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Veröffentlicht am 13.07.2026

Die rollende Kinderbücherei

Adalina und die Liebe zu den Büchern
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Nach acht Jahren kehrt Adalina aus Pisa in ihre Heimat Ferrandina in der Region Basilikata zurück, um an ihrem neuen Roman zu schreiben. Bei einem Spaziergang durch die Straßen ihres Heimatortes entdeckt ...

Nach acht Jahren kehrt Adalina aus Pisa in ihre Heimat Ferrandina in der Region Basilikata zurück, um an ihrem neuen Roman zu schreiben. Bei einem Spaziergang durch die Straßen ihres Heimatortes entdeckt sie das Bibliomotocarro – die hellblaue dreirädrige Ape mit dem kleinen Bücherhäuschen auf der Ladefläche, mit der der ehemalige Lehrer Maestro Antonio La Cava seit 25 Jahren Kinderbücher in die umliegenden Dörfer bringt. Doch nun ist die Ape leer, und Adalina sorgt sich: Der Maestro war zwar schon alt, aber hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen? Schließlich hat er Generationen von Kindern geprägt: „Ein Geschichtenträger, ein Glücksbringer, ein Herzensberührer, jemand, der allein durch seine Anwesenheit die Welt ein Stückchen besser macht.“ (S. 43)

Auch Adalinas Leben hat er nachhaltig beeinflusst. Deshalb beschließt sie, die Fahrten mit dem Bibliomotocarro wieder aufzunehmen und den Kindern der Region neue Hoffnung, Fantasie und Freude am Lesen zu schenken.

Tessa Hansen ließ sich für ihren Roman vom echten Straßenlehrer Antonio La Cava und seinem Bibliomotocarro inspirieren. Seine Erinnerungen fließen in Form von Tagebucheinträgen in die Handlung ein. Weil er Kinder in abgelegenen Regionen für Bücher und das Lesen begeistern wollte, gründete er 1999 aus eigener Initiative und überwiegend aus eigener Tasche finanziert seine rollende Kinderbücherei – und ließ in all den Jahren keine einzige Tour ausfallen.

Adalina hatte keine leichte Kindheit und fühlte sich von ihren Eltern und Geschwistern nie wirklich verstanden. Als Älteste musste sie sich um ihre jüngeren Geschwister und den Haushalt kümmern. Von ihr wurde erwartet, einen soliden Beruf zu erlernen, eine Familie zu gründen oder ihre Herkunftsfamilie zu unterstützen. Doch Maestro La Cava erkannte ihre Leidenschaft für Geschichten und förderte ihren Traum, selbst Schriftstellerin zu werden.

Ich konnte gut nachvollziehen, dass Adalina zunächst keinen Kontakt zu ihrer Familie sucht und sich dem Maestro viel näher fühlt. Er und seine Frau werden zu ihrer Wahlfamilie. Wie einst ihr Mentor möchte auch sie Kinder für Bücher begeistern und ihnen die Freude am Lesen vermitteln. Viele Menschen in der Region leben in bescheidenen Verhältnissen und haben nur wenige Perspektiven. Bücher aber eröffnen neue Welten – und für Geschichten braucht es kein Geld.

Durch ihre Fahrten mit dem Bibliomotocarro entdeckt Adalina zudem die Liebe zu ihrer Heimat wieder. Sie beginnt zu überlegen, länger zu bleiben oder sogar ganz nach Ferrandina zurückzukehren. „Ich fühle mich hier wohler, als ich erwartet hatte. Die Weite, die Stille, selbst die Melancholie, die manchmal wie Nebel in der Luft hängt, tut mir gut. Ich kann die Lucana in mir wohl doch nicht verleugnen.“ (S. 199)

Neben all dem erhält man auch interessante Einblicke in den Entstehungsprozess eines Romans und das Leben einer Autorin.

Ein ruhiger, nachdenklicher Roman mit viel italienischem Flair. Er erzählt von Familie und Freundschaft, Zusammenhalt und der Liebe zur Heimat – vor allem aber davon, wie Bücher Hoffnung schenken und Kindern neue Horizonte eröffnen können.

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Veröffentlicht am 06.07.2026

Ein ungelebtes Leben

Fünf, sechs, sieben, acht
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„Du bist so sehr auf dieser sinnlosen Suche nach der eigenen verlorenen Jugend, dass du mir meine nicht verzeihen kannst.“ (S. 200)
Anton ist Stepptänzer und Choreograph am Theater und steht mit 60 Jahren ...

„Du bist so sehr auf dieser sinnlosen Suche nach der eigenen verlorenen Jugend, dass du mir meine nicht verzeihen kannst.“ (S. 200)
Anton ist Stepptänzer und Choreograph am Theater und steht mit 60 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Als sein Vertrag nicht verlängert wird, bricht für ihn eine Welt zusammen – vor allem, weil ausgerechnet seine Tochter Emma seine Nachfolgerin wird. Er schafft es nicht, ihr zu zeigen, wie stolz er auf sie ist. Stattdessen reagiert er mit Wur und Enttäuschung darüber, dass sie ihm nichts davon erzählt hat.
Anton flüchtet sich in Weltschmerz und die Erinnerung an seine erste Liebe Jo, die vor 35 Jahren zum Zigarettenholen aufbrach und nie zurückkehrte. Seitdem hat er nie wieder von ihr gehört. Der Verlust hat sein ganzes Leben überschattet. Seine inzwischen Ex-Frau Katja und Emma hatten stets das Gefühl, im Schatten einer Frau zu stehen, die nie wirklich aus Antons Herz verschwunden ist - immer nur zweite Wahl zu sein.
Als Anton zunehmend in eine Depression abzurutschen droht, schlagen Katja und Emma ihm vor, doch noch einmal nach Jo zu suchen. Tatsächlich findet Emma sie schließlich und reist mit ihrem Vater nach Irland. Doch statt einer Aussöhnung zwischen Vater und Tochter scheint die Reise den endgültigen Bruch herbeizuführen. „So eine ungelebte Liebe ist immer größer als die gelebte … Keiner kann rückwärts leben. Auch du nicht.“ (S. 61)

„Fünf, sechs, sieben, acht“ von Ewald Arenz hat mich tief berührt. Für Anton besteht alles aus Takten, Rhythmen und Tönen – ob Regen, Wind oder die Geräusche seiner Umgebung. Er übersetzt alles in Bewegung, und genauso fühlt sich auch der Roman an, als würde man tanzend durch die Handlung getragen.

Nach seiner Kündigung wird Antons Leben zum Tanz auf dem Drahtseil. Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit und Arbeitslosigkeit lässt ihn immer tiefer in die Vergangenheit eintauchen, während ihn gleichzeitig die Zukunft verunsichert. Dabei will er doch eigentlich noch Neues erleben und entdecken. Er weigert sich zu akzeptieren, dass er jetzt schon für die (über)nächste Generation Platz machen soll und nicht erst dann, wenn sein eigener Stern zu sinken beginnt.
Zur Angst vor dem Älterwerden kommt die Sorge vor den körperlichen Veränderungen. Anton spürt, dass er nicht mehr so schnell und kraftvoll ist wie noch vor einigen Jahren. Er fürchtet, überflüssig zu werden, einsam zu enden und seinen Platz in der Welt zu verlieren. Seine Ehe ist zwar gescheitert, doch Katja und er verbindet inzwischen eine tiefe Freundschaft. Seine Tochter hingegen stößt er mit seinem Neid und seiner Wut immer weiter von sich weg. Die Frage ist, ob es ihm gelingt, loszulassen und noch einmal neu anzufangen.

Ich bin zwar etwas jünger als Anton, konnte mich aber erstaunlich gut in seine Gedanken, Gefühle und Selbstzweifel hineinversetzen. Seine Angst vor dem Älterwerden, davor, nicht mehr gebraucht zu werden und den eigenen Platz zu verlieren, wirkt erschreckend authentisch. Auch deshalb fühlte sich der Roman für mich sehr nahbar an.
Überhaupt sind die Figuren wunderbar gezeichnet – lebensecht, vielschichtig und glaubwürdig. Besonders Anton hat mich oft an meinen eigenen Vater erinnert, der sich damals ebenfalls nur schwer mit dem Renteneintritt abfinden konnte und eigentlich gar nicht aufhören wollte zu arbeiten.

Ewald Arenz schreibt mit einer großen Leichtigkeit und gleichzeitig ungemein poetisch. Auf gerade einmal 240 Seiten erzählt er eine Geschichte voller Emotionen, Sehnsucht und leiser Zwischentöne. Besonders das Ende hat mich tief bewegt und den Roman für mich zu einem echten Herzensbuch gemacht.

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Veröffentlicht am 04.07.2026

Wenn ein Traum Wurzeln schlägt

Der vergessene Wald
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„Es ist … ein ambitioniertes Projekt.“ (S. 12) – das ist noch einer der freundlicheren Kommentare, die Saskia von Bauunternehmern zu hören bekommt, wenn sie die Ruine von Schloss Gair besichtigen. Vor ...

„Es ist … ein ambitioniertes Projekt.“ (S. 12) – das ist noch einer der freundlicheren Kommentare, die Saskia von Bauunternehmern zu hören bekommt, wenn sie die Ruine von Schloss Gair besichtigen. Vor allem die alte Eiche mitten im Schlosshof sehen, die unbedingt erhalten werden soll, sorgt für skeptische Blicke und Ablehnung.

Mit ihrem neuestem Roman entführt Sharon Gosling ihre LeserInnen ins Grenzgebiet zwischen England und Schottland zu einer romantisch verfallenen Schlossruine, eingebettet in einem verwunschen wirkenden Wald.

Saskia kennt diesen Ort seit ihrer Kindheit. Es war der Lieblingsplatz ihres Vaters, eines Architekten, der stets davon träumte, das Schloss wiederaufzubauen, ohne die alte Eiche fällen zu müssen. Gemeinsam suchten sie jahrelang nach einer Lösung. Nun möchte Saskia diesen Traum endlich mit ihrem hart erkämpften Erbe verwirklichen.
Doch die abgelegene Lage und der zu schützende Baum schrecken nahezu alle Baufirmen ab. Auch Owen, der letzte Bauunternehmer auf ihrer Liste, sagt erst zu, nachdem Saskia ihm einen ordentlichen Vorschuss anbietet. Für ihn ist nicht nur das Bauprojekt eine Herausforderung, sondern auch seine Auftraggeberin. Dass sie in einem Tiny House direkt neben der Ruine wohnt, hält er zunächst für einen Spleen und vermutet, sie wolle ihn ständig kontrollieren. Er findet Saskia überheblich und ihre Vorstellungen kaum umsetzbar – doch letztlich ist es ihr Geld, das sie investiert. Außerdem braucht er den Auftrag dringend, um nach dem Scheitern seiner Ehe finanziell über die Runden zu kommen und weiterhin Zeit mit seiner Tochter verbringen zu können.

Als wären die Spannungen zwischen den beiden noch schon genug, sorgen protestierende Anwohner und Umweltschützer zusätzlich für Schwierigkeiten. Auch Archäologen und eine historische Gesellschaft versuchen, einen Baustopp zu erwirken. Der gemeinsame Kampf gegen diese scheinbar übermächtigen Widerstände schweißt Saskia und Owen schließlich zusammen. Doch wird ihr Traum am Ende Wirklichkeit?

„Der vergessene Wald“ ist eine schöne Geschichte über (Wahl-)Heimat, das bewusste Leben im Einklang mit der Natur, sowie den Spannungsbogen zwischen Denkmalschutz, Naturschutz und persönlichen Träumen. Besonders gefallen hat mir das Geheimnis der alten Höhlen, das der Handlung eine zusätzliche mystische Note verleiht.
Lediglich die ausführlichen Schilderungen der Bauarbeiten haben meinen Lesefluss gelegentlich gebremst. Ich habe selbst zehn Jahre in einer Baufirma gearbeitet und kann bestätigen, dass die geschilderten Probleme durchaus realistisch sind. Für meinen Geschmack wirkten diese Passagen jedoch stellenweise etwas zu technisch und erinnerten eher an ein Sachbuch als an einen Roman.

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Veröffentlicht am 01.07.2026

Alte Schule

00-Laschet
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„Innerhalb von zwei Tagen war er von einem britischen Geheimdienst, der britischen Königin selbst und von Brad Pitt attackiert wurden. … Womöglich sollte er eine Gefahrenzulage beantragen.“ (S. 137)
So ...

„Innerhalb von zwei Tagen war er von einem britischen Geheimdienst, der britischen Königin selbst und von Brad Pitt attackiert wurden. … Womöglich sollte er eine Gefahrenzulage beantragen.“ (S. 137)
So hatte sich Armin Laschet seinen Job als Bundespräsident sicher nicht vorgestellt. Statt auf Bällen mit Meryl Streep zu tanzen, wird bereits an seinem ersten Amtstag ein Attentat auf ihn verübt. Dabei erfährt er, dass sowohl Schloss Bellevue als auch sein Amt lediglich als Tarnung für den geheimsten Geheimdienst der Welt dienen. Selbst seine Staatsreisen haben in Wahrheit nur einen Zweck: die Agentinnen und Agenten unauffällig zu ihren Einsatzorten zu bringen.

Seine derzeitige Begleiterin ist jung, dynamisch und offiziell seine Social-Media-Beauftragte. Wenn sie nicht gerade die Welt rettet, denkt sie sich neue Challenges aus, die Armin und sein Konkurrent Söder absolvieren müssen, um Armins Reichweite zu steigern. Dabei sehnt sich Armin vor allem nach seiner Familie, die in Aachen geblieben ist. Wenigstens leistet ihm seine neue Freundin Mausi, eine kleine Hausmaus, Gesellschaft beim nächtlichen Käseplattensnack – Blauschimmel ist der Favorit von beiden. Sie lauscht geduldig seinen Selbstgesprächen und scheint grundsätzlich seiner Meinung zu sein.

Der Geheimdienst ist mit seinem neuen Schützling allerdings weniger zufrieden. Armin tritt in jedes Fettnäpfchen, liest die vorbereiteten Einsatzunterlagen nie, sondern bezieht sein Wissen lieber aus der Gala und von ChatGPT. Außerdem löst er die ihm gestellten Aufgaben lieber nach alter Schule – und manchmal bringt einen ein gutes Gespräch tatsächlich weiter.

Nach Miss Merkel nimmt David Safier nun den nächsten Politiker aufs Korn. Ich muss zugeben, dass ich sehr gespannt auf das Buch war, am Ende aber leider etwas enttäuscht wurde. Die Figuren sind durchweg liebenswert, doch die Balance zwischen Armins alltäglichen „Normalo-Problemen“ und den überdrehten James-Bond-Actionsequenzen hat für mich nicht ganz funktioniert.

Der Hintergrund ist zwar brisant und erstaunlich aktuell, entwickelt sich im Verlauf der Geschichte jedoch immer weiter ins Unrealistische und Abgedrehte. Auch der Showdown war mir letztlich eine Spur zu überzogen.

Die Miss Merkel-Reihe hat nicht ohne Grund ihren Weg auf den Bildschirm gefunden. 00-Laschet dagegen sehe ich eher als Comic – mit überzeichneten Figuren, irrwitziger Action und lautmalerischen „Bäm! Klirr! Zack! Uff! Ächz!“ auf jeder zweiten Seite.

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Eine unbequeme Frau

Sturm über Christiansø
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Von seiner neuen Loftwohnung im Industriehafen von Rønne hat Lennart Ipsen, Leiter der Bornholmer Kripo, einen direkten Blick auf die Firma Airpower. Das Unternehmen betreibt einen Offshore-Windpark vor ...

Von seiner neuen Loftwohnung im Industriehafen von Rønne hat Lennart Ipsen, Leiter der Bornholmer Kripo, einen direkten Blick auf die Firma Airpower. Das Unternehmen betreibt einen Offshore-Windpark vor Bornholm und montiert die dafür benötigten Bauteile vor Ort. Ebenso kann Lennart die Gruppe von Vogelschützern beobachten, die vehement gegen den Windpark und die Firma protestiert und mit spektakulären Aktionen immer wieder für Aufmerksamkeit sorgt. Schlimmeres zu verhindern, gehört derzeit zu den wichtigsten Aufgaben der örtlichen Polizei.
Als jedoch Anna, die Anführerin der Umweltaktivisten, verschwindet und auf dem Boot, auf dem sie lebt, Blutspuren entdeckt werden, übernehmen Lennart und seine Kolleginnen Britta und Tao die Ermittlungen. Die Spur führt Lennart auf die Erbseninseln Christiansø und Frederiksø. Vor deren Küste war Annas Segelboot führerlos aufgefunden worden, und dort leben auch ihre Eltern. Schnell wird deutlich, dass Anna bereits als Kind für Unruhe sorgte und bis heute nichts von ihrer Streitlust verloren hat. Sie denunziert jeden, dem sie etwas anhängen kann, und auf den Inseln gibt es kaum jemanden, der sie mag. Auch mit ihrem jüngeren Bruder geriet sie immer wieder aneinander, weil er ausgerechnet für Airpower arbeitet. Der Firmenchef gibt offen zu, dass er nicht unglücklich wäre, sollte Anna nicht zurückkehren. Und auch ihr Freund gilt als aufbrausender Macho. An Verdächtigen mangelt es den Ermittlern also nicht. Doch solange unklar bleibt, was Anna tatsächlich zugestoßen ist, kommen die Ermittlungen nur schleppend voran.

In „Sturm über Christiansø“ dreht sich vieles um Umweltschutz und erneuerbare Energien. Anna und ihre Mitstreiter sind überzeugt, dass der Windpark zahlreiche Zugvögel tötet und boykottieren deshalb immer wieder den Ausbau der Anlage. Dieser Konflikt spielt bei den Ermittlungen eine zentrale Rolle und regt auch die Ermittler zu Diskussionen über die verschiedenen Standpunkte an. Ebenso wichtig ist die Frage, wer Anna als Person war. Sie galt als unbequem, kompromisslos und hat sich im Laufe der Jahre viele Feinde gemacht.

Wie schon in den vorherigen Fällen teilen sich Lennart und seine Kolleginnen die Arbeit auf. Lennart ermittelt meist an vorderster Front, häufig unterstützt von Britta, die scheinbar jeden kennt und mit viel Einfühlungsvermögen auf Menschen zugeht. Nicht selten übernimmt sie deshalb auch die Aufgabe, schlechte Nachrichten zu überbringen. Tao hingegen bleibt lieber im Revier und kümmert sich um Technik, Datenanalyse und Hintergrundrecherchen.

Auch der 4. Band der Bornholm-Reihe von Michael Kobr überzeugt erneut mit einer spannenden Krimihandlung und interessanten Einblicken in Lennarts Privatleben. Seine Tochter Ida hat ihn überredet, gemeinsam mit ihr den Segelschein zu machen, doch vor dem Lernen drückt er sich nach Kräften. Für humorvolle Momente sorgt einmal mehr sein Vater, der versucht, Lennart für das Thema Longevity zu begeistern, selbst die Regeln dieser Lebensphilosophie jedoch nur sehr selektiv befolgt. Zudem versteht es Michael Kobr erneut, landestypische Spezialitäten und Delikatessen ganz nebenbei in die Handlung einzuflechten – schließlich ist Lennart einem guten Essen nie abgeneigt. Und nicht zuletzt weckt der Roman die Lust, die Erbseninseln bei schönem Wetter selbst einmal zu besuchen.

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