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Veröffentlicht am 29.02.2020

Toller Roman

Felsenmond
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Jemen hautnah: Die großen Auf- und Umbrüche in der arabischen Welt erregen weltweit Aufmerksamkeit, doch der eigentliche Kampf findet im Verborgenen statt – in der Familie. Während Latifa gegen ihren ...


Jemen hautnah: Die großen Auf- und Umbrüche in der arabischen Welt erregen weltweit Aufmerksamkeit, doch der eigentliche Kampf findet im Verborgenen statt – in der Familie. Während Latifa gegen ihren Willen verheiratet wird, geht die 15-jährige Hanna freiwillig die Ehe mit einem reichen Saudi ein. Aischa wehrt sich gegen die herrische Schwiegermutter, und Sausan muss ihr Studium abbrechen, als ihre Bekanntschaft mit einem Kommilitonen auffliegt. Malika dagegen schreibt kritische Zeitungsartikel, was sie bald in Schwierigkeiten bringt ... Die Geschichte fünf junger Frauen mit unterschiedlichen Schicksalen, doch vereint durch einen gemeinsamen Traum: Sie alle kämpfen um Selbstfindung und individuelle Freiheit ...

Meine Meinung:

Die Autorin Jasmin Adam studierte Islamwissenschaften und Anglistik. Mehrere Jahre verbrachte sie im Ausland - in Kanada und auf der Arabischen Halbinsel, und daher merkt man es dem Roman an, dass die sympathische Schriftstellerin weiß, wovon sie spricht: Es ist zwar eine fiktive Erzählung, aber man hat als Leser direkt das Gefühl, dabei zu sein, da alles so wahrhaftig und lebendig geschildert wird! Mit großer Empathie und Sensibilität entwirft Adam ihre Geschichte. Nie verfällt sie dabei in
Schwarzweißmalerei, die Klischeeklippe "Orientkitsch" umschifft sie tadellos. Die Figuren und das Geschehen können niemanden kalt lassen; während der Lektüre war ich stellenweise gerührt, aber auch tief betroffen. Da das Buch durchweg spannend ist, habe ich beim Lesen richtig mitgefiebert und ich war fast traurig, dass ich "Felsenmond" so schnell ausgelesen hatte. Ich durfte Einblick in ein mir unbekanntes Land erhalten, ich habe mein Wissen erweitern können und unzählige Denkanstöße erhalten. Auch sprachlich und stilistisch konnte mich "Felsenmond" überzeugen, daher möchte ich den Roman unbedingt zur Lektüre empfehlen (ab 14 Jahren), obwohl ich mich auch über ein Glossar und eine weiterführende Literatur -Empfehlung gefreut hätte, aber damit wäre das Buch womöglich überfrachtet gewesen.


Fazit:
Dieser lehrreiche und lesenswerte Roman sollte in keinem Bücherregal fehlen!

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Veröffentlicht am 28.02.2020

Finale!

Hurenglück - Die Lilien von London
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Der hier vorliegende Roman bildet den Abschluß einer Trilogie, er ist aber auch als stand alone lesbar.
Die Reihe begann im viktorianischen Zeitalter, und sie endet mit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. ...

Der hier vorliegende Roman bildet den Abschluß einer Trilogie, er ist aber auch als stand alone lesbar.
Die Reihe begann im viktorianischen Zeitalter, und sie endet mit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Figuren sind liebenswert und gut ausgearbeitet, es gibt auch tolle settings.
Es soll eine junge Frau in die Londoner Gesellschaft eingeführt werden, doch es ist eine Zeit des Umbruchs.
Frauen fordern lautstark das Wahlrecht ein. Die Protagonisten Emily und Liam hatten sich die Zukunft ihrer Kinder Victor, Margery und Ines eigentlich anders vorgestellt - bald überschlagen sich die Ereignisse …
Die Autorin Tabea Koenig präsentiert mit „Hurenglück – Die Lilien von London“ einen spannenden historischen Roman. Gender, Sexualität und Feminismus sind Themen, die in der heutigen Zeit wichtig sind, diese Themen baut auch die Autorin in den Roman ein. Sufragetten, Homosexualität, der Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen und die Konsequenzen des Aufbegehrens werden bildhaft beschrieben. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt; manche Formulierungen fand ich aber etwas seltsam. „Tot wie ein Türnagel“ schien mir eine Übersetzung aus dem Englischen zu sein. Obwohl der historische Stoff gut recherchiert wurde, sollte man bei der Lektüre nicht die Akribie eines Geschichtswissenschaftlers erwarten. Es gelingt der Autorin jedoch ,ein relativ hohes Spannungsniveau zu halten (nur gegen Ende hätte sie das Ganze straffen können) und einem Stoff, der in der Literatur schon oft bearbeitet worden ist, neues Leben einzuhauchen, nicht nur durch blosses name dropping („Oscar Wilde“). Ich habe mich auch über ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren gefreut, aber nicht verstanden, wieso in einem Roman, der formal aus drei Teilen besteht, gegen Ende noch neue Figuren eingeführt werden. Der Finalteil ist leider auch nah am Kitsch.
Wer einen Romanzyklus lesen will, in welchem das Schicksal mehrerer Generationen abgedeckt wird, sollte zu „Hurenglück“ greifen und sich nicht vom allzu markigen Titel abschrecken lassen, denn der Roman ist weder schmuddelig noch frauenfeindlich.
Fazit:
Einigermaßen gelungener Abschluß einer interessanten Reihe, Band zwei fand ich besser.


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Veröffentlicht am 19.02.2020

Gangsterballade

Priest of Bones
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Der Armeepriester und Gangsterboss Tomas Piety geht mit seinen „Pious Men“ nach Hause zurück. Aus den Kämpfern der Königin sind sozusagen mittellose Männer geworden, die an einer posttraumatischen ...

Der Armeepriester und Gangsterboss Tomas Piety geht mit seinen „Pious Men“ nach Hause zurück. Aus den Kämpfern der Königin sind sozusagen mittellose Männer geworden, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Aber nicht nur Männer gehören zu Tomas‘ Bande. Seargeant „Bloody Anne“ ist seit dem Krieg in Abington seine rechte Hand und genauso kampferprobt wie seine männlichen Mitstreiter, In Ellinburg haben aber längst Andere das Sagen - doch Tomas hat ein Ass im Ärmel: „Billy the Boy“ (nicht zu verwechseln mit „Billy the Kid“) hat magische Fähigkeiten …

„Priest of Bones“ ist ein gelungener Reihenauftakt. Es ist eine düstere Fantasyerzählung, in der es derb zugeht. Thomas und seine Bande haben im Krieg Schreckliches gesehen; sie sind traumatisiert und auch verroht. Dennoch hat der Armeepriester seinen Sinn für Gerechtigkeit nicht verloren: Als einer seiner Haudegen ein junges Mädchen vergewaltigen will, macht Thomas kurzen Prozess – er tötet die „Kackbratze Kant“.
Ein Ich – Erzähler führt durch’s Geschehen. Tomas ist schlau, aber nicht besonders gebildet, dies spiegelt sich auch in seiner Wortwahl wider. Zart besaitet darf man für die Lektüre von „Priest of Bones“ jedoch nicht sein. Ich denke, dass sich der Roman auf Englisch besser liest (man denke nur an das Wortspiel Piety/Pious Men, das seinen Witz in der deutschen Übersetzung verliert). Das „Grundgerüst“ von ‚Priest of Bones‘ ist in der Popkultur so neu auch nicht, man erinnere sich etwa an die „Peaky Blinders“ und ihren Anführer Thomas Shelby. Ähnlichkeiten sind sicher gewollt, „Priest of Bones“ ist insofern in Teilen eine Art liebevolles Zitieren. Man könnte auch an die Legende von Robin Hood denken.
„Priest of Bones“ hat mich gut unterhalten, auch wenn es ein typischer Reihenauftakt (nebst Karte und Dramatis Personae) ist, in welchem manche Elemente ausbaufähig sind. Magie nimmt nicht viel Raum in der Geschichte ein, dies kann sich jedoch in den Folgebänden noch ändern. Es handelt sich hier nicht um High Fantasy und man darf nicht allzu viel Raffinesse erwarten. Manches fand ich fast ein wenig platt: „Wir Einberufenen wollen aber weder Ruhm noch Ehre. Wir wollen weiter nichts, als den heutigen Tag überleben.“

Fazit:

„Der Kampf um den Rosenthron“ bietet trotz kleiner Schwächen beste Unterhaltung. Es gibt glaubwürdige Figuren, die Handlung ist spannend, was will man mehr?
Ich vergebe viereinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen
für diesen Reihenauftakt. Die Folgebände stehen schon auf meiner Wunschliste!

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Veröffentlicht am 13.02.2020

Knastpralinen

Knastpralinen
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Meine neue Lieblingsreihe! Die Hamburg - Krimis rund um Staatsanwältin Chas Riley sind einfach super. In diesem Band gibt es eine sehr wichtige Gesellschaftskritik und eine story voller Hintersinn:

Es ...

Meine neue Lieblingsreihe! Die Hamburg - Krimis rund um Staatsanwältin Chas Riley sind einfach super. In diesem Band gibt es eine sehr wichtige Gesellschaftskritik und eine story voller Hintersinn:

Es ist Sommer in Hamburg, Sankt Pauli leuchtet warm … bis plötzlich auffällig viele Männerfüße in der Elbe schwimmen. Staatsanwältin Chas
Riley stellt fest, dass die Toten von keinem vermisst werden, und das mit gutem Grund. Bald fragt sie sich, ob sie der Welt einen Gefallen tut, wenn sie diesen Täter dingfest macht …

Tolle Figuren, eine überzeugende story und null Langeweile. Sprachlich top!
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, war aber auch überrascht, dass es leicht ins Skurrile ging.

Diese Krimireihe liest sich einfach gut!

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Veröffentlicht am 12.02.2020

Lesenswert

Ich bin ein Zebra
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Der Autor Erwin Javor war mir vor der Lektüre leider unbekannt. Er war lange Jahre Kolumnist und Herausgeber der jüdischen Zeitschrift über Politik und Kultur »NU« und ist Gastautor verschiedener Zeitschriften. ...

Der Autor Erwin Javor war mir vor der Lektüre leider unbekannt. Er war lange Jahre Kolumnist und Herausgeber der jüdischen Zeitschrift über Politik und Kultur »NU« und ist Gastautor verschiedener Zeitschriften. Er ist Herausgeber der »Brauer Haggada« (Amalthea 2014), für die der Maler Arik Brauer eigens Gemälde geschaffen hat. Erwin Javor engagiert sich zudem seit Jahren als Gründer und Herausgeber von »MENA Watch«, dem unabhängigen Nahost-
Thinktank. Erwin Javor ist der Gründer von »Frankstahl«, einem Unternehmen, das er in jungen Jahren als kleine Firma gekauft und vierzig Jahre lang zu einem in neun west- und osteuropäischen Ländern tätigen Konzern aufgebaut hat. Er lebt in Wien und Tel Aviv, hat drei Kinder und ist in zweiter Ehe mit der Sängerin und Schauspielerin Anita Ammersfeld, der Mutter seines jüngeren Sohnes, verheiratet.
In „Ich bin ein Zebra – eine jüdische Odysee“ erzählt Erwin Javor die Geschichte seiner Familie. Vor der Lektüre hatte ich keine spezifischen Erwartungen. Umso überraschter war ich von der Tiefe des Geschriebenen. Doch nie ist das Buch todtraurig, denn Javor baut immer wieder die herrlichen jüdischen Witze ein, die hintergründig und sehr selbstironisch sind. Ich müsste oft schmunzeln und ich habe mich amüsiert, bin aber auch zum Nachdenken angeregt worden. Am besten gefiel mir das Kapitel über Israel. Völlig zurecht kritisiert Javor den neuen Antisemitismus, die teils pauschale Israelkritik, die nach dem Motto „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ daherkommt. Die Staatsgründung Israels ist für die jüdische Diaspora von zentraler Wichtigkeit gewesen – endlich ein Refugium, nie wieder Opfer sein! Besonders berührt hat mich in diesem Kontext das Verhalten von Erwins Vater. Doch lest selbst! Obwohl der Autor richtigerweise betont, dass der Staat Israel von Feinden umgeben ist, die die Israelis „am liebsten ins Meer treiben würden“, ist er nie unkritisch oder unreflektiert in seinen Ausführungen. Er zeigt die Diversität und Heterogenität der Israelis auf, kleine Animositäten (Stichwort: Sepharden) und hinter der Stacheligkeit die große Herzlichkeit. Die Israelis seien unorganisiert, aber Meister im Improvisieren. Den Feuerwehr – Witz müsst ihr unbedingt lesen! Als er schreibt, dass er „zum Leidwesen aller“ als Jugendlicher zum begeisterten Kibbuznik wurde, musste ich herzlich lachen. Besonders gefreut habe ich mich über das Glossar am Ende. Viele Infos zum Jiddischen und zum Hebräischen gibt es, manche Wendungen gibt es auch heute noch im Deutschen („Tachles reden“). Und die Erklärungen kamen mir auch beim Gucken der Serie „The Marvelous Mrs. Maisel“ zugute. Ich sag‘ nur : „Schickse“.

Fazit: Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, da es mit viel Herzenswärme und Humor durchzogen ist. Gerne spreche ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus!

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