Buch noch mehr. Marc Kemper vermittelt eine leicht sarkastische Sicht auf das Sterben, das für jeden von uns unausweichlich ist. Richtig emotional wird es, als wir Gregor nahestehende Personen kennenlernen. Und all die Gedanken des Helden sind einfach herrlich, mitten aus dem Leben gegriffen, wunderbar formuliert und philosophisch angehaucht. Das Buch liest sich trotzdem oder genau deshalb mit einer verblüffenden Leichtigkeit. Gregor denkt, was irgendwo in unseren Köpfen auch umher spukt. Er tritt selbstsicher auf, hat immer einen coolen Spruch auf den Lippen und ist doch tief im Inneren voller Selbstzweifel.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Grundidee ist für mich wirklich neu und klasse beschrieben. Zwischen den Zeilen verbergen sich unzählige kleine Schätze: Zitate aus der Film- und Musikwelt, Gregors Sprüche und Gedanken, die ich mir teilweise wegen ihrer Treffsicherheit markiert habe, eine kunstvolle Verknüpfung von Personen und Handlungssträngen zu EINER Handlung und nicht zuletzt ein Ende, das glücklich macht, ohne kitschig zu wirken.
Bei Marc Kempers Toden ist es wie im Leben: Nicht immer geht es gerecht zu, aber manchmal passiert den richtigen Leuten genau das, was sie verdient haben. Und für die Meisten von uns scheint es immer noch eine Chance zu geben, selbst aktiv zu werden, und alles zum Guten zu wenden. So kann ein schwarzhumoriges Buch mit vielen Toden sehr wohl Lust auf das Leben machen.


Fazit: Genial! Absolute Leseempfehlung. 5*****

Veröffentlicht am 26.08.2017

Unterhaltsam, kein bleibender Eindruck

Dornröschen hatte es leichter
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Hermine ist 17, verliebt, steht kurz vor dem Abitur und malt sich ihr Leben mit Jan in wundervollen Farben aus. Gefühlt ein paar Tag später wacht sie im Krankenhaus auf, denn sie hatte einen Unfall mit ...

Hermine ist 17, verliebt, steht kurz vor dem Abitur und malt sich ihr Leben mit Jan in wundervollen Farben aus. Gefühlt ein paar Tag später wacht sie im Krankenhaus auf, denn sie hatte einen Unfall mit ihrer Vespa. Was Hermine erst nach und nach bewusst wird: Es sind nicht nur einige Tage vergangen, sondern sie lag 20 Jahre im Koma! Nun erwacht sie als 37-jährige Frau, die von Internet und Smartphones keine Ahnung hat, ihre große Liebe ist mit ihrer ehemals besten Freundin verheiratet und ihre Mutter sieht aus wie ihre Oma. Ein sehr interessanter Ansatz, unsere heutige Welt mit den Augen einer 17-jährigen aus dem Jahr 1996 zu betrachten, denn innerlich ist Hermine noch der Teenager von damals mit all den Wünschen und Hoffnungen.

Aber genau an dieser Stelle wurde das Buch für mich ein bisschen unglaubwürdig. Hermine reagiert einfach viel zu cool. Zu Anfang will sie zwar nicht wahrhaben, was passiert ist, aber dann versucht sie ganz fix, das Beste daraus zu machen. Ernsthaft? Welches Mädchen von 17 würde mal eben mit den Schultern zucken 'Okay, bin ich halt 37 und muss sehen. wie ich klarkomm'? Für 17-jährige ist 37 uralt. Erst recht für weibliche 17-jährige. Jeder Blick in den Spiegel müsste Schreiattacken auslösen. Für Hermine gibt es nur zwei Ziele: 1. Weg von ihren Eltern, die sich 17 plus 20 Jahre lang um sie gekümmert haben und 2. Ein Mann zum Heiraten und Kinderkriegen muss her, da Jan diese Pläne ja bereits mit einer anderen verwirklicht hat. Dabei stolpert Hermine mit ihrer Teenie-Naivität in viele große und kleine Fettnäpfchen, findet sich mit Hilfe ihrer neuen Freundin Lucy aber erstaunlich schnell in der für sie neuen Welt zurecht. Plötzlich erweist sich ihr wahres Alter von 37 sogar als Vorteil, denn so kommt sie in die angesagten Berliner Clubs rein. Schön wär's ...

Priorität hat für Hermine eindeutig die Suche nach einem Mann. Alle anderen Ziele, die sie als "eben noch" 17-Jährige hatte (Reisen, Studium, toller Job) stellt sie hintenan. Hier fragte ich mich ernsthaft, ob das so ist, weil ein Mann das Buch geschrieben hat. Die im Chick-lit üblichen Verwicklungen kamen mit einer überschaubaren Anzahl an Personen aus, das empfand ich als angenehm. In der zweiten Hälfte des Buches bewegte sich die Handlung dicht an der Grenze zum Klamauk. Es tauchen immer wieder neue Tatsachen und Zusammenhänge auf, von denen Hermine bisher keine Ahnung hatte, um die Geschichte letztendlich doch zu einem guten Ende zu bringen.


Fazit: Sehr interessante Grundidee, aus der man mehr hätte machen können. Unterhaltsame Lektüre, aber kein bleibender Eindruck. 3***

Veröffentlicht am 16.08.2017

Interessante Historie des Veganismus

Gemüseheilige
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Die Autorin Florentine Fritzen hat eine erstaunliche Anzahl historischer Fakten zur Geschichte des Veganismus in Deutschland zusammengetragen. Dabei stützt sie sich größtenteils auf Dokumente, die von ...

Die Autorin Florentine Fritzen hat eine erstaunliche Anzahl historischer Fakten zur Geschichte des Veganismus in Deutschland zusammengetragen. Dabei stützt sie sich größtenteils auf Dokumente, die von diesen »Gemüseheiligen«, Natur- oder Pflanzenköstlern selbst verfasst wurden. Angefangen von Reinhold Riedel, der in den 1890er Jahren beruflich viel unterwegs war und sich dabei fast ausschließlich von Obst, Trockenfrüchten, Brot und Nüssen ernährte, bis hin zum Veganismus der Gegenwart, den mittlerweile etwa 900.000 Deutsche leben. Fritzens Buch liest sich größtenteils spannend und bietet dem Leser viele Aha-Erlebnisse. Dass der Veganismus als höchste Stufe des Vegetarismus angesehen wird, ist nicht neu, auch wenn das Wort »vegan« erst 1944 in England erfunden wurde und Jahrzehnte später in Deutschland gebräuchlich wurde. Seit Riedels Zeiten scheint allerdings das Bekenntnis zu rein pflanzlicher Ernährung so etwas wie eine Glaubensfrage gewesen zu sein. Anfangs standen vor allem gesundheitliche Aspekte im Vordergrund, Kurkliniken auf Basis der »Sonnenlichtnahrung« schienen ein Allheilmittel gegen allerlei Krankheiten des zunehmenden Wohlstands zu sein. Doch bald kamen die ersten Stimmen auf, die Tötung und Ausbeutung der Tiere als Sünde ansahen. Veganismus wurde, bevor es das Wort gab, eine Art Ersatz- bzw. Zusatzreligion. Auch dunkle Kapitel des Veganismus werden im Buch angesprochen, wie bspw. der »Zwangsvegansimus« während der Zeit des 1. Weltkriegs, als tierische Lebensmittel knapp und nahezu unerreichbar waren. Oder die Gleichschaltung vegetarischer Vereine zur Zeit des Nationalsozialismus. Spätestens hier ploppt die Erkenntnis auf, dass Veganer oder Vegetarier nicht automatisch bessere Menschen sind.
In der Gegenwart ist vegan für viele Menschen eine Art Lifestyle, eine Art der Abgrenzung von all den Normalen, man isst eben anders und fühlt sich dadurch besser. Egal, ob dabei ethische (Tierschutz) oder gesundheitliche Aspekte im Vordergrund stehen, die Industrie hat dies erkannt und nutzt den neuen Trend, um in allen Supermärkten mit »vegan« zu locken. Die Verkaufszahlen hübsch aufgemachter veganer Kochbücher sind so hoch, dass daran gemessen mittlerweile wohl ganz Deutschland vegan leben müsste. Um so aufschlussreicher ist Fritzens Rückblick auf die Geschichte der veganen Ernährung in Deutschland. Und vielleicht ist der Trend zu »wenigstens ein bisschen vegan« ein Versuch, an die ursprünglichen Ziele der ersten Gemüseheiligen anzuknüpfen, die davon träumten, die Welt zu verändern und zu verbessern. Dass es dazu keiner »wie-Fleisch-aussehenden« Ersatzprodukte bedarf, macht das Beispiel Reinhold Riedels deutlich. Und dass »vegan« nicht automatisch »gesund« bedeutet, wird spätestens beim Blick auf die Inhaltsstoffe der industriell hergestellten, veganen (Fertig-)Produkte deutlich. Auch die aktuelle Diskussion um vegane Ernährung von Kindern und Schwangeren oder das Vitamin B12 findet Platz in diesem Buch.
Mir hätte eine klarere historische Linie in diesem Buch gefallen. Für meinen Geschmack geht es vor allem in der ersten Hälfte des Buches immer wieder vor und zurück. Die aktuelle Entwicklung der letzen knapp zehn Jahren wird relativ kurz abgehandelt, als »Hype« dargestellt, ohne tiefer auf die Gründe einzugehen. Ist vegan wirklich nur eine Alternative zu »Low Carb« oder Intervallfasten? Oder ist es ein Versuch, in kleinen Schritten die Welt verbessern zu wollen, ganz in Tradition von Riedel, Skriver und Co?
Fazit: »Gemüseheilige« hilft, die Entstehung des Veganismus zu verstehen und hinterfragt gleichzeitig aktuelle Trends. 4****

Veröffentlicht am 16.08.2017

Schön, aber nicht notwendig

Vegan for Fit Gipfelstürmer – Die 7-Tage-Detox-Diät
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»Vegan For Fit - Gipfelstürmer« heißt das neuste Buch von Attila Hildmann. Attila ist nahezu jedem bekannt, der sich für vegane Ernährung interessiert. Er hat am eigenen Körper getestet, was gesunde vegane ...

»Vegan For Fit - Gipfelstürmer« heißt das neuste Buch von Attila Hildmann. Attila ist nahezu jedem bekannt, der sich für vegane Ernährung interessiert. Er hat am eigenen Körper getestet, was gesunde vegane Ernährung plus Sport bewirken können und sich vom schwer atmenden Moppelchen zu einem wohlproportionierten, gesunden Mann entwickelt. Attila verstand es außerdem, seine Erfahrungen in so motivierende Worte zu packen, dass kombiniert mit hübschen Bildern und leckeren Rezepten bereits mehrere Bücher daraus entstanden sind, die sich verkaufen wie geschnitten (veganes) Brot.
»Vegan For Fit - Gipfelstürmer« verspricht, dass jeder, der dieses Buch liest und seine Ratschläge befolgt, sich nach Attilas Rezepten ernährt und die nötige Zeit in leichten Sport investiert, innerhalb von 7 Tagen bis zu 4 Kilogramm abnehmen und gleichzeitig seinen Körper entgiften kann. Klingt super und nach einem verlockenden Einstieg in die Welt der verganen Ernährung, für alle, die es gern einmal probieren wollen. Sieben Tage ... das ist machbar, oder?
Mir gefällt die Aufmachung des Buches. Eine überschaubare Menge Text, theoretisches Wissen, ein Schritt-für-Schritt-Programm und jede Menge Rezepte für die sieben Tage, immer mit verschiedenen Alternativen und zusätzlichen leckeren Bausteinen, z.B. nach dem Sport. Zusätzlich zum Buch gibt es einen kostenlosen Rechner im Internet, wo jeder seinen persönlichen Bedarf an Nährstoffen ausrechnen und die Zutatenmengen der Rezepte entsprechend anpassen kann. Dabei werden Faktoren wie Körpergröße, Gewicht, Alter, Beruf und Bewegungsprofil berücksichtigt. Das finde ich praktisch und sinnvoll, auch wenn es im ersten Moment die Rezepte etwas verkompliziert. Sofort drauflos mixen oder kochen ist nicht, erst muss gerechnet werden. Aber immerhin lassen sich mit den errechneten werten Einkaufslisten online erstellen und ausdrucken.
Wobei das mit dem sofort Loslegen sowieso nicht ganz so einfach ist. Zumindest, wenn man die Rezepte ganz genau befolgen will. Herr Hildmann verkauft nämlich nicht nur Bücher, sondern betreibt auch einen »veganen Kaufmannsladen«, online natürlich. Und ebenso natürlich sind Produkte, die den Namen »Attila Hildmann« tragen, Basis dieses Detoxprogramms. Ohne »Attila Hildmann Macha Tee«, »Attila Hildmann Açaí-Fruchtpüree« und am besten noch »Attila Hildmann Bio Protein« geht nämlich gar nichts! Kann man glauben, muss man aber nicht. Zum Beispiel liebe ich mein original aus Japan mitgebrachtes Bio Mach Teepulver und sehe keinen Grund, es durch »Hildmann« zu ersetzen. Schwieriger wird es schon bei dem Açaí-Beeren-Pürree, das laut Buch beim »Biodealer meines Vertrauens« erhältlich ist. Ist es nicht, nicht im kleinen Bioladen und auch in keinem Biosupermarkt im Umkreis von mehr als 20 Kilometern. Das Wort »Biodealer« soll wahrscheinlich cool klingen, na ja ...
Am meisten stört mich an dem Buch aber etwas ganz Anderes: Jeder, der von heute auf morgen vom normalen Alles-Esser auf rein vegane Ernährung umstellt, wird Veränderungen bemerken. Besonders, wenn er dabei Bio-Obst und -Gemüse den Vorzug gibt vor industrieller »sieht-aus-wie-Fleisch-schmeckt-aber-nicht-so« Fertignahrung. Bei mir zeigten sich damals recht schnell Gewichtsabnahme, Energiezunahme, ein Hochgefühl, der unbändige Drang, mich zu bewegen. Ohne Hildmann-Buch oder -Produkte. Ich denke, so reagiert ein Körper, einfach auf die Ernährungsumstellung. Das bedeutet, es wird wahrscheinlich bei nahezu allen, für die »Vegan For Fit« der erste Versuch einer konsequent veganen Ernährung ist, ähnlich funktionieren. »Wow! Attilas Programm funktioniert.« Werden diese Leute sagen. Und weiter seine Produkte kaufen. Perfektes Marketing. Gekonnter Ritt auf einem aktuellen Trend, Herr Hildmann.
Fazit: Schönes Buch, aber nicht notwendig. Vegan funktioniert auch ohne »Hildmann« 2**