Wissenschaft attraktiv gemacht
Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von LiebeIch bin wahrlich noch keine Ali Hazelwood-Expertin und habe noch wenig gelesen, aber ich bin mir natürlich bewusst, welcher Hype rund um ihre Bücher existiert. Angesichts von riesiger Auswahl ist es dann ...
Ich bin wahrlich noch keine Ali Hazelwood-Expertin und habe noch wenig gelesen, aber ich bin mir natürlich bewusst, welcher Hype rund um ihre Bücher existiert. Angesichts von riesiger Auswahl ist es dann immer gut, einen doppelten Grund zu haben, um endlich zuzugreifen. Und so ging es jetzt mit „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“, die es diesen Sommer nämlich mit einer Adaption als Film zu Prime Video schafft.
Schon bei meinen ersten Hazelwood-Büchern fand ich gut, dass sie einen so wissenschaftlichen Bezug haben. Es sind zwar vor allem die Naturwissenschaften, die nicht mein Steckenpferd sind, aber trotzdem findet man das im Romance-Genre wenig und so ist es einfach anders und neu. Ich habe dieses Werk als Hörbuch gehabt und wurde durch die Stimme von Viola Müller begleitet. Sie hat ja auch etwas sehr Zartes, woran ich mich immer wieder neu gewöhnen muss, gerade wenn die von ihr gesprochene Figur auch mehr Stärke ausstrahlen sollte. Aber das ist dann einfach Gewöhnungssache, denn irgendwann entscheiden vor allem die Taten, wie man eine Figur einschätzt und da hat OIive von Müller genug Raum erhalten.
Ich fand es hier super, dass der wissenschaftliche Kontext sich sehr vertraut anfühlte. Ich glaube, dass es allgemeingültig ist, dass die Krebsforschung als Grundlage sicherlich clever war. Es ist ein Thema, dem jeder mal begegnet und auch wenn die Autorin sehr viel eingebaut hat, was man nicht verstehen konnte, so war das Anliegen von Olive, warum sie zu Bauchspeicheldrüsenkrebs forscht, sehr emotional und hat man immer den Antrieb verstanden. Ich finde es bei diesem Themenbereich aber auch wichtig, dass sich Hazelwood nicht zurückhält, sondern dann muss es auch tatsächlich wie eine Fremdsprache rüberkommen und das ist gelungen. Für mich persönlich war es dann noch zusätzlich vertraut, weil es ums Promotionsstudium ging. Es ist weit von meinem eigenen Studiengang entfernt und trotzdem waren da viele Parallelen zu erkennen und ich habe mich doch echt in vielem wiederentdeckt und wenn es anders war, dann fühlt es sich dennoch sehr vertraut an. Ich habe mich also richtig dabei erwischt, Olive vor allem auf wissenschaftlicher Basis richtig anzufeuern.
Aber mehr als Wissenschaftssprech ist dieses Buch natürlich eine Liebesgeschichte. Hazelwood arbeitet ja gerne mit Age Gap und das haben wir auch hier, weil Olive und Adam nicht nur unterschiedlich alt, sondern auch beruflich an sehr verschiedenen Punkten sind. Wir haben also ein Missverhältnis und trotzdem war es durchgängig schön, dass es nicht durchkam. Auch wenn immer wieder beschrieben wurde, wie Adam mit anderen Studierenden umging, aber die beiden hatten immer etwas von Augenhöhe und Respekt, was auch durch die allererste Begegnung unterstrichen wurde. Ansonsten war aber die allererste Szene der Gegenwart schon echt eine Hausnummer. Ich war versucht, nochmal zurückzugehen, weil ich nicht glauben konnte, dass es so losgeht. Aber so hat man direkt ein Ausrufezeichen, was neugierig macht. Clever! Fake Dating ist als Trope auch immer beliebt und ich fand es auch gut, wie lange es Hazelwood durchgezogen hat, ohne dass etwas größeres passiert wäre. Ich find es immer schade, wenn Tropes nur für die Vermarktung genutzt werden, aber dann nur ganz kurz eine Rolle spielen. Hier haben wir wirklich ausgiebig diesen Trope ausgearbeitet. Es gab auch sehr lustige Szenen und bin schon gespannt, ob dieser Ton in der Adaption rüberkommt.
Ich hätte gerne manches Mal Adams Perspektive gehabt, um besser verstehen zu können, warum bei ihm der Unterschied, wie er mit anderen umgeht, so gravierend unterschiedlich ist. Generell hätte ich ihn gerne besser kennenlernt, aber da Hazelwood nur Olives Perspektive nutzt, ist es ihr zumindest gelungen, dass viel von seinem wahren Wesen rauskam, wie er mit Olive umgegangen ist. Man hat die unterschiedliche Erfahrung auch gemerkt, weil Olive öfters naiver und spontaner rüberkam, aber es passte immer ideal zusammen. Ich mochte auch, wie mit ihren Erfahrungen umgegangen wurde, das war respektvoll. Ich fand auch die Themenauswahl, warum es zwischen Olive und Adam nochmal schwierig wird, sehr gelungen, weil sie in das Wissenschaftsfeld in jedem Fall passt, gerade in den MINT-Fächern.
Fazit: „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ hat mir sehr gut gefallen, weil Fake Dating lange ausgespielt wird, weil trotz Altersunterschied immer Respekt zu vernehmen war, weil die wissenschaftliche Thematik konsequent durchgezogen wurde und weil auch Humor nicht zu kurz kam. Es war zwar keine restloses Ausrufezeichen, aber bei dem Buch freue ich mich echt schon auf die Adaption.