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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2022

Unerwartete Geschmackserlebnisse

Alkoholfreie Drinks
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Sehr neugierig war ich auf dieses Buch, denn Drinks ohne Alkohol, die dennoch vom Geschmack her überzeugen, konnte ich mir schlecht vorstellen. Aber ich bin immer bereit, Neues zu entdecken. Und in der ...


Sehr neugierig war ich auf dieses Buch, denn Drinks ohne Alkohol, die dennoch vom Geschmack her überzeugen, konnte ich mir schlecht vorstellen. Aber ich bin immer bereit, Neues zu entdecken. Und in der Tat gaben mir die Autorinnen viele neue und spannende Rezept-Anregungen.

Schade, dass man bei Neuauflage dieses Titels allerdings versäumt hat, dem Buch ein etwas weniger empfindliches Äußeres zu verpassen. Das Cover sieht sehr schnell schmuddelig aus bei häufigerem Benutzen, weil es sich zwangsläufig Flecken von Wasser, Saft u. a. einfängt. Was mich im Inneren des Buches leider auch sehr stört, ist die Typographie. Die schreiend riesigen Überschriften und der unnötige Schriftmix mit und ohne Serifen schmerzen meinem beruflich geschulten Blick. Das Buch bzw. sein Thema hätte meines Erachtens eine elegantere typographische Gestaltung verdient. Schade auch, dass nicht jeder Drink ein Foto erhalten hat, denn gerade die Fotos sind Eyecatcher und Appetitanreger.

Ob man den Hinweis benötigt, in welchem Glas der jeweilige Drink zu servieren ist, sei dahingestellt. Übersichtlich sind die jeweiligen Zutaten angegeben. Die Zubereitung wird kurz und bündig dargestellt. Nützlich empfinde ich persönlich die Vorschläge, zu welchen Snacks der jeweilige Drink besonders gut passt. Mein persönlicher Liebling war auf Anhieb die Mango-Weiße, weil sie problemlos und schnell zu servieren ist, bei größeren Gästegruppen problemlos wahlweise mit und ohne Alkohol. Auch das Rezept für Kir Royal habe ich nun schon mehrfach übernommen, allerdings mit Casissirup. Je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit von Zutaten werde ich noch etliche Rezepte ausprobieren. Auch wenn ich nicht weiß, wie ich in unserer Kleinstadt Heusirup bekommen könnte…

Insgesamt gesehen bietet mir das Buch noch auf lange Sicht hin Anregungen für schmackhafte Rezepte, teilweise mit unerwarteten Geschmackserlebnissen, die aber gerade deshalb besonders interessant sind, egal ob es sich um Aperitifs, Liköre, Cocktails oder ganz einfache erfrischende Getränke handelt.

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Veröffentlicht am 16.02.2022

Ein Kochbuch eher zum Anschauen als zum Nachkochen

Zuhause kochen und genießen
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„Das Glück des Kochens“ will uns Christoph Rüffer vermitteln. Keine leichte Aufgabe für ihn, der Sterne-Koch im Hotel „Vier Jahreszeiten“ in Hamburg ist. Wie nah ist ein Koch feinster Gerichte noch dem ...


„Das Glück des Kochens“ will uns Christoph Rüffer vermitteln. Keine leichte Aufgabe für ihn, der Sterne-Koch im Hotel „Vier Jahreszeiten“ in Hamburg ist. Wie nah ist ein Koch feinster Gerichte noch dem „normalen“ Menschen mit durchschnittlichen Kochkenntnissen, durchschnittlichem Budget und durchschnittlichen Essgewohnheiten? Für mich jedenfalls ist das Kochbuch zwar eine echte Augenweide, aber leider, leider keine Verführung zum Kochen.

Jan-Peter Westermann hat traumhaft schöne Fotos geschaffen, die sogar eine ganz normale (und für mich eklige) Blutwurst so appetitlich erscheinen lassen, dass man reinbeißen möchte. Auch die gesamte Gestaltung des Buches ist sehr gut gelungen, wie ich finde. Gerade die doch sehr pragmatische Kapiteleinteilung nach Aufwand und Lebensmittelkategorien gefällt mir. Zutatenliste und Kochanweisung sind sehr übersichtlich dargestellt. Und, wie bereits gesagt, für jedes Rezept gibt es ein ganzseitiges, äußerst ansprechendes Foto, das jeweils äußerst verlockend wirkt. Und doch fand ich im gesamten Buch nicht ein einziges Rezept, das ich nachkochen würde! Entweder enthält es eine oder mehrere Zutaten, die ich, in einer Kleinstadt lebend, nicht zu kaufen bekäme. Oder das Rezept basiert auf Zutaten, die ich absolut nicht mag. Oder der notwendige Aufwand wäre mir das Ergebnis nicht wert. So leid es mir tut, in meiner Koch- und Esswelt findet der Sternekoch keinen Platz. „Das Glück des Kochens“ konnte er mir leider nicht vermitteln.

Fazit: Ein großartig gestaltetes, mit wunderschönen Fotos versehenes Kochbuch mit Gerichten, die leider allesamt keinen Platz in meinem Kochalltag finden können.

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Veröffentlicht am 14.02.2022

Mystisch verbrämte, symbolüberladene Geschichte eines Reifungsprozesses

Bone Music
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Ein seltsames Buch hat David Almond hier geschrieben. Seltsam für 14-Jährige, aber auch seltsam für Ältere. Mir jedenfalls hat sich nicht alles erschlossen, was der Autor mit seiner Erzählung bezwecken ...


Ein seltsames Buch hat David Almond hier geschrieben. Seltsam für 14-Jährige, aber auch seltsam für Ältere. Mir jedenfalls hat sich nicht alles erschlossen, was der Autor mit seiner Erzählung bezwecken wollte.

Hauptperson ist die 15-jährige Sylvia, schüchtern, zurückhaltend. Sie muss für ein oder zwei Wochen ihre Mutter, die eine Auszeit braucht, widerwillig begleiten, und zwar nach Northumberland, einem riesigen Naturgebiet, weit weg von ihrer Freundin und mit denkbar schlechtem Handyempfang. Die Mutter arbeitet beruflich mit schwierigen Kindern und Jugendlichen und möchte die freie Zeit zum Malen nutzen. Der Vater hält sich die meiste Zeit seines Lebens in Kriegsgebieten auf, weit weg von seiner Familie. Als Sylvia dem Nachbarjungen Gabriel begegnet, der ihr seine aus einem Knochen gefertigte Flöte zeigt und ihr einen völlig anderen Blick auf die Natur näher bringt, beginnt in Sylvia ein detailreich geschilderter Wandlungsprozess.

Die Geschichte wird nicht geradeläufig nachvollziehbar erzählt. Alles und jedes wird mystisch verbrämt, okkult umschrieben und mit symbolhaften Bildern versehen einerseits, andererseits gibt es Szenen, die fast comic-haft lautmalerisch daherkommen, wie bei Telefonaten zum Beispiel: „knister, knister, murmel, murmel“… Diese Sprünge zwischen inneren verklausuliert formulierten Wandlungsprozessen und realen Vorkommnissen machten es mir schwer, mich ernsthaft auf das Buch einzulassen. Zu viele Botschaften stecken in den Seiten. Da mag jeder vielleicht etwas anderes für sich herauspflücken können. Mir gefiel eigentlich, dass sich der Autor als ein Lautmaler, ein Wörtermaler, ein Bildermaler und als ein Seelenmaler sieht. Aber genau darin verliert er sich und damit meines Erachtens die Verbindung zum Leser.

Fazit: Eine mystisch verbrämte, symbolüberladene Geschichte einer Heranwachsenden, deren schüchtern-junges Selbst sich in der Natur vereinigt zu einem reiferen Selbst.

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Veröffentlicht am 13.02.2022

Ein Roman wie Ebbe und Flut

Der Holländer
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„Roman“ steht auf dem sehr passend zum Inhalt gestalteten Cover. Aber eigentlich ist es, wie ich finde, ein Kriminalroman, ein ruhig-unaufgeregt erzählter Kriminalroman, der mich, die ich weit entfernt ...


„Roman“ steht auf dem sehr passend zum Inhalt gestalteten Cover. Aber eigentlich ist es, wie ich finde, ein Kriminalroman, ein ruhig-unaufgeregt erzählter Kriminalroman, der mich, die ich weit entfernt vom Meer lebe, in mir völlig unbekannte Gegenden entführte.

Ausgerechnet bei ihrer letzten Fahrt vor der Pensionierung entdeckt Geeske Dobbenga, tätig beim niederländischen Grenzschutz, eine Leiche im Watt. Ein Deutscher, gefunden im Grenzgebiet zwischen den Niederlanden und Deutschland. Während man sich um Zuständigkeiten streitet, entsendet die Bundespolizei in Cuxhaven heimlich den Ermittler Liewe Cupido nach Delfzijl. Liewe ist Deutscher, aber auf Texel aufgewachsen. Er ist ein besonderer Typ, eigenwillig und wortkarg. Man nennt ihn den „Holländer“. Niemand könnte besser als er Licht in das Dunkel bringen, das sich um den Toten rankt.

Leicht machte es mir der Autor nicht, das Buch zu lesen. Im Präsens gehalten erzählt er sehr beschaulich-eindringlich von einer Welt, die mir bislang völlig fremd war. Wattwanderungen als eine Art Sport zu verstehen, überaus gefährlich einerseits, Grenzerfahrungen vermittelnd andererseits – diese Faszination, sich der Kraft der Natur zu stellen, konnte ich trotz der eindrücklichen Schilderungen des Autors nicht wirklich nachvollziehen. Beeindruckt jedoch hat mich seine seltsam lakonische Erzählweise, die genau die Wesensart der Menschen am Meer widerspiegelt, beobachtend und mit auf das Minimum reduzierten Gesprächen. Die vielen mir unbekannten nautischen Begriffe erschwerten mir jedoch das Lesen. Trotz allem lag von Anfang bis Ende über dem Buch eine permanente leise Spannung, besser noch würde ich es als eine andauernde Anspannung bezeichnen, wenn sich im Laufe der Ermittlungen die Beziehungen zwischen den Hauptpersonen nach und nach auftun und der Ermittler selbst mit seinen eigenen traumatischen Belastungen auf eigenwillige Weise mitwirkt. Sehr hilfreich war für mich übrigens die im Schutzumschlag aufgezeichnete Landkarte, auf der ich mich zum besseren Verständnis oftmals während des Lesens über Örtlichkeiten und Entfernungen informierten konnte.

Fazit: Ein leiser, langsamer, literarischer Kriminalroman, der in seiner Gestaltungskraft etwas von Ebbe und Flut hatte, im Wechsel zwischen Mensch und Natur.

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Veröffentlicht am 11.02.2022

Rundum großartig gelungenes Bilderbuch

Hab keine Angst, kleines Dunkel
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Ach, was liebe ich Bilderbücher, die ganz ohne pädagogischen Zeigefinger ein Thema, das etliche Kinder beschäftigt, einfach weglachen! Mit Humor und raffinierter Umkehrtechnik etwas, das Angst macht, ...


Ach, was liebe ich Bilderbücher, die ganz ohne pädagogischen Zeigefinger ein Thema, das etliche Kinder beschäftigt, einfach weglachen! Mit Humor und raffinierter Umkehrtechnik etwas, das Angst macht, zu etwas umzugestalten, das sorgsamen Schutz von uns Menschen benötigt – wie genial ist das denn!

Das Dunkel, das riesig gefährliche unbestimmbare Wesen, das uns überall auflauern könnte, in der Nacht, im Keller, in finsteren Ecken – dieses bedrohlich-finstere, Angst machende, rätselhafte Etwas mit einer schlechten Frisur hat ja selbst ganz schreckliche Angst. Vor Helligkeit zum Beispiel. Und doch beschützt es euch, immer wenn es dunkel ist. Wie traurig dadurch das Leben des kleinen Dunkel ist, das müsst ihr unbedingt selbst im Buch erleben. Aber es hat auch Freunde, das kleine Dunkel. Erratet ihr, mit wem das Dunkel befreundet ist? Das Buch verrät es euch. Und ihr erfahrt auch, was ihr tun könnt, damit es dem kleinen Dunkel gut geht, wie ihr es beschützen könnt. Damit es euch und dem kleinen Dunkel gut geht. Was gibt es Schöneres!

Rundum großartig ist dieses großformatige Bilderbuch gelungen. Nicht nur, was den genialen Text betrifft. Benjamin Chaud hat ebenso großartige Illustrationen dazu gemalt. Alles ist groß an diesen Bildern und eindrücklich. So wie der Text es vorgibt. Zusammen mit Peter Vegas haben die Beiden mit überraschendem Humor und ganz viel Einfühlvermögen ein Bilderbuch der besonderen Art geschaffen. Wenn man das Dunkel erst einmal kennen gelernt hat, hat Angst einfach keine Chance mehr.

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