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Veröffentlicht am 12.11.2024

Auf persönlicher und Fallebene nicht gut genug

Blutbuße
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Mit „Blutbuße“ sind wir schon wieder beim dritten Band der neuen Schweden-Krimireihe von Viveca Sten angekommen, denn mit ihr geht das wirklich immer flott, weil sie so eine zuverlässige Schreiberin ist. ...

Mit „Blutbuße“ sind wir schon wieder beim dritten Band der neuen Schweden-Krimireihe von Viveca Sten angekommen, denn mit ihr geht das wirklich immer flott, weil sie so eine zuverlässige Schreiberin ist. Gleichzeitig zeigt sich für mich jetzt aber schon wieder, dass ihre üblichen Schwachpunkte sich auch jetzt wieder durchzusetzen drohen und das ist einfach schade.

Während ich vom ersten Band doch sehr angetan war, auch weil er generell viel frischen Wind reingebracht hat, nachdem wir solange andere Charaktere begleitet hatten, zeigte sich bei Band 2 schon wieder, dass es gewisse Problemstellen gibt, die sich hier noch einmal potenziert haben. Wenn ich Band 2 und 3 mal zusammenziehe und dann noch bedenke, dass es zwischen den beiden Ermittlungen einen Zeitsprung gegeben hat, dann ist augenscheinlich, wie wenig sich inhaltlich auf der privaten Ebene tut. Gerade die Zeitsprünge würden es ja möglich waren, wirklich Tempo drin zu haben. Und selbst wenn ich am Anfang vielleicht kurz verwirrt wäre, was sich nun alles bei Hanna, Daniel und Co. getan hat, aber ich würde es letztlich als neue Impulsgebung zu schätzen wissen. Aber hier fühlt sich das Privatleben so zäh inszeniert an. Hanna schwärmt immer noch für Daniel und hat dabei manchmal ganz schön seltsame Gedanken, vor allem in der Anspruchshandlung und lässt sich dann hier gedanklich auf eine neue Figur ein, was für mich aber überhaupt nicht passte. Daniel macht jetzt Therapie, was sicherlich gut ist, aber eigentlich macht er immer noch dieselben Fehler und seine Ignoranz gegenüber Ida ist immer wieder neu bemerkenswert. Auch bei Anton hat sich nichts Entscheidendes getan und auf eine gewisse Weise erleben wir wieder eine Kopie seiner Handlung. Das finde ich einfach schade, weil ich nach drei Bänden gerne schon viel mehr an Infos und Entwicklungen gesammelt hätte. So sind es aber immer dieselben Gedankenkreise.

Blöderweise hat mir diesmal auch der Kriminalfall nicht richtig zugesagt. Ich fand, dass die Wahl der unterschiedlichen Perspektiven sehr verräterisch war. Es gab letztlich noch eine große Lücke zu füllen, aber die Rückblenden in der Vergangenheit des Hotels haben sofort alles klar ausgebreitet und auch die Perspektive von der Ehefrau des Täters und des Sohnes des Mordopfers haben viel mehr verraten als geschickt verborgen. Auch wenn Sten immer ein Talent haben wird, aus Vorhersehbarkeit noch spannende Beschreibungen zu machen, aber hier hat es mich im Gesamtbild dann doch mehr gestört, weil mir die Highlights fehlten, an denen ich mich festhalten konnte. Deswegen fand ich letztlich auch den letzten Teil des Showdowns viel zu lang gezogen. Als Film oder TV-Episode hätte das ganz anders gewirkt, weil man dann die verschiedenen Perspektiven auch mehr mit Action statt mit Gedankenchaos gefüllt hätte, aber so wechselte sich Verzweiflung mit Verzweiflung ab und es fiel mir irgendwann schwer, noch die Konzentration hochzuhalten, auch weil meiner Meinung nach etwas verpasst wurde, der Täterperspektive wirklich Raum zu geben. Die psychologische Seite seiner Taten wurde angedeutet, hätte aber dennoch mehr Gewichtung verdient.

Fazit: „Blutbuße“ ist für mich doch die erste richtig große Enttäuschung der neuen Polarkreis-Reihe von Viveca Sten. Es hatte sich in Band 2 schon angedeutet, aber die Kritikpunkte im Bereich des Privatlebens haben sich noch einmal verschärft und hier war nun auch noch der Fall selbst nicht wirklich spannend und viel zu durchschaubar erzählt. Leider kein guter Wurf.

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Veröffentlicht am 29.10.2024

Bricht nach gutem Start völlig ein

Haunted Reign
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Mona Kasten hatte aufgrund des riesigen Erfolgs der „Save Me“-Serienadaption ein bombastisches Jahr. Dazu schließt sie mit „Haunted Reign“ ihre Everfall Academy-Reihe ab, aber das würde ich leider eher ...

Mona Kasten hatte aufgrund des riesigen Erfolgs der „Save Me“-Serienadaption ein bombastisches Jahr. Dazu schließt sie mit „Haunted Reign“ ihre Everfall Academy-Reihe ab, aber das würde ich leider eher nicht zu den großen Erfolgen des Jahres zählen, leider.

Auch wenn „Fallen Princess“ nicht mein Jahreshighlight 2023 war, so hat es mir dennoch gefallen, Kasten erstmals im Fantasy-Genre zu erleben und ich fand es auch für einen Auftakt einer Reihe sehr angenehm, weil es nicht überladen an World Building war und dennoch sehr spannend gestaltet war. Dementsprechend war ich jetzt auch froh, in „Haunted Reign“ wieder eintauchen zu können. Der Einstieg ist mir auch trotz des vergangenen Jahres sehr leicht gefallen und ich fand auch, dass es auch so inhaltlich noch sehr vielversprechend wirkte. Dass Zoey sich so sehr nach emotionaler Abstumpfung gesehnt hat, das hat gut in die Geschichte gepasst und es hat ihr als Figur auch Raum gegeben, trotz Kenna und Murphy, dennoch auf ihre Art zu leiden, weil sie schlimm betrogen wurde. Das Verhältnis zu Dylan ist dann auch angemessen, aber es ist distanziert, aber genau im richtigen Abstand werden immer Szenen gegeben, die die Verbindung unterstreichen. Dementsprechend bin ich sehr optimistisch in das Buch gestartet und dann auch die Ankündigung des Turniers hat als Ausgangspunkt für den Schwerpunkt gepasst.

Mit den ersten beiden Prüfungen ist es auch gut weitergegangen. Ich fand sie in der Abwechslung gut gestaltet und man hat bei Zoey richtig gemerkt, wie bei ihr wieder etwas angefacht wurde. Dazu wurden die Beziehungen um sie herum auch weiter intensiviert und mir hat auch genauso gefallen, dass mal andere Figuren wie Lorcan und Georgina eine konkretere Rolle eingenommen haben. Aber dann passierte der Effekt, dass ich merkte, die Seitenzahlen laufen aus und da merkte ich dann auf einmal einen inneren Widerstand. Denn es ist noch kein dritter Band angekündigt. Vielleicht soll es das jetzt auch wirklich sein, aber egal wie, man hat einfach überdeutlich gemerkt, dass Kasten es auf einmal eilig hatte. Für die Liebesgeschichte war noch Raum genug. Okay, ist für die Zielgruppe natürlich auch wichtig, aber ich hätte tatsächlich sogar auf ein paar Szenen davon verzichtet, wenn ich dafür mehr inhaltliche Tiefe bekommen hätte. Denn alles rund um Zoeys Kräfte finde ich einfach schlecht ausgearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass sie im Grunde nur 30% vielleicht davon wirklich für sich schon angenommen hat. Auch der Kurs mit der Seelenführung. Er wurde immer wieder angesprochen und wie wichtig er sei. Wofür denn jetzt eigentlich?

Im letzten Fünftel habe ich dann richtig gemerkt, an wie vielen Ecken Kasten Neugier erweckt hat, nur um es jetzt krass abzukürzen und das finde ich einfach schade. Ich weiß nicht, ob sie für sich vielleicht auch erkannt hat, es ist doch nicht ihr Genre, weil ich diesen Kritikpunkt bei ihr auch noch nie so deutlich hatte, aber auch wenn, dann ist es vom Marketing auch bedauernd, weil es groß aufgezogen ist, aber es bietet dafür nur wenig an. Auch der erneute Showdown, er erinnerte mich zu sehr an Band 1 und mir ist wieder nicht so richtig deutlich geworden, was eigentlich das Anliegen der Sammlung der Gegenstände soll. Auch hier also wieder eine Abkürzung.

Fazit: „Haunted Reign“ startet eigentlich völlig okay und auf dem Niveau von Band 1. Erwartungen wurden sofort geformt und dann war leider nicht mehr zu übersehen, dass es auf einmal schnell gehen musste. Leider ist auch nicht bekannt, ob es noch weitergehen wird, das macht das ganz noch seltsamer. Aber klein für sich war die Handlung okay, in einer größer aufgezogenen Welt ist es aber massiv zu wenig.

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Veröffentlicht am 28.10.2024

Unterhaltsame göttliche Spiele

The Games Gods Play – Schattenverführt (Schattenverführt-Reihe 1)
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Die römischen und griechischen Sagen habe ich schon relativ früh für mich entdeckt, da mein Vater sehr alte Bücher dazu hatte und ich fand es interessant, die Geschichten zu verfolgen, die ähnlich wie ...

Die römischen und griechischen Sagen habe ich schon relativ früh für mich entdeckt, da mein Vater sehr alte Bücher dazu hatte und ich fand es interessant, die Geschichten zu verfolgen, die ähnlich wie Märchen dem menschlichen Leben so ähnlich und doch auch ganz anders erscheinen. Auch später habe ich dann immer wieder Serien/Filme und Bücher gesehen und gelesen, die sich bei den Göttern bedient haben. Für mich vor allem prominent wird da die „Göttlich“-Reihe nach Josephine Angelini sein, aber auch Percy Jackson ist sicherlich nicht zu vergessen. Dennoch würde ich römische und griechische Götter nicht als Hype-Thema sehen, weil es da immer Projekte jeglicher Art zu gibt, so hat es in meiner Beobachtung in den letzten Jahren auch viele Versuche gegeben, die klassischen ‚Bösewichte‘ wie Medusa etc. mit einer möglichen Hintergrundgeschichte mehr zu vermenschlichen. Nun also „The Games Gods Play“ nach Abigail Owen und ich hatte mal wieder richtig Lust auf das Thema.

„The Games Gods Play“ habe ich als Hörbuch konsumiert und ich habe Franziska Trunte wiederholt als gute Hörbuchsprecherin wahrgenommen. Sie hat sich als Ich-Erzählerin von Lyra sehr hervorragend präsentiert und ihre verschiedenen Schichten sehr gut abgebildet. Richtig beeindruckt hat mich aber, dass Trunte auch sehr bemüht war, den anderen Figuren in Dialogen sehr individuelle Stimmfarben oder Charakteristiken (Akzent, Nuscheln etc.) zu geben. Es wirkte auch aufgrund der stattlichen Länge des Hörbuchs wie ein Kunstwerk, weil man auch die Liebe für Details gemerkt hat. Das ist sicherlich aber auch nur durch Owens Vorleistung auch möglich gewesen. Denn auch wenn ich die gedruckte Version nicht vorliegen habe, so denke ich auch, dass Owen auch genug Hinweise gegeben hat, um sich beim Vorlesen ihres Buchs austoben zu können. Abseits des Hörerlebnisses bin ich in einem sehr großen Teil auch höchst zufrieden gewesen. Die ganze Idee fand ich zunächst lobenswert. Auch wenn ich mir noch nicht sicher bin, ob sie wirklich in allem Details clever bedacht ist, aber Owen zieht das Ganze auch so abwechslungsreich und groß auf, dass ich mich da auch gar nicht total kritisch hintergewagt habe. Denn bei mir blieb vor allem die Faszination hängen, dass wir in einer Welt leben könnten, in den die Götter ein Teil des Ganzen sind und nicht nur in einer antiken Vorstellung unser Leben mitgestalten, sondern auch in modernen Zeiten. Das ist tatsächlich auch das Thema, wo ich mir für die nächsten Bände wohl auch mehr wünschen würde, denn ein Großteil hat im Olymp gespielt und damit dann doch vom typischen menschlichen Leben abgekapselt, aber diese Art auf die Götter zu blicken, sie zu ehren oder auch zu verachten, das hat noch mehr Potenzial.

Auch das Crucival ist als Wettbewerbsidee clever. Klar, erinnert auch irgendwie an Hunger Games, zumal auch tatsächlich ein ganzes Crucival im ersten Band abgebildet wird, aber es war hier dennoch so individuell und einzigartig, weil die ganze Mythologie in allen Facetten eingebaut wurde, so dass es sich echt wie eine überzeugende Hommage anfühlte. Auch im Vergleich zur „Göttlich“-Reihe ist hier noch einmal so viel mehr möglich gewesen und man hat richtig gemerkt, wie Owen Spaß hatte, sich mit den Vorlagen auszutoben. Es war auch genial, wie die Götter dargestellt wurden, weil es ähnlich wie bei den Sagen rübergekommen ist. Sie sind höchst ambivalente Gestalten, uns als Menschen so ähnlich, obwohl es aufgrund ihres Einflusses ganz anders sein könnten, so dass es vertraut und doch fern wirkt. Auch wenn die Götter bewusst eher als Antagonisten zu sehen sind, so ist abseits von Hades, Charon und Cerberus auch bei den anderen zu merken, dass es da mehrere Schichten gibt. Das ist bei Aphrodite und Demeter schon deutlich gewesen und ich könnte mir vorstellen, dass es für die weiteren Bände auch hier noch weiter ausgebaut werden könnte.

Die ganze Struktur war löblich, denn es war eine gute Mischung aus einzelnen Heldentaten, die sehr spannend inszeniert wurden, und Zwischenkapiteln, die mehr auf der menschlichen Ebene angelegt waren. Aber auch bei den Heldentaten, wenn alle Champions zusammen waren, ist viel an den Beziehungen und den einzelnen Entwicklungen gearbeitet worden, aber dennoch fühlte es sich beim Rest wie eine nötige Pause an. Ein Pluspunkt ist auch die Darstellung der zentralen Liebesgeschichte. Auch wenn die Funken schnell flogen und speziell Hades‘ Perspektive dann auch mal fehlte, aber ich fand es dennoch für die Länge des ersten Bandes sehr angemessen. Denn es war ein Hauptteil, aber für mich dennoch nicht der Hauptteil, deswegen bin ich auch froh, dass die körperliche Ebene nicht ständig in den Fokus gerückt wurde. Zwischen Hades und Lyra durfte sich auch ohne ständige Intimität viel entwickeln. Nun kommen wir zu zwei Kritikpunkten, die ich vielleicht auch erst richtig einschätzen kann, wenn ich die gesamte Reihe gelesen habe. Das eine wäre Lyras extrem selbstlose Art. Eigentlich würde ich mir selbst in die Tasche lügen, wenn ich das nicht eigentlich sympathisch finde, weil ich sehr ähnlich bin. Aber für die Handlung hätte ich mir bei manchen Heldentaten gewünscht, dass es nicht immer darauf hinausgelaufen wäre, dass Lyra einen Vorteil ihrer Mitmenschlichkeit opfern würde. So war es irgendwann so, dass ich das immer erwartet habe und das nimmt dem Spannungseffekt etwas die Wirkung. Außerdem muss Lyra auch kein absoluter Gutmensch sein. Sie funktioniert als Figur gut, auch wegen der Derbheit ihrer Sprüche und die Respektlosigkeit, die sie vor allem den Göttern gegenüber hat, aber ein bisschen mehr Komplexität, ein bisschen mehr Rotz, das hätte ihr nicht geschadet.

Ein zweiter Punkt ist die Frage, wie lange die Reihe geht und was sie wohl noch alles erzählen wird? Dazu war noch nicht wirklich etwas zu finden. Zwischendurch habe ich mich nämlich gefragt, warum der gesamte Crucival abgebildet wurde. Es wurde am Ende durch den Cliffhanger natürlich deutlich, aber so die Struktur durch die Heldentaten war natürlich genial. Aber weil für mich nicht wirklich abzuschätzen ist, was kommen wird, wirkte das Potenzial des Crucivals an manchen Stellen auch verschenkt. Ich kann hier nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ein paar Heldentaten wurden ausgespart und da merkte man auf einmal eine gewisse Hektik. Dafür ist das Ende dann auch erst zu rosarot, nur um dann doch blutrot zu enden. Aber wie sich das wirklich alles ideal zusammensetzt und was verschenkt oder doch genau passend zurückgehalten wurde, das kann nur die Zukunft zeigen.

Fazit: „The Games Gods Play“ ist sehr groß und sehr überzeugend aufgezogen. Als Hörbuch war es definitiv auch ein Erlebnis. Von der Welt her hat man gemerkt, wie sich Owen ausgetobt hat, aber auch die Liebesgeschichte war in meinen Augen eigentlich ideal erzählt. Ich mochte auch die ganzen anderen Ebenen, die Abwechslung in Tempo und kurz ausgebremst. Lyra könnte mehr Ecken vertragen und ob das Ende so clever ist, wir werden es sehen, aber doch insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 23.10.2024

Zeitschleife zum Weihnachtsfest

In a Holidaze – Ihr Weihnachtswunsch führt zu Gefühlschaos unterm Mistelzweig
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Christina Lauren, ein Autorinnenduo, ist eines dieser Fälle, wo ich ihre Bücher ständig in Regalen und online entdecke, ich aber selbst noch gar nicht so richtig angebissen habe. Ich bin auch überzeugt, ...

Christina Lauren, ein Autorinnenduo, ist eines dieser Fälle, wo ich ihre Bücher ständig in Regalen und online entdecke, ich aber selbst noch gar nicht so richtig angebissen habe. Ich bin auch überzeugt, dass ich von Christina Lauren schon mal was gelesen habe, aber mir fällt nicht mal mehr der Titel ein. Deswegen bin ich aber keinesfalls kritisch eingestellt, denn wenn ich nicht zufrieden war, dann merke ich mir auch eher alles. Hier ist es also leider ein Überangebot im Genre Liebesromane, aber als ich „In A Holidaze“ entdeckte, wusste ich einfach intuitiv, dass ein Weihnachtsroman bei Christina Lauren am besten aufgehoben ist.

Ich schaue wesentlich mehr Filme als Bücher zu Weihnachten, woran das genau liegt, ich weiß es eigentlich gar nicht, aber deswegen finde ich es so charmant, wenn ich dann in den Büchern auch die gewissen Klischees wiederentdecke und dann ergründe, wie anders sie ausgeschrieben als auf dem Bildschirm gesehen wirken. Hier ist nun die Zeitschleifethematik zu entdecken, die ich in Weihnachtsfilmen auch schon erlebt habe. Es passt, wie ich finde, gut zum Fest, denn oft genug verliert man in der Hektik der Vorbereitungen und dann an den Feiertagen selbst aus den Augen, worauf es eigentlich ankommt und zurückzuspringen birgt dann die Herausforderung, das alles zu durchbrechen und sich bewusst auf die Zeit einzulassen. Nur ist hier nicht die zusammengewürfelte Familie aus alten College-Freunden, die komplett immer wieder die Zeitschleife durchlebt, stattdessen ist es nur Hauptfigur Mae. Ich war schon zum Einstieg etwas irritiert, dass wir eigentlich am letzten Feiertag angekommen waren, aber es hat sich dann so zusammengefügt, dass Mae schließlich wieder am Anfang der Feiertage landet. Ich muss schon sagen, dass es bei nur einer Person doch etwas irritierend ist, auch weil es suggeriert, dass ein einziger Mensch die Macht hat, so viel im Leben vieler anderer zu verändern. Das hätte als Gruppenschleife-Thematik wohl anders gewirkt, aber ich will hier auch nicht zu wissenschaftlich oder philosophisch werden, denn gerade bei solchen Büchern muss man sehr gedehnte Realitäten auch hinnehmen können.

Auch wenn die Thematik also vertraut war, so finde ich doch auch, dass die Geschichte mich überraschen konnte. Mae hat zwar schon im ersten Kapitel für ihre Gefühle für Andrew gesprochen, doch da sie mit Theo geknutscht hat, hatte ich so die Vermutung, die Zeitschleife will ihr zeigen, wer wirklich der Mann ihres Herzens war. Aber es war gar nicht Theo. Dementsprechend war das schon der erste Punkt, wo sich alles anders entwickelt hat. Genauso reizvoll war, dass weder Mae noch wir als Leser zunächst wissen, wie oft sie zurückgeworfen wird, was die Lösung ist, dass es mal konstant weitergeht, so war da genug Spannung drin und es war auch lustig, wie genervt sie zunächst auf die mehreren Male reagierte und wie sie dann mit allen Infos um sich warf. Es war auch überraschend, dass Mae relativ offensiv versucht hat, die Zeitschleife den anderen bewusst zu machen. Mit Benny hat sie ohnehin eine sehr interessante Figur an die Seite gestellt bekommen. Ich mochte diese Freundschaft über die Altersgrenzen hinweg und welche Offenheit er mitgebracht hat. Wenn ich mir nämlich vorstelle, ich würde meiner Familie klarmachen, wir wären in einer Zeitschleife, äh ja. Aber da es später auch über Benny hinaus ging, fand ich es auch irgendwie schön, dass die ganze Thematik etwas Höherem gewidmet wurde. Hier sagt das Buch auch nicht konkret, was es sein soll, aber es entsprach genau dem, was ich für die Menschheit glaube, dass wir alle etwas Höheres brauchen, egal, welchen Namen es dann trägt.

Manche Figuren sind über die Erzählung sehr kurz gekommen, auch Theo hätte ich mir etwas besser ausgearbeitet gewünscht, aber ansonsten wurde sehr deutlich, wie viele unterschiedliche Figuren aufeinandertreffen, die trotzdem etwas miteinander verbindet und es war auch schön, ihre diversen Aktivitäten mitzuverfolgen. Ich konnte mir vieles bildlich vorstellen, aber es war auch richtig, dass steifes Festhalten an Traditionen dem Spontanen etwas nimmt. Dann ist es aber wieder ein Rahmen, den viele brauchen. Wie immer liegt die Lösung also irgendwo in der Mitte von Tradition und Spontanität. Die Liebesgeschichte zwischen Mae und Andrew war wahrlich sehr stürmisch, aber ich fand sie auch in einzelnen Szenen wirklich sehr süß. Ich habe die ganze Zeit auch überlegt, ob da noch eine Wendung kommt, aber das größere Drama vorm Ende wurde gut gestaltet, weil es auch nachvollziehbar war. Der Epilog war dann auch in vielen Punkten noch Weihnachts-Romantik pur, auch wenn er im Hochsommer pur spielte, aber es passte zur ganzen Stimmung und hat gut unterstrichen, dass die Zeitschleife gut war für dieses Happy End.

Fazit: Christina Lauren haben für mich einen süßen Weihnachtsroman mit „In A Holidaze“ abgeliefert. Zwar darf ich über die generelle Anwendung der Zeitschleife nicht zu viel nachdenken, aber die Liebesgeschichte stimmte, es war eine typische Atmosphäre und es waren genau die Botschaften, die ich zum Fest der Liebe gerne zu lesen bekomme.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Drachenmäßiger Auftakt!

Burning Crown
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Der Drachen-Hype ist real! Das ist in der Buch-Bubble wirklich nicht wegzudenken. Aber es betrifft natürlich nicht nur die Buchwelt, sondern auch das „Game of Thrones“-Spin-Off „House of the Dragon“ hat ...

Der Drachen-Hype ist real! Das ist in der Buch-Bubble wirklich nicht wegzudenken. Aber es betrifft natürlich nicht nur die Buchwelt, sondern auch das „Game of Thrones“-Spin-Off „House of the Dragon“ hat die Drachen mehr in den Fokus gerückt. Nachdem dann Rebecca Yarros mit ihrer „Flammengeküsst“-Reihe den Startschuss gegeben hat, sehe ich die Thematik nun wirklich sehr oft. Auch wenn ich bei Yarros über den ersten Band noch nicht hinausgekommen bin, habe ich bei Marie Niehoffs Auftakt „Burning Crown“ sofort gedacht, das würde ich gerne mal entdecken, auch weil es von einer deutschen Autorin ist. Tatsächlich ist es aber mein erstes Buch von ihr, weswegen ich es schon als kleines Risiko empfunden habe, denn gerade Fantasy empfinde ich oft als Master Class des Schreibens.

Aber Marie Niehoff hat sich für mich schnell bewiesen, denn „Burning Crown“ hat mir richtig gut gefallen und ich wage sogar die steile These, dass es mir in gewissen Aspekten sogar besser als der „Flammengeküsst“-Auftakt gefallen hat. Dazu gleich mehr. Zunächst gehe ich aber auf ein paar Punkte ein, die die Hörbuch-Ausgabe betreffen. Ich habe die Geschichte durch die Stimmen von Leonie Landa und Sven Macht erlebt, die jeweils die Kapitel von Yessa und Cassim eingesprochen haben. Während ich die Stimme von Landa echt perfekt für Yessa fand, hatte ich zwar nicht grundsätzlich etwas gegen die Stimme von Macht, aber so 100% hat er für mich mit Cassim nicht gematcht. Das ist total subjektiv und ist von mir auch gar nicht rational gar nicht zu erklären, aber eine andere Stimme hätte es noch runder gemacht. Aber dennoch toll eingesprochen und vor allem in den Nuancen sehr gut getroffen. Ich war bei den knapp 12 Stunden auf jeden Fall sehr aufmerksam dabei, was bei Hörbüchern bei mir nicht unbedingt typisch ist. Manchmal driften die Gedanken weg, aber hier war der Fokus für mich immer da.

Das lag aber natürlich nicht nur am Hörbuch, denn hätte ich meinen Reader oder zwei Buchdeckel in der Hand gehabt, ich hätte „Burning Crown“ sicherlich schnell durchgepflügt, denn Niehoff hat für mich eine echt faszinierende Geschichte erschaffen. Eins fand ich dabei sehr spannend. Bei Fantasy ist das World Building immer das A und O und deswegen sprach ich oben auch von Master Class, denn Fantasy können viele schreiben, aber oft genug verharrt es dann auf sehr oberflächlichen Entwicklungen. Handlung ist dann spannend, aber es tun sich einfach Lücken auf. Das ist hier nun nicht der Fall, auch wenn ich das World Building nicht als ausgiebig empfand. Aber die ganze Erzählung hat mir das Gefühl gegeben, dass Niehoff genau steuert, was sie uns gibt und was nicht, weil es für die nächsten zwei Bände als Enthüllungen gebraucht wird. Und das ist echt ein großes Plus, denn aus relativ wenig etwas zu machen, was aber so viel Faszination erweckt, Respekt. Am meisten mochte ich dabei, wie die Drachen-Thematik hier gestaltet wird. Dass es quasi auch Menschen sind, die ein entsprechendes Gen haben, so dass sie sich verwandeln können. Vor dem Hintergrund, dass die Drachen einst die Herrscher waren und nun das Volk zweiter Klasse sind, ein mega interessanter Ausgangspunkt.

Aber auch auf der Handlungsebene, da sind so viele Punkte, die mich begeistert haben. Schon alleine der Start, dass wir Cassim gleich als Rebell kennenlernen, der alles auf sich nimmt, um sich und seine Leute zu retten. Genauso aber auch Yessa und ihre geliebte Halbschwester, die sofort das Herz in ihrem Miteinander erwärmen. Das ist wohl gerade mal ein Achtel der Geschichte, aber ich war schon voll am Haken. Aber auch danach wurde es nicht weniger, denn die Handlung hält ihr Niveau. Ich fand die einzelnen Entwicklungen extrem spannend und was mich jetzt nochmal zu Yarros bringt, ich finde die sich bildende Beziehung zwischen Yessa und Cassim genau auf dem Punkt. Es ist nicht gleich sexuell aufgeladen, es wird in einzelnen Schritten nicht übertrieben und es ist nicht seitenweise Beschreibungen von oberflächlichen Beobachtungen. Bei Cassim merkt man von Anfang die große Skepsis, die erst nach und nach einem gewissen Respekt weicht, während es bei Yessa umgekehrt das Mitgefühl für den Missbrauch an Cassim durch seinen ersten Reiter ist. Es startet also erst auf der menschlichen Ebene, ehe da mehr entsteht und das fand ich so angenehm. Ein letzter Pluspunkt ist auch, dass „Burning Crown“ auf einem anderen Cliffhanger als erwartet endet. Ich dachte die ganze Zeit, dass es Cassims großes Geheimnis ist, aber es war was ganz anderes und auch damit hat Niehoff für mich bewiesen, dass sie eine Autorin mit ganz eigenen Ideen und einem Stil fernab von Klischees ist.

Fazit: „Burning Crown“ war in meinen Augen richtig, richtig gut. Auch wenn die Drachen überall sind, aber auf eine Art fühlte es sich für mich so an, als bilde Niehoff den eigentlichen Anfang. Tolle Idee hinter den Drachen und dazu eine Steuerung der Geschichte, bei der ich totales Vertrauen empfinde, dass Niehoff einen richtig großen Plan hat, durch den ein Zahnrad ins andere greifen wird.

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