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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2022

Anstrengende Lektüre

Der große Fehler
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„Denk nicht an einen blauen Elefanten“ – und schon hat man das Bild eines blauen Elefanten vor Augen. Nicht an etwas zu denken, führt zum Gegenteil. Der Roman von Jonathan Lee war ein einziger großer ...


„Denk nicht an einen blauen Elefanten“ – und schon hat man das Bild eines blauen Elefanten vor Augen. Nicht an etwas zu denken, führt zum Gegenteil. Der Roman von Jonathan Lee war ein einziger großer blauer Elefant für mich. Ich wurde ihn nicht los, obwohl ich mehrfach abbrechen wollte, obwohl mir das Lesen keine Freude bereitete, obwohl meine offene Neugier mit jedem weiteren Kapitel schrumpfte, so sehr, bis ich dem blauen Elefanten mit tiefster Abneigung begegnete. Keine gute Voraussetzung, denn Lesen soll Spaß machen, um seine ureigenste Kraft zu entwickeln, nicht zur reinen Pflichtübung mutieren.

Die Verlagsankündigung mit Inhaltsangabe täuscht eine Art von historischem Krimi vor und weckt damit falsche Erwartungen. Im Wesentlichen geht es um Andrew H. Green, den wichtigen und doch vergessenen Stadtplaner des 19. Jahrhunderts, der, wie man sagt, das moderne New York, wie wir es kennen, gestaltet hat und im Alter von 83 Jahren auf der Park Avenue ermordet wurde. Der Autor hat akribisch recherchiert, um sich der Person Andrew Green so weit wie möglich zu nähern. Es lohnt sich, das am Ende des Romans abgedruckte Interview mit Jonathan Lee zu lesen, um seine Intentionen besser zu verstehen.

Warum nur machte das Buch zu lesen nicht die geringste Freude? Da ist für mich allem voran der Schreibstil zu nennen. Jonathan Lee baut mitunter Sätze, die so lang sind, dass man am Ende des Satzes den Anfang vergessen hat. Und er beschreibt so detailliert und verschachtelt, dass ich beim Lesen immer wieder gedanklich abschweifte. Mich haben weder Sprache noch Inhalt an irgendeiner Stelle im Buch wirklich gefangen genommen, auch wenn der Autor hoch gelobt wird. Mag sein, dass ein New York Kenner mit viel größerem Interesse den Roman liest als jemand wie ich, der nie in New York war und auch nie dorthin kommen wird. Den Roman zu lesen, war jedenfalls für mich eine recht mühselige, anstrengende Pflichtaufgabe.

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Veröffentlicht am 08.03.2022

Bärenstarke Kombination von Lachen und Wissen

Was Bären über Bienen wissen (müssen)
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Was gibt es Schöneres, als mit Kindern ein Bilderbuch zu entdecken, das nicht nur Erwachsenen, sondern auch den Kleinen herzhaftes Lachen entlockt, dabei aber gleichzeitig ganz nebenbei Wissenswertes ...


Was gibt es Schöneres, als mit Kindern ein Bilderbuch zu entdecken, das nicht nur Erwachsenen, sondern auch den Kleinen herzhaftes Lachen entlockt, dabei aber gleichzeitig ganz nebenbei Wissenswertes vermittelt?

Der Esslinger Verlag hat ein ganz wunderbares Bilderbuch auf den Markt gebracht, das sich auf ganz eigene Weise mit dem derzeit sehr aktuellen Thema „Bienen“ befasst.
Jedes Kind weiß, dass Bären Honig lieben. Was liegt also näher, dass ein Bär Imker werden möchte, damit er zukünftig Honig im Überfluss hat – zum Schlecken, zum Backen, zum Genießen. Dass ein Bär in seiner Tapsigkeit aber nicht immer ganz geschickt vorgeht bei all den Dingen, die zur Imkerei gehören, liegt nahe.
Pip Cornell hat den „Ratgeber für Bären, die Imker werden wollen“ sehr schön in Worte gefasst. Die einfachen, gut verständlichen Sätze kommen ganz ernst daher, aber stecken voller augenzwinkerndem Humor, den die meisten Kinder des Zielgruppenalters durchaus verstehen. Die hinreißenden Illustrationen von Alex G. Griffiths verdeutlichen auf perfekte Weise die doppelte Botschaft des Textes, indem der tollpatschige Bär zwar ernstes Bemühen an den Tag legt, aber so allerlei falsch versteht und den Vogel zu irritiert-erstaunten Kommentaren veranlasst. Die Vorsatzblätter enthalten übrigens einige ernst gemeinte sachliche Informationen zum Bienenleben, wobei mein Herz besonders den ruhenden Bienen gehört, die sich dabei gegenseitig an den Füßchen festhalten. Großartig auch hier die Illustrationen dazu! Jeder, der das Buch angeschaut hat, wird gar nicht anders können, als Bienen zu lieben – auch wenn er kein Bär ist.

Fazit: Ein Bilderbuch mit einer absolut geglückten Mischung von sinnvollen Informationen und hanebüchenem Unsinn, fröhlich-absurd und witzig-unterhaltsam, mit großartigen Illustrationen, die mit vielen liebenswert-komischen Details den Text auf perfekte Weise unterstreichen.

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Veröffentlicht am 08.03.2022

Guter Plot, aber wenig Spannung durch zu viel Selbstreflexionen

Die Stiefmutter
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Eigentlich hätte ich wissen müssen, was mich bei dieser Autorin erwartet. Denn bereits bei ihrem Buch „Das andere Haus“ schrieb ich in meiner Rezension: „… ist die Autorin zu bewundern, wie sie es schafft, ...


Eigentlich hätte ich wissen müssen, was mich bei dieser Autorin erwartet. Denn bereits bei ihrem Buch „Das andere Haus“ schrieb ich in meiner Rezension: „… ist die Autorin zu bewundern, wie sie es schafft, die geschilderten Befindlichkeiten in tausend Bruchstücke zu zerlegen und zu immer neuen Mustern wieder zusammenzusetzen, einer Laterna magica gleich…. Spätestens, allerspätestens nach 100 Seiten beginnt das Buch zu langweilen.“ Ja, genau das gleiche Gefühl stellte sich mir beim Lesen des vorliegenden Thrillers ein.
Diesmal deshalb das Fazit gleich zu Beginn: Guter Plot mit viel Spannungspotenzial, der jedoch mit seziererischer Akribie in die Langeweile geschrieben wird.

Ein nächtliches Feuer lässt das Haus von Alex und Natalie niederbrennen. Die Tochter Jade, 14, wird in letzter Minute von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet. Im Krankenhaus spricht Jade davon, vor Ausbruch des Feuers im Haus einen Mann im Dunklen gesehen zu haben. Alex liebt seine Tochter abgöttisch, und er liebt seine Frau Natalie, die ihm sehr über den Tod seiner ersten Frau, der Mutter von Jade, hinweggeholfen hatte. Irritierend nur, dass Alex Natalie vor dem brennenden Haus vorgefunden hatte mit der Behauptung, Jade trotz Suche im gesamten Haus nicht entdeckt zu haben und sich dann selbst ins Freie hätte retten müssen. Das wachsendes Misstrauen zwingt Alex dazu, Nachforschungen anzustellen…

Die Geschichte besitzt tatsächlich alle Zutaten für einen spannenden Thriller. Doch was macht Rebecca Fleet daraus? Sie seziert wortreich jede innere Regung, jede kleinste Beobachtung, jeden geringsten Impuls, jede unbedeutende Interaktion und zerlegt Gefühle und Gedanken in mikrokleine Einzelstücke. Das gesamte Buch wirkt dadurch auf mich wie eine nicht enden wollende Sitzung bei einem Psychoanalytiker, wie ein unendliches Kreisen um innere Befindlichkeiten. Dass die Hauptpersonen aus ihrer jeweiligen Sicht die Gegebenheiten schildern, macht die Sache nicht besser, im Gegenteil. Diese seitenlangen Reflexionen sind sehr anstrengend und nach einer Weile auch langweilig zu lesen. Selbst die raffinierten Twists in der Geschichte retten den Thriller in seiner Gesamtheit nicht. Denn kaum kommt so etwas wie Spannung auf, wird sie von der Autorin wieder kaputt seziert. Schade.

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Veröffentlicht am 06.03.2022

Bestechend einfacher, leicht umsetzbarer "Instant"-Ratgeber

Die 5-Minuten-Formel für Ihre Gesundheit
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Das Vorwort des vorliegenden Buches ist mir genau „auf den Leib“ geschrieben. Ja, ich weiß, dass ich mich mehr um Körper und Seele kümmern müsste. Und ja, alle meine Vorsätze scheitern über kurz oder ...


Das Vorwort des vorliegenden Buches ist mir genau „auf den Leib“ geschrieben. Ja, ich weiß, dass ich mich mehr um Körper und Seele kümmern müsste. Und ja, alle meine Vorsätze scheitern über kurz oder lang, weil diese Vorhaben nicht wirklich in den Alltag passen, schon gar nicht sich mühelos in den gefüllten Alltag einfügen lassen. Da hat mich der Buchtitel direkt angesprungen, denn es verspricht einfache und schnelle wirksame Hilfe, also genau das, was ich brauche.

Der mir bislang unbekannte Autor wird als einer der einflussreichsten Ärzte Englands beschrieben. Seine Bücher sind dort Bestseller. Also befasste ich mich mit großer innerer Bereitschaft mit diesem Buch, das mir vorkommt wie eine Art von „Instant“-Ratgeber. Klar und übersichtlich strukturiert wirkt die Gesamtgestaltung, auch was die typographische Gestaltung betrifft. Der Text ist jeweils auf das Wesentliche beschränkt, ausgenommen das relativ ausführliche Vorwort, das zu lesen jedoch wirklich sinnvoll ist, um mit dem Buch so umzugehen, dass es Nutzen bringt. Auf die Fotos des ewig lächelnden Autors hätte ich allerdings verzichten können. Es gefällt mir gut, wie man angeregt wird, neue „gesunde“ Gewohnheiten in Mini-Schritten ins tägliche Leben so zu integrieren, dass sie so selbstverständlich werden wie Zähneputzen. Denn mit Willenskraft allein ist es nicht getan. Die ist zwar gut als Startimpuls, aber zum längeren Durchhalten braucht es das Einüben von neuen Gewohnheiten. Als absolute Stärke des Buches zeigte sich für mich die Möglichkeit, mir meine eigenen, zu mir passenden kleinen täglichen „Häppchen“ zusammenzustellen zu meinem ureigensten neuen Gesundheitsmenü. Anhand von wegweisenden Symbolen konnte ich mir das für mich Passende schnell heraussuchen und dies dann stur und ohne Wenn und Aber täglich durchführen. Allerdings reichen 5 Minuten täglich nicht aus, denn die 5-Minuten-Formel ist in Wahrheit eine 15-Minuten-Formel. Im Idealfall beanspruchen nämlich Kopf, Körper und Herz jeweils ihre eigenen 5 Minuten.

Fazit: Motivierender, bestechend einfacher und mühelos umsetzbarer „Instant“-Ratgeber für alle, die sich nicht länger mit einem schlechten Gewissen herumplagen wollen, wenn der Alltag nicht genug Zeit lässt für gesunde Aktivitäten.

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Veröffentlicht am 05.03.2022

Was wirklich wichtig ist im Leben

Querbeet ins Glück
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In diesen erschreckenden, Angst machenden Zeiten sind Bücher mit positiver Ausstrahlung eine stärkende Gegenmaßnahme, eine Art Atem-Holen in all der Beklemmung. Das vorliegende Buch hatte für mich diese ...

In diesen erschreckenden, Angst machenden Zeiten sind Bücher mit positiver Ausstrahlung eine stärkende Gegenmaßnahme, eine Art Atem-Holen in all der Beklemmung. Das vorliegende Buch hatte für mich diese kraftgebende, rundum lebensbejahende Wirkung.

Maddie ist ihrem größten Glück, eine erfolgreiche Musicaldarstellerin zu sein, ganz nah. Sie probt für die Hauptrolle in „Tanz der Vampire“ jeden Tag hart, denn die Premiere der geplanten anspruchsvollen Musicalaufführung rückt täglich näher. Auch wenn Kollegialität nicht besonders groß geschrieben wird unter den Darstellern, auch wenn die Probenarbeit alle Kraft verlangt - Maddie ist glücklich, wenn sie auf der Bühne stehen darf. Da nimmt sie auch die etwas schwierige Wohnsituation hin, denn sie lebt sozusagen Tür an Tür mit Gabi, einer älteren eigenwilligen Dame mit echter Berliner Schnauze und dem Riesenhasen „Opa“. Als Gabi durch einen Treppensturz verletzt wird, muss Maddie nicht nur „Opa“ in Obhut nehmen, sondern auch die Vertretung in Gabi‘s Gartenkommune übernehmen. Dass die Begegnung mit frischer Erde, blühenden Apfelbäumen und eigenwilligen Gartenfreunden Maddie’s Leben auf ganz unerwartete Weise verändern wird, ahnt sie nicht…

Lisa Kirsch hat einen wunderbaren Wohlfühlroman geschrieben, der mit seiner positiven Grundeinstellung sofort überspringt auf das eigene Lebensgefühl und ein Stück weit die Bedrückung dieser Tage hinweg zaubert. Zwar ist die Geschichte gefährlich nah einer vorhersehbaren, gefühlsintensiven Liebesgeschichte angesiedelt, aber durch die humorige, lebendige und frische Erzählweise kommt an keiner Stelle enttäuschender Kitsch auf. Die geschilderten Menschen sind Individualisten. Sie werden allesamt aber positiv und verständnisvoll dargestellt in ihren Eigenheiten, in ihren mitunter fragwürdigen Ansichten, aber auch in ihren Unsicherheiten und – am eindrucksvollsten – mit ihrer Bereitschaft, sich auf andere Menschen einzulassen. Dass Maddie gerne strickt, hat mich gar nicht überrascht, und dass auch Hühner das Herz erobern können, noch viel weniger. Die Kraft der Natur ist eben eine ganz besondere…

Kurzum: Bei diesem Buch handelt es sich um einen Wohlfühlroman, der diese Bezeichnung voll und ganz verdient und der die Frage, was wirklich wichtig ist im Leben, auf humorvoll-leichte und durchaus kluge Weise beantwortet.


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