Profilbild von hasirasi2

hasirasi2

Lesejury Star
offline

hasirasi2 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hasirasi2 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2026

Sink or Swim

Das Salz in der Luft
0

… dieses Motto begleitet Inge auch kurz vor ihrem 100. Geburtstag noch immer. Inzwischen ist sie mit ihrer Urenkelin Swantje in New York angekommen. Doch die Stadt hat sich verändert – sie ist schneller, ...

… dieses Motto begleitet Inge auch kurz vor ihrem 100. Geburtstag noch immer. Inzwischen ist sie mit ihrer Urenkelin Swantje in New York angekommen. Doch die Stadt hat sich verändert – sie ist schneller, lauter und moderner geworden als zu der Zeit, als Inge hier einst ihr Glück suchte. Von ihren früheren Freunden lebt niemand mehr. „Das Karussell des Lebens hatten sich längst ein paar Runden weitergedreht, nur sie war übrig geblieben.“ (S. 270) Aber Inge lässt sich davon nicht entmutigen. Sie verfolgt ein klares Ziel: Swantje soll zumindest darüber nachdenken, sich hier ein eigenes Leben aufzubauen – so wie sie selbst es einst getan hat.

Janne Mommsen schildert eindrucksvoll, wie Inges Leben nach dem Tod ihres Mannes Hauke weiterging. Trotz schwerer geschäftlicher und privater Rückschläge, die sie beinahe zerbrochen hätten, fand sie neuen Mut und begann noch einmal von vorn. Zudem wird ein lange gehütetes Familiengeheimnis gelüftet. Mit der Unterstützung treuer Freunde und einem neuen Partners an ihrer Seite geht Inge unbeirrt ihren Weg weiter. Ruhe scheint ihr fremd zu sein – selbst mit 100 zieht sie eine Reise nach New York einer Geburtstagsfeier im Kreis der Familie vor.

Wie schon im ersten Band „Das Licht in den Wellen“ hat mich Inges bewegtes Leben und ihr unerschütterliches Durchhaltevermögen tief beeindruckt. Zwar zweifelt sie immer wieder an sich selbst, doch sie hält an ihren Visionen fest und setzt sie entschlossen um. Inge ist eine Macherin, die sich von Ängsten nicht aufhalten lässt. Wenn nötig, greift sie zu kleinen Tricks oder nimmt Umwege in Kauf – ihr Netzwerk ist groß, ihr Wille noch größer. Sie ist eine Kämpferin für sich selbst, für ihre Familie und für ihre Freunde.

Ein berührender Roman über Mut, Neuanfänge und die Kraft, niemals aufzugeben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2026

Der Nachtmahr geht um

Die Begine und das dunkle Geheimnis
0

Ulm im Jahr 1416: Die ehemalige Begine Anna Ehinger gerät unter schweren Verdacht. Man beschuldigt sie, eine wohlhabende Witwe mit Medikamenten vergiftet zu haben. Mit einer riskanten Aktion gelingt es ...

Ulm im Jahr 1416: Die ehemalige Begine Anna Ehinger gerät unter schweren Verdacht. Man beschuldigt sie, eine wohlhabende Witwe mit Medikamenten vergiftet zu haben. Mit einer riskanten Aktion gelingt es ihr, ihre Unschuld zu beweisen. Bei der Leichenschau fallen zwar seltsame Spuren am Körper der Toten auf, doch zunächst misst ihnen niemand Bedeutung bei.
Als kurz darauf die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt wird, das vor ihrem Tod brutal misshandelt wurde und ähnliche Spuren aufweist, wird klar, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Weitere Opfer folgen. In Ulm breitet sich Angst aus: Man flüstert von einem Nachtmahr, der durch die Gassen schleicht und mordet. Annas Mann Lazarus, der Spitalpfleger, glaubt nicht an übernatürliche Mächte. Für ihn steht fest: „In dieser Stadt treibt ein Wahnsinniger sein Unwesen.“ (S. 119)
Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als Luzia, die Tochter des Bürgermeisters, verschwindet. Sie war Novizin bei den Beginen und sollte von Anna in der Heilkunde unterrichtet werden. Von Schuldgefühlen geplagt, macht sich Anna auf die Suche nach dem Mädchen, überzeugt davon, dass Luzias Verschwinden und die Mordserie zusammenhängen.

Auch im achten Band ihrer erfolgreichen Reihe gelingt es Silvia Stolzenburg, eine beklemmend dichte Atmosphäre zu schaffen. Mit jeder vergehenden Stunde wachsen Furcht und Aberglaube in der Bevölkerung. Immer mehr Menschen wollen den Nachtmahr gesehen haben, selbst in Annas unmittelbarem Umfeld greift die Angst um sich. Doch Anna und Lazarus lassen sich nicht beirren und verfolgen entschlossen die Spur des Täters.

„Die Begine und das dunkle Geheimnis“ ist erneut ein spannender, hervorragend recherchierter historischer Kriminalroman.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2026

Ein Roadtrip ins Glück?

Sommer, Glück und Ringelblumen
0

„Es ist 15:14 Uhr am 8. Juni 2023. Ich warte inzwischen seit siebenundzwanzig Jahren.“ (S. 11) Edith verbringt fast jeden Nachmittag an der Bushaltestelle Hornton Street in London, um auf ihre große Liebe ...

„Es ist 15:14 Uhr am 8. Juni 2023. Ich warte inzwischen seit siebenundzwanzig Jahren.“ (S. 11) Edith verbringt fast jeden Nachmittag an der Bushaltestelle Hornton Street in London, um auf ihre große Liebe Sven zu warten. Denn damals ist er nicht gekommen. Inzwischen ist sie 64 Jahre alt und ihr Leben entgleitet ihr immer mehr, sie leidet an schnell voranschreitendem Alzheimer. Ihr Sohn Blade betreut sie seit 3 Jahren rund um die Uhr und kann nicht mehr. Edith müsste in ein Heim, wo man sich besser um sie kümmern könnte, aber sie weigert sich. Schließlich schlägt sie ihm einen Deal vor: Wen er nach Schweden reist und Sven (der von dort stammt) sucht, ist sie bereit, in ein Heim zu gehen.

Sophia hat zusammen mit ihren Brüdern einen Blumenladen in Svedala von ihrem Onkel geerbt. Um ihn behalten zu können, muss sie ihre Brüder auszahlen. Eine landesweite Blumenausstellung bietet die Chance, ihre Einnahmen zu steigern. Doch Sophia ist Autistin und tut sich schwer mit Veränderungen. Als dann auch noch ihr Auto liegen bleibt, scheint alles zu scheitern – bis ein Wohnmobil neben ihr hält.
Dieses Wohnmobil hat Blade statt des gebuchten Fiat 500 von der Autovermietung bekommen. Als Sophia ihm von ihrem Großauftrag erzählt, bietet spontan an, sie mit dem Camper zu fahren.

Ausgehend vom Klappentext hatte ich einen heiteren Roadtrip erwartet, doch „Sommer, Glück und Ringelblumen“ ist eine bewegende Geschichte über Erinnern und Vergessen, über Familie und Liebe, wie es sich anfühlt, in den Augen anderer „falsch“ zu sein – und wie wichtig es ist, endlich für sich selbst zu sprechen und anzukommen.

Edith hat kaum noch lichte Momente, darum hält sie an ihrer Bushaltestelle fest. „Das hier ist mittlerweile der einzige Ort, an dem ich ich selbst bin. Wo meine Erinnerungen nicht davonschweben. Wenn ich hier bin, sind sie organisierter. Ich kann meine Gedanken besser festhalten. Und es ist der einzige Ort, an dem ich die Hoffnung hegen kann, ihn zu finden.“ (S. 149) Dort widerfahren ihr erstaunlich schöne Dinge: Sie bekommt Kaffee, Essen und sogar einen Haarschnitt geschenkt, weil man sie für obdachlose hält, und knüpft neue Bekanntschaften. Noch weiß sie, wer Blade ist und dass er die Pflege nicht mehr lange allein bewältigen kann.

Blade kämpft sich durch die immergleichen Tage und gegen die fortschreitende Krankheit seiner Mutter. Erst in Schweden wird ihm bewusst, dass er kein eigenes Leben mehr hat und wie viel ihm entgeht, etwa eine eigene Beziehung. Gleichzeitig erkennt er, dass er Freunde hat, die ihm helfen und auf die er sich verlassen kann. Er muss nicht alles allein schaffen.

Sophia hingegen hat von klein auf gesagt bekommen, sie sei eine Enttäuschung. Ihre Eltern schlossen sie von vielem aus, angeblich zu ihrem Schutz. Nur ihr Onkel verstand sie wirklich. Blade ist der erste Mann, der intuitiv weiß, wie er mit ihr umgehen muss und worauf Rücksicht zu nehmen ist. Warum kann ihre Familie das nicht? Die Reise quer durch Schweden wird für beide auch eine Reise zu sich selbst, voller Selbsterkenntnis und neuer Perspektiven.

Ich habe mit Edith, Sophia und Blade mitgefiebert, denn die Suche nach Sven erweist sich als schwieriger, als erwartet. Besonders Edith hätte ich zwischendurch gern in den Arm genommen und mit ihr die Welt bestaunt, die ihr immer mehr entgleitet. Gleichzeitig bewundere ich Blade für seinen liebevollen Umgang mit ihr, wie sehr er sich selbst zurücknimmt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie herausfordernd es ist, sich um die eigenen Eltern zu kümmern. Auch Sophias Geschichte hat mich berührt.
Ein ruhiger, feinfühliger Roman über Demenz und Autismus, in dem es auf die Zwischentöne ankommt und der noch lange nachhallt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.01.2026

Zurück nach Port Haven

A Taste of Cornwall: Ein Löffel Glück
0

„Wieso sollte ich kochen können? Ich esse ja nicht mal.“ (S. 86) diesen Satz sagte Topmodel Annabelle Scott vor Jahren in einem Interview. Nun wird er ihr bei der Bewerbung als Co-Moderatorin der neuen ...

„Wieso sollte ich kochen können? Ich esse ja nicht mal.“ (S. 86) diesen Satz sagte Topmodel Annabelle Scott vor Jahren in einem Interview. Nun wird er ihr bei der Bewerbung als Co-Moderatorin der neuen Kochshow Dining Delights zum Verhängnis. Denn Annabelle kann nicht nur nicht kochen, sie kann Essen aufgrund jahrlangen Kalorienzählens und grammgenauen Abwiegens auch nicht mehr genießen. Bei jedem Bissen springt automatisch der Kalorienrechner in ihrem Kopf an. Dabei braucht sie den Job dringend. Nachdem ihr Restaurant Runaway vor einem Jahr, auch Dank der vernichtenden Kritik von Restauranttesterin Sophie Dubois, gefloppt ist und Annabelle einen Zusammenbruch erlitt, blieben Modelaufträge aus. Sie ist fast pleite. Ausgerechnet Sophie, die die Sendung entwickelt hat, überredet sie nun, zum Casting zu kommen. Das bedeutet für Annabelle eine Rückkehr nach Port Haven, jenem kleinen Küstenort, aus dem nach dem Tod ihres Vaters vor über 20 Jahren regelrecht geflohen ist. Damals war ihr der Ort zu klein, zu eng.
Doch ihre fehlenden Kochkünste sind nicht ihr einziges Geheimnis. Wird eine ihrer Konkurrentinnen es lüften und Annabelle zu Fall bringen? Oder der frauenfeindliche Moderator Simon Mandel, dessen Repressalien sie kaum noch erträgt?

„Ein Löffel voller Glück“ ist der zweite Teil der „A Taste of Cornwall“-Reihe und führt zurück ins malerische Port Haven und den Pub Smuggler´s Inn.
„Meine Mutter ist für mich Geschichte. Genau wie Port Haven.“ (S. 36) Annabelle (ist der Name vielleicht eine Reminiszenz an den Film Notting Hill?) hat sich während ihrer Abwesenheit durch Diäten, Sport und kosmetischer Eingriffen äußerlich stark verändert. Auch ihren Namen hat sie abgelegt, um nicht mehr mit dem Mädchen von früher in Verbindung gebracht zu werden und keinen Kontakt zu ihrer Mutter zu haben. Lange funktioniert das: Niemand erkennt sie. Doch der Druck wächst, ihre Rivalinnen kämpfen mit harten Bandagen. Frieden findet Anabelle ausgerechnet bei Fynn und seinen Alpakas. „Sie sind wie ein Löschblatt. Sie saugen alle Probleme einfach auf. Wenn ich bei ihnen bin, ist mein Kopf leer. Das tut gut.“ (S. 63) Doch auch Fynn ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint.

Katharina Herzog greift in diesem Wohlfühlroman behutsam toxische Themen wie Diäten- und Magerkeitswahn, Essstörungen, Drogen, beruflichen Stress, Burnout und Ängste auf. Abseits von Modekampagnen und Social Media hatte Annabelle kein einfaches Leben. Sie stand unter permanentem Druck, ihrem Körper und Aussehen zu entsprechen, und wurde von ihren Partnern immer wieder verletzt und verraten. Sie sehnt sich nach Liebe und einer Familie, hat aber Angst, erneut zu vertrauen und enttäuscht zu werden. Sophie ist die erste Frau, die ihr zu einer echten Freundin wird, und Flynn der erste Mann, mit dem es ernst werden könnte. Das Casting zwingt Annabelle dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, ihre Zukunft neu zu denken und sich mit Port Haven und seinen Bewohnern auszusöhnen.

Ein Wohlfühlroman mit Tiefgang, der Lust auf eine Alpakawanderung, Urlaub in Cornwall und die kornische Küche macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2026

TuF fischen im Trüben

Prost, auf die Fischer
0

Tischler und seine Kollegen hatten sich den Abschluss ihres Betriebsausfluges an den Frillensee ganz anders vorgestellt. Doch dann entdeckt Sekretärin Luise am Ufer eine Leiche, eingewickelte in ein Fischernetz ...

Tischler und seine Kollegen hatten sich den Abschluss ihres Betriebsausfluges an den Frillensee ganz anders vorgestellt. Doch dann entdeckt Sekretärin Luise am Ufer eine Leiche, eingewickelte in ein Fischernetz – den Findern regelrecht auf dem Silbertablett serviert. Alles deutet darauf hin, dass der Täter wollte, dass Harald Lorenz schnell gefunden wird. Aber warum? Die Obduktion ergibt, dass Lorenz vor seinem Tod betäubt wurde, bevor er ertrank – allerdings nicht im Frillensee. Das wirft weitere Fragen auf.

Hauptkommissar Tischler und Polizeihauptmeister Fink ermitteln in ihrem mittlerweile 12. Fall erneut nach der bewährten TUF-Methode.
Harald Lorenz war ein Einzelgänger, den, abgesehen von seiner Verlobten Christine Winter, offenbar niemand sonderlich mochte. Vor Jahren tauchte er in der Gegend auf, arbeitete zunächst auf einem Reiterhof und später in Christines Fischereibetrieb. Er galt als großspurig und hatte ehrgeizige Pläne: Die heruntergewirtschaftete Firma wollte er ganz groß herausbringen. Dafür schädigte er vermutlich andere Fischer, auch wenn sie ihm das nie nachweisen konnten. Zudem hatte er sich vor seinem unfreiwilligen Abschied vom Reiterhof einige Feinde gemacht. Und dann war da noch ein deutlich früherer Todesfall am Flughafen Salzburg, in den Lorenz verwickelt war. Wen hat er jetzt so gereizt, dass dieser ihn aus dem Weg räumte? Tischler und Fink fischen lange im Trüben, bis sie dem Täter schließlich auf die Spur kommen.

Auch privat läuft es für Tischler alles andere als rund. Seine Freundin Britta ist für 2 Jahre nach Nepal gegangen, zuvor haben sie sich getrennt. Obwohl Tischler das nur im Vertrauen erzählt, macht die Geschichte in Brunngries schnell die Runde. Wenigstens Dackeldame Resi liebt ihn – genauso wie die Wiener – weiterhin abgöttisch. Und dann gibt es ja noch die neue Hauptkommissarin in Traunstein, Anne Reusch … bahnt sich da vielleicht etwas an?

Ich mag, wie die Reihe menschelt und sich Beziehungen und Figuren kontinuierlich weiterentwickeln. Neben den aktuellen Fällen bekommt man auch viel vom Leben in Brunngries und Umgebung mit.
Fink zeigt immer deutlicher, dass er zu einem richtig guter Ermittler geworden ist. Außerdem ist er sportlicher als Tischler und schlägt ihn bei den Verfolgungsjagden regelmäßig.

Tereza und Nori köcheln derweil weiter ihr eigenes Süppchen. Inzwischen haben sie den Autoschrauber Steiner ins Boot geholt, doch erste Probleme zeichnen sich ab. Ich bin gespannt, wann TuF ihnen auf die Schliche kommt.

Auch „Prost, auf die Fischer“ ist wieder sehr unterhaltsame und spannende Cosy Crime aus der Feder von Friedrich Kalpenstein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere