Starke Liebesgeschichte, aber wenig Dark Academia
Nightshade„Nightshade“ von Autumn Woods habe ich von einigen auf Youtube in die Kamera gehalten bekommen. Dank des bei Thalia exklusiven Wendecovers musste ich schon echt sagen, dass es sehr, sehr chic aussah. Auch ...
„Nightshade“ von Autumn Woods habe ich von einigen auf Youtube in die Kamera gehalten bekommen. Dank des bei Thalia exklusiven Wendecovers musste ich schon echt sagen, dass es sehr, sehr chic aussah. Auch wenn Dark Academia mich als Genre jetzt nicht übertrieben anzieht, so habe ich doch gerne mal reingehört.
Das Hörbuch wird von Frances Neubauer und Jesse Grimm gelesen, die ich beide schon kenne und die hier auch einen guten Job machen. Ich konnte mich durch ihre Stimmen in jedem Fall gut in der Handlung einfinden. Auch wenn Ophelia deutlich mehr Kapitel als Alex bekommen hat, so habe ich das nicht als Ungleichgewicht empfunden, zumal es als kleinen Bonus am Ende auch nochmal zwei Extrakapitel aus seiner Sicht gibt.
Bei „Nightshade“ liegt mein Empfinden sehr stark in dem Umstand begründet, dass Erwartungshaltung und tatsächliches Ergebnis sehr weit auseinander liegen. Das, was ich bekommen habe, das habe ich flott weggehört, schlecht kann es also keinesfalls gewesen sein, aber ich habe doch oft den Gedanken gehabt, dass ich das alles nicht erwartet hatte. Es war sogar nicht mal der Klappentext, der mich da in eine andere Richtung geführt hat. Der war eher beliebig, weil ich zuletzt schon mal öfters Protagonistinnen oder Protagonisten hatte, die sich in die Höhle des Löwen wagen, um dann ein Geheimnis aufzudecken und dabei vielleicht sogar Rache nehmen wollen. Also das kannte ich schon und das hat das Buch auch gegeben. Aber mit der Einführung der Sorrowsong University und der Beschreibung, wie da alles auf verschiedene Häuser aufgeteilt ist, da sind starke Parallelen zu Harry Potter oder vielen anderen Reihen erzeugt worden. Ich habe deswegen keine Fantasy-Reihe erwartet, denn davon war im Klappentext schon nichts zu erkennen, aber ich hätte schon vermutet, dass die Feindschaften zwischen den Häusern mehr im Vordergrund stehen.
Das war aber überhaupt nicht so. Die anfänglich intensiven Verweise auf Harry Potter lösten sich urplötzlich in Wohlgefallen aus und stattdessen hat sich eine ganz andere Geschichte entwickelt. Das fand ich durchaus etwas schade, denn mit dem ursprünglichen Aufbau hätte man doch viel machen können. So sind Titel, Reihen-Bezeichnung etc. doch eher irreführend. Was aber beibehalten wurde, das ist eine durchaus düstere Stimmung. Ich muss zwar auch eingestehen, dass es zwischendurch manchmal fast zu cosy wurde, aber gleichzeitig war mir immer bewusst, dass sich an jede gemütliche Szene jederzeit ein großer Schocker anschließen kann. Woods war hier keinesfalls zimperlich und das war eine Stärke, weil die Handlung so auch immer gut Tempo drin hatte und eine schöne Achterbahnfahrt an Highlights beigesteuert hat. Gerade da viele der anderen Figuren als Teil von kriminellen Familien angedeutet wurden, hätte an dieser Stelle ebenfalls noch mehr kommen können, um die Atmosphäre zu unterstützen, aber da hat man auch gemerkt, dass die Autorin sich gerne an warme Situationen geklammert hat, um Ophelia wieder etwas Verbundenheit mit anderen zu schenken.
Die Liebesgeschichte zwischen Ophelia und Alex war schon sehr präsent und sie hat mich auch überzeugt. Die anfänglichen Wortgefechte und wie sie dann immer mehr in seine Welt hineingezogen wurde, obwohl sie es nicht wollte, das hat mich überzeugt. Da habe ich richtig mitgefiebert. Die Chemie stimmte durchgängig, wenn ich auch sagen muss, dass gerade im letzten Viertel da Szenen dabei waren, die mir etwas zu viel waren. Da sprühte es zwischen ihnen dann so, dass es Gedanken in spannenden Sequenzen gab, die ich absolut daneben fand. Wenn es um Leben oder Tod geht, dann muss auch genau das rüberkommen. Aber alles in allem ist die Liebesgeschichte das Zentrum diesen ersten Bandes und zieht ordentlich mit.
Der Spannungsteil hat für mich wie angedeutet auch funktioniert. Eine Auflösung konnte ich zwar früh erahnen, aber trotzdem blieben Fragen drum herum. Gleichzeitig war auch immer zu spüren, wenn es einen zweiten Band gibt, dann muss sich da noch viel mehr verbergen. Und das ist auch so. Der erste Band endet mit sehr vielen Fragen und ist damit absolut gelungen, weil man so am Nachfolger eigentlich nicht vorbeikommt. Ich werde ihn sicherlich lesen/hören wollen, aber ich hoffe da doch auch, dass die Schwächen des ersten Bandes besser ausgeglichen werden.
Fazit: „Nightshade“ hat mich auf eine Art sehr in den Bann gezogen und auf eine Art auch enttäuscht. Zum Glück hat das positive Gefühl überwogen, weil ich so die Reihe auch beenden möchte. Aber Dark Academia kam hier nur bedingt rüber. Dafür gab es eine mitreißende Liebesgeschichte und ein drum herum gesponnenes spannendes Mysterium.