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Veröffentlicht am 18.03.2019

Fesselndes, aber kurzes Leseerlebnis über die legendäre Mata Hari

Die Spionin
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Gestern hatte ich Paulo Coelhos neuen Roman "Die Spionin" im Briefkasten, noch am selben Abend habe ich ihn ausgelesen. Der Autor lässt Mata Hari ihre Lebensgeschichte in einem Brief an ihre entfremdete ...

Gestern hatte ich Paulo Coelhos neuen Roman "Die Spionin" im Briefkasten, noch am selben Abend habe ich ihn ausgelesen. Der Autor lässt Mata Hari ihre Lebensgeschichte in einem Brief an ihre entfremdete Tochter selbst erzählen und schafft dabei ein flüssiges, fesselndes Leseerlebnis.

Obwohl sie nur 41 Jahre alt wurde, führte die gebürtige Niederländerin ein bewegtes und teilweise sehr glamouröses und exzentrisches Leben: Eine tragische Jugend, eine unglückliche Ehe, eine Karriere als Tänzerin. Im Ersten Weltkrieg wurde sie schließlich von den Deutschen als Spionin angeworben und bot sich Frankreich daraufhin als Doppelagentin an. Am Ende des Buches berichtet ihr Anwalt von Mata Haris Festnahme und von dem Prozess, der zu ihrer Hinrichtung führte.

Im Laufe des Buches wird klar, dass die Angeklagte vermutlich keine relevanten Informationen weitergegeben hat und die Bezeichnung als Spionin eher übertrieben ist. Das Mysterium bleibt trotzdem bestehen und die Frage, was Mata Hari genau während des Krieges getan hat, beantwortet auch Paulo Coelho nicht vollständig. Es handelt sich jedoch, wie er im Anhang selbst betont, bei "Die Spionin" nicht um eine offizielle Biografie. Stattdessen hat der Autor sich die kreative Freiheit genommen, bestätigte historische Ereignisse (die im Buch mit Fotos und historischen Dokumenten geschickt unterstrichen werden) zu einem teilweise fiktiven Roman zusammenzufügen. Das macht er auf sprachlich hohem Niveau, jedoch hätte ich mir hier gewünscht, dass er inhaltlich einfach mehr erzählt und mehr erfindet, um seine fiktive Version von Mata Haris Lebensgeschichte auszuschmücken.

Was Coelho zeigt, ist stattdessen das Portrait einer starken, modernen, unabhängigen und egozentrischen Frau, die von den Menschen in ihrer Umgebung oft missverstanden und/oder ausgenutzt wird. (Und die ganz schön viel Mansplaining über sich ergehen lassen muss. ;) )

Insgesamt hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Für so eine komplexe Geschichte und eine interessante Protagonistin ist das Buch doch ziemlich kurz ausgefallen. Selbst Begegnungen mit spannenden Zeitgenossen wie Freud und Picasso werden wie nebenbei abgefrühstückt.
Knapp 200 Seiten klingen erst einmal relativ ok, doch wegen des sehr kleinen Formats und des langen Anhangs ist die reine Geschichte am Ende sehr kurz.

Veröffentlicht am 18.03.2019

Poetischer Roman mit komplexen Charakteren

Zärtlich
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Catherine und James, zwei junge Iren, lernen sich durch gemeinsame Freunde in Dublin kennen und entwickeln in kurzer Zeit eine tiefe Freundschaft. James ist schwul und unzufrieden mit seinem nicht vorhandenen ...

Catherine und James, zwei junge Iren, lernen sich durch gemeinsame Freunde in Dublin kennen und entwickeln in kurzer Zeit eine tiefe Freundschaft. James ist schwul und unzufrieden mit seinem nicht vorhandenen Liebesleben, während Catherine sich heimlich in ihn verliebt. Beide landen ungeplant im Bett, was ihre Beziehung komplett verändert.

"Zärtlich" erzählt die Geschichte einer Freundschaft, einer unerfüllten Liebe und einer dem Untergang geweihten Affaire. Das sind alltägliche Themen, die Autorin Belinda McKeon sehr gefühlvoll und in poetischer Sprache aufarbeitet. Sie vermittelt die Gefühlswelt ihrer Protagonisten sehr überzeugend. Beide lassen sich in keine Schublade einordnen, sondern haben positive wie negative Eigenschaften und treffen sowohl gute als auch schlechte Entscheidungen. Der Roman behandelt ihre Gefühle, ohne schnulzig zu sein.

Die reichliche erste Hälfte des Buches ist zum Großteil in langen Absätzen geschrieben. Einige Seiten sind eine komplette Bleiwüste mit nur einem oder zwei Absätzen. Das erschlägt einen anfangs etwas, doch es hat mich nicht davon abgehalten, das Buch zu verschlingen. Ab dem Kapitel "Romanze" schreibt die Autorin in kurzen Gedanken- und Gesprächsfetzen, die eine große emotionale Kraft haben. Ich habe die Lektüre von Anfang bis Ende genossen und bin gespannt auf die nächsten Werke der Autorin!

Veröffentlicht am 18.03.2019

Unterwegs mit einer chinesischen Reisegruppe

Neuschweinstein
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Mit zwölf Chinesen durch Europa: Der deutsche Autor Christoph Rehage hat sich mehr oder weniger undercover einer chinesischen Reisegruppe angeschlossen und ist mit ihr von Deutschland über die Schweiz ...

Mit zwölf Chinesen durch Europa: Der deutsche Autor Christoph Rehage hat sich mehr oder weniger undercover einer chinesischen Reisegruppe angeschlossen und ist mit ihr von Deutschland über die Schweiz und Italien bis nach Frankreich gereist. Dabei ist ein unterhaltsames und sympathisches Buch herausgekommen, das versucht, das Phänomen der chinesischen Reisegruppe zu hinterleuchten. Rehage schreibt kurzweilig und die Lektüre macht viel Spaß.

Nach einer Weile fühlte sich das Buch jedoch etwas oberflächlich an. Ich habe vor allem auf interessante Beobachtungen zu den kulturellen Unterschieden zwischen China und Europa gehofft. Da wurde auch einiges erwähnt - von den Hocktoiletten über Babypulver bis hin zum unterschiedlichen Fahrverhalten. Die Themen werden aber immer nur ganz kurz angeschnitten und etwas wirklich Neues oder Ungewöhnliches war meinem Empfinden nach nicht dabei. Vielleicht sind wir uns einfach alle doch ähnlicher, als wir denken.

Auch ein Spannungsaufbau hat mir etwas gefehlt. Etwa ab der Hälfte fand ich das Buch zu gleichförmig und etwas ermüdend (so wie ich mir in etwa eine Gruppenreise vorstelle). Raus aus dem Bus, schlechtes chinesisches Essen im Restaurant zu sich nehmen, zwischen Sehenswürdigkeiten hin- und herhetzen, Fotos machen, zurück in den Bus und dann alles wieder von vorne. Das Buch gibt zwar sehr gut wieder, dass selbst die Reisenden von diesem anstrengenden Rhythmus am Ende etwas ermüdet sind, aber das heißt ja nicht, dass der Autor alles 1:1 wiedergeben muss. Eine weniger chronlogische Struktur oder das Zusammenfassen sich ständig wiederholender Dinge hätte hier meiner Meinung nach nicht geschadet.

Letztendlich ist "Neuschweinstein" eben in erster Linie ein Unterhaltungsbuch, weniger eine tiefschürfende Analyse kultureller Unterschiede. Es ist amüsant geschrieben, bleibt aber an der Oberfläche hängen.

Veröffentlicht am 18.03.2019

Vielschichtiger historischer Krimi

Wintergewitter
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Vor der historischen Kulisse der 1920er Jahre erzählt Angelika Felenda eine spannende Kriminalgeschichte. Komissar Reitmeyer muss den mysteriösen Mord an Cilly Ortlieb aufklären. Doch die Folgen des Ersten ...

Vor der historischen Kulisse der 1920er Jahre erzählt Angelika Felenda eine spannende Kriminalgeschichte. Komissar Reitmeyer muss den mysteriösen Mord an Cilly Ortlieb aufklären. Doch die Folgen des Ersten Weltkriegs erschweren ihm die Arbeit deutlich. Kurz darauf stirbt eine zweite Frau.

Die Autorin zeichnet ein nuanciertes Bild dieser Zeit und lässt die Auswirkungen der schwachen Wirtschaft, aber auch den Unterschied zwischen Unter- und Oberschicht lebendig werden. Ihr historischer Krimi ist atmosphärisch dicht. Sie webt immer wieder kleine geschichtliche Details in ihre Erzählung ein wie die Erwähnung von Grammophonmusik, die mühelos ein komplexes Bild der Zeit zeichnen.

Die Schreibweise "Kommissär" war zunächst etwas gewöhnungsbedüftig, aber auch in den Dialogen wird gelegentlich der bayrische Dialekt aufgegriffen, was den Handlungsort München gut betont.


Angelika Felenda ist mit "Wintergewitter" ein komplexer Krimi gelungen, der in einer schwierigen historischen Zeit spielt. Die Lektüre war sowohl spannend als auch informativ.

Veröffentlicht am 18.03.2019

Abwechslungsreiche und gesunde Gerichte

Life changing Food
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In 21 Tagen gesünder und fitter werden und mehr Energie haben: Das verspricht das Buch "Life Changing Food" von Eva Fischer. Die Autorin erklärt das Konzept zu Beginn ausführlich, so dass man es gut nachvollziehen ...

In 21 Tagen gesünder und fitter werden und mehr Energie haben: Das verspricht das Buch "Life Changing Food" von Eva Fischer. Die Autorin erklärt das Konzept zu Beginn ausführlich, so dass man es gut nachvollziehen kann. Zudem gibt sie Tipps, wie sich das Programm erfolgreich durchziehen lässt. Es folgen lecker klingende Rezepte für morgens, mittags, abends und zwischendurch. Ich freue mich schon, sie nach und nach auszuprobieren. Das Programm komplett durchzuziehen werde ich wohl (vorerst) nicht schaffen. Zum einen sind doch relativ viele teure Zutaten darunter, die meinen studentischen Geldbeutel etwas überfordern, zum anderen fehlt mir meist die Zeit drei Mahlzeiten frisch zuzubereiten. Ich sehe das Buch eher als Inspiration und Motivation, Essgewohnheiten zu verbessern.

Als Vegetarier finde ich es zudem super, dass es zu einigen Fleischgerichten kleine Hinweise gibt, womit man das Fleisch ersetzen kann. Dasselbe gilt für gluten- und laktosefreie Alternativen, die ebenfalls bei vielen Gerichten angegeben sind.

Das Buch enthält viele schön fotografierte Gerichte, die gleich Appetit und Lust aufs Kochen machen. Ansonsten ist das Kochbuch schlicht, aber ansprechend gestaltet. Neben den Rezepten gibt es viele Infos zum LCF-Konzept sowie zu der Wirkung verschiedener gesunder Lebensmittel.