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Veröffentlicht am 21.03.2017

Freiheit, Pflicht und Identität

Hier bin ich
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In „HIER BIN ICH “ widmet sich Foer diversen Themen. Im Zentrum steht eine jüdische Familie, die in den USA lebt. Das Ehepaar Bloch hat drei Söhne, für einen steht die Bar Mitzwa an – der Tag der Übernahme ...

In „HIER BIN ICH “ widmet sich Foer diversen Themen. Im Zentrum steht eine jüdische Familie, die in den USA lebt. Das Ehepaar Bloch hat drei Söhne, für einen steht die Bar Mitzwa an – der Tag der Übernahme der Pflicht. Überhaupt kreist der Roman um Freiheit und Pflicht.

Das Ehepaar wird durch einen Betrug einer großen Belastungsprobe ausgesetzt. Die Kinder suchen ihr wahres Ich; übergeordnet dreht sich alles um Identität. Wie kann jüdisches Leben in der säkularen Welt aufrecht erhalten werden, wie rettet man die altehrwürdigen Traditionen in die (Post) Moderne? Wie gestaltet sich das Verhältnis der jüdischen Diaspora zum Mutterland Israel, und kann die israelische Frage überhaupt je ausgeblendet werden?

Foer exerziert diese existenziellen Fragen auch anhand einer fiktiven Katastrophe durch und entwirft ein teilweise erschreckendes Szenario.

„HIER BIN ICH“ ist ein Roman mit Tiefgang und eine eher anspruchsvolle Lektüre, aber ich habe das Buch gern gelesen, da bei aller Schwere auch Geistreiches vorhanden ist. Ein Schmöker für Zwischendurch ist dieses umfangreiche Buch sicher nicht. Es gibt gewisse Längen in der Erzählung, aber es lohnt sich, diesen Roman zu lesen! Der Stil ist eher gehoben und recht Dialoglastig, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist.

Foer legt den Fokus auf innere Prozesse und Entwicklungen. Eine abwechslungsreiche, dynamische Handlung steht daher nicht im Vordergrund, man sollte also keinen „Actionkracher“ erwarten. Sehr gut gefielen mir die Bezüge zum Alten Testament und zur Bibel - bereits der Titel bezieht sich auf die Prüfung Abrahams durch Gott.



Fazit: „HIER BIN ICH“ ist ein anspruchsvolles, kluges Stück Literatur, welches man sich als Leser teilweise erarbeiten muss.

Aber es lohnt sich!

Für den Roman vergebe ich vier von insgesamt fünf möglichen Sternen.

Veröffentlicht am 21.03.2017

Lieber Mischa!

Lieber Mischa
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"Lieber Mischa - Du bist ein Jude" von Lena Gorelik ist ein Büchlein über das Judentum und das Jüdisch- Sein. Adressat ist vordergründig der Sohn der Autorin, Mischa. Antisemiten, Philosemiten, coole Juden ...

"Lieber Mischa - Du bist ein Jude" von Lena Gorelik ist ein Büchlein über das Judentum und das Jüdisch- Sein. Adressat ist vordergründig der Sohn der Autorin, Mischa. Antisemiten, Philosemiten, coole Juden und uncoole Klischees - kaum ein Thema, das Gorelik nicht anschneidet.
Sie enthüllt dabei auch viel Persönliches (Rebellion in der Jugend, Schmähungen wie "Schidowka", welche sie selbst, da in der UDSSR noch unwissend, aussprach, Mütter, die zu sehr lieben etc.) das mich berührt und "erreicht" hat.
Und Goreliks Ansatz ist erfrischend. Nur konnte ich mit der äusseren Form des Buches nicht so viel anfangen - es wirkte wie ein Thesaurus, und ich hatte eine Geschichte erwartet. Aber gut, für meine Erwartung kann die Autorin nichts.
Was mir wirklich, wirklich gut gefallen hat: Lena kann schreiben! Wunderbare Formulierungen, Ironie, Sarkasmus und Ernsthaftigkeit trotz Humor. Daher kann ich den Roman nur empfehlen.

Veröffentlicht am 21.03.2017

Die Wildrose

Die Wildrose
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"Die Wildrose" ist ein dicker Schmöker, an dem ich relativ lange gelesen habe. Das Richtige für lange Winterabende. Die Handlung ist um die Zeit des Ersten Weltkrieges (1914 - 1918) und danach angesiedelt. ...

"Die Wildrose" ist ein dicker Schmöker, an dem ich relativ lange gelesen habe. Das Richtige für lange Winterabende. Die Handlung ist um die Zeit des Ersten Weltkrieges (1914 - 1918) und danach angesiedelt. Es gibt alternierende Schauplätze - GB, den Himalaya, die Wüste. Diese Aspekte gefielen mir recht gut, und auch die durchaus angenehmen Nebenfiguren - Sid, Fiona, Eddie, und wie sie alle heissen. Es handelt sich formal gesehen um eine Trilogie ( der vorliegende Band kennzeichnet dabei den Abschluss der Saga). Und hier kommen wir zu einem Problem - die Autorin muss alle Handlungsfäden zusammenführen, was dazu führt, das jedes Kapitel ( oder fast jedes) ein anderes setting behandelt.
Diese ständigen Wechsel behindern den Lesefluss etwas. Ich finde, dass die Sprache, welche den Figuren in den Mund gelegt wird, für den beschriebenen Zeitraum fast "zu modern" ist, und der heutigen Sprache sehr ähnelt. Ein verbreitetes Problem bei historisierenden Romanen. Wer sich für Geschichte interessiert, bekommt im Roman zwar einen Einblick, aber keine scharfsinnige Analyse geboten. Allgemeinplätze werden wiedergegeben (Das Attentat von Sarajevo sei zwar der Auslöser, nicht aber der eigentliche Anlass des WK I gewesen, die Interessen des dt. Kaisers, Wettrüsten und Hurrapatriotismus).
Der Roman wird erst im letzten Drittel richtig spannend und temporeich, was auch daran liegen mag, dass jeder Handlungsstrang für sich Material für einen Roman liefern würde.
Zum Inhalt: Es geht um das Liebespaar Seamie und Willa, die nicht miteinander und nicht ohne einander sein können.
Sie sind passionierte Bergsteiger. Willa verlor nach einem Absturz ihr Bein und beendete daraufhin die Beziehung zu Seamie.
Willas Handicap wirkt dabei nicht glaubwürdig, die Autorin vergisst es zuweilen selbst - Willa "schoss nach vorn wie ein Rennpferd aus seiner Box", Willa " reist mit 2 grossen Koffern" und "rennt".
Leider gelingt es der Autorin auch nicht, die Gefühle und Gedanken der Figuren glaubhaft zu vermitteln, sodass die amour fou dem Leser zwar beschrieben, nicht aber plausibel gemacht wird. Willa leidet zwar so sehr, dass sie zur Opium - und Morphiumsüchtigen wird, aber dies wirkt leider eher wie ein Klischee.
Meine Fragestellung für die Lektüre des Romans lautete: Gelingt es der Autorin, die Beziehungskrise und Willas Handicap glaubhaft & klischeefrei zu erörtern?
Leider nein. Stellenweise schrammt der Roman sogar haarscharf an der Trivialliteratur vorbei.
Ein weiteres Manko besteht darin, dass Probleme und Konflikte im Roman keinen Raum für eine wahre Entwicklung erhalten. Alles löst sich sogleich in Wohlgefallen auf. Ein traumatisierter Soldat ? Sofort mit einem scheuen Pferd geheilt! Die Figuren sind dabei fast stereotyp gezeichnet - entweder Schurken durch und durch wie der Gangsterboss Billy Madden, oder edelmütig und heldenhaft wie der Beau Seamie. Die Nebenfigur Katie ist ein wahres Superweib - sie studiert, engagiert sich politisch und gibt gar ihre eigene Zeitung heraus.
Dazu passt auch, dass Jennie von der engagierten Lehrerin zur unsicheren Frau wird, die für die Liebe ihres Mannes Seamie alles tut und gegen Ende "praktischerweise " das Zeitliche segnet.
Willa ist selbstredend eine Superfrau, auch als Einbeinige, und wird zur Retterin von Lawrence von Arabien. Da wäre weniger mehr gewesen.
Die Handlung ist leider recht vorhersehbar ; einzig die Tatsache, dass der vermeintlich deutsche Spion Max von Brandt ein Doppelagent ist, ist ein Clou.
Trotz all dieser Schwächen ist "die Wildrose" kein schlechter Roman, denn der Leser wird gut unterhalten.
Viele Elemente wirken leider oberflächlich und konstruiert, mit ein wenig mehr Tiefe hätte es ein fantastischer Roman sein können.
Conclusio: Ein durchaus unterhaltsamer Roman.

Veröffentlicht am 21.03.2017

Fantasy

Anna im blutroten Kleid
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"Anna im blutroten Kleid" ist einerseits ein konventioneller, und andererseits ein unkonventioneller Fantasyroman. Manche Elemente erinnern an Schauerromane, andere an typische Jugendfantasy. Für meinen ...

"Anna im blutroten Kleid" ist einerseits ein konventioneller, und andererseits ein unkonventioneller Fantasyroman. Manche Elemente erinnern an Schauerromane, andere an typische Jugendfantasy. Für meinen Geschmack waren manche Stellen aber definitiv zu blutrünstig, da sie nicht durch Absurdität karikiert wurden. Daher weiss ich nicht, ob ich den Roman für Kinder wirklich empfehlen würde. Andererseits sind für Erwachsene das "Personal" und das setting vllt. zu jugendlich. Manches erinnert an die typisch amerikanischen Highschoolteenagerhorrorfilme, und so hat man beim Lesen teils ein Déjà - Vu:
"Cas Lowood hat eine dunkle Berufung: Er ist ein Geisterjäger. Mit seiner Mutter zieht er quer durchs Land, immer auf der Suche nach den ruhelosen Seelen, die oft schon seit Jahrzehnten die Lebenden in Angst und Schrecken versetzen – bis Cas ihrem Treiben ein Ende bereitet. In einer Kleinstadt in Ontario wartet die berüchtigte Anna im blutroten Kleid auf ihn, eine lokale Berühmtheit, deren Leben in den 50er-Jahren ein grausames Ende fand. Seitdem bringt sie jeden um, der es wagt, das verlassene viktorianische Anwesen zu betreten, das einst ihr Zuhause war. Doch bei Cas macht die schöne Tote eine Ausnahme …(Kurzbeschreibung)".
Das Potential der Geschichte wurde, wie ich finde, nicht ganz ausgeschöpft.
Klasse ist aber das absolut schöne Cover.
4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 20.03.2017

Rache und Rosenblüte

Rache und Rosenblüte
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Vorab: Das Buch ist optisch ein wahrer Hingucker. Die Umschlaggestaltung ist einfach traumhaft schön!

Bei „Rache und Rosenblüte“ handelt es sich rein formal um den Abschluß einer Dilogie, wobei ich sagen ...

Vorab: Das Buch ist optisch ein wahrer Hingucker. Die Umschlaggestaltung ist einfach traumhaft schön!

Bei „Rache und Rosenblüte“ handelt es sich rein formal um den Abschluß einer Dilogie, wobei ich sagen muss, dass dieser zweite Teil etwas schwächer geraten ist als der Auftaktband namens „Zorn und Morgenröte“.
Es gibt ein Wiedersehen mit tollen Figuren und das Flair ist wie in Band 1 ein besonderes und orientalisch angehaucht.
Ich frage mich, ob die Autorin einfach zuviel gewollt hat? Denn es gibt eine Fülle von Charakteren und Handlungssträngen, von denen manche leider einfach verpuffen. Jedenfalls hatte ich teils etwas Mühe, den roten Faden zu finden.
Um nicht zu spoilern, gebe ich den plot hier nur grob wieder (Zitat):
„Einhundert Leben für das eine, das du nahmst. Ein Leben bei jedem Sonnenaufgang. Gehorchst du auch nur an einem einzigen Morgen nicht, nehme ich deine Träume von dir. Ich nehme deine Stadt von dir. Und ich nehme von dir dieses Leben tausendfach. Shahrzad und Chalid haben sich gefunden. Und obwohl ihre Gefühle füreinander unverbrüchlich sind, lauert da immer noch der Fluch, der dem jungen Kalifen auferlegt wurde. Sie wissen beide, dass diese Last ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg steht. Und so verlässt Shahrzad den Palast. Sie verlässt Chalid. Aber kann sie einen Weg finden, ihre große Liebe nicht zu verlieren? Und kann sie verhindern, dass noch mehr Unschuldige sterben?“

Chalid und Shahrzad stehen zwar im Zentrum des Geschehens und es gibt auch ein paar schöne Szenen, aber insgesamt ist das Ganze doch etwas durchwachsen. Daher würde ich sagen, dass „Rache und Rosenblüte“ ein solider Roman ist, aber nicht der ganz große Wurf. Trotzdem habe ich das Buch, für welches ich insgesamt 3 Sterne vergebe, gerne gelesen.

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