Profilbild von gagamaus

gagamaus

Lesejury Star
offline

gagamaus ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit gagamaus über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.08.2025

lesen, genießen, nachdenken

Das Geschenk
0

Gaea Schoeters ist eine Autorin, die es in sich hat. Die klug gewählten, ja wagemutig umgesetzten Themen, aber auch die ausgefeilte kluge Sprache und das Gespür dafür, wie sie reale Bezüge und tatsächliche ...

Gaea Schoeters ist eine Autorin, die es in sich hat. Die klug gewählten, ja wagemutig umgesetzten Themen, aber auch die ausgefeilte kluge Sprache und das Gespür dafür, wie sie reale Bezüge und tatsächliche Fakten in eine scheinbar unglaubliche Geschichte packen. Man denkt erst, nein, das ist Utopie, eine Persiflage vielleicht. Aber am Ende weiß man, dass diese Fiktion nur einen winzigen Hopser von der Realität entfernt ist und man möchte lachen aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken, weil die Story so glaubhaft und rabenschwarz daherkommt.

20.000 Elefanten bekommt Deutschland geschenkt. Weil - hier kommt zum ersten Mal die Realität ins spiel - der Kanzler eine dumme Bemerkung gemacht hat und Botswana sich genötigt sieht, der BRD und der ganzen Welt zu zeigen, dass sie sich nicht mehr alles vom reichen, ach so klugen Europa gefallen lassen.

Das Büchlein ist sehr dünn. Umso überraschender, welchen Tiefgang, welche Bandbreite und welche Fülle an Eindrücken die Autorin hineinpackt. Wieviel Ironie, Weitblick, politische Rafinesse herauspurztelt aus diesem Buch.

Mein Fazit: Unbedingt lesen, genießen, nachdenken.

Veröffentlicht am 20.07.2025

berührend

Das Geschenk des Meeres
0

Die Bücher des Mare-Verlages haben so ein paar Eckpunkte, an denen man sie erkennt. Das ist zum einen der Inhalt der Bücher, der in irgend einer Form immer etwas mit dem Meer zu tun hat. Ich liebe das ...

Die Bücher des Mare-Verlages haben so ein paar Eckpunkte, an denen man sie erkennt. Das ist zum einen der Inhalt der Bücher, der in irgend einer Form immer etwas mit dem Meer zu tun hat. Ich liebe das Meer, verbringe all meine Urlaube an Orten, an denen ich schnell an ein Meer kommen kann.

Zum anderen ist die Covergestaltung der Romane immer eine, die mich auch im Buchhandel sofort packt und anfasst. Und, um noch ein drittes zu nennen, sind die Geschichten auch immer sehr anspruchsvoll und einfühlsam erzählt.

Also für mich gilt schon seit einer ganzen Weile, dass Mare-Bücher immer genossen werden müssen.

Also ganz logisch, auch zu "das Geschenk des Meeres" zu greifen.
In einem kleinen schottischen Fischerdorf lebt Dorothy, deren kleiner Sohn ertrunken ist. Und Joseph, in den sie einmal verliebt war und der nun nach vielen Jahren einen kleinen Jungen am Strand findet, dess Eltern und Herkunft erst mal unbekannt sind. Und dann entspinnt sich eine kleine leise Geschichte über Schicksale, über Geheimnisse, über Menschen, die sich schwer damit tun, ihre Gefühle auszudrücken und zu offenbaren, dass sie verletzlich sind.

Wunderbar und berührend.

Veröffentlicht am 20.07.2025

sehr guter Histokrimi

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
0

Ich kenne Oliver Pötzsch schon seit seinen ersten Büchern mit der Henkerstochter. Seine historischen Krimis sind einfach unterhaltsam und gut recherchiert. Man merkt, dass er sowohl journalistische Wurzeln ...

Ich kenne Oliver Pötzsch schon seit seinen ersten Büchern mit der Henkerstochter. Seine historischen Krimis sind einfach unterhaltsam und gut recherchiert. Man merkt, dass er sowohl journalistische Wurzeln hat als auch Vorfahren, die einer Henkersdynastie angehörten, was natürlich eine ganz besondere Sache ist. Nun gibt es schon den vierten Band der Reihe um den Wiener Inspektor Leopold von Hetzfeldt.

Besonders gefällt mir an dieser Reihe, dass die Forensik und das Ermittlerhandwerk sich zur damaligen Zeit ja rasant weiter entwickelten und man als Leser diese Umbrüche und neuen Techniken miterlernen darf. Natürlich ist Leo ein bisschen ein Paradiesvogel, weil er die Wissenschaften so schätz. Und weil er zur Unterstützung immer mal auf den Friedhof geht, wo der Totengräber ihm mit seinem ganz eigenen Wissen zur Seite steht.

Auch Teil vier ist wieder sehr unterhaltsam. Sehr guter Histokrimi.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Klein aber fein

Der Krabbenfischer
0

Von gagamaus
Longferry, England, Sechzigerjahre - am Meer.
Thomas Flett ist Krabbenfischer. Jeden Morgen spannt er sein Pferd vor den Wagen und begibt sich bei Ebbe in Niedrigwasser, um Krabben zu fangen. ...

Von gagamaus
Longferry, England, Sechzigerjahre - am Meer.
Thomas Flett ist Krabbenfischer. Jeden Morgen spannt er sein Pferd vor den Wagen und begibt sich bei Ebbe in Niedrigwasser, um Krabben zu fangen. Tagein tagaus arbeitet er allein mit sich, der Natur, den Tieren. Gerne würde er statt dessen Musik machen. Aber er muss das Geld verdienen um sich und seine Mutter zu ernähren.

Die bildgewaltige Sprache wird in den klaren Beschreibungen und den Gefühlen und Gedanken des Hauptdarstellers offenbar. Sie trägt diese scheinbar so kleine und unaufgeregte Geschichte auf wunderbare Weise. Die wenigen 222 Seiten sind komplexer und intensiver als manches Buch mit 1000 Seiten.

Ein kleines feines Buch, was bei mir lange nachhallt. Ein Cover, dass ich mir am liebsten als Bild an die Wand hängen würde. Einen Autor, den ich mir merken werde und von dem es hoffentlich noch weitere Übersetzungen geben wird.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Allein unter Holzfällern

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
0

Der Name Lagerlöf (Nils Holgersson kennt man ja) und der Buchtitel "Wo die Moltebeeren leuchten (Moltebeeren sind gelbe Sumpfbrombeeren, kannte ich nicht, klingt aber für mich als Beerenfan toll) haben ...

Der Name Lagerlöf (Nils Holgersson kennt man ja) und der Buchtitel "Wo die Moltebeeren leuchten (Moltebeeren sind gelbe Sumpfbrombeeren, kannte ich nicht, klingt aber für mich als Beerenfan toll) haben mich einfach neugierig gemacht auf diesen Roman.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen (1938 und 2022) in Schweden. Wie oft in Büchern, die dieses Stilmittel verwenden, hat mir der Vergangenheitsteil um einiges besser gefallen, als der in der "Gegenwart". Wobei gefallen bedeuten soll, interessiert. In den 2022ern geht es um Eva, die in Nordschweden einen Wald abholzen will und dabei auf vehementen Widerstand von Umweltschützern und Rentierbesitzern bekommt. Irgendwie kam ich dieser Eva nicht so richtig nahe.

In den 1938ern ist es Siv, die ihre Familie finanziell unterstützen muss und deshalb in einem einsamen Holzfällercamp den Haushalt und die Küche übernimmt. Für eine 17jährige zur damaligen Zeit - allein unter Männern - eine große Herausforderung. Siv fand ich toll. Ihre mutige, bodenständige, pragmatische Art haben mir sofort gefallen und ich habe ihre Erlebnisse gerne gelesen.

Alles in allem ein unterhaltsamer Roman mit schönem Schreibstil. Ich werde auf jeden Fall Band 2 dieser Trilogie auch lesen.