Risikoreicher zweiter Band
Broken Dove„Silver Elite“ hat im vorigen Jahr eine breite Masse erreicht und auch ich fühlte mich bis auf einige Abstriche sehr gut unterhalten. Im vergangenen Jahr klang es auch so, als würde Dani Francis sich bei ...
„Silver Elite“ hat im vorigen Jahr eine breite Masse erreicht und auch ich fühlte mich bis auf einige Abstriche sehr gut unterhalten. Im vergangenen Jahr klang es auch so, als würde Dani Francis sich bei ihrer Mod und Prime-Welt auf eine Dilogie verlassen, aber inzwischen ist klar, es wird mindestens drei Bände geben. Es wäre auch verwunderlich gewesen. Mit der Realisation, dass „Broken Dove“ jetzt nicht das Ende ist, war ich doch etwas angespannt, was mich jetzt wohl erwartet.
Man muss schon sagen, dass man bei „Broken Dove“ den Mittelband-Status anmerkt. Die Handlung war bei den bald 800 Seiten niemals langweilig und gleichzeitig hat man doch gemerkt, dass Francis auch etwas gewagt hat, dass ihr sicher auch klar war, sie kann etwas provozieren und leidenschaftliche Shipper vor den Kopf stoßen, weil sie noch mindestens einen Band bekommen wird, um alles aufzuarbeiten. Und ich habe es auch bei mir gemerkt. Ich bin keine Jugendliche mehr, ich bin dementsprechend nicht mehr in dem Alter, in dem ich mich in einer Liebesgeschichte auf eine Seite vertiefe. Und doch bin ich einfach ein loyaler Mensch und in dem Sinne habe ich doch gemerkt, dass einige Entscheidungen der Autorin mich verärgert haben. Wenn man weiß, dass genau das auch hervorgerufen werden soll, dann kann man das vielleicht auch verzeihen, aber ich muss hier doch auch festhalten, dass es mir manchmal inhaltlich auch nicht geschickt genug aufgebaut wurde. Ein Liebesdreieck teilt die Lager immer ein, aber ich finde es dann besonders schwierig, wenn die Gegengeschichte aus dem Boden gestampft wird und es sich nicht authentisch anfühlt und das war hier mit Wren und Gray leider der Fall. Dabei will ich positiv hervorheben, dass die Charaktergestaltung von Gray (ehemals Kaine) mich echt überrascht hat. Er hat mich immer mehr gepackt, aber nicht wegen seiner Gefühle für Wren.
Auch wenn ich jetzt kein Fan von dem Liebesdreieck bin, aber Francis ist in meinen Augen ein noch größeres Wagnis damit eingegangen, dass sie die Welt rund um Cross nahezu komplett aussperrt. Wir haben in Band 1 so viel über diese Welt aus der Sicht Primes gelernt, wir haben so viele Charaktere kennenlernt und jetzt haben wir einfach einen harten Cut und haben im Grunde kaum etwas an Interaktion und das betrifft sogar auch Cross. Wer hätte gedacht, dass die zweitwichtigste Figur des ersten Bandes einfach im Nichts verschwindet? Ich habe schon immer wieder darauf gewartet, dass er wieder auftaucht, aber gerade zum Ende hin habe ich das Fazit gezogen, dass sich das zerrissene Gefühl in mir in Respekt gewandelt hat. Band 1 hat funktioniert, weil die dargebotene Welt funktioniert hat und dann einfach alles zu riskieren und sich voll auf die Welt von Uprising zu konzentrieren? Das ist mutig und im Endeffekt ist es für mich aufgegangen. Denn es ging schließlich darum, dass wir die mit den Primes und den Reddens die eine Seite haben und jetzt lernen wir die andere Seite genauso intensiv kennen, denn so haben wir für das mögliche Finale alle Karten in der Hand, die unterstreichen, dass es kein Schwarz/Weiß gibt. Deswegen hat für mich auch die Vorstellung der neutralen Völker sehr geholfen, denn es ist ein Gegengewicht zu zwei Parteien, die feste Ziele haben. Aber wenn man so feste Ziele hat, dann gibt es immer Opfer und vor allem auch Machtmissbrauch. Es hat für mich einander gegenübergestellt in jedem Fall bewiesen, dass wir noch einiges Spannendes zu erwarten haben.
Wir lernen in „Broken Dove“ so viele neue Figuren kennen und es ist Francis erneut gelungen, so viele unterschiedliche, unterhaltsame Beziehungen aufzubauen. Wir haben also ähnliche Erfolgszutaten wie in Band 1. Es ist eine erzwungene Gemeinschaft, es gibt ständig neue Gefahren und Entdeckungen und dadurch entsteht untereinander so viel, was es zu entdecken gibt. Insgesamt finde ich, dass es zu erwartbare und nicht zu erwartende Wendungen gab. Generell war die Dichte an Überraschungen sehr hoch, ohne aber gekünstelt zu wirken. Hier hat sehr geholfen, dass wir nur Wrens Perspektive haben, weil wir mit ihr gemeinsam die Welt entdecken und dementsprechend gibt es auch ständig Neues. Erst ganz am Ende dachte ich, so jetzt ist aber doch gut und da war dann tatsächlich der finale Showdown gekommen. Positiv war aber erneut, dass jederzeit alles passieren konnte, weil nichts tabu war. Mir hat auch die Entwicklung von Wren gefallen. Sie bleibt impulsiv und sehr emotional, aber man hat gleichzeitig auch gemerkt, dass sie mehr strategisch denkt, aber dass sie auch in einem Umfeld ist, wo sie mehr sie selbst sein kann, sodass Beziehungen entstanden sind, für die sie alles getan hätte und dementsprechend haben sich für mich ihre empathischen Züge mehr in den Fokus gedrängt. Das hatte dann wiederum zur Folge, dass ich mit ihr fühlen konnte und das ist mit ihrer Solo-Perspektive so wichtig.
Fazit: „Broken Dove“ geht in meinen Augen viele Risiken ein. Manche haben mir nicht gefallen, manche haben sich für mich erst im Nachhinein als Plus herausgestellt und andere wiederum haben auch aus diesem zweiten Band einen wilden, guten Ritt gemacht. Trotz kleinerer Kritik steht für mich nämlich fest, dass ich weiterhin ganz aufgeregt angesichts dieser Reihe bin und diese lange Wartezeit auf den dritten Band nun einfach aushalten muss.