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Veröffentlicht am 01.02.2022

Drei schrullige Damen ermitteln

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar
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„Mrs Potts´ Mordclub und der tote Nachbar“ ist der Auftakt zu einer neuen Serie. Sie spielt in Großbritannien und eine der Hauptpersonen ist Mrs. Pott. Sie lebt in einem großen Gutshaus und beschäftigt ...

„Mrs Potts´ Mordclub und der tote Nachbar“ ist der Auftakt zu einer neuen Serie. Sie spielt in Großbritannien und eine der Hauptpersonen ist Mrs. Pott. Sie lebt in einem großen Gutshaus und beschäftigt sich mit der Kreation von Kreuzworträtseln. Das zeugt von guter Kombinationsgabe und wie sollte es anders sein, Mrs. Pott hilft der Polizei, den Mord an ihrem Nachbarn aufzuklären. Sie war nämlich Zeugin, als nach einem lautstarken Streit im Nachbarhaus ein Schuss fiel. Im Laufe ihrer Ermittlungen lernt sie dann auch noch Suzie und Becks näher kennen, und die drei werden zu einem ermittelnden Kleeblatt.

Von dem Buch sollte niemand zu viel erwarten. Es ist ein leicht zu lesender Krimi, ohne Blutvergießen und Sexszenen. Das gefiel mir gut. Allerdings sind die vielen Verwicklungen und Wendungen dann doch zu häufig. Das zog die Story zu sehr in die Länge. Viele Nebenschauplätze und Ereignisse aus der Vergangenheit sorgten zudem für Verwirrung. Allerdings schaffte es die Autorin, dass ich bis kurz vor dem Ende nicht genau wusste, wer der Täter ist. Und das wiederum gefiel mir. Es ist ein guter Krimi, aber nichts für anspruchsvolle Leser.

Die Charaktere bedienen dann aber schon das Klischee von älteren Briten. Die Damen sind nicht nur ein wenig schrullig und erinnerten mich immer mal wieder an bekannte Serien aus Great Britain. Das Cover passt sehr gut zum Inhalt und alleine dafür gibt es einen Stern. Denn mit guten Covern sind die Bücher der letzten Zeit leider nicht gesegnet.

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Veröffentlicht am 31.01.2022

Mein erstes Highlight 2022

Manifesto. Warum ich niemals aufgebe. Ein radikal ehrliches und inspirierendes Buch über den Lebensweg der ersten Schwarzen Booker-Prize-Gewinnerin und Bestseller-Autorin von Mädchen, Frau etc.
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Für Bernardine Evaristo war es ein harter Weg, bis sie den Booker - Preis entgegennehmen konnte. Sie war damit die erste „schwarze“ Autorin, die damit ausgezeichnet wurde. „Manifesto“ ist eine Biographie, ...

Für Bernardine Evaristo war es ein harter Weg, bis sie den Booker - Preis entgegennehmen konnte. Sie war damit die erste „schwarze“ Autorin, die damit ausgezeichnet wurde. „Manifesto“ ist eine Biographie, die ihren Kampf um Anerkennung beschreibt. Vorurteile sind ihr nicht fremd und sie weiß, wie verletzend Herabsetzungen von Unwissenden sein können. Niemals aufgeben, das ist ihr Wahlspruch. Vor ihrem Durchbruch zur Bestsellerautorin galt sie als Lesbe, unangenehmes Gegenüber und erfolglose Schriftstellerin. Wie sie den Durchbruch schaffte und was bis heute antreibt, das können Sie in ihrem neuesten Werk nachlesen.

Von dem Buch Mädchen, Frau, etc. hörte ich zwar viel, las es allerdings nicht. „Manifesto“ wurde ebenfalls von Bernardine Evaristo geschrieben und es ist das erste Lesehighlight 2022 für mich. So tiefgründig und gleichzeitig niemals langweilig schreibt sie. Ihre Meinung zu Rassismus, der DNA aller Menschen und über die ach so überragenden „Weißen“, die kann ich nur unterstreichen. Ihr Weg bis zum Erfolg war steinig und trotzdem wirkt sie in keinem Satz anklagend oder nachtragend.

Was mich besonders für sie einnahm, sie bekam den Booker-Preis im Jahr 2019. Da war sie 60 Jahre alt. Die zweite Botschaft in der Autobiographie für ist, dass wir auch im „hohen Alter“ (für viele jungen Leute) noch sehr gut schreiben und renommierte Preise bekommen können. Das Buch regt zum mitdenken an. Es zeigt, welche Möglichkeiten jeder Mensch in seinem Leben hat. Egal, wo er aufwächst und wer seine Eltern sind. Die Leseempfehlung gebe ich ohne Einschränkungen.

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Veröffentlicht am 26.01.2022

Im Zentrum der Pariser Polizei

Bulle
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Valentin Gendrot ist Journalist. Er scheute weder Geld noch Mühen, sich in den inneren Zirkel der Flics zu begeben. Sein Ziel: ein faktenreiches Buch über die Polizei in Paris zu schreiben. Dass ihm das ...

Valentin Gendrot ist Journalist. Er scheute weder Geld noch Mühen, sich in den inneren Zirkel der Flics zu begeben. Sein Ziel: ein faktenreiches Buch über die Polizei in Paris zu schreiben. Dass ihm das gelang und warum er nur in seinen Träumen aufflog, berichtet er in seinem Werk „Bulle“.

Emotional und Ich-Form schreibt Gendrot, was ihm während der 6 Monate seines Undercovereinsatzes widerfuhr. Was zunächst für ihn recht langweilig begann, das entwickelte sich rasch zu einem schmerzhaften Abenteuer. Das verbringen von psychisch gestörten Patienten in eine Klinik, war eine leicht Übung für ihn. Danach ging es dann zu den Flics. Gendrot erlebt Jugendliche, die jeglichen Respekt vor den Beamten verloren haben und selbst vor Gewalt nicht zurückschrecken. Er berichtet von häuslicher Gewalt und Frauen, die zwar die Polizei zur Hilfe riefen, danach aber sehr schnell wieder bei ihren Peinigern weilten.

Brutal sind etliche Szenen und der Autor ist mutig genug, Polizeigewalt zu thematisieren. Warum er das nicht zur Anzeige brachte, erklärt er in seinem Buch. Beim Lesen stellte sich mir die Frage nach dem Warum zur Berufswahl. Was bewegt junge Menschen dazu, ihr Berufsleben als Polizist zu verbringen. Zumal es nicht so ist, dass diese Beamte viel Geld verdienen. Ist es das Streben nach Macht? Minderwertigkeitskomplexe, die nur mit Gummiknüppel und Knarre ausgeräumt werden können?

Abwechslungsreich, mal munter, mal ernst, so schreibt Valentin Gendrot. Seine Sicht der Dinge ist nachvollziehbar. Er be- oder verurteilt nicht. Er möchte verstehen und dann den Lesern darlegen, warum einige Beamte so handeln, wie hier beschrieben. Klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 24.01.2022

Davos und seine Ausnahmekünstler

Der Zauberberg ruft! Die Boheme in Davos
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Davos, das war viel mehr als ein Kurort für Menschen, die an Lungentuberkulose litten. Hier trafen sich Schauspieler, Autoren und Maler. Sie genossen die Freizügigkeit vor Ort und hier bekam der Begriff ...

Davos, das war viel mehr als ein Kurort für Menschen, die an Lungentuberkulose litten. Hier trafen sich Schauspieler, Autoren und Maler. Sie genossen die Freizügigkeit vor Ort und hier bekam der Begriff „Kurschatten“ eine besondere Bedeutung. Thomas Mann widmete dem Ort sogar einen Roman, der bis heute zur Weltliteratur zählt, den „Zauberberg“. „Der Zauberberg ruft“ ist eine ausgezeichnete Darstellung der Situation damaliger Zeit.

Da ich vor wenigen Tagen ein Buch über Gala und Salvatore Dali las, war es für mich keine Frage, dass ich mir auch dieses Werk zu Gemüte führen musste. Der Name Davos steht bis heute für Extravaganz und gilt als Skiort der High Society. Dass das kleine Örtchen erst durch Persönlichkeiten wie Thomas Mann oder Klabund berühmt wurde, war mir nicht bewusst. Hier trafen sich bereits vor vielen Jahren Menschen, die sich durch ihre Werke von der Allgemeinheit abhoben. Bis heute sind sie nicht in Vergessenheit geraten.

Anschaulich und unterhaltsam schrieb Unda Hörner, wie die „Reichen und Schönen“ ihre Freizeit in Davos verbrachten. Damals gab es weder Fernsehen noch Facebook und die Mundpropaganda musste zur Unterhaltung der „normalen“ Bevölkerung dienen. Spannend waren die Eskapaden der berühmten Männer und Frauen mit Sicherheit. Auch wenn nicht alle „Tollheiten“ Einzug in die Wohnzimmer der Anhänger/Kritiker hielten. Neben den unterhaltsamen Ausführungen in Worten, gefielen mir die Originalfotografien ausgesprochen gut.

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Veröffentlicht am 24.01.2022

Deutschland zwischen den Weltkriegen

Mehr als die Finsternis
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Im Jahr 1923 haben nicht nur die Menschen auf Gut Mohlenberg mit der galoppierenden Inflation zu kämpfen. Überall im Land gibt es Hunger und Not und nur wenige Patienten finden den Weg zu Frau Dr. Friederike ...

Im Jahr 1923 haben nicht nur die Menschen auf Gut Mohlenberg mit der galoppierenden Inflation zu kämpfen. Überall im Land gibt es Hunger und Not und nur wenige Patienten finden den Weg zu Frau Dr. Friederike von Aalen. Das gilt vornehmlich für zahlende Angehörige aber auch eine Schwangere, die in sich in einer Notlage befindet, wird von den empathischen Besitzern des Gutes aufgenommen. „Mehr als die Finsternis“ führt den Leser in die Zeit zwischen den Weltkriegen.

Nach dem Ende des ersten Buches rund um Gut Mohlenberg sind etliche Monate vergangen. Die Tochter Friederikes ist schon zwei Jahre alt und die große Politik ist häufig ein Thema bei Gesprächen in der Familie. Die Franzosen besetzten nicht nur das Ruhrgebiet. Sie sind verhasst und ihre dunkelhäutigen Soldaten leiden sehr unter dem Rassismus damaliger Zeit. Das bringt die Autorin deutlich und faktenreich zum Ausdruck. Aber auch Bezeichnungen, die bis in die 1980er Jahre normal waren, finden Erwähnung. Die politische Korrektheit im Laufe der Jahre ist einem stetigen Wandel unterworfen.

Neben vielen historischen Fakten gibt es auch dieses Mal ein wenig Spannung. Wobei mir dabei die Realität zu sehr auf der Strecke blieb. Der Erzählfluss stockte immer mal wieder und das Buch bekam Längen, die nicht nötig waren. Aus dem Grund gibt es von mir dieses Mal vier Sterne, was für einen sehr guten Roman spricht.

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