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Veröffentlicht am 27.10.2025

»Der Grundsatz, nach dem ich entscheide, ist: Die Schuld ist immer zweifellos.«

Erzählungen
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»Der Grundsatz, nach dem ich entscheide, ist: Die Schuld ist immer zweifellos.«

Wenn man Kafka liest, begibt man sich immer in eine andere Welt. Eine Welt, in der nichts sicher scheint und niemanden zu ...

»Der Grundsatz, nach dem ich entscheide, ist: Die Schuld ist immer zweifellos.«

Wenn man Kafka liest, begibt man sich immer in eine andere Welt. Eine Welt, in der nichts sicher scheint und niemanden zu trauen ist, denn auch auf die eigene Wahrnehmung sei kein Verlass!
So auch in diesem ersten Band, der von Kafka-Biograf und Experte Reiner Stach kommentierten Ausgabe, der Erzählungen.
Die Erzählungen, beginnend mit seiner ersten Buchpublikation „Betrachtung“, sind geprägt von kranken, vom Schicksal geplagten, einsamen, aber auch wissbegierigen Figuren an teils abgelegenen Orten. Einige davon werden von der patriarchalen Macht von Kafkas Vater überschattet, die er literarisch verarbeitete und dadurch Einblicke in seine Familie gab.

Auch wenn ich erst vor etwa drei Jahren alle Erzählungen Kafkas gelesen habe, kam es mir bei fast allen – mit Ausnahme „Der Verwandlung“ und „In der Strafkolonie“ – so vor, als läse ich sie zum ersten Mal. Bei den kurzen Texten ist das nicht wirklich verwunderlich, da deren Inhalt oftmals nicht so bedeutungsvoll ist und die mich persönlich auch nicht so begeistern können. Bei den längeren hat es mich jedoch mehr verwundert.

Mein Highlight dieses Bands bleibt ganz klar „Die Verwandlung“, welche einfach zu dem Besten gehört, was Kafka geschrieben hat und ein unbedingtes Must-Read für alle ist, die sie bisher noch nicht gelesen haben. Aber auch die Erzählungen „Das Urteil“, „Erinnerungen an die Kaldabahn“ und besonders „Blumfeld, ein älterer Junggeselle“ haben mir gut gefallen und konnten mich überzeugen.

Ohne Zweifel muss man Kafkas Texte mehrmals gelesen haben, um sie ansatzweise zu verstehen.
Deshalb empfand ich, wie schon beim ersten Band dieser kommentierten Ausgabe zu dem Roman „Der Process“, die Kommentare von Reiner Stach hilfreich, um den thematischen und biografischen Kontext der Erzählungen zu erfassen.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

»Wir sind eine erlauchte Versammlung - aber einen Knacks hat jeder«, diagnostiziert Thomas Mann im Tagebuch ganz nüchtern.

Wenn die Sonne untergeht
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Es ist der 11. Februar des Jahres 1933, mit dem dieses Buch beginnt. Der 28. Hochzeitstag von Katia und Thomas Mann und zugleich der letzte Tag, den sie im vertrauten München auf deutschem Boden verbringen, ...

Es ist der 11. Februar des Jahres 1933, mit dem dieses Buch beginnt. Der 28. Hochzeitstag von Katia und Thomas Mann und zugleich der letzte Tag, den sie im vertrauten München auf deutschem Boden verbringen, bevor sie auf eine Vortragsreise zum 50. Todestag – des vom Nobelpreisträgers so geschätzten – Komponisten Richard Wagners quer durch Europa aufbrechen und sich ausgehend davon direkt – ohne es geplant, erwartet oder hat gehofft zu haben – ins Exil begeben. Aber auch an Frankreichs exilantenträchtiger Küste in Sanary gestrandet und den Jetzt-Zustand akzeptierend, möchten die Manns nicht auf ihren gewohnten Anspruch verzichten, von dem andere jedoch nur träumen konnten.
In diesen Wochen wird versucht, nicht die Nerven zu verlieren und zugleich immer wieder so gelebt, als wäre ihr Zustand eine freiwillige, zum Spaße ausgelegte Sache.

Aber in diesem Buch sollen nicht nur die Geschehnisse Thomas Manns oder des Ehepaars erzählt werden, sondern auch die Geschichten der sechs Kinder sowie der Großeltern von Katia – ein Familienpanorama mit vielen Tragödien.
Schließlich eint sie alle das gleiche Schicksal, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Aus unzähligen Briefen, Tagebucheinträgen und Werken der erwähnten Personen, schöpft Illies seine Informationen für dieses Buch und setzt sie gekonnt in einen Zusammenhang, der einen sonst, in dieser fast bildlichen Weise, nicht zugänglich wäre.

Wie von Florian Illies schon von seinen bisherigen Büchern gewohnt, ist auch dieses, über ein eigentlich schweres und bedrückendes Thema – den Beginn des Exils der Familie Mann –, nicht nur wahnsinnig toll erzählt, sondern auch mit viel pointiertem Humor und Ironie versehen.
Ich bin mir sicher, das hätte Thomas Mann gefallen – was sicher das größte Kompliment für dieses Buch sein kann –, auch wenn er manchmal nicht eben in gutem Licht oder beschönigt da steht, sondern einfach realistisch wie er war.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

»Man darf nicht vergessen, dass diese Versprechen eines maschinellen «Besser» für die Menschen gedacht waren«

Sisyphos im Maschinenraum
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»Man darf nicht vergessen, dass diese Versprechen eines maschinellen «Besser» für die Menschen gedacht waren«

Martina Heßler geht in ihrem Buch dem Verhältnis von Mensch zur immer fortschreitenderen Technik ...

»Man darf nicht vergessen, dass diese Versprechen eines maschinellen «Besser» für die Menschen gedacht waren«

Martina Heßler geht in ihrem Buch dem Verhältnis von Mensch zur immer fortschreitenderen Technik und menschlichen Fehlern, anhand gewählter Beispiele, auf die Spur. Mehr noch als zur Zeit der Industrialisierung prägt dieses Zusammenspiel die gesellschaftlichen Diskussionen, insbesondere hinsichtlich der KI. Doch stimmt es wirklich, dass Menschen mehr Fehler machen als Maschinen, die ja gemäß unserer Vorstellung, exakt und genau programmiert sind und unsere menschliche Arbeits- und Gedankenkraft teilweise ersetzen?

Martina Heßlers „Sisyphos im Maschinenraum“ war mein Favorit der drei Sachbücher, die für den bayerischen Buchpreis nominiert sind und ich habe mich gefreut, dass ich es auch als Patenbuch bekommen habe. Nicht weil mich das Thema besonders interessiert, sondern eher weil ich darüber bisher wenig wusste und gerne dadurch mehr erfahren und lernen wollte.
Aber schon auf den ersten Seiten hatte ich meine Schwierigkeiten damit und leider blieb es dabei. Denn die Sprache erinnert eher an einen fachwissenschaftlichen Aufsatz, als an ein populärwissenschaftliches Buch. Dementsprechend und ohne mein benötigtes Vorwissen konnte ich dem Inhalt kaum folgen und wurde von einer Aneinanderreihung von Aussagen und Zitaten ausgewählter Wissenschaftler regelrecht erschlagen. Noch dazu fand ich den Stil sehr monoton und nicht passend, um neue Menschen für die behandelte Thematik begeistern oder sie darüber informieren zu können. So hing ich immer schon bei den jeweils ersten Sätzen neuer Kapiteln und wusste nicht weiter, da ich vor lauter Fachtermini überhaupt nichts verstand.

Schlussendlich muss ich sagen, dass dieses Buch für mich ohne Vorwissen und starkes Interesse für die Materie kaum lesbar und wohl eher für einen kleinen, gehobenen wissenschaftlichen Kreis bestimmt ist, was sehr schade ist. Schließlich wäre ich gerne tiefer in die für mich so fremde Materie eingetaucht.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

»Seit dem Beginn ihrer Reise, sagt sie, habe sie damals eine Art Gefahr wahrzunehmen gemeint, ein Unbehagen, das sie in Wogen überspült habe«

Die Holländerinnen
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»Seit dem Beginn ihrer Reise, sagt sie, habe sie damals eine Art Gefahr wahrzunehmen gemeint, ein Unbehagen, das sie in Wogen überspült habe«

Da dieses Buch nicht nur für den Bayerischen und den Schweizer ...

»Seit dem Beginn ihrer Reise, sagt sie, habe sie damals eine Art Gefahr wahrzunehmen gemeint, ein Unbehagen, das sie in Wogen überspült habe«

Da dieses Buch nicht nur für den Bayerischen und den Schweizer Buchpreis nominiert ist, sondern auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises steht, war ich sehr gespannt darauf, insbesondere da ich bereits einige negative Meinungen gelesen hatte, was den vielen Nominierungen zu widersprechen schien.

Im Fokus steht eine namenlose Schriftstellerin, die einen Vortrag halten soll, dafür ihre bisherigen Ideen verwirft und von einem Auftrag vor drei Jahren erzählt: Ein Theatermacher hatte sie angefragt, ihn neben einigen anderen, auf einer Expedition in den Dschungel zu begleiten und Autorin seines neuen Stücks zu sein, mit dem Ziel, den Geschehnissen der zwei Holländerinnen, welche die gleiche Route bestritten und plötzlich verschwanden, auf die Schliche zu kommen. Für diese Rekonstruktion des Falls als Theaterstück wurden die Teilnehmenden ganz bewusst ausgewählt, da alle ihre eigene Geschichte zu erzählen haben…

Ja, dieser Roman ist anspruchsvoll und durchaus verwirrend. Manche der langen Sätze und Abschnitte muss man auch mehrmals lesen, um sie ansatzweise zu verstehen und den Faden nicht zu verlieren. Lässt man sich aber auf den Text ein, wird man schnell merken, wie dieser einen in den Bann der Geschichte und in die Abgründe unseres menschlichen Daseins zieht. Mit einer sprachlichen sowie bildlichen Wucht kommt er daher und knüpft dabei immer wieder intertextuell an Werke anderer Schriftstellerinnen an.
Mich hat der Roman schon auf den ersten Seiten fasziniert, eben aufgrund seiner Komplexität und weil man als Leser
in in eine düstere, mystische Welt eintaucht und dazu angehalten wird, selbst die Umgebung nicht aus den Augen zu verlieren.

Auch wenn ich schlussendlich nicht sagen kann, alles durchblickt zu haben – was wahrscheinlich auch unmöglich ist –, hat mich der besondere Roman begeistert und ist meiner Meinung nach zurecht für gleich drei Buchpreise nominiert!

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Veröffentlicht am 04.10.2025

»Wir sind beide befangen, dachte er, und vielleicht sprechen wir über andere Dinge, weil wir über die eigentlichen nicht so richtig reden können.«

Katzentage
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»Wir sind beide befangen, dachte er, und vielleicht sprechen wir über andere Dinge, weil wir über die eigentlichen nicht so richtig reden können.«

Nach einer Fortbildung, die so ganz anders endete, als ...

»Wir sind beide befangen, dachte er, und vielleicht sprechen wir über andere Dinge, weil wir über die eigentlichen nicht so richtig reden können.«

Nach einer Fortbildung, die so ganz anders endete, als Paula und Peter es erwartet hätten, befinden sie sich nun auf ihrem Heimweg. Doch der Zugstreik macht ihnen einen Strich durch ihre Rechnung und sie – es bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig – stranden im herbstlichen Würzburg. Die Ärztin und der Jurist versuchen das Beste aus der Situation zu machen und verbringen die folgenden Tage, bis die Weiterfahrt wieder möglich ist, mit dem gemeinsamen Erkunden der Stadt. Schließlich verstehen sie sich gut, sehr gut sogar. Und zudem müssen sie sich noch über ihre aktuelle Gefühlslage klar werden, um sich die gestrige gemeinsame Nacht erklären zu können. Peter möchte gerne wissen, woran er bei ihr ist, doch sie den Moment dadurch nicht zerstören lassen. Dementsprechend kommen die ihnen nun geschenkten Tage gelegen.

Ewald Arenz erzählt von diesen Tagen, indem er die Figuren selbst durch wechselnde Perspektiven zu Wort kommen lässt. So bekommen die Leser*innen detaillierte Einblicke in die Gefühlswelt und das obwohl die Erzählungen manchmal kleine Sprünge beinhaltet.
Dabei schafft er es, diese Liebesgeschichte eindrücklich und doch mit einer Leichtigkeit zu erzählen und zugleich beim Lesen eine herbstliche Stimmung zu erzeugen, als wäre man es selbst gewesen, der sich verliebt durch das herbstliche Würzburg treiben lässt.
Zwischen verliebten, frechen Neckereien und immer wieder ernsteren, tiefergehenden Themen jonglieren diese in der fränkischen Stadt erlebten Katzentage. Einfach nur zu leben – im Hier und Jetzt. Zeit, darüber nachzudenken, was morgen sein wird, bleibt auch später noch.
Auch wenn man die Erzählung schnell gelesen hat, ist sie auf so eindrückliche und bildhafte Weise erzählt, dass sie lange in Erinnerung und im Herzen bleiben wird.

Wenn es ein Must-Read für den Herbst gibt, dann ist es diese, mit gelungenen Illustrationen von Florian Bayer, verschönerte Erzählung.

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