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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2023

Deutsche und dänische Ermittler arbeiten erfolgreich zusammen

Taubenschlag
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Aarons erster Job als Scout fühlt sich gar nicht gut an. Was soll die Vermessung der Unterwelt Berlins bringen? Die Mauer gibt es nicht mehr und auch der Zweite Weltkrieg ist lange vorbei. Doch, was ist ...

Aarons erster Job als Scout fühlt sich gar nicht gut an. Was soll die Vermessung der Unterwelt Berlins bringen? Die Mauer gibt es nicht mehr und auch der Zweite Weltkrieg ist lange vorbei. Doch, was ist das? Nur wenige Meter nach dem Eintritt in die Katakomben stört ein ekelhafter Geruch Aaron und seinen Vorgesetzten Böttger. Drei Leichen, Mann, Frau und Kind sitzen in einem Raum. Neben ihnen zwei Taschen und ein Koffer. In einem Augenblick wird der Job für Aaron zu einem Abenteuer, das er so schnell nicht vergisst.

Während die drei Leichen im Berliner Untergrund gefunden werden, gibt es im Norden Deutschlands Mordfälle aufzuklären, die das Team Lykke Teit und Rudi Lehmann erneut zusammenbringt. Sie arbeiteten bereits zusammen und konnten schnell die Täter überführen. Doch dieses Mal gelingt ihnen kein rasches Ergebnis. Zu dubios sind die Fälle und nur eine blutige Taube deutet darauf hin, dass die Morde zusammenhängen. Nein, nicht nur die Taube. Auch einer alten Schreibmaschine, die häufig bei Verhören durch die Stasi benutzt wurde, gilt das Augenmerk der Ermittler.

Dass es sich bei den Morden um einen Racheakt handelt, wird dem Leser rasch klar. Zu offensichtlich sind die Hinweise auf Verhörmethoden des Staatssicherheitsdienstes. Etliche Wendungen führen dabei immer wieder ins Nichts und die sind für meinen Geschmack zu häufig. Will sagen, dass der Krimi auch durch weniger Seiten sehr wohl spannend genug wäre.

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Veröffentlicht am 26.10.2023

Gutes Buch über eine Ausnahmekünstlerin

Ich bin Frida
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„Ich bin Frida“, das wollte die junge Frau in die Welt hinausrufen. Endlich aus dem Schatten ihres übermächtigen Ehemanns heraustreten. Diego Froschgesicht, so nennt sie ihn, wenn sie böse auf ihn ist. ...

„Ich bin Frida“, das wollte die junge Frau in die Welt hinausrufen. Endlich aus dem Schatten ihres übermächtigen Ehemanns heraustreten. Diego Froschgesicht, so nennt sie ihn, wenn sie böse auf ihn ist. Und das kommt häufig vor. Nicht nur, dass er sich immer wieder mit jungen Geliebten vergnügt. Jetzt verheimlichte er zudem einen Besuch von Helena Rubinstein. Einer reichen Amerikanerin, die sich gewiss auch für Fridas Bilder interessiert hätte. Dieses Ereignis bringt das Fass endgültig zum Überlaufen. Sie will ihre Kunst zeigen und endlich ihre erste Einzelausstellung haben. Und schon bald bekommt sie eine Einladung nach New York.

Für Menschen, die den Hintergrund nicht kennen, sind einige Bilder von Frida Kahlo wohl gewöhnungsbedürftig. Die mexikanische Künstlerin verarbeitete mit ihren Gemälden grausame Schicksalsschläge. Aber auch die Ehe mit ihrem Diego ist nicht glücklich. Immer wieder hat sie das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Als Frau von, nein, das ist nicht ihr Ziel. Sie reist nach New York und stellt dort ihre Bilder aus. Dass die Schau erfolgreich war, hebt ihr Selbstbewusstsein. Ob sie sich aber komplett von Diego lösen kann, das ist ungewiss.

Die Autorin Caroline Bernard hat viel über die Mexikanerin recherchiert. Schon ihr erstes Buch „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ gefiel mir sehr gut. Dadurch lernte ich diese Künstlerin erst so richtig kennen. Jedes ihrer Gemälde zeigt einen Ausschnitt ihres beschwerlichen Lebens. Kein Tag verging ohne Schmerzen und auch ihr größter Wunsch blieb ihr versagt. Die bildhafte Sprache zog mich genauso in den Bann, wie die Achterbahn der Gefühle zwischen Frida und den Männern. Dass die Autorin zum Schluss noch eine Liste der wichtigsten Ausstellungsstücke von New York und Paris aufzählte, war für mich eine Aufforderung, mir diese Bilder im Netz anzuschauen.

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Veröffentlicht am 23.10.2023

Guter Krimi mit unvorhersehbaren Wendungen

Verlogen
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Elma hat sich gut eingelebt und arbeitet gerne mit ihrem Team zusammen. Immer mal wieder denkt sie auch an ihren toten Freund, aber es schmerzt sie nicht mehr so sehr. In „Verlogen“ muss sie einen Fall ...

Elma hat sich gut eingelebt und arbeitet gerne mit ihrem Team zusammen. Immer mal wieder denkt sie auch an ihren toten Freund, aber es schmerzt sie nicht mehr so sehr. In „Verlogen“ muss sie einen Fall lösen, der sich von anderen unterscheidet. Eine Frau, die seit sieben Monaten vermisst wird, ist tot. Sie liegt in einer versteckten Höhle und wurde zufällig von zwei Kindern gefunden. Jetzt gilt es, die Vorfälle von damals zu rekonstruieren und möglichst verlässliche Zeugen zu finden. Ob die Tochter der Toten dazu gehört, das ist zweifelhaft.

Auch der zweite Band um Elma und ihr Team konnte mich überzeugen. Die Story wird aus zwei Perspektiven und Zeitperioden erzählt. Da gibt es die junge Mutter, die ungewollt schwanger wird und sich so gar nicht mit ihrer neuen Rolle abfinden mag. Und dann die Situation heute, wo die Ermittler versuchen, möglichst rasch den Mörder oder die Mörderin zu finden. Es gibt etliche Verdächtige und der Spannungsbogen ist dauerhaft straff gespannt. Die gekonnt gesetzten Wendungen machen das Buch zu einem Nervenkitzel.

Nicht nur die sehr gut gesetzte Spannung gefiel mir. Es waren ebenfalls die Auslöser, welche zum Mord führten. Ist es möglich, dass es sogar Verständnis für diese Tat geben kann? Es ist mitnichten ein oberflächlicher Krimi, sondern ein Buch, das zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 21.10.2023

Ein spannender Krimi, mit viel humorvollen Einlagen

Der Weihnachtsmannkiller. Ein Winter-Krimi aus Ostfriesland
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Es soll ja Menschen geben, die Weihnachten nicht nur abscheulich finden. Nein, sie hassen dieses „Fest der Liebe“ sogar. Aber sind sie tatsächlich in der Lage, alle Weihnachtsmänner der Umgebung zu töten? ...

Es soll ja Menschen geben, die Weihnachten nicht nur abscheulich finden. Nein, sie hassen dieses „Fest der Liebe“ sogar. Aber sind sie tatsächlich in der Lage, alle Weihnachtsmänner der Umgebung zu töten? Ja, solche Individuen gibt es und sie treiben ihr Unwesen in unmittelbarer Nähe von Ann-Kathrin Klaasen. Der erste Weihnachtskrimi von Klaus-Peter Wolf hält, was er verspricht.

In dem Krimi „Der Weihnachtsmannkiller – Ein Winter Krimi aus Ostfriesland“ erfährt der Leser schnell, wer der Täter ist. Spannend ist hier, wie die Ermittler den Fall lösen und welche Motivation hinter den Morden steht. Wer die Krimis des Autors kennt weiß, dass Ann-Kathrin Klaasen stets als Hauptperson eine Rolle spielt. Dass sie in diesem Band tatsächlich das Hassobjekt eines Serienkillers ist, hat eine ganz neue Dimension.

Die Bücher von Herrn Wolf sind keineswegs todernste Krimis über Mord und Totschlag. Sie sind zwar spannend und es gibt etliche, nicht vorhersehbare Wendungen. Aber der Humor kommt nie zu kurz. Es ist folglich eine Mischung aus spannender Lektüre und Situationskomik. Also ein Buch, das perfekt zum Abschalten und Mitfiebern geeignet ist.

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Veröffentlicht am 18.10.2023

Belfast im Jahr 1975

Übertretung
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Cushla lebt mit ihrer Mutter zusammen. Tagsüber arbeitet sie als Lehrerin einer Grundschule und abends hilft sie ihrem Bruder in seiner Bar. Das ist nicht immer angenehm. Oft sind es alkoholisierte Soldaten, ...

Cushla lebt mit ihrer Mutter zusammen. Tagsüber arbeitet sie als Lehrerin einer Grundschule und abends hilft sie ihrem Bruder in seiner Bar. Das ist nicht immer angenehm. Oft sind es alkoholisierte Soldaten, die sie mit dummen Sprüchen aus der Reserve locken wollen. Im Jahr 1975 weitet sich der Krieg in Irland aus. Der zwischen Katholiken und Protestanten. Cushla mischt sich immer wieder ein, wenn sie Ungerechtigkeit sieht. Das ist gefährlich. Nicht nur für sie.

Der Konflikt in Irland war für mich weit weg. Es gab kein Internet und Facebook war noch längst nicht erfunden. „Übertretung“ las ich daher auch voller Entsetzen und Ungläubigkeit. Die Autorin gibt Einblick in unterschiedliche Situationen. Wie die Kinder damals unter dem Leben in einem „Ghetto“ litten oder wie sie weinten, wenn ihre Väter schwer verletzt von der Arbeit nach Hause kamen. Das geschah, wenn sie zuvor ein falsches Wort fallen ließen, dabei gehört und denunziert wurden, um im Anschluss von der Gegenseite zusammengeschlagen zu werden.

Die Autorin wuchs in Belfast auf. Weiß also aus erster Hand, was damals vor sich ging. Dieses Erstlingswerk von ihr passt sehr gut in das Heute bei uns. Wie kommt es, dass ein Land gespalten ist und wie können wir Menschen damit umgehen? Wie kann die Spirale der Gewalt und des Hasses, wenn auch nicht ganz abgeschaltet, zumindest aber abgeschwächt werden? Viele Fragen der Situation in Deutschland finden auch in diesem Roman Raum. Dass es sich so flüssig lesen lässt, liegt an der hervorragenden Übersetzung von Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser.

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