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Veröffentlicht am 20.05.2026

Wissenschaft attraktiv gemacht

Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe
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Ich bin wahrlich noch keine Ali Hazelwood-Expertin und habe noch wenig gelesen, aber ich bin mir natürlich bewusst, welcher Hype rund um ihre Bücher existiert. Angesichts von riesiger Auswahl ist es dann ...

Ich bin wahrlich noch keine Ali Hazelwood-Expertin und habe noch wenig gelesen, aber ich bin mir natürlich bewusst, welcher Hype rund um ihre Bücher existiert. Angesichts von riesiger Auswahl ist es dann immer gut, einen doppelten Grund zu haben, um endlich zuzugreifen. Und so ging es jetzt mit „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“, die es diesen Sommer nämlich mit einer Adaption als Film zu Prime Video schafft.

Schon bei meinen ersten Hazelwood-Büchern fand ich gut, dass sie einen so wissenschaftlichen Bezug haben. Es sind zwar vor allem die Naturwissenschaften, die nicht mein Steckenpferd sind, aber trotzdem findet man das im Romance-Genre wenig und so ist es einfach anders und neu. Ich habe dieses Werk als Hörbuch gehabt und wurde durch die Stimme von Viola Müller begleitet. Sie hat ja auch etwas sehr Zartes, woran ich mich immer wieder neu gewöhnen muss, gerade wenn die von ihr gesprochene Figur auch mehr Stärke ausstrahlen sollte. Aber das ist dann einfach Gewöhnungssache, denn irgendwann entscheiden vor allem die Taten, wie man eine Figur einschätzt und da hat OIive von Müller genug Raum erhalten.

Ich fand es hier super, dass der wissenschaftliche Kontext sich sehr vertraut anfühlte. Ich glaube, dass es allgemeingültig ist, dass die Krebsforschung als Grundlage sicherlich clever war. Es ist ein Thema, dem jeder mal begegnet und auch wenn die Autorin sehr viel eingebaut hat, was man nicht verstehen konnte, so war das Anliegen von Olive, warum sie zu Bauchspeicheldrüsenkrebs forscht, sehr emotional und hat man immer den Antrieb verstanden. Ich finde es bei diesem Themenbereich aber auch wichtig, dass sich Hazelwood nicht zurückhält, sondern dann muss es auch tatsächlich wie eine Fremdsprache rüberkommen und das ist gelungen. Für mich persönlich war es dann noch zusätzlich vertraut, weil es ums Promotionsstudium ging. Es ist weit von meinem eigenen Studiengang entfernt und trotzdem waren da viele Parallelen zu erkennen und ich habe mich doch echt in vielem wiederentdeckt und wenn es anders war, dann fühlt es sich dennoch sehr vertraut an. Ich habe mich also richtig dabei erwischt, Olive vor allem auf wissenschaftlicher Basis richtig anzufeuern.

Aber mehr als Wissenschaftssprech ist dieses Buch natürlich eine Liebesgeschichte. Hazelwood arbeitet ja gerne mit Age Gap und das haben wir auch hier, weil Olive und Adam nicht nur unterschiedlich alt, sondern auch beruflich an sehr verschiedenen Punkten sind. Wir haben also ein Missverhältnis und trotzdem war es durchgängig schön, dass es nicht durchkam. Auch wenn immer wieder beschrieben wurde, wie Adam mit anderen Studierenden umging, aber die beiden hatten immer etwas von Augenhöhe und Respekt, was auch durch die allererste Begegnung unterstrichen wurde. Ansonsten war aber die allererste Szene der Gegenwart schon echt eine Hausnummer. Ich war versucht, nochmal zurückzugehen, weil ich nicht glauben konnte, dass es so losgeht. Aber so hat man direkt ein Ausrufezeichen, was neugierig macht. Clever! Fake Dating ist als Trope auch immer beliebt und ich fand es auch gut, wie lange es Hazelwood durchgezogen hat, ohne dass etwas größeres passiert wäre. Ich find es immer schade, wenn Tropes nur für die Vermarktung genutzt werden, aber dann nur ganz kurz eine Rolle spielen. Hier haben wir wirklich ausgiebig diesen Trope ausgearbeitet. Es gab auch sehr lustige Szenen und bin schon gespannt, ob dieser Ton in der Adaption rüberkommt.

Ich hätte gerne manches Mal Adams Perspektive gehabt, um besser verstehen zu können, warum bei ihm der Unterschied, wie er mit anderen umgeht, so gravierend unterschiedlich ist. Generell hätte ich ihn gerne besser kennenlernt, aber da Hazelwood nur Olives Perspektive nutzt, ist es ihr zumindest gelungen, dass viel von seinem wahren Wesen rauskam, wie er mit Olive umgegangen ist. Man hat die unterschiedliche Erfahrung auch gemerkt, weil Olive öfters naiver und spontaner rüberkam, aber es passte immer ideal zusammen. Ich mochte auch, wie mit ihren Erfahrungen umgegangen wurde, das war respektvoll. Ich fand auch die Themenauswahl, warum es zwischen Olive und Adam nochmal schwierig wird, sehr gelungen, weil sie in das Wissenschaftsfeld in jedem Fall passt, gerade in den MINT-Fächern.

Fazit: „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ hat mir sehr gut gefallen, weil Fake Dating lange ausgespielt wird, weil trotz Altersunterschied immer Respekt zu vernehmen war, weil die wissenschaftliche Thematik konsequent durchgezogen wurde und weil auch Humor nicht zu kurz kam. Es war zwar keine restloses Ausrufezeichen, aber bei dem Buch freue ich mich echt schon auf die Adaption.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

One Pot - vielfältige Ideen

One Pot
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One Pot ist kein neues Konzept. Es gibt auch Foodketten, die sich darauf spezialisiert haben und trotzdem ist es ein Prinzip, der sich bei mir privat im Kochen nicht wirklich durchgesetzt hat, außer es ...

One Pot ist kein neues Konzept. Es gibt auch Foodketten, die sich darauf spezialisiert haben und trotzdem ist es ein Prinzip, der sich bei mir privat im Kochen nicht wirklich durchgesetzt hat, außer es sind einfache Pfannengerichte, weil dann auch alles früh zusammenkommt. Ansetzen setze ich aber eher auf viele Töpfe/Pfannen. Dementsprechend war ich bei dem Kochbuch, das sich komplett dem Thema widmet, durchaus neugierig. Schon der Blick ins Buch hat mir verraten, dass One Pot sehr breit gedacht wird und das hat mich erst recht gereizt.

Das Kochbuch ist thematisch klar gegliedert. Wir haben zunächst Basiswissen, wobei es auch um Tricks geht, um selbstständig aus Resten ein One Pot-Gericht kochen zu können. Da wird dann darauf hingewiesen, was man wie beachten muss, welches Gemüse länger braucht, wie es sich für Nudeln, Reis etc. unterscheidet. Ich koche selten ohne Rezept, weil ich das immer gerne im Rücken weiß, aber gerade für intuitive Köche wird da sicherlich einiges interessantes dabei gewesen sein. Danach sind die Rezepte dann in fünf Sektoren sortiert. Zunächst kommen die Rezepte, die Nudeln als Basis haben, dann folgen die mit Reis und Körner, dann wird nochmal zwischen Gemüse/Kartoffeln und Fleisch/Fisch unterschieden und auch die Süßmäuler (wie ich) kommen voll auf ihre Kosten. Stilistisch haben wir die typische Struktur für Dr. Oetker Bücher. Ein klares Rezeptdesign, was dann immer von einem Bild des Gerichts begleitet wird. Clean ist hier die Maßgabe und das ist mir genau recht.

Es gibt wirklich viel Rezepte zu entdecken und für mich persönlich wichtig, dass auch viele vegetarische Rezepte dabei sind. Manche Kochbücher sind da schon kleine Fallen, weil der Titel gar nicht sofort an Fleischrezepte denken lässt und dann hat man doch viel zu viel davon im Angebot. Das ist hier deutlich ausgewogener, auch jenseits von Gemüse und Fleisch/Fisch. In den Rezepten sind auch viele vegane Zutaten verwendet, was mir nicht wichtig ist, aber wenn man erfahren ist, kann man ja problemlos ersetzen, wie man es am liebsten hat. Ich war bei manchen Anleitungen etwas skeptisch, muss ich gestehen, weil mir die Art des Rezepts vertraut war, ich es aber noch nie als One Pot-Konzept umgesetzt habe. Bei manchen Sachen wird One Pot auch sehr frei gedacht, was okay ist, normaler Standard ist es deswegen dennoch nicht.

Ich habe einige Rezepte auch schon nachgekocht. Da wäre im Bereich Nudeln beispielsweise „Schinkennudeln mit Erbsen“. Ein gern gesehener Klassiker, aber wie gesagt bei mir eher separat hergestellt. Hier habe ich es aber im Topf alles auf einmal ausprobiert. Man muss schon beistehen, denn die zugegebene Flüssigkeit zieht aufgrund der ganzen Zutaten dann auch ein und dann muss man echt aufpassen, dass unten nichts anbrennt. Das sind dann so die Fallen, die One Pot bereit hält, aber da macht Übung den Meister. Letztlich hat das Rezept aber funktioniert und es ist auch sehr cremig gelungen. Auch die „Brokkoli-Pasta“ habe ich aus dem Bereich nachgeguckt. Hier muss man auch mit dem Anbrennen aufpassen und den Brokkoli wirklich klein schneiden, aber wieder ein schnelles Gericht, das auch mehr als nur Nudeln mit Tomatensauce beinhaltet. Ein kleines Highlight war dann für mich das Rezept „Ofen-Ravioli“. Auch hier wieder große Skepsis, weil die Ravioli aus dem Kühlregal einfach auf das Gemüse gelegt wird, ein bisschen stückige Tomaten und Béchamel-Sauce drum herum und sie sind tatsächlich wunderbar gar geworden. Mit den Zucchini unten drunter war das auch eine tolle Kombination. Das wird hier sicherlich öfters gekocht.

Im Bereich Gemüse habe ich „Gerösteter Blumenkohl mit Süßkartoffelstampf“ ausprobiert. Das war eine Kombination, die ich so noch nicht hatte, aber auch ein Rezept, dass ich intuitiv nie als One Pot interpretiert hätte, weil es zunächst dem Konzept Ofengemüse entspricht. Aber egal, die Kombination war wirklich lecker und auch die Erdnüsse als Topping eine feine Idee, die Raffinesse reinbringt. Ein weiterer Geheimtipp ist dann die „Quesadilla mit Baked Beans“. Ich habe da schon immer mal wieder Varianten gemacht, mal im Waffeleisen oder schnöde alles rein und dann ab in die Pfanne. Aber die Falttechnik war hier sehr clever und so entstehen auch mehr Platz, um es in der Pfanne parallel zu braten. Es ist auch ein extrem schneller Rezept und das ist ja oft auch ein wichtiges Argument. „Smashed Potatoes“ ist seit einigen Jahren ein Trendrezept und auch ich habe es schon in einigen Varianten ausprobiert. Hier bietet das Buch eine Alternative mit Ziegenkäse an und da bin ich doch immer dabei. Smashed Potatoes mit Schinkenwürfel ist Standard, aber der Ziegenkäse hat es toll aufgepeppt.

Aus dem Bereich Fleisch/Fisch will ich noch die „Kartoffel-Hack-Pizza“ aufgreifen. Hier müssen die Kartoffeln zwar kurz vorgekocht werden, aber danach kommt alles zusammen in den Ofen. Auch hier wieder ein super einfach nachzumachendes Rezept, das sicherlich auch für Kinder super ist und das auch nicht langweilig daherkommt. Im Bereich Süß habe ich noch einige Rezepte, die ich ausprobieren möchte, weil da echt viel ist, was ich so in der Richtung noch nie gegessen habe. Aber man soll ja nicht so viel süß essen, deswegen kann ich hier nur „Milchreisauflauf mit Früchten“ anbieten. Das habe ich für mich abgewandelt und es klassisch mit Kirschen gemacht. Im Rezept selbst stand getrocknetes Obst, wie Aprikosen oder Cranberrys. Das war auch eins dieser Rezepte, wo ich skeptisch war und hier auch erstmals zurecht. Der Milchreis wollte zwar gar werden, aber die angegebene Menge Flüssigkeit wollte nicht aufgesogen werden. So war es sehr flüssig und das konnte kaum der Sinn der Sache sein. Hier habe ich dann Mondamin eingebunden und es war schnell im Griff. Das war aber das einzige Rezept, was nicht ideal funktioniert hat.

Fazit: „One Pot“ von Dr. Oetker hat mir wirklich sehr gut gefallen. Das Konzept macht zwar manchmal skeptisch und man muss mehr beachten, gerade im Nudelbereich, aber es gab viele tolle Rezepte, eine breite Mischung und auch meistens mit absoluter Gelinggarantie. Da werden doch einige Rezepte in den gewöhnlichen Gebrauch wandern.

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Veröffentlicht am 18.05.2026

Missglückter Ausflug nach Öland

A Painter's Touch (Broken Artists, Band 3)
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Rebekka Weiler hat mich mit ihrer „Broken Artists“-Reihe vor allem durch den Schweden-Aspekt fasziniert. Aber ich mochte auch den Schwerpunkt auf die verschiedenen künstlerischen Ausprägungen, die alleine ...

Rebekka Weiler hat mich mit ihrer „Broken Artists“-Reihe vor allem durch den Schweden-Aspekt fasziniert. Aber ich mochte auch den Schwerpunkt auf die verschiedenen künstlerischen Ausprägungen, die alleine schon die drei verschiedenen Titel angedeutet haben. Nun nehmen wir Abschied mit „A Painter’s Touch“, also der Geschichte von Linus, unserem Maler.

Band 1 fand ich wirklich toll und auch Band 2 hatte vor allem thematisch etwas Wichtiges zu erzählen, war durch die Isolation des Geschehens auf der Insel aber schon völlig anders. Und was soll ich sagen, „A Painter’s Touch“ hat leider diesen leichten Abwärtstrend nochmal bestätigt. Wir haben diesmal eine andere Urlaubsinsel in Schweden, Öland, also haben wir wieder ein isoliertes Geschehen. Wir lernen ganz neue Figuren kennen, während die anderen beiden Paare, die wir schon zum Happyend begleitet haben, in Stockholm verharren. Auch wenn sie alle nur einen Chat oder einen Anruf entfernt sind, aber diese Freundesgruppe hat in Band 1 einfach so viel aufgebaut, dass es schade ist, dass wir uns so davon entfernt haben. Ich mag Gruppen, ich mag familiäre Strukturen und dann tue ich mich auch immer schwer, diese loszulassen. Auch auf der Insel erleben wir eine eingeschworene Gemeinschaft und trotzdem: ich hätte es mir gerne wieder anders gewünscht.

Was ich dann zusätzlich schade fand, dass weder Emma als Figur noch die emotionale Schwere mich erreichen konnten. Ich habe bei Emma und Noah so eine ähnliche Struktur wie bei „22 Bahnen“ von Caroline Wahl festgestellt, aber ich fand diese Familienkonstellation, aber auch die Familiengeschichte von Linus, da kam nicht viel rüber, was mich mitgenommen hätte. Während ich Emma einfach fast durchgängig als schlecht gelaunt und anstrengend empfunden habe, fand ich bei Linus, dass er extrem gelöst auf der Insel wirkte. Ich hätte mir da mehr Rückschritte gewünscht, stattdessen wirkte er die meiste Zeit, als wäre alles völlig friedvoll. Ich hatte gerade aufgrund seiner Vorgeschichte da viel mehr erwartet. Auch wenn ich mir natürlich den Endpunkt wünsche, dass Linus mit der Insel Frieden schließen kann, aber es muss ja nicht über Nacht gehen. Zu Emmas Wesenszügen ist es dann einfach schade, dass die unbeschwerten Momente erst spät kamen und ich mich dann gar nicht mehr richtig darauf einlassen konnte. Denn sie hatte mich da schon längst verloren.

Zum Verlauf der Geschichte muss ich sagen, dass es durchaus okay war, aber natürlich von den bereits aufgezählten Faktoren sehr beeinflusst war. Alles rund um die Schildkröte fand ich süß. Das Sommerfest passte sehr gut zu dem, was ich mir von so einem Sommertag, an dem es nie recht dunkel werden will, erhoffen würde. Ich mochte auch die Figur Irma mit ihrer Wärme extrem. Aber der Rest war eher schleppend. Die anfänglichen Begegnungen sind immer von Emmas Laune geprägt und das hielt zu lange an. Dementsprechend war ich auch kein Fan der Liebesgeschichte. Alles, was sich entwickelt hat, erschien mir dann auch so unlogisch, weil der Konflikt ständig vorhanden war. Solche Liebesgeschichten, die an aller Logik vorbeigehen, die fangen mich einfach nicht ein. Verliebt hin oder her, aber gerade bei Emmas Charaktereigenschaften passte das nicht. Und auch die Lösung mit dem verlorenen Testament fand ich seltsam, aber gut, da kam es am Ende echt nicht drauf an.

Fazit: „A Painter’s Touch“ sollte ein würdiger Abschied der Reihe von Weiler werden, aber es war für mich leider mit mehr bedauernden Gedanken verbunden. Erneut verlassen wir Stockholm und erleben eine neue isolierte Geschichte. Nachdem mich das schon in Band 2 gestört hat, war es hier dann natürlich noch ärgerlicher. Aber auch so fehlten mir entscheidende Emotionen und Emma hat mich charakterlich schon früh verloren. Da kam dann leider doch zu viel zusammen, sodass ich mich in der Handlung nicht fallen lassen konnte.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Wenn Jamie Fraser ein Werwolf wäre...

The Wolf King (Wolf King 1)
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Ich habe Vampire mitgemacht, Werwölfe, Elfen, Drachen, aber bei keinem war ich wirklich in einer richtigen Ära dabei, weswegen ich einige Trends auch verpasst habe, was aber völlig okay für mich war. Immer ...

Ich habe Vampire mitgemacht, Werwölfe, Elfen, Drachen, aber bei keinem war ich wirklich in einer richtigen Ära dabei, weswegen ich einige Trends auch verpasst habe, was aber völlig okay für mich war. Immer mal wieder reizt mich dann doch ein Buch dazu und das war bei „The Wolf King“ nun soweit. Ich kann noch nicht mal ganz exakt sagen, was mich dahin gezogen hat, aber hier sind wir beim Hörbuch, gelesen von Franziska Trunte.

Trunte ist in dem Genre ja gerne gewählt und ich kann ihr auch immer wieder gut zuhören, weswegen ich auch hier bei der Vertonung meinen Hut ziehe. Sie hat es auch geschafft, den zentralen männlichen Rollen um Aurora herum einen Wiedererkennungswert zu geben, sodass ich die Handlung stets gut durchblicken konnte. Auch wenn es für Lauren Palphreyman kein Debüt darstellt, aber der Auftakt der Trilogie ist sicherlich der größte bisherige Erfolg. Scheinbar scheint die Autorin auch nicht in einem Genre festgelegt zu sein, was mich auch neugierig gemacht hat. Was ich aber echt schnell festgestellt habe und das habe ich auch schon in einigen anderen Rezensionen widergespiegelt bekommen, die Autorin scheint ein „Outlander“-Fan zu sein. Ich fand, dass es doch einige Szenen gab, die Jamie und Claire so genau wiedergegeben hat, dass ich doch etwas mit den Augen rollen musste. Natürlich haben wir ein ganz anderes Setting und andere Rahmenbedingungen, aber der Aufbau der Liebesgeschichte mit Entführung, Besitzansprüchen, Kräuterkunde etc., da war doch viel, was einem bekannt vorkommen kann, wenn man Diana Gabaldon gelesen hat.

Wir haben eine Werwolf-Geschichte, die durch das Cover auch deutlich unterstrichen wird, aber ich fand letztlich, dass es mir zu wenig Werwolf-Geschichte war. Auch wenn eine Werwolf-Geschichte sicherlich auch schwieriger zu erzählen ist, weil es nur einmal im Monat zur Bewandtnis wird, so darf man sich dennoch nicht darauf ausruhen. Ich fand auch, dass das World-Building klarer hätte sein können. Wen haben wir alles im Spiel, wer hat warum Macht, warum waren die Werwölfe bislang so unterdrückt? Man kann sich einiges zusammenreimen, aber ich finde nicht, dass die Antworten von der Autorin selbstbewusst an die Hand gegeben werden. Dadurch kommt auch abseits der zentralen Entwicklung nicht genug Brisanz rüber, weil alles undurchsichtig bleibt. Ich bin zu wenig Figuren begegnet, die an einem politischen Spielchen interessiert sind. Stattdessen begegnen wir vielen instinktgesteuerten Menschen (überwiegend Männer) und da wirkte einiges etwas plump.

Auch wenn ich es gut finde, dass Aurora nicht als hilflose Prinzessin inszeniert wird, so fand ich so doch manchmal auch merkwürdig gestaltet. Sie war anfangs so auf ihre Tugend aus, so unschuldig, weil sie manche Anspielungen nicht verstand und dann war sie wiederum so wild und impulsiv. Das passte nicht immer zusammen. Was mich dann aber richtig überrascht hat und das kann man positiv und negativ auslegen: Ich konnte mit Callum nur wenig anfangen und ich finde Blake viel spannender. Negativ bedeutet das, dass dieses Buch eine zentrale Liebesgeschichte verfolgt und sie kommt bei mir langweilig rüber. Callum hat für mich zu wenig Ecken und Kanten und das wird durch die ständige Präsenz von Blake unterstrichen. Ich kann sicherlich nicht ahnen, ob Palphreyman vielleicht noch eine andere Taktik wählt, aber in meinen Augen würde sie sich damit einen Gefallen tun. Denn positiv ausgelegt war ich viel gespannter auf die gemeinsamen Szenen mit Blake und Aurora. Selbst wenn sie in den meisten ihm gegenüber negativ eingestellt war, so war da mehr Feuer und Leidenschaft. Und es waren die Momente, die mich am Hörbuch gehalten haben.

Ich weiß aktuell noch nicht, ob ich die Reihe weiterverfolge. Vielleicht werde ich zu Band 2 ein paar Rezensionen im Auge behalten, aber der Stand aktuell ist im Grunde, dass Palphreyman sich einiges abgeguckt hat, auch mit dem letzten Kniff der Geschichte, und das dann auch nicht so gut wie ihre Vorschreiber erledigt.

Fazit: „The Wolf King“ hat mich ohne genaue Kenntnisse gereizt, aber nach Beendigung des Hörbuchs ist nicht mehr viel Reiz da. Lauren Palphreyman hat sich einiges von anderen abgeguckt, vor allem Diana Gabaldon lässt grüßen, aber sie hat mich dann weder mit dem World Building noch mit der Liebesgeschichte überzeugen können. Und das, was mich fasziniert hat, ist wohl nicht mal Endgame. Also bleibt offen, ob ich die Reihe weiterverfolge.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Starke Erzählstimme

Sieben Tage im Juni
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Tia Williams ist für mich eine neue Autorin, aber die Verfilmung ihres Buchs „The Perfect Find“ habe ich auf Netflix gesehen und dementsprechend wurde ich direkt neugierig. Es ist schon interessant, dass ...

Tia Williams ist für mich eine neue Autorin, aber die Verfilmung ihres Buchs „The Perfect Find“ habe ich auf Netflix gesehen und dementsprechend wurde ich direkt neugierig. Es ist schon interessant, dass „Sieben Tage im Juni“ jetzt die erste Übersetzung eines Buchs von Williams ist, zumal eines, das schon von 2021 ist. Manchmal ist es schon seltsam, wann es welches Buch nach Deutschland schafft, aber ich wollte gerne mal reinlesen.

Ich habe gleich einige kritische Stimmen zum Buch gelesen und war dann gespannt, ob ich es mich den Kritikern anschließen werde und ich bleibe bei einem ganz unparteiischen jein. Kritikpunkt war vor allem der Schreibstil, dem ich mich aber nicht anschließen würde. Der Stil ist anders und er ist auch nicht immer einfach zu lesen, aber ich habe sofort eine typische Schwarze Erzählstimme rausgelesen. Wenn man Serien wie „Black-ish“ oder „Empire“ gesehen hat oder einen Film bzw. Buch wie „The Hate U Give“ konsumiert hat, dann ist einfach ein eigener Stil und ich mag ihn. Aber ich kann nachvollziehen, dass man sich dort erst einlesen/eingewöhnen muss. Aber es passte auch zu vielen Themen, die Williams verarbeitet hat, denn es geht um die oft schwierigen Karrierewegen von Autoren, die People of Color sind und ich kann mir vorstellen, dass es gerade im Ausland dann noch schwieriger sein kann. Ich fand die Erzählstimme insgesamt also authentisch, zumal man auch durchgängig gemerkt hat, dass Williams um intensive Charakterstudien bemüht war.

Genau dort sehe ich aber meinen eigenen Kritikpunkt an diesem Buch. Grundsätzlich hat Williams ihre Figuren sehr intensiv gezeichnet und weil auch viel Traumata in dem Inhalt drin steckte, war da auch viel rauszuholen. Mir hätte es aber mehr als gereicht, wenn sie sich nur auf die Perspektiven von Eva und Shane mitsamt der Rückblenden in die Jugend beschränkt hätte. Denn es ist ihre Geschichte und es geht um die große Frage, wer sie sind sie seit damals geworden, was ist damals vorgeworfen und kann es eine Zukunft geben? Wir bekommen aber zusätzlich noch weitere Perspektiven eingestreut. Hier Audre, hier Lizette, dann noch Cece, Ty. Es ist dann eigentlich immer nur ein Kapitel, manchmal sogar nur wenige Abschnitte, aber ich fand das eher irritierend und es hat für mich die eigene Handlung ausgebremst. Ich habe natürlich jeweils etwas über diese Figuren gelernt, auf jeden Fall, aber ich brauchte es nicht, weil sie nicht mal ansatzweise so viel Erzählzeit wie die anderen bekommen haben und dann war es einfach unnötig. Zumal gutes Schreiben es auch erlaubt, dass man Figuren auch genug begreifen kann, ohne ihnen in den Kopf gucken zu können. Gerade Lizette war schnell zu verstehen und zu begreifen, ihre Perspektive war mir sogar fast zu erschreckend.

Ansonsten würde ich zum Handlungsverlauf sagen, dass dieses Konzept, nur einen ganz kleinen Zeitrahmen zu erzählen, entweder über einen Tag in jedem Jahr oder wie hier eine Woche und das zweimal, das ist in der Literatur erprobt und funktioniert auch. Es ist sicherlich eine spezielle Art des Erzählens, aber Williams hat es hinbekommen, den Unterschied zwischen den insgesamt 14 Tagen eklatant aufzuzeigen. Ich fand die Rückblenden auch echt heftig zu lesen, weil man niemanden so leiden sehen will, aber es war gut, dass wir sie nicht auf einmal bekommen haben, denn die Gegenwart ist da deutlich leichter. Auch wenn Shane und Eva immer noch viel Arbeit an sich zu erledigen haben, so war es doch gewaltig, was sie jeweils aus sich gemacht haben. Ich mochte bei Eva auch extrem ihre Beziehung zu ihrer Tochter, gerade im Kontrast zu Lizette. Ich mochte aber auch, wie diese atemraubende Chemie zwischen Eva und Shane für uns rübergebracht wurde. Auch wenn sie in ihrer Jugend absolut falsch füreinander waren, so kam da schon was Spezielles rüber, aber gerade in der Gegenwart war es einfach so intensiv. Gerade vor dem Hintergrund, dass Adaptionen nie eins zu eins wie die Vorlage erzählt werden können, kann ich mir schon jetzt vorstellen, dass es sich ebenfalls toll als Verfilmung eignen würde.

Fazit: „Sieben Tage im Juni“ ist in vielerlei Hinsicht eine ungewöhnliche Lektüre. Der Schreibstil ist von einer starken Schwarzen Erzählstimme geprägt und auch die erzählten Schicksale haben Tiefe. Der Stil mit den vielen verschiedenen Perspektiven hat mir leider nicht so gepasst, aber dafür kam die ungewöhnliche Liebesgeschichte auch intensiv rüber. Das Buch ist sicherlich nicht Mainstream, aber es geht inhaltlich ja auch genau darum, den Weg außerhalb der vorgegebenen Trends zu finden und das beweist Tia Williams.

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