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Veröffentlicht am 06.09.2025

Humorvoll verpacktes Wissen

Das Lexikon gruseliger Tiere
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„Es gibt viele Gründe, warum sie uns einen Schauer über den Rücken jagen. Wir werden einige der gruseligsten Tiere treffen. Wirst du bis zur allerletzten Seite des Buchs durchhalten?“

Tiere, denen ihr ...

„Es gibt viele Gründe, warum sie uns einen Schauer über den Rücken jagen. Wir werden einige der gruseligsten Tiere treffen. Wirst du bis zur allerletzten Seite des Buchs durchhalten?“

Tiere, denen ihr schlechter Ruf vorauseilt, und solche, denen man bisher nichts Gruseliges unterstellt hätte (Löwen, Elefanten, niedliche kleine Vögel…), die sich dann aber als aggressive Fieslinge herausstellen oder bizarre Lebensweisen haben - in diesem Buch sind die gruseligsten Tiere unserer Welt vereint. Sie werden auf mindestens einer Seite porträtiert und das auf ganz besondere Art.
Eine große Illustration, die meist schon die ein oder andere Verrücktheit offenbart oder einen miesen Charakterzug erahnen lässt, zeigt das betitelte Tier. Das Bild des Tieres ist humorvoll beschriftet und der wissenschaftliche Tiername durchgestrichen und durch eine weniger wissenschaftliche, aber superkomische Bezeichnung ersetzt. Ein kurzer Text gibt uns ein paar Infos zum jeweiligen Tier und beschreibt die gruselige Besonderheit.

Das Lexikon ist dermaßen humorvoll gemacht, dass es sofort zu einem neuen Lieblingsbuch aufgestiegen ist. Es ist eines dieser Bücher, die den jungen Leser sofort abholen und zum Selberlesen animieren. Es überzeugt durch Layout, Sprache, Textmenge und Illustrationen. Hier gibt es Angeberwissen und lustige Fakten ansprechend verpackt. Wir sind begeistert!

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Gute Idee, mittelmäßige Umsetzung

No Way Home
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Terry, ein junger, völlig überarbeiteter Arzt, erfährt vom Tod seiner Mutter. Er erbt ihr Haus (und ihren Hund) in einem anderen Bundesstaat. Stress und Trauer lassen ihn alles wie durch einen Nebel wahrnehmen ...

Terry, ein junger, völlig überarbeiteter Arzt, erfährt vom Tod seiner Mutter. Er erbt ihr Haus (und ihren Hund) in einem anderen Bundesstaat. Stress und Trauer lassen ihn alles wie durch einen Nebel wahrnehmen und so hat Bethany, die im selben Ort lebt wie Terrys Mutter, ein leichtes Spiel, als sie sich ihm aufdrängt.
Die Dinge laufen sehr bald völlig aus dem Ruder. Bethany drängt sich mehr als übergriffig in Terrys Leben. Sie bezieht in seiner Abwesenheit das Haus seiner Mutter und lässt sich nicht mehr abwimmeln. Stattdessen holt sie noch ihren ebenso verrückten Exfreund in Terrys Leben.
Terry ist wehrlos. Seit dem ersten Blick, den ihm Bethany in einer Bar zugeworfen hat, lag sein Schicksal in ihren Händen.

Man könnte nun meinen, dass es sich hier um eine toxische Beziehung, eine fehlgeleitete leidenschaftliche Liebe handelt, aber dem ist nicht so. Terry ist an einem Punkt in seinem Leben, in dem der berufliche Stress und die Trauer um seine Mutter, ihn völlig außer Gefecht gesetzt haben. Er nimmt kaum etwas wahr, scheint handlungsunfähig. Und das machen sich zwei völlig dreiste Menschen zu Nutzen.
Wir erfahren auch aus Bethanys und Jesses Perspektive Teile der Geschichte und müssen feststellen, dass sie nicht aus reiner Berechnung in Terrys Leben dringen, sondern völlig durchgedreht und unberechenbar sind.

So interessant diese Geschichte ist und beginnt, leider wird ihr Potential nicht ausgeschöpft. Ich habe schnell angefangen mich zu langweilen, weil Terry sich nicht aus seiner Starre lösen kann und mich die Beweggründe der verrückten Eindringlinge nicht interessiert haben. Man schaut dem Mann seitenweise zu, wie ihm sein Leben und sein Erbe aus der Haus gerissen werden, doch weder die Protagonisten noch der Spannungsbogen entwickeln sich.
Ein weiteres kleines Ärgernis beim Lesen war, dass die Themen Sex und medizinische Abnormitäten gleichmäßig über die Geschichte verstreut sind. Ersteres völlig unnötig und sterbenslangweilig, zweiteres ebenso unnötig und ekelig.

Meiner Meinung nach eine unbedeutende Lektüre und eine verschenkte, nicht besonders gut umgesetzte Idee.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Eine Frau, die es wagt, in den späten Jahren das Recht des Lebens einzufordern

Das gefährliche Alter
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„Einer Frau, die es wagt, in den späten Jahren das Recht des Lebens einzufordern, wird mit Abscheu begegnet. Niemand hat Erbarmen mit ihr, niemand gibt ihr recht.“

Elsie ist eine solche Frau. Sie ist ...

„Einer Frau, die es wagt, in den späten Jahren das Recht des Lebens einzufordern, wird mit Abscheu begegnet. Niemand hat Erbarmen mit ihr, niemand gibt ihr recht.“

Elsie ist eine solche Frau. Sie ist vierzig, in den Wechseljahren, fühlt sich alt. Sie lässt sich von ihrem Mann scheiden, mit dem sie eine harmonische Ehe führt. Allerdings ist sie gelangweilt von der Sicherheit und Vorhersehbarkeit ihrer Ehe und ihres Lebens. So lässt sie alles hinter sich: Ihren Exmann, ihre Freunde und nicht zuletzt ihre Eitelkeit. Sie zieht in ein abgelegenes kleines Haus, das sie sich ganz nach ihren Vorstellungen von ihrem Verehrer entwerfen lassen hat. Zwei Frauen, die sie als Personal anstellt, sind ihre einzige Gesellschaft.

Durch Briefe und Tagebucheinträge lernen wir Elsie sehr genau kennen. Nichts scheint sie mehr verstecken oder beschönigen zu wollen. Ihre Worte sind sehr direkt und fast schon gefühlskalt. Doch je näher wir sie kennen lernen, desto deutlicher wird, dass sie immer noch in ihrem ‚alten‘ Leben verhaftet ist, so ganz gelöst hat sie sich trotz ihrer Flucht noch nicht.

Erstaunlicherweise ist „Das gefährliche Alter“ schon 1910 erschienen, aber kein bisschen gealtert. Damals war das Buch ein Skandal und ich kann mir vorstellen, dass es auch heute noch viele empören wird. Hier wählt eine Frau, die alles zu haben scheint und gesellschaftlich anerkannt ist, den Weg in ihre Freiheit. Eine Freiheit, die mit Einsamkeit gleichzusetzen ist.
Sie versucht sich radikal zu lösen, um kein Spielball einer Gesellschaft zu sein, die für eine Frau ab vierzig keinen Platz zu bieten kann. Die ältere Frau hat keine Funktion mehr: Sie wird nicht mehr für ihre Schönheit bewundert, sie eignet sich nicht mehr zur Reproduktion und Individualität und eigene Wünsche und Ziele werden ihr nicht zugestanden. So endet das Leben einer Frau an diesem Punkt gewissermaßen. Elsie zeigt diese Ungeheuerlichkeit sehr unverhohlen auf.

Die Geschichte gewinnt schnell an Fahrt und überrascht gegen Ende. Selten habe ich so eindringliche Worte über die Situation einer Frau im Patriarchat gelesen. Elsies Geschichte ist sehr aufwühlend und hat auch 2025 nicht allzu sehr an Relevanz verloren.

„Würde eine solche Frau schließlich alles daran setzen, eine wahre und eindringliche Schilderung ihres Seelenlebens darzulegen – wo fände sich wohl ein Verleger, der es wagte, die Verantwortung für die Herausgabe dieses Buches zu übernehmen?“

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Die Kinderbuchbrücke

Jella Lepman
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„Die Kinder aus Deutschland, denen Jella helfen wollte, brauchten also ganz offensichtlich Lebensmittel, Kleidung und eine sichere Unterkunft. Elly Heuss-Knapp, deren Ehemann später Bundespräsident von ...

„Die Kinder aus Deutschland, denen Jella helfen wollte, brauchten also ganz offensichtlich Lebensmittel, Kleidung und eine sichere Unterkunft. Elly Heuss-Knapp, deren Ehemann später Bundespräsident von Westdeutschland wurde, erklärte Jella, dass Suppenküchen und Carepakete zwar gut und wichtig seien, die »Nahrung für den Geist« aber sogar noch wichtiger.“

Jella Lepman, Kriegswitwe und Jüdin, war aus Deutschland geflohen, als die Nazis die Schreckensherrschaft übernahmen. Nach Kriegsende kehrt sie zurück, da sie als anerkannte Journalistin und Autorin in London von der amerikanischen Armee den Auftrag erhält, sich um die Belange der Frauen und Kinder in Deutschland zu kümmern.
Sie nimmt diesen Auftrag mit gemischten Gefühlen an, findet vor Ort aber in dieser Aufgabe schnell ihre Lebensaufgabe.
Sie erkennt, dass es besonders den Kindern nicht nur Kleidung und Lebensmitteln mangelt, sondern auch an geistiger Nahrung. Und so versucht sie auf ihre sehr findige und charmante Art, Kinderbücher aus aller Welt nach Deutschland zu holen. Sie übersetzt selbst Geschichten, organisiert den Druck dieser Übersetzung und verschenkt die Geschichten. Sie organisiert einen Bücherbus, der zu den Kindern kommt und dessen Bücher die Kinder anfassen, lesen, benutzen dürfen. Auch ermuntert sie die Kinder kreativ zu werden und lässt sich Bilder von Kindern aus anderen Ländern nach Deutschland schicken. Diese Werke finden in kostenlosen Ausstellungen Platz. Auch Hörfunk-Lesungen werden von Lepman veranstaltet, an denen die Kinder aktiv teilnehmen dürfen und zu den Hauptgestaltern werden.

Bald wächst aus diesen anfänglichen Ideen der Gedanke, dass eine Kinder- und Jugendbibliothek gegründet werden sollte. Ein Ort, an dem all das stattfinden kann und einen Platz findet, das Lepman bereits ins Leben gerufen hat. Und ein Platz, an dem ein internationales Kinderbucharchiv aufgebaut werden kann.

Wer sich diesen zauberhaften Ort einmal anschauen möchte, kann die IJB in der Blutenburg besuchen.

„Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ erzählt die Lebensgeschichte Lepmans als Kinderbuch nach. Das Buch ist vielleicht eher ein Vorlesebuch als ein Bilderbuch, auch wenn es sehr zart und wunderschön illustriert und bebildert ist. Die Geschichte dieses Kinderbuchortes und seiner Gründerin zu erzählen, war doch eigentlich schon längst überfällig! Endlich können auch Kinder selbst sich damit auseinandersetzen und sie lesen.
Kinder ab 10 Jahren können das Buch vielleicht bereits selbst lesen, Grundschulkindern sollte es vorgelesen werden.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Begeisternd

Einfach Literatur
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„Antiquare sind keine Leute, die mit 65 in Rente gehen, sie legen wirklich Wert auf ihren Beruf. Ein Antiquar macht das sein Leben lang, bis er nicht mehr kann. Und so wird das auch bei mir sein.“

2021 ...

„Antiquare sind keine Leute, die mit 65 in Rente gehen, sie legen wirklich Wert auf ihren Beruf. Ein Antiquar macht das sein Leben lang, bis er nicht mehr kann. Und so wird das auch bei mir sein.“

2021 lernen sich Daria Razumovych und Klaus Willbrand auf einem Antik-Mark in Köln kennen. Willbrand hat hier einen Stand mit antiquarischen Büchern, an dem die Germanistin verweilt. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, die ein paar Jahre später viele Menschen inspirieren und begeistern soll, denn Razumovych hat die Idee, gemeinsam mit Willbrand einen Social-Media-Kanal zu starten, auf dem der Antiquar aus seinem bewegten Leben als Buchmensch berichtet und die Menschen zum Lesen und zum Entdecken von Literatur einlädt.

Die Idee geht auf und es entsteht sehr schnell eine begeisterte Community rund um die beiden. Sie beschließen, dass Willbrands Lebens- und Lese-Geschichte es wert ist, aufgeschrieben zu werden.

Willbrands Geschichte führt durch die deutsche, englische, amerikanische und französische Literatur. Er erzählt uns seine Geschichte anhand bewegender Literatur und begeisternder Begegnungen in seinem Leben.

Das ist ein absolut kurzweiliges Vergnügen - unterhaltsam, spannend -, gespickt mit einer Fülle an Literaturempfehlungen und einer sehr persönlichen Einordnung. Man liest das Buch innerhalb kürzester Zeit durch und steht dann mit einer langen Liste von Büchern da, die man nun unbedingt noch lesen möchte. Es ist sehr bewegend, Willbrands Geschichte und auch die der Freundschaft zwischen ihm und Razumovych zu lesen.

Ich möchte das Buch nicht nur den bereits Literatur-begeisterten Menschen empfehlen, sondern jeder Leserin, die Lust auf einen Einstieg in gute, begeisternde, bewegende Literatur hat.

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