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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.06.2021

Ein starker Spannungsroman, überraschend und beeindruckend

Tiefer Fjord
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Ein Spannungsroman ist „Tiefer Fjord“, ein Debütroman und der erste Band einer Trilogie. Drei Gründe, um das Buch mit besonderer Neugier zu lesen. Und in der Tat, die Autorin bietet überraschendes und ...


Ein Spannungsroman ist „Tiefer Fjord“, ein Debütroman und der erste Band einer Trilogie. Drei Gründe, um das Buch mit besonderer Neugier zu lesen. Und in der Tat, die Autorin bietet überraschendes und durchweg spannendes Lesefutter.

Haavard ist Klinikarzt und muss miterleben, wie ein kleiner pakistanischer Junge, offensichtlich schwer misshandelt, kurz nach Einlieferung stirbt. In der Nacht darauf wird der Vater des Jungen erschossen aufgefunden. Clara, Haavards Frau, versucht mit größtem Engagement, als Ministerin einen Gesetzesentwurf durchzubringen, der misshandelten Kindern früher als bisher Hilfe ermöglichen soll. Doch der Gesetzentwurf wird abgelehnt. In der Ehe von Haavard und Clara gibt es viele Unstimmigkeiten. Als kurz darauf eine iranische Frau ermordet wird, gerät Haavard unter Verdacht. Clara, deren politische Karriere damit in Gefahr gerät, muss Haavard entlasten, ohne zu wissen, ob er wirklich unschuldig ist.

Im Präsens erzählt Ruth Lillegraven und rückt damit die Geschehnisse besonders nah an den Leser heran. Die fast bedrohlich wirkende Kulisse der norwegischen Landschaft, insbesondere rund um einen unergründlichen Fjord, beeindruckte mich sehr. In wechselnden Perspektiven erfahren wir aus der Sicht von Haavard, Clara und weiteren Personen hautnah von deren Erleben, deren Gedanken und Gefühlen. Aber auch, wie Vergangenes ihr weiteres Leben bestimmen sollte. Mir ist besonders eindrücklich gewesen, wie ein winziger Moment einer falschen oder zumindest unbedachten Entscheidung zur Lawine führt, die alles Unschuldige mitreisst, das im Weg steht, und nichts als Verderben bringt. In angenehm kurzen Kapiteln schwirren wir in der ersten Hälfte des Buches um die einzelnen Personen herum wie Fliegen um eine Lichtquelle in der Dämmerung. Erst in der zweiten Hälfte des Romans beginnt das aktive Rätselraten und eine kontinuierliche Zunahme der Spannung, denn Überraschendes, Unerwartetes kommt auf den Leser zu. Und wer ist eigentlich Täter und wer Opfer? Und wem gilt unsere Sympathie? Verwirrend und überraschend!

Fazit: Ein starker Roman mit einer starken Geschichte, die noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 25.06.2021

Ein intelligentes Drachenmärchen

Kung-Fu Mama
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Bislang kannte und schätzte ich die Autorin als Krimi-Autorin. Nun unternimmt sie unter neuem Namen ein Ausflug in das locker-leichte Genre der Frauenromane. Deshalb näherte ich mich nur sehr vorsichtig ...


Bislang kannte und schätzte ich die Autorin als Krimi-Autorin. Nun unternimmt sie unter neuem Namen ein Ausflug in das locker-leichte Genre der Frauenromane. Deshalb näherte ich mich nur sehr vorsichtig dem Roman, schon allein weil ich altersmäßig sehr weit entfernt bin von der eigentlichen Zielgruppe der jungen Frauen und Mütter. Aber auch, weil ich dem Genre „Frauenromane“ grundsätzlich nur selten etwas abgewinnen kann. Dabei hätte ich es besser wissen müssen, denn warum sollte die Autorin unter neuem Namen plötzlich weniger gekonnt und weniger intelligent schreiben?

Marlene ist alleinerziehende Mutter von Stephan, das Geld ist knapp, die Klassenlehrerin unzufrieden und der Ex glänzt mit Unzuverlässigkeit. Marlene versucht jeden Tag den Spagat zwischen Kinderbetreuung, Job in der Filiale einer Modekette und einem Minimum an Geldausgaben. Als sie zufällig von kostenlosen Schnupperstunden für einen Kinderkurs in Kung-Fu (mit Erwachsenenbegleitung) erfährt und Stephan begeistert teilnehmen möchte, meldet sie sich und ihren Sohn an. Der chinesische Kursleiter, der Shifu Liwei, ist ein besonderer Mensch, ernst, undurchsichtig, mit dunklen Mandelaugen und einem umwerfenden Duft…

Um es kurz zu machen: Ich habe das Buch sehr, sehr gern gelesen und fühlte mich richtig gut unterhalten. So manche Szenen ließen mich laut auflachen. Wenn zum Beispiel das Kung-Fu-Training zu einer hochexplosiven Situation führt, wenn man vorher Brokkoli gegessen hat. Der Schreibstil der Autorin ist plastisch-farbig und enthält eine Fülle von großartig geglückten bildhaften Schilderungen. Die Mischung aus gefühlvollen Szenen, aus romantischen Gefühlen, aus verzweifelten Situationen und chaotischen Verwirrungen, das alles mit mehreren Prisen Humor verbunden, macht das Buch so wunderbar leicht und unterhaltsam lesbar. Aber der Roman beinhaltet auch Ernstes, die Problematik Alleinerziehender zum Beispiel, deren Alltag oftmals härter ist als das Kung-Fu-Training. Oder die Lebensfrage, wie man wird, was man wirklich ist. Es ist schon eine besondere Autorenkunst, diese Bandbreite zwischen leicht und schwer so aufs Papier zu bringen, dass das Buch süß wie ein Sahnebonbon zu konsumieren ist, hinterrücks jedoch beim Leser durchaus existentielle Fragen im Gedächtnis bleiben.
Fazit: Ein chinesisch-österreichisches Drachenmärchen, kurzweilig, intelligent und humorig.

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Veröffentlicht am 24.06.2021

Ein Wegbegleiter für Jahre

Khalil Gibrans kleines Buch der unvergänglichen Liebe
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Dieses kleine Büchlein besticht schon allein durch seine sorgfältige Gesamtgestaltung. Das Cover mit dem Motiv „The Peacock“ und dazu passend auf bordeauxfarbenem Untergrund Titel und Untertitel abgesetzt, ...

Dieses kleine Büchlein besticht schon allein durch seine sorgfältige Gesamtgestaltung. Das Cover mit dem Motiv „The Peacock“ und dazu passend auf bordeauxfarbenem Untergrund Titel und Untertitel abgesetzt, dazu ein Lesebändchen – alles wirkt fein und liebevoll. Ein Geschenkbändchen, in das man in stillen Momenten immer wieder hineinschauen kann.

Das Buch beleuchtet das unermessliche, unausschöpfbare Thema Liebe aus vielen verschiedenen Richtungen und Aspekten, in erzählender und in Versform. „Die Liebe hat vielerlei Gesichter, mannigfache Möglichkeiten, Verstecken zu spielen.“
Der Lyriker Jochen Winter hat die ausgewählten Worte von Khalil Gibran mehr als 80 Jahre nach dessen Tod neu übersetzt und für unser heutiges Sprachempfinden eingängiger gemacht. Ich bin literarisch und fremdsprachlich nicht bewandert genug, um die Qualität der Neuübersetzung beurteilen zu können. Mir bleibt nur der Ausdruck meines ganz persönlichen Empfindens. Man wird dem Buch sicher nicht gerecht, wenn man es durchlesen möchte wie einen Roman. Vielmehr glaube ich, dass es Aufmerksamkeit und Stille und Sorgfalt vom Leser fordert, um die Schätze, die sich in den Seiten verbergen, wirklich auffinden zu können. Es handelt sich um keine oberflächlichen Postkartenweisheiten, sondern um kleine wortfunkelnde Edelsteine, deren Wert sich nur dem erschließen mag, der poetische Sprache und ihre Bilder zu übersetzen versteht hinein ins persönliche Leben. Khalil Gibran verbindet in seinen Wortbildern, Parabeln und Geschichten auf unvergleichliche Weise Strömungen des Orient mit westlicher Philosophie, was den Anspruch, aber auch den Reichtum ausmacht.
Ich werde noch viele Jahre in diesem Buch lesen…

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Veröffentlicht am 23.06.2021

Ein kleines literarisches Juwel

Du wirst es mir niemals sagen
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Diese Rezension fällt mir sehr schwer. Wie werde ich nur diesem Roman gerecht? Einerseits ist er literarisch faszinierend, andererseits handelt es sich um eine Geschichte über eine Hauptperson, mit der ...


Diese Rezension fällt mir sehr schwer. Wie werde ich nur diesem Roman gerecht? Einerseits ist er literarisch faszinierend, andererseits handelt es sich um eine Geschichte über eine Hauptperson, mit der ich nichts, aber auch gar nichts anfangen konnte.

Liv Maria ist ein verwöhntes Einzelkind, gefangen in einem allzu liebevoll-behütenden Elternhaus. Nach einem Vorfall muss Liv Maria 17-jährig von jetzt auf gleich ihre bretonische Heimat verlassen und bei ihrer Tante in Berlin Unterschlupf finden. Dort lernt sie einen um viele Jahre älteren und verheirateten Professor kennen. Fergus ist Ire und hat in Berlin eine befristete Gastprofessur. Liv Maria wird seine Geliebte und erlebt diese Liebe in einer Intensität, dass sie diese Erfahrung nie mehr vergessen wird. Nach dem abrupten Ende der Beziehung wird Liv Maria zu einer Globetrotterin, schlägt sich in fernen Ländern durch, wird erfolgreiche Geschäftsfrau. Als sie in Chile den jüngeren Flynn kennen lernt, kehrt sie mit ihm nach Irland zurück, wird Ehefrau und Mutter zweier Kinder. Man glaubt, jetzt sei Ruhe in Liv’s Leben eingekehrt, doch das ist ein gewaltiger Irrtum….

Der Roman ist ein kleines literarisches Juwel , denn auf recht unerklärliche Weise hat er etwas magisch Betörendes, ohne dass ich in Worte fassen könnte, woran das liegt. Vielleicht ist es die Feinfühligkeit, in der erzählt wird. Schon allein die Schilderung der Anziehung zwischen Professor und Liv, wie Liv geködert wird durch Etymologie, durch die blinkende Kraft der Wörter, ist besonders. Auch der außergewöhnlich ausgeprägte Geruchssinn der Autorin fällt auf. Dessen Beschreibungen erzählen beeindruckend fast eigene Geschichten. Fein, still und doch immens schlagkräftig schreibt Julia Kerninon. Schade nur, dass ich mit der Protagonistin Liv Maria als Person nichts anfangen kann. Sie war und blieb mir über das ganze Buch hinweg völlig fremd in ihrem Denken und Handeln. Und am wenigsten konnte ich die unerwartete Wendung am Ende nachvollziehen. Allerlei Zitate und Verweise führen in das weite Universum der Literatur, was mir jeweils sehr gut gefiel.
Zusammengefasst würde ich sagen, es handelt sich um einen Roman über die Liebe: Über die körperliche, unverbindliche Liebe, über eine Liebe im Vorübergehen, über eine Liebe der Treue und Verantwortlichkeit, der Wurzeln schlagenden Liebe und über eine geheime Liebe, nicht erzählbar und damit letztlich alles bestimmend. Magisch eben.

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Veröffentlicht am 22.06.2021

Trau dich!

Trudi traut sich!
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Wunderbar, hinreißend, zauberhaft, liebenswert – die Reihe an begeisterten Adjektiven könnte ich noch beliebig fortführen. Denn dieses Bilderbuch für die Kleinen ist meiner Meinung nach rundum perfekt ...


Wunderbar, hinreißend, zauberhaft, liebenswert – die Reihe an begeisterten Adjektiven könnte ich noch beliebig fortführen. Denn dieses Bilderbuch für die Kleinen ist meiner Meinung nach rundum perfekt gelungen.

Trudi ist eine braun-gefleckte Kuh, steht auf der Weide, frisst Gras. Ganz normal alles soweit. Trudi ist allerdings groß, sehr, sehr groß sogar, wenn man die kleineren Tiere fragen würde. Und so glauben diese Tiere, dass Trudi so mutig ist wie sie groß ist. Gar keine Frage. Bei Gewitter zum Beispiel stellen sich Ferkel und Kaninchen unter Trudis Bauch, da fühlen sie sich sicher und beschützt. Seite um Seite begleiten wir die große Trudi durch einige Abenteuer und erleben zuletzt eine ganz große Überraschung.

Großartig, wie Katja Reider mit dem Thema Angst umgeht und kindgerecht in eine anrührende Geschichte verpackt. Angst ist nichts, weswegen man sich schämen muss. Jeder darf auch einmal Angst haben und muss sich nicht verstecken deswegen. Das Eingestehen von Angst, das Erleben von Freundschaft und gegenseitiger Hilfe lassen, wenn es nötig ist, über sich selbst hinauswachsen. „Trau dich!“ Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Ohne viele Worte wird eine stärkende Botschaft vermittelt. Die Illustrationen von Henrike Wilson passen mit ihrer Großformatigkeit und ausdrucksstarken Schlichtheit perfekt zu Trudi und ihrer Geschichte.

Fazit: Ein wunderbares Bilderbuch, das man mit den Kleinsten immer und immer wieder anschauen und lesen sollte.

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