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Veröffentlicht am 11.01.2017

Stimmt nachdenklich...

Das Jahr, in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm
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Das Cover finde ich wirklich wunderschön, ich finde, es schreit nach jung sein und danach, dass man das Leben genießt. Leider passt es - nachdem ich das Buch beendet habe - irgendwie so gar nicht zum Inhalt. ...

Das Cover finde ich wirklich wunderschön, ich finde, es schreit nach jung sein und danach, dass man das Leben genießt. Leider passt es - nachdem ich das Buch beendet habe - irgendwie so gar nicht zum Inhalt. Denn so locker und leicht, wie ich mir das Buch vorgestellt habe, ist es nicht.
Auch der Titel spiegelt sich nur bedingt in der Geschichte wieder. Es geht zwar um den Zeitpunkt bzw. um das Jahr, in dem Kurt Cobain Selbstmord beging, Musik spielt jetzt aber nicht die übergeordnete Rolle. Das fand ich etwas schade und es wurde auch nicht dadurch aufgewogen, dass es im Internet eine Playlist zum Buch gibt.

Es war interessant, einen Jugendroman zu lesen, der in der noch nicht allzuweit entfernten Vergangenheit spielt. Ich selbst war 1993 noch in den Kinderschuhen, deswegen war es für mich doch eine Art abtauchen in eine andere Welt - auch wenn es noch nicht so lange her ist. Für Jugendliche werden einige Sachen sicher befremdlich sein. Sei es dass man noch über das Festnetz-Telefon anrufen muss und WhatsApp keine Option ist. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Allerdings gab es auch einige Dinge, mit denen ich gar nichts anfangen konnte, vor allem was das Verhalten der Protagonistin Maggie betraf. Sie ist 16, also mitten in der Pubertät, mit allem was dazu gehört: Der erste Kuss, das erste Mal verliebt sein, Stress mit der Mutter und der Versuch, vor allem zu flüchten. Sie konnte mich aber nicht mitreißen, ich fand sie teilweise sehr blauäugig und naiv.

Dass das Buch in Irland spielt, war dagegen wieder ein kleines Highlight. Weg aus der Großstadt und mitten rein in die ländliche Idylle der Grünen Insel... Hier weiß jeder alles über jeden, ein Ausbrechen ist nicht leicht. Das wurde gut beschrieben und war für mich durchaus nachvollziehbar.

Die Handlung des Buches wird als humorvoll und traurig beschrieben. Traurig ist es auf jeden Fall - und das nicht, weil Kurt Cobain stirbt. Es wird aufgezeigt, welche Entwicklungen das Leben nehmen kann und was eigentlich zählen sollte. Meinen Humor hat das Buch allerdings gar nicht getroffen. Am Anfang wurde mir einfach zu viel gekotzt und auch so musste ich nicht lachen.

Insgesamt ist das Buch ein etwas anderer Jugendroman, der durchaus schön zu lesen ist, mich aber nicht zu 100% überzeugen konnte. Deswegen gibt es von mir 3 Sterne!

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  • Cover
  • Charaktere
  • Gefühle
  • Lesespass
  • Thema
Veröffentlicht am 08.01.2017

Gute Unterhaltung mit einigen Schwächen

Das Lazarus-Syndrom
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Organspenden geraten immer wieder in die Schlagzeilen, weil bei der Vergabe gepfuscht wird, was das Zeug hält. Guido M. Breuer greift damit ein heikles, aber auch aktuelles Thema auf, aber von der anderen ...

Organspenden geraten immer wieder in die Schlagzeilen, weil bei der Vergabe gepfuscht wird, was das Zeug hält. Guido M. Breuer greift damit ein heikles, aber auch aktuelles Thema auf, aber von der anderen Seite.
Im Mittelpunkt steht Dr. Krafft, ein alkoholabhängiger Arzt, der Organe bei hirntoten Patienten entnimmt. Obwohl er meistens berauscht ist, stellt er Unregelmäßigkeiten fest, was die Todeszeitpunkte der Spender betrifft und beginnt gefährliche Nachforschungen anzustellen...

An sich hat mir das Buch gut gefallen. Zum einen war der thematische Hintergrund wirklich interessant, zum anderen war der Thriller zwar brutal, aber auch nicht zu blutig. Zumindest waren die Morde an sich eher harmlos :)

Leider konnte mich die Hauptfigur Dr. Krafft nicht wirklich überzeugen. Auch wenn er an sich ein guter Mensch ist, der das Richtige tun will, ist er mir einfach zu gebrochen. Alkohol ist immer präsent, ohne geht es nicht. Natürlich ist das das schwere Los, wenn man abhängig ist, hier hätte ich es mir aber ein bisschen weniger drastisch gewünscht. So hat die Sucht doch teilweise vom eigentlichen Thema abgelenkt.

Gut gefallen hat mir der Schreibstil. Das Buch ist sehr flüssig geschrieben, die einzelnen Kapitel nicht zu lang und da es nicht unendlich viele Personen gibt, kommt man auch schnell mit den Namen klar. Hier hatte ich keine Probleme. Auch die Verwicklungen kann man als Leser nicht schnell aufdecken, sondern es bleibt viel Raum zum Miträtseln und eigene Verdächtigungen. Das braucht meiner Meinung nach ein guter Thriller.

Die Handlung an sich hat Stärken und Schwächen. Einerseits wird der Leser gut mitgenommen, man kann sich alles gut vorstellen und es wirkt logisch. Andererseits gibt es aber auch sehr viele Zufälle, gerade am Ende häufen sie sich dann doch. Das macht die Geschichte etwas unglaubwürdig und konstruiert. Schade!

Insgesamt ist "Das Lazarus-Syndrom" für mich ein solider Thriller mit Luft nach oben, der aber trotzdem gut unterhält. Deswegen gibt es von mir 3 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Recherche
  • Charaktere
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 04.01.2017

Rationalität gewinnt

Eine Leiche riskiert Kopf und Kragen
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Ich liebe außergewöhnliche Ermittler - dabei ist Samuel Hoenig, der Protagonist des Buches, eigentlich gar keiner. Er hat einfach nur ein Büro und beantwortet allerlei Fragen, zum Beispiel, ob es möglich ...

Ich liebe außergewöhnliche Ermittler - dabei ist Samuel Hoenig, der Protagonist des Buches, eigentlich gar keiner. Er hat einfach nur ein Büro und beantwortet allerlei Fragen, zum Beispiel, ob es möglich ist, einen Ball aus dem Baseball-Station zu schmettern oder ähnliches. Er ist Asperger-Autist und sieht die Welt deswegen in manchen Dingen etwas anders - ganz rational eben.

Erzählt wird das Buch aus Samuels Sicht in der Ich-Perspektive. Das ist absolut passend - denn so werden all seine Gedankengänge für den Leser nachvollziehbar. Manchmal führt es natürlich auch zu der ein oder anderen komisches Situation - zum Beispiel wenn er nicht versteht, was "Was zur Hölle..." eigentlich bedeuten soll - aber gerade das macht dieses Buch aus. Es macht sich keinesfalls über Autisten lustig, auch wenn man das ein oder andere Mal wirklich schmunzeln muss. Für mich zeigt das Buch viel mehr die Stärken dieser Personen auf und baut Vorurteile ab. Denn anders zu sein bedeutet ja nicht gleich, dass das schlecht ist.

Zum Glück bekommt Samuel bei der Beantwortung der hier im Mittelpunkt stehenden Frage "Wo ist der Kopf von Mrs. Masters-Powell?" Hilfe von der sehr sympathischen Ms. Washburn. Sie unterstützt ihn im Lesen von Gesichtsausdrücken und ist so eine perfekte Ergänzung. Der besagte Kopf ist in einem Institut verschwunden, in dem man sich - oder eben nur seinen Kopf - nach dem eigenen Tod einfrieren lassen kann, um dann später wieder aufgetaut zu werden.Und als ob das nicht ausreicht, passiert auch noch ein Mord. Es stehen also mehrere Fragen im Raum, die beantwortet werden müssen.

Das Buch ist herrlich geschrieben... Es ist witzig, dennoch spannend und man mag die Figuren einfach so sehr, dass man einfach mitfiebert. Allerdings gibt es auch einige Längen, in denen es nicht wirklich voran geht bzw. man als Leser durch viele Fakten und unterschiedliche Begebenheiten gar nicht so wirklich durchblickt.

Letztendlich klärt sich aber alles logisch auf und es bleiben keine Fragen offen. Das Ende schreit gerade zu nach einer Fortsetzung bzw. weiteren kniffligen Fragen für Samuel Hoenig. Zwar habe ich noch keine Ankündigung entdeckt, aber ich hoffe sehr, dass da noch was kommt.

Ich wurde gut unterhalten, das Buch ist wirklich mal etwas anderes! Von mir gibt es 4 Sterne!

Veröffentlicht am 03.01.2017

Mehr Tragik geht nicht...

Zurück ins Leben geliebt
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Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch fast nicht beendet hätte. Ich musste mich zum Schluss richtig durchkämpfen. Ich weiß, viele lieben Colleen Hoover und ihre Bücher - ich auch! "Weil ich Layken liebe" ...

Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch fast nicht beendet hätte. Ich musste mich zum Schluss richtig durchkämpfen. Ich weiß, viele lieben Colleen Hoover und ihre Bücher - ich auch! "Weil ich Layken liebe" habe ich praktisch eingeatmet. Aber mit "Ugly love" bzw. "Zurück ins Leben geliebt" konnte mich die Autorin gar nicht überzeugen.

Warum muss immer alles so dramatisch sein? Warum müssen die Protagonisten immer ein Knacks haben? Ich verstehe es nicht. Man hätte eine so tolle Liebesgeschichte aus der Story machen können - stattdessen gibt es meiner Meinung nach von allem ein bisschen zu viel. Zu viel Drama, zu viel Tragik, zu viel Liebesgesäusel...

Erzählt wird die Geschichte abwechseln aus Sicht der Protagonisten Miles und Tate, wobei Tate in der Gegenwart erzählt und das Kennenlernen der Beiden beschreibt. Miles Abschnitte dagegen spielen sechs Jahre vorher und decken seine Hintergründe auf. Allerdings dauert es wirklich sehr lange, bis der Leser endlich mal erfährt, wo eigentlich sein Problem liegt. Meiner Meinung nach hätte man sich viel davon einfach sparen können. Miles' Anteile sind außerdem vom Layout in einer Art Gedichtform geschrieben. Warum??? Total überflüssig, weil es weder in Reimform, noch in sonst irgendeiner Art an Lyrik erinnert - mit Ausnahme einiger Passagen ganz am Ende des Buches.

Tate ist eine ganz unangenehme Hauptfigur. Sie ist eine Miss Perfect, die studiert und gleichzeitig arbeitet und auch noch dem Door Man Sandwiches bringt. Und natürlich muss sie sich in Miles verlieben, auch wenn dieser sagt, sie dürfe das nicht tun. Aber sie hofft ja, dass er sie auch irgendwann liebt... Ähm, ja... Was mich richtig gestört hat, ist, dass sie dann auch immer noch abstreitet, dass sie in ihn verliebt ist. Machen wir uns so nicht erst recht Probleme? Warum kann man nicht einfach ehrlich zueinander sein - auch wenn es schwer fällt? Dieses "dem anderen was vorspielen" - muss das sein? Für mich nicht nachvollziehbar...
Na ja und zu Miles, dem coolen Piloten, der sich selbst bestraft und in Selbstmitleid vergeht, sag ich jetzt mal nichts. Am besten hat mir immer noch Tates Bruder gefallen, der aber leider nur eine Randrolle eingenommen hat.

Hätte das Buch 50 Seiten eher geendet, hätte es mich noch überzeugen können. Aber so wird noch schnell ein Happy End zusammenkonstruiert, dass nicht echt wirkt und deswegen einfach nur entsetzlich kitschig ist. Für mich dürfen Bücher auch mal traurig enden - das Leben ist ja nicht anders.

Schade, schade... Inhaltlich war das Buch für mich ein totaler Flop. Gut gefallen hat mir allerdings der schöne Schreibstil von Colleen Hoover, der dazu einlädt, über die Seiten zu fliegen. Deswegen gibt es von mir noch 1,5 Sterne - aber keine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 17.12.2016

Du weißt nicht, wer hinter dir her ist...

Das Gesicht meines Mörders
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Die Idee, einer Protagonistin das Gedächtnis zu rauben, ist sicher nichts neues, sondern wurde bereits in vielen Büchern thematisiert. Allerdings ist hier auch nicht ein Buch wie das andere, weswegen ich ...

Die Idee, einer Protagonistin das Gedächtnis zu rauben, ist sicher nichts neues, sondern wurde bereits in vielen Büchern thematisiert. Allerdings ist hier auch nicht ein Buch wie das andere, weswegen ich mich auch mit voller Vorfreude auf dieses Buch gestürzt habe.

Es beginnt auch sofort im Krankenhaus: Clara wacht auf und hat alles über sich vergessen. Nach und nach muss sie ihr Leben rekonstruieren und sich dabei auf für sie fremde Menschen wie ihren Ehemann verlassen. Die Vorstellung finde ich mega erschreckend und im Buch wird es auch sehr authentisch herübergebracht.

Aber es ist nicht nur das Gedächtnis: Irgendjemand möchte Clara umbringen - und sie kann sich nicht erinnern, wer von ihrem Tod profitieren würde. Es geht rasant zu, der Leser wird mitgerissen und fiebert mit. Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen und habe das Buch innerhalb von zwei Abenden förmlich eingesaugt.

Clara war eine nette Protagonistin, die ich als Leserin auch sehr positiv im Hinterkopf behalten habe. Allerdings konnte sie mich auch nicht komplett auf ihre Seite ziehen. Manchmal war sie mir fast ein bisschen zu abgeklärt und zu souverän.
Die Autorin lenkt den Leser schon auf gewisse Sympathieentwicklungen: Wer ist der Gute, wem sollte Clara besser nicht vertrauen? Das fand ich manchmal etwas schade, denn auch wenn das Ende eine Überraschung ist, war man doch in seiner Meinung über das gesamte Buch sehr festgefahren. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr "Offenheit" gewünscht.

Das Ende ist wie gesagt gelungen, denn der Leser wird an der Nase herumgeführt. Es gibt auch nochmal einen richtigen Showdown, bei dem man das Buch wirklich nicht zur Seite legen kann.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Es lässt sich flüssig lesen, es gibt keine unnötigen Details die den Lesefluss verhindern und das Buch ist nicht mit Figuren überladen, sodass man nicht durcheinander kommt.

Alles in allem wurde ich gut unterhalten, die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten!
Von mir gibt es 4 Sterne!