Platzhalter für Profilbild

manoman

Lesejury-Mitglied
offline

manoman ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit manoman über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2026

Religiös, obszön, EXTREM brutal

Das Böse in uns
0

In dem Buch "Das Böse in uns" ("Ausgelöscht" habe ich nicht gelesen) wird eine transsexuelle Frau und Tochter eines hochrangigen Politikers während eines Fluges getötet, ohne dass es ein Besatzungsmitglied ...

In dem Buch "Das Böse in uns" ("Ausgelöscht" habe ich nicht gelesen) wird eine transsexuelle Frau und Tochter eines hochrangigen Politikers während eines Fluges getötet, ohne dass es ein Besatzungsmitglied oder ein anderer Fluggast mitbekommt. Obwohl außerhalb ihres Ermittlungsgebiets, wird die FBI-Agentin Smokey Barret mit der Klärung des Sachverhaltes betraut. Gemeinsam mit ihrem Team versucht sie den Mord aufzuklären und kommt letztendlich auf die Spur eines religiös-fanatischen Serienkillers, der Sünder in seinen Augen erlöst, nachdem sie gebeichtet haben und Reue zeigen.

Hier meine Kritikpunkte:

1. Sprache: Die Sprache und die Gedanken der Personen sind teilweise sehr vulgär.

Ein Beispiel: "Manchmal, Vater, will ich einfach nur ficken, wissen Sie? Nicht Liebe oder Zärtlichkeit oder irgendwas in dieser Art. Ich will einen Schwanz im Mund und in meiner Fotze, am besten, nachdem ich mir so viel Koks reingezogen und so viel Alkohol gesoffen habe, wie ich in die Finger kriegen kann.[...] Ich will gevögelt werden, bis mir der Schädel platzt." (S.106-107).

Auch innerhalb des Ermittlungsteams um Smokey Barrett wird beispielsweise um Themen wie Sex unter Benutzung von obszönen Begriffe kein Bogen gemacht und mir hat es sprachlich an Professionalität gemangelt. Insgesamt spielt Sex eine zu große Rolle in dem Buch.

2. Brutalität: Zugegeben, es handelt sich um einen Thriller und da gehört nunmal Mord und Totschlag dazu, aber mir war die endlose Aneinanderreihung an Brutalität zu viel. Das fing schon bei Smokeys heftiger Vergangenheit an und erreicht seinen Höhepunkt, als Videos von den ermordeten Sündern auftauchen, die dem Prediger vor ihrer Ermordung beichten müssen. Es handelt sich um die explizite Schilderung von brutalstem Mobbing und ähnlichem, was auch für erfahrene Thriller-Leser wirklich schwer auszuhalten ist.

3. Spannung: Schon relativ am Anfang habe ich eine Theorie zum Mörder und zur Vorgehensweise entwickelt und dann habe ich hunderte Seiten lang weitergelesen, um herauszufinden, ob ich damit richtig liege. Auf diesen vielen Seiten ist leider nichts passiert, was meine Theorie infrage gestellt hätte. Stattdessen ist die Handlung vor sich hin geplätschert, es folgten viele Seiten Personenbeschreibungen, etliche Rückblicke in die Vergangenheit der Hauptprotagonistin, viele Berichterstattungen an die Vorgesetzten oder an Angehörige, dazwischen viel Sex, Sex, Sex und zwischendurch immer wieder Religion. Außerdem fand ich es merkwürdig, dass der Priester Yates ja durchaus zum Kreis der Verdächtigen gehört, aber Smokey ihm direkt ihr Vertrauen schenkt und ihm sogar ihr tiefstes Geheimnis erzählt, bevor der Fall geklärt wurde. Im Beichtstuhl kommt ihr dann die Erkenntnis einer Wanze, wow, da hätte die Super-Ermittlerin auch früher drauf kommen können.

Achtung, Spoiler-Alarm!

4. Schluss: Am Ende gerät Kirby in die Fänge der Kriminellen. Hier wurde anscheinend der Versuch unternommen, im Schlussteil nochmal ein Feuerwerk der Spannung zu zünden. Ich fand es allerdings erstens nicht nachvollziehbar, woher die Ermittler überhaupt wussten, wo sich die Täter aufhalten, zweitens woher es Kirby wusste, drittens, warum überhaupt und in welcher Geschwindigkeit Kirby dorthin gekommen ist, viertens, wie cool Kirby bei der Folter geblieben ist und fünftes, warum plötzlich eine Live-Übertragung der Folter viral geht. Insgesamt war mir dieser Schluss nicht realistisch genug. Abgesehen davon ist der Klappentext falsch, denn dort steht, dass Smokey auf der Liste der Killer steht, das stimmt aber überhaupt nicht.

Davon abgesehen fand ich es nicht nachvollziehbar, warum sich die Mörder nicht selbst der Polizei gestellt haben. Anscheinend wollten sie ja gefasst werden, warum dann dieser Umweg mit einem Fingerabdruck am Kelch, der dort anscheinend absichtlich platziert wurde? Und warum wussten die Zwillinge überhaupt, dass ihnen die Polizei auf die Schliche gekommen ist und zeigen sich ihnen dann in ihrer Videobotschaft? Es sind für mich auf jeden Fall noch Fragen offen geblieben. Der ein oder andere Twist zur Aufklärung hätte hier noch einen Pluspunkt geben können, aber leider Fehlanzeige. Das einzige, was ich wirklich witzig fand, war der Titel des letzten Kapitels: "Die Sünden der Kirby Mitchell" mit der letzten Schlusssszene.



Nun hadere ich schon die ganze Zeit, wie viel Sterne ich für dieses Buch vergeben soll und entscheide mich jetzt für 2. Insgesamt ist mir das Werk zu brutal und zu obszön, andererseits ist es trotzdem ein Stück weit authentisch. Es gibt unfassbar böse Menschen, die die Schilderungen aus dem Buch tatsächlich durchführen, und es gibt sexbessesene Menschen, die genauso wie beschrieben sprechen. Außerdem habe ich durchaus schon schlechtere Bücher gelesen. Deswegen finde ich nur 1 Stern unangemessen. Nichtsdestotrotz ist es einfach nicht mein Geschmack.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Feinfühliges, wunderschön illustriertes und wissenschaftlich fundiertes Buch rund um das erste Babyjahr

Wurzelstark und flügelleicht
0

Das Buch befasst sich mit dem Bindungsaufbau zum Baby in seinem ersten Lebensjahr. Nach einer eher theoretischen, aber sehr angenehm zu lesenden, Einführung zu den Themen Bindung, Bedürfnisse und Feinfühligkeit ...

Das Buch befasst sich mit dem Bindungsaufbau zum Baby in seinem ersten Lebensjahr. Nach einer eher theoretischen, aber sehr angenehm zu lesenden, Einführung zu den Themen Bindung, Bedürfnisse und Feinfühligkeit deckt das Buch alle Inhalte ab, die für das erste Babyjahr wichtig sind: Schlafen, Essen, Spielen, Pflege, sprachliche und motorische Entwicklung sowie das gemeinschaftliche Miteinander.

Jedes der genannten Themen erhält im Buch ein separates Kapitel, wodurch es sehr strukturiert ist und man nicht die Übersicht verliert. Außerdem kann man dadurch häppchenweise zu einzelnen Themen lesen, die für einen gerade relevant sind.

Teilweise befassen sich die Inhalte mit Themen, die in der Gesellschaft sehr kontrovers diskutiert werden, zum Beispiel: Stillen oder Pre-Milch? Familienbett oder Schlafen im eigenen Kinderzimmer? Die Autorin geht auf diese unterschiedliche Sichtweisen sehr feinfühlig ein, ohne eine davon zu verteufeln. Stattdessen gibt es eine Hilfestellung, für sich selbst und seine Familie den richtigen Weg zu finden.

Besonders bemerkenswert finde ich, dass das Buch wissenschaftlich fundiert ist und auf fast 200 Quellen basiert. Trotzdem ist der Schreibstil sehr wertschätzend und es lässt sich wunderbar lesen. Es lädt an vielen Stellen zum Reflektieren ein. Abgerundet wird das Werk durch wunderschöne Illustrationen, die die Inhalte grafisch veranschaulichen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil