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Veröffentlicht am 08.02.2021

Eine unerhörte Begebenheit

Das Baby ist meins
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Lagos, 2020:

Bambis Freundin setzt ihn mitten im Lockdown vor die Tür. Also setzt er sich in sein Auto und fährt zu seiner Tante Bidemi. Ihr Mann ist kürzlich verstorben, die Pandemie fordert erste ...

Lagos, 2020:

Bambis Freundin setzt ihn mitten im Lockdown vor die Tür. Also setzt er sich in sein Auto und fährt zu seiner Tante Bidemi. Ihr Mann ist kürzlich verstorben, die Pandemie fordert erste Opfer. Bambi ist überrascht, als er im Haus auch ein Baby und die Geliebte seines Onkels (mit Esohe hatte Bambi selbst eine kurze Affäre) vorfindet.

Beide Frauen behaupten, die Mutter des Jungen zu sein. Es herrscht eine angespannte Stimmung, immer wieder fällt der Strom aus, Bambi fühlt sich ins „Mittelalter“ zurückversetzt. Außerdem raubt ihm ein Hahn den letzten Nerv. Die Frauen streiten sich, Blut fließt. Aufgrund der Pandemie ist an einen DNA-Test nicht zu denken. Als der kleine Junge erkrankt, muss Bambi handeln…

„Meine Schwester, die Serienmörderin“ konnte mich begeistern. Daher wollte ich unbedingt die neue Geschichte aus der Feder der Autorin lesen. Wie in ihrem Erstlingsroman erwähnt sie die Bräuche der Yoruba (Nigeria ist ein Vielvölkerstaat). Auch das Verhältnis der Geschlechter spielt wieder eine Rolle.

Während der Lektüre musste ich unwillkürlich an die Schauergeschichten eines Edgar Allan Poe oder an die amerikanische Short Story denken, oder auch an die gute alte Novelle, da Oyinkan Braithwaite klassische Kurzgeschichten-Elemente in die Handlung einbaut: Eine klaustrophobische Enge wird mit einer bedrohlichen Stimmung und einem sich zuspitzenden Konflikt kombiniert („eine unerhörte Begebenheit“ ). Verlieren die Figuren langsam den Verstand? Esohe schwört, sie werde etwas über Bambis „Juju“ herausfinden, ist etwa Magie im Spiel?

„Das Baby ist meins“ kommt leider nicht ganz an „Meine Schwester, die Serienmörderin“ heran. Die Geschichte ist ein kurzer Snack für Zwischendurch, und doch bleiben die Figuren meines Erachtens nicht unbedingt flach, obwohl sie natürlich auf wenige Eigenschaften reduziert werden. Die Handlung schwankt zwischen Komik und Tragik, skurril ist die Situation auf jeden Fall.





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Veröffentlicht am 02.02.2021

Pars pro toto

Das Holländerhaus
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„Das Holländerhaus“ ist einerseits real & andererseits ein Symbol (oder auch ein pars pro toto). Die Villa der lebende Beweis für die Möglichkeiten durch soziale Aufwärtsmobilität & eine Manifestation ...

„Das Holländerhaus“ ist einerseits real & andererseits ein Symbol (oder auch ein pars pro toto). Die Villa der lebende Beweis für die Möglichkeiten durch soziale Aufwärtsmobilität & eine Manifestation des American Dream. Dieses Haus erwarb Cyril Conroy einst in Philadelphia und machte es zum Familiendomizil. Doch seine Frau verließ ihn und die gemeinsamen Kinder zunächst kurzzeitig und dann für immer, um sich selbst zu verwirklichen - natürlich in Indien.
Der Ich – Erzähler Danny führt durch das Geschehen. Nach dem Weggang der Mutter verändert sich die familiäre Dynamik grundlegend – Danny & seine Schwester Maeve entwickeln eine besonders innige Beziehung, da Maeve notgedrungen die Mutterrolle übernehmen muss. Als Cyril erneut heiratet, wird Dannys & Maeves Welt erneut ins Wanken gebracht: Die Stiefmutter Andrea Smith (sie hätte auch Jane Doe heißen können) bringt eigene Kinder in die Ehe mit, Cyrils Nachwuchs aus erster Ehe stört da nur, und so verlieren Maeve & Danny nach dem plötzlichen Tod des Vaters das Haus, das so viel mehr als nur ein Zuhause war, und doch kehren sie als Erwachsenen immer wieder an den Ort ihrer Kindheit zurück…
Die Erzählperspektive bewirkt, dass man als Leser/in das Gefühl hat, mittendrin statt nur dabei zu sein, und obwohl man erwarten könnte, dass der Ich-Erzähler im Mittelpunkt steht, ist es eigentlich Maeve, die in den Fokus gerückt wird. Sprachlich und stilistisch ist „Das Holländerhaus“ großes Kino, da fallen Längen in der Erzählung meines Erachtens nicht so sehr ins Gewicht. Die Autorin nimmt sich Zeit, um eine stimmige Geschichte zu entwerfen, da bleiben Längen natürlich nicht aus, aber es wird auch eine Erzählung mit Tiefgang erschaffen. Die nicht lineare-Erzählweise mit den Zeitsprüngen macht das Ganze zu etwas Besonderem, Familiengeschichten gibt es wie Sand am Meer, amerikanische Coming of Age stories sind fast schon ein Stereotyp, und doch gelingt es Ann Patchett, dem Genre eine neue Facette zu verleihen. Die feine Figurenzeichnung konnte mich begeistern, manche Charaktere wie Andrea (die sprichwörtliche böse Stiefmutter) sind einerseits überzeichnet, anderseits auch wieder nicht: „Andrea war erfreut. Selbstverständlich. Immerhin hatte sie es seit Jahren darauf angelegt, sich Zutritt in das Haus zu verschaffen […]“.
„Das Holländerhaus“ von Ann Patchett ist ein gelungener Familienroman. Es gibt Erzählelemente, die an ein Märchen erinnern, und doch ist die Geschichte nicht so simpel „gestrickt“ wie eine Fabel, daher empfehle ich diesen Roman gern zur Lektüre.






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Veröffentlicht am 01.02.2021

Eine starke Frau

Katharina von Aragón (Die Tudor-Königinnen 1)
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1. Katharina von Aragón: Die wahre Königin (Die Tudor-Königinnen 1)
2. Anne Boleyn: Die Mutter der Königin (Die Tudor-Königinnen 2)

Heinrich VIII war lange eine dominierende Figur in der populärwissenschaftlichen ...

1. Katharina von Aragón: Die wahre Königin (Die Tudor-Königinnen 1)
2. Anne Boleyn: Die Mutter der Königin (Die Tudor-Königinnen 2)

Heinrich VIII war lange eine dominierende Figur in der populärwissenschaftlichen Darstellung & in der Unterhaltungsliteratur. In den Film – und Serienadaptionen waren es ferner Anne Boleyn und Jane Seymour, die in den Fokus gerückt wurden, etwa in der Serie „The Tudors“ oder im Film „Die Schwester der Königin“.

Im Jahr 2019 stand endlich auch einmal König Heinrichs erste Frau Katharina im Mittelpunkt, in der TV – Serie „The Spanish Princess“ (nach einer Vorlage von Philippa Gregory, die auch „Die Schwester der Königin“ verfasste).
Grund genug, Alison Weirs biographischen Roman „Katharina von Aragon: Die wahre Königin“ zu lesen.
Es ist der erste Band der Tudor- Königinnen -Reihe. Der historische Roman ist formal in drei Teile gegliedert, dann gibt es noch den Anhang mit den dramatis personae und einer Zeittafel. Den Anhang fand ich besonders interessant, auch der im Buch enthaltene Stammbaum ist für ein historisches Thema unverzichtbar. Da die Autorin eigentlich Geschichtslehrerin ist, kann man eine saubere Recherche erwarten, obwohl das Ganze natürlich in gewisser Weise dem Genre „Biographische Fiktion“ zuzuordnen ist.
Katharinas Lebensweg wird beschrieben, die spanische Prinzessin wird zur Königin von England und ist, im Nachhinein betrachtet, die „wahre Königin“, auch wenn ihr Ehemann sie auf grausame Art und Weise verstoßen soll. Alison Weir gelingt das Kunststück, Katharina von Aragon auch für eine nicht-akademische Leserschaft greifbar zu machen.
1501 setzt Katharina den Fuß auf englischen Boden. Eigentlich ist sie Prinz Arthur versprochen, dieser verstirbt jedoch. Daher wird sie mit dem Thronerben Prinz Heinrich verlobt und verheiratet. Doch es soll keine glückliche Ehe werden.
Als Leser/in fühlt man mit Katharina. Sie wird als starke, tiefgläubige, prinzipientreue Frau porträtiert. „Die wahre Königin“ ist ideal, um sich der historischen Figur zu nähern. Alison Weirs Stil (bzw. die deutsche Übersetzung) war jedoch nicht immer mein Fall, weswegen ich einen Stern abziehe. Ich finde es jedoch gut, dass die Autorin keine Ich-Erzählerin auftreten lässt & sich so nicht wilden Spekulationen hingibt (wie es andere Autorinnen, die mit historischen Versatzstücken arbeiten, manchmal tun).
Der Roman ist insgesamt eine „runde Sache“, aufgrund gewisser Längen muss man bei der Lektüre jedoch „am Ball bleiben“.
Viel zu lange stand die Protagonistin im Schatten ihres berüchtigten Ehemannes, Alison Weir bringt Katharina buchstäblich an’s Licht und sie verleiht der Tudor – Königin die Würde und Anerkennung, die sie verdient.

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Veröffentlicht am 01.02.2021

Gossip Girl 1900

Die Prinzessinnen von New York - Secrets
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Die Prinzessinnen von New York – Scandal
Die Prinzessinnen von New York – Rumors
Die Prinzessinnen von New York – Gossip
Die Prinzessinnen von New York - Secrets

„Es war ganz Dianas Art, einfach draufloszureden, ...

Die Prinzessinnen von New York – Scandal
Die Prinzessinnen von New York – Rumors
Die Prinzessinnen von New York – Gossip
Die Prinzessinnen von New York - Secrets

„Es war ganz Dianas Art, einfach draufloszureden, bevor sie nachgedacht hatte.“



„Die Prinzessinnen von New York“ ist sozusagen eine Gossip Girl Adaptation. Intrigen und Herzeleid, Irrungen & Wirrungen in der besseren Gesellschaft spielen eine Rolle. Ich denke, die Hauptzielgruppe des Romans sind junge Erwachsene sowie Teenager. Fans der Serie „Bridgerton“ könnten ebenfalls Gefallen an dieser Reihe finden.

Ich habe mit der Lektüre das Pferd sozusagen „von hinten aufgezäumt“, da es sich bei dem hier vorliegenden Buch um den Finalteil einer Reihe handelt. Die drei anderen Teile habe ich leider nicht gelesen. Manche Romane kann man jedoch problemlos als stand alone lesen; hier hätten jedoch ein paar Vorkenntnisse stellenweise nicht geschadet.

Eigentlich bin ich keine „Coverkäuferin“, aber ich muss gestehen, dass es hier vor allem die Umschlaggestaltung war, die mein Interesse geweckt hat. Außerdem lese ich gern historische Romane. „Die Prinzessinnen von New York – Secrets“ ist ein historischer Liebes/Societyroman, der im Amerika der Jahrhundertwende spielt.

Im Fokus der Erzählung stehen die Holland – Schwestern, Elizabeth & Diana. Sie gehören zur New Yorker haute volée und sie haben einen Ruf zu verlieren, denn sind die Männer, die sie lieben, wirklich standesgemäß?

Der Stil der Autorin ist einfach, aber durchaus unterhaltsam, ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen. Wie in „Gossip Girl“ lautet das Motto: Drama Baby, Drama! Insofern gibt es neben Szenen für’s Herz auch melodramatische Passagen& leider auch gewisse Längen in der story.

Dennoch bietet der Roman gute Unterhaltung für Zwischendurch. Von mir gibt’s 3,5 von insgesamt 5 möglichen Sternen und eine Empfehlung für Fans der Reihe aus Anna Godbersens Feder.

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Veröffentlicht am 29.01.2021

Miles mortis

Bluthölle (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 11)
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„Wir waren tickende Zeitbomben, die jederzeit hochgehen konnten.“

Angela ist Taschendiebin. Eines Tages klaut sie ein Notebook – oder zumindest glaubt sie, dass sich in der erbeuteten Messengerbag ...




„Wir waren tickende Zeitbomben, die jederzeit hochgehen konnten.“

Angela ist Taschendiebin. Eines Tages klaut sie ein Notebook – oder zumindest glaubt sie, dass sich in der erbeuteten Messengerbag ein Laptop befindet. Doch es ist kein Notebook, sondern ein Zeugnis des Grauens. In einem ledergebundenen Buch dokumentiert ein Killer seine Morde, berichtet von „Stimmen“, die ihn zum Töten auffordern. Macht ein schizophrener Mörder die Straßen von LA unsicher? Angela will das Richtige tun: sie schickt das Buch der Schrecken an eine Rechtsmedizinerin, die ihrerseits Hunter & Garcia zu Rate zieht. Bald ist klar – der Killer hat einen militärischen Hintergrund. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, er scheint dem LAPD immer einen Schritt voraus zu sein, spürt Angela selbst in einem Safehouse auf…

Robert Hunter in „Cowboystiefeln“? Das fand ich echt irritierend! Normalerweise ist mir der Ermittler ein wenig zu perfekt, in diesem Band habe ich mich jedoch total über seine Menschlichkeit & Hilfsbereitschaft gefreut. Es tut gut, einen Krimi zu lesen, in dem der Protagonist nicht völlig zynisch ist. Ich finde aber, dass Garcia ein wenig mehr aus Hunters Schatten treten dürfte, Carlos ist der ewige sidekick.



„Bluthölle“ ist der 11. Band der Reihe. Ich fand es toll, dass eine „Zivilistin“ im Fokus steht, das bringt Abwechslung in die Geschichte. Zu Beginn fand ich die story jedoch etwas konstruiert, mit jeder gelesenen Seite wurde das Ganze jedoch glaubwürdiger. Der Roman ist total am Puls der Zeit – Internetkriminalität und die Abgründe des Darknets spielen eine große Rolle. Den Einblick in die Arbeit von Forensikern und Technikgeeks fand ich spannend! Chris Carter studierte selbst in den USA forensische Psychologie, daher nehme ich ihm die Details der Polizeiarbeit absolut ab. Es gelingt ihm, in „Bluthölle“ durchweg ein hohes Spannungsniveau zu halten, der Thriller ist jedoch nichts für Zartbesaitete, da drastische Gewaltszenen enthalten sind. Anders als andere Autoren verurteilt Carter die Gewalt jedoch ganz klar, und er benutzt sie meines Erachtens nicht in effekthascherischer Weise. Carter konzentriert sich auf das Wesentliche – es gibt einen Hauptplot, keine Nebenhandlungen, eine begrenzte Anzahl von Figuren tritt auf. Die im Roman geäußerten gesellschaftskritischen Elemente sind zutreffend & passend.

Mit „Bluthölle“ kommt keine Langeweile auf, obwohl es sich bei dem Roman schon um den elften Band der Reihe handelt. Am Ende gab es einen spektakulären Showdown, vor lauter Anspannung musste ich das Buch sogar kurz aus der Hand legen, weil’s so packend war, und kurz durchatmen.



Fazit:

Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven. „Bluthölle“ gehört definitiv zu den ‚besseren‘ Teilen der Hunter& Garcia – Reihe. Chris Carter Fans kommen hier voll auf ihre Kosten. Daher vergebe ich aufgrund des stimmigen Schlußteils die volle Punktzahl, obschon ich zu Beginn der Lektüre zu vier Sternen tendierte. Bin schon neugierig auf den nächsten Band!

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