Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.10.2018

Detaillierter Superheldenepos

Renegades - Gefährlicher Freund
0

Marissa Meyer konnten mit ihren „Luna-Chroniken“ schon viele Leser begeistern, mich nicht, schlichtweg weil ich die Bücher nie gelesen habe. Trotzdem war mir ihr Name natürlich ein Begriff, so dass ich, ...

Marissa Meyer konnten mit ihren „Luna-Chroniken“ schon viele Leser begeistern, mich nicht, schlichtweg weil ich die Bücher nie gelesen habe. Trotzdem war mir ihr Name natürlich ein Begriff, so dass ich, als ich den Klappentext zu „Renegades“ las, sofort Interesse hat. Natürlich konnte mich auch die Superheldenprämisse sehr überzeugen, da Serien wie „Arrow“, „The Flash“ oder auch die Marvel- und DC-Filme mich in den letzten Jahren sehr begeistern konnten. Ich war von Anfang an sehr gespannt, ob die Mischung aus Meyer und Superhelden für mich funktionieren würde.

„Renegades“ fängt schon unheimlich gut an, weil es erst eine Einführungsgeschichte wie aus einem Geschichtsbuch gibt, wodurch man zumindest schon einmal einen groben Blick über die Umstände der Erzählwelt erhält. Anschließend folgt ein Prolog, der mich vom Fleck weg mitgerissen hat, da mysteriös, spannend, brutal und somit einfach atemraubend war. Bei dem Prolog merkte man einfach, dass er sehr entscheidend für die Geschichte ist und womöglich Anfang und Ende von allem ist. Hiernach beginnt die Erzählung dann so richtig. Zunächst erleben wir erneut eine sehr spannende Episode, wo die ersten Superhelden ihre Kräfte demonstrieren können und viel später erst beginnt dann die Handlung, die der Klappentext versprochen hat. Bis dahin, aber auch danach zeugt die Geschichte weniger von diesen spannenden Szenen und der atemraubenden Action und trotzdem kann ich nicht bestätigen, dass ich mich in dieser Zeit weniger gut unterhalten gefühlt habe, denn die Autoren betreibt ein sehr ausführliches Worldbuilding, vor dem man den Hut ziehen muss.

Zunächst mag man vielleicht denken, wieso ist das ganze so kompliziert, wo wir doch nur ein paar Superhelden mit unterschiedlichen Kräften brauchen? Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Schon die Marvel-Filme haben eine Dimension geschaffen, deren Zusammenhänge man sich wirklich bemühen muss nachzuvollziehen, da man ansonsten vollkommen den Faden verliert und das merkt man auch bei „Renegades“. Die unterschiedlichen Gesellschaftssysteme, unter denen die Menschen gelebt haben, müssen schon einmal verstanden werden. Dann sind die einzelnen Fähigkeiten der Superhelden unheimlich gut durchdacht, da man nicht nur 08/15-Fähigkeiten findet. Als letzter Schritt folgt dann eben noch die Welt der Superhelden, wie sie leben und wie sie agieren. All das dem Leser verständlich zu machen erfordert Zeit und die hat sich Meyer zurecht genommen. Ich habe auch diese längeren Passagen, in denen Figuren ihre Geschichten erzählten oder wo viel beschrieben wurde, jedenfalls genauso genossen wie die Actionszenen.

Aber nicht nur von den äußeren Umständen bietet sich eine tolle Geschichte, sondern auch von der Handlung und den Figuren her. Die Handlung wird aus zweierlei Perspektiven erzählt. Zum einen aus Novas Sicht, die zu den „Anarchisten“ gehört und auf der anderen Seite Adrian, der ein „Renegade“ ist. Unterschiedliche Perspektiven haben immer unschätzbare Vorteile, für diese Geschichte sind sie aber regelrecht Goldwert. So bekommt man die Philosophien beider Seiten präsentiert und muss dann schnell feststellen, es ist ganz schön schwer, sich für eine Seite zu entscheiden. Beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile und auch auf beiden Seiten gibt es die klassischen bösen Charaktere und die Charaktere, die man ruckzuck liebgewinnt. Bis zum Ende habe ich mich wirklich nicht entschieden, für wen ich mehr mitfiebere und ich habe auch keine Ahnung, welche Endlösung es nach dieser Reihe geben könnte. Das finde ich tatsächlich am Faszinierendsten an diesem Buch!

Die Handlung hat insgesamt einige Überraschungen aufzuweisen, was natürlich einen schönen Effekt auslöst. Gerade zum Ende hin spitzt sich natürlich einiges zu und wer da das Buch weglegen konnte, den kann ich leider nicht verstehen. Es kommt zu einem wahren Showdown, an dessen Ende ein Cliffhanger steht, den man wirklich bejubeln muss. Unerwartet schlechthin und mit soooo viel Potenzial für den nächsten Band. Aber nicht nur die Handlung zieht mich in den zweiten Band, auch die Figuren tun es. Es gibt wirklich unheimlich viele liebenswerte Figuren in diesem Buch, da merkt man doch sehr, dass sich die Autorin für alle von ihnen detaillierte Gedanken gemacht hat. Natürlich stechen Nova und Adrian heraus und bei den beiden möchte ich lobend erwähnen, dass eine Liebesgeschichte zwar angedeutet wird, aber so auf Sparflamme köchelt, dass ich für die beiden sogar eher mitfiebere. Denn diese Langsamkeit passt perfekt in den Kontext und verleiht dem Ganzen Authentizität.

Fazit: Ein wahnsinnig tolles Buch, die „Renegades“! So gut sogar, dass ich Meyers andere Bücher jetzt eigentlich lesen müsste. Die Autorin hat jedenfalls einen dicken Schinken geschaffen, der im Worldbuilding vor allem überzeugen kann. Aber auch Innovation bei den Superheldenfähigkeiten, zwei gegensätzliche Perspektiven und eine wendungsreiche Handlung runden das Ganze ab. Eine fette Leseempfehlung dafür!

Veröffentlicht am 26.10.2018

Zu oft im Privatleben aufgehängt

Die perfekte Unschuld
0

Helen Fields hat mit ihrem Auftaktband rund um die Ermittler Callanach und Turner, „Die perfekte Gefährtin“ richtig begeistern können, weil es sich um einen vielschichtigen Thriller handelte, der viel ...

Helen Fields hat mit ihrem Auftaktband rund um die Ermittler Callanach und Turner, „Die perfekte Gefährtin“ richtig begeistern können, weil es sich um einen vielschichtigen Thriller handelte, der viel Spannung und überraschende Wendungen dabei hatte. Nach diesem Ausrufezeichen war ich wirklich sehr gespannt auf den zweiten Band, „Die perfekte Unschuld“ und die Frage, ob mich dieser ähnlich begeistern könnte.

Diese Frage wird leider schon relativ früh leider negativ beantwortet. Bereits der Einstieg in die Geschichte fällt nämlich nicht gut aus. Die Morde, die uns präsentiert werden, nehme ich davon aus, da diese gleich von Anfang an viel Potenzial hatten. Jedoch ist die Geschichte am Anfang zu wenig mit diesen Fällen beschäftigt. Vielmehr geht es um das Gefühlsleben von Callanach, das auf den Kopf gestellt wird, als mit Edgar ein neuer Detective für einen Cyberfall auftaucht, der offensichtlich mit Ava liiert ist. Fortan muss das Geschehen unter seinen eifersüchtigen Gedanken zurückstehen. Natürlich wurde so eine Verbindung schon im ersten Band angedeutet, aber dies wurde auch begleitet von einem glaubwürdigen Beziehungsaufbau. Hier jedoch wird auch der Fehler gemacht, dass man in Avas Kopf nur minimal reinschauen kann, so dass man ihre Beweggründe auch nicht so transparent dargelegt bekommt, wie das im ersten Band noch der Fall war.

Mit dieser Kritik an Ava sind wir insgesamt bei dem Punkt, dass die Charakterarbeit sowohl bei ihr als auch bei Callanach echt misslingt. Ava wirkt lange Zeit schrecklich unsympathisch, was ich sehr bedauert habe, da sie im ersten Teil noch meine absolute Heldin war. Callanach ist wie gesagt zu lange mit seinen privaten Problemen beschäftigt, erst gegen Ende hin kann es das Thema weitestgehend beiseiteschieben und seine Stärken wiederausleben. Nur gut, dass wenigstens die Nebenfiguren brillieren können wie eh und je. Tripp und Salter sind eh zwei Goldstücke. Tripp ist diesmal eher Beiwerk, dafür bekommt Salter eine eigenständige Geschichte. Und auch Lively ist natürlich nicht wegzudenken, der eben weniger durch Sympathie, als durch markige Sprüche und freche Ansichten immer einen Lacher wert ist.

Bereits im ersten Band hatte ich die Kritik anbringen müssen, dass es vom Umfang der Kriminalfälle mit zwei Fällen vielleicht schon etwas zu viel ist. „Die perfekte Unschuld“ setzt noch einen drauf und hat direkt drei Fälle, am Ende noch mehr vermeintliche Täter und noch ein paar unerwartete Nebenschauplätze. Dadurch muss man echt sagen, dass der Thriller doch etwas vollgestopft war. Dennoch hat es sich die Autorin nicht nehmen lassen, am Ende einen ähnlichen Showdown aufzubieten, wie es ihr bereits im Auftakt gelungen war. Die Handlungen verdichten sich, plötzlich geht es Schlag auf Schlag mit einigen Überraschungen und am Ende haben wir auch nicht Friede, Freude, Eierkuchen, sondern einen realistischen Ausgang, der mich sehr mit der Geschichte versöhnt. Für einen weiteren Band wird jedoch schon wieder eine private Verwicklung angedeutet, aber ich hoffe sehr, dass die Autorin für den nächsten Band das Fazit zieht, dass sie sich dringend auf ihren Thriller-Anteil konzentrieren muss, denn den kann sie!

Fazit: „Die perfekte Unschuld“ fällt gegenüber dem ersten Band, „Die perfekte Gefährtin“ schon deutlich ab. Fields verheddert sich zu Beginn viel zu sehr im Privatleben von Callanach, wodurch er eher pubertierend als wie ein gewiefter Ermittler wirkt. Ava gerät von der Charakterarbeit vollkommen unter die Räder und es gibt zu viele Handlungsbögen. Erst gegen Ende hin haben wir dann den Thriller, denn sich Fields-Fans schon früher verdient gehabt hätten…

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Idee
  • Handlung
Veröffentlicht am 13.10.2018

Immer besser werdend

Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick
0

Wer liebt sie nicht, diese Wohlfühlreihen in der Liebesliteratur, die in kleinen Orten spielen, wo jeder jeden kennt und wo so eine wunderbare heimelige Atmosphäre entsteht? Ja gut, ich kenne einige, die ...

Wer liebt sie nicht, diese Wohlfühlreihen in der Liebesliteratur, die in kleinen Orten spielen, wo jeder jeden kennt und wo so eine wunderbare heimelige Atmosphäre entsteht? Ja gut, ich kenne einige, die solche Bücher konsequent ablehnen würden, aber selbst hartgesottene Thriller-Fans packen manchmal auch fürs Herz zu. Jahrelang gab es für mich immer nur Nora Roberts, die für solche Buchreihen stand. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass wir in einer Renaissance leben, denn Marie Force konnte in den letzten zwei Jahren große Erfolge feiern, Jennifer Snow kommt im nächsten Monat mit ihrem ersten Buch auf den deutschen Buchmarkt und eben auch Kelly Moran mit ihrer „Redwood Love“-Reihe. Dese Reihe wurde viel promotet und für mich war schnell klar, dass ich in die Reihe mit Band 1 reinschnuppern würde.

Normalerweise finde ich mich in solchen Büchern unheimlich schnell zurecht, weil von Seite 1 an diese berühmte Wohlfühlatmosphäre kreiert wird, so dass man sich auch mit den Figuren schnell zurechtfindet und sogleich mitfiebert. Hier war das für mich überraschenderweise nicht der Fall. Die Geschichte überschlägt sich am Anfang regelrecht, als Avery mit ihrer Tochter in die Heimatstadt ihrer Mutter zieht, dann begegnen sie einem verletzten Hund, die erste Begegnung mit Cade, ihre Anstellung und erst dann nimmt sich die Geschichte tatsächlich mal eine Pause, um durchzuatmen. An der Stelle hat geholfen, dass der Schreibstil wunderbar flüssig ist, sonst hätte ich vermutlich aufgehört mit dem Lesen, da bis dato eben die Verbindung zu den Hauptcharakteren kaum möglich war.

Letztlich bin aber sehr froh, dass ich am Ball geblieben bin, denn als die Handlung sich endlich Zeit nimmt, treten genau die Faktoren ein, die ich bei so einer Geschichte erwarte. Emotionale Momente gepaart mit lustigen Sequenzen und pfiffiger Handlung zwischendurch. Dadurch kann man vor allem Avery viel besser nachvollziehen und kann so auch verstehen, warum das Tempo zwischen ihr und Cade so langsam ist. Ich fand diese Entwicklung sehr, sehr authentisch, da man aus beiden Perspektiven intensive Einblicke in die jeweiligen Gefühlsleben erhält. Auch Cades Perspektive fand ich unheimlich spannend, weil man mitverfolgen kann, wie der Playboy vom Dienst damit zu kämpfen hat, dass er das erste Mal tiefer für eine Frau empfindet. Im Zusammenhang mit ihm fand ich auch die Momente mit Hailey wahnsinnig berührend, da er sich von Anfang an auf das autistische Kind eingelassen hat und dabei sehr beeindruckende Empathie gezeigt hat. Auch die gewählte Dramatik am Ende ist auf den Punkt gewählt, da sie logisch in die Geschichte passt, immense Spannung erzeugt und auch das perfekte Ende einleitet.

Die immer stärker werdende Geschichte ist natürlich schon Grund genug, bei einem zweiten Band unbedingt weiter dabei zu sein, aber es hat auch geholfen, dass man die Paare für die anderen beiden Bände schon ausgiebig kennenlernt. Ich sehe schon jetzt richtig großes Potenzial, da noch sehr unterschiedliche Charaktere zu verkuppeln sind. Da freue ich mich sehr auf die weiteren Geschichten.

Fazit: Kelly Moran hat mich mit ihrem Auftaktband zur „Redwood Love“-Reihe von Seite zur Seite mehr begeistern können. Am Anfang ging mir vieles noch zu schnell, so dass Gefühl und Verständnis für die Charaktere zunächst nicht aufkommt. Irgendwann pendelt sich alles ein und dadurch entsteht eine herzerwärmende Liebesgeschichte, die vor allem durch das Zusammenspiel der Protagonisten, aber auch durch die Innensichten überzeugen kann. Alles gipfelt im perfekten Ende, das viele Thematiken noch einmal aufgreift und ein sauberes Happy End abliefert.

Veröffentlicht am 02.10.2018

Zunächst zäh, dann furios in zwei Teilgeschichten

Redemption Point
0

Ich lese Thriller wirklich unheimlich gerne, aber ich muss doch immer wieder feststellen, dass ich nur wirklich wenige AutorInnen in diesem Genre regelmäßig lese. Zu nennen ist da Chris Carter, James Carol ...

Ich lese Thriller wirklich unheimlich gerne, aber ich muss doch immer wieder feststellen, dass ich nur wirklich wenige AutorInnen in diesem Genre regelmäßig lese. Zu nennen ist da Chris Carter, James Carol (von dem es jetzt schon länger keinen Nachschub mehr gab) und ansonsten bin ich entweder schon im Krimigenre oder bei Eintagsfliegen. Daher heiße ich eine Autorin wie Candice Fox nur zu gerne willkommen, deren „Redemption Point“ nun schon mein fünftes Werk von ihr ist und das zweite ihrer Reihe rund um Ted Conkaffey. Schon die Hades-Trilogie war ein echt skurriles Abenteuer und auch die neue Reihe mit dem Auftakt „Crimson Lake“ hat mich zum Auftakt nicht enttäuscht.

Beim Lesen von „Redemption Point“ stellt man schnell fest, dass auch Leser, die den ersten Teil nicht gelesen haben, problemlos sich in das Geschehen einfinden könnten. Denn die Geschichte pausiert relativ lange, um die wichtigsten Handlungen noch einmal aufzugreifen. Normalerweise bin ich davon ein großer Fan, aber Fox hat es in meinen Augen schon fast übertrieben diesmal, da sie sich in diesen rückschauenden Episoden verlor, so dass das Geschehen doch lange sehr zäh war. Das hat mich sehr überrascht, da ich dieses Lesegefühl noch nie bei Fox empfunden habe.

Die Geschichte ist zweigeteilt. Auf der einen Seite haben wir den neusten Fall für Ted und Amanda, wobei man sagen muss, dass es eher eine Amanda-Ermittlung ist, denn Ted ist vielmehr mit dem zweiten Teil der Handlung beschäftigt, seinen Namen endlich reinzuwaschen. Ich fand es etwas schade, dass diese seltsame Partnerschaft von Amanda und Ted in diesem Buch so wenig Erzählzeit erhalten hat, da die beiden in ihrem Umgang wirklich etwas Besonderes haben. Gleichzeitig aber war es auch wichtig, dass wir als LeserInnen erfahren, was damals mit Claire wirklich geschah. Gerade Teds Vergangenheit war in meinen Augen die stärkere Handlung. Man lernt den wahren Täter durch seine Tagebucheinträge kennen und das war schon sehr faszinierend. Er ist nicht das wahre Böse, weil er sich dessen gar nicht so richtig bewusst ist und trotzdem kann man die Passagen kaum lesen, weil sie so abartig ist. Da wird psychologische Faszination geboten! Zudem taucht man intensiv in Teds Persönlichkeit an, wie er war, wie er jetzt ist und wie er in Zukunft sein wird. All das mündet in einem spannenden Showdown, der wirklich die ein oder andere Überraschung parat hielt.

Auch wenn ich Amandas Fall eher schwächer fand, hatte natürlich auch diese Story ein verdammt spannendes Ende. Die Auflösung hätte zwar eigentlich auf der Hand liegen müssen, aber durch die ganzen Nebenschauplätze hat sich der Fokus so verlagert, dass man letztlich doch überrascht wurde. Etwas schwierig fand ich aber auch die Rolle von Pip Sweeney. Sie hatte etwas, aber ich befürchte, dass sie vor allem dazu da war, dass man aus ihrer Sicht Amanda erlebt. Das finde ich etwas schade, da ich wirklich nichts dagegen hätte, dauerhaft hinter ihre Birne schauen zu dürfen.

Fazit: „Redemption Point“ ist ein durchaus spannender Thriller, der sogar in gleich zwei Handlungssträngen einen spannenden Showdown bietet. Trotzdem würde ich den zweiten Band etwas schwächer als „Crimson Lake“ einschätzen, da der Einstig in die Geschichte sehr zäh ausfällt und weil das dynamische Duo Ted/Amanda zu sehr gesprengt wird. Von ihnen hätte ich wirklich gerne mehr gesehen, dann also in Band drei, den es hoffentlich geben wird!

Veröffentlicht am 25.09.2018

Klassischer Mittelband

Das Juwel - Die Weiße Rose
0

„Das Juwel“ konnte mich in seinem ersten Teil vor allem durch seine innovative Idee überzeugen, etwas schwieriger fand ich dagegen die Liebesgeschichte, die etwas überhastet erzählt wurde. Nun stand mit ...

„Das Juwel“ konnte mich in seinem ersten Teil vor allem durch seine innovative Idee überzeugen, etwas schwieriger fand ich dagegen die Liebesgeschichte, die etwas überhastet erzählt wurde. Nun stand mit „Die weiße Rose“ der zweite Band für mich an und ich war doch sehr überrascht, wie anders sich das Lesen anfühlte. Durch das Ende des ersten Bandes war ja bereits klar, dass es einen Bruch geben wird, der vor allem mit einem Handlungsortwechsel verbunden sein würde. Zunächst bestand die Handlung also nur aus Flucht und schließlich einem neuen Setting, wo alles zusammenkommt. Die Flucht aus dem Juwel war an sich sehr, sehr spannend gestaltet, doch sie nimmt mir für die Länge des zweiten Bandes zu viel Raum ein. Es gab natürlich einige wichtige Szenen auf der Flucht, wie die Begegnung mit Lily oder Ashs kurze Heimkehr zu seiner Familie, aber um all das mehr genießen zu können, hätte das Buch definitiv länger sein müssen.
Denn der zweite große Teil der Handlung und das Buch hat nur zwei große Handlungen, ist die Erkundung von Violets Fähigkeiten. Bei diesem Handlungsbogen bin ich auch total hin- und hergerissen, wie ich ihn eigentlich bewerten soll. Auf der einen Seite fühlte sich alles so gemäßigt an, als ob es keine wirklichen Höhepunkte in der Erzählung gibt und auf der anderen Seite ging mir aber auch alles viel zu schnell. Denn Violet begreift plötzlich ultraschnell ihre Magie und scheint regelrecht übermächtig zu sein. Aber mir will sich diese Magie irgendwie nicht recht erklären. Auch die Erklärung mit den Vorfahren von der Insel erscheint mir zu banal, so dass ich insgesamt die Magieanteile als nervig empfand.
Aber es gibt natürlich nicht zu meckern. Violet ist trotz der schwachen Handlungen inzwischen ganz klar eine starke Persönlichkeit, weil sie immer vorangeht. Sie verliert dabei nie ihre Empathie und sie ist auch bereit steinige Wege zu gehen. Vor allem Ashs Entwicklung gefällt mir aber besonders. Endlich ist er von seinem Leben als Gefährten erlöst und man merkt, wie sehr er sich danach sehnt, seine Persönlichkeit neu zu entdecken. Damit ist es deutlich mehr als ein Sidekick und mir gefällt es auch, dass er und Violet sich da nicht immer einer Meinung sind. Insgesamt wird ihre Liebesgeschichte viel authentischer, da es nicht mehr ad hoc erscheint, sondern es gibt auch viele kleine Szenen, die ihre Beziehung schön stärken. Das hat mir wirklich wesentlich besser gefallen als im ersten Teil.
Bei den anderen Figuren gibt es noch viele Fragezeichen. So ist mir Lucien, den ich eigentlich im ersten Teil sehr mochte, inzwischen etwas zu viel, da er vor allem sehr, sehr eifersüchtig wirkt. Raven taucht endlich viel mehr auf, aber diese Rebellin, die am liebsten überall aneckt, ist leider doch etwas verlorengegangen. Ich hoffe, dass sie diesen Charakter für den letzten Band noch einmal wiederentdeckt. Sil als komplett neue Figur konnte mich nicht für sie gewinnen, weil sie sehr sonderbar und wenig empathisch wirkt. Dann gibt es noch neue Surrogate, die vorgestellt werden, wie Sienna z. B., im ersten Band noch als Löwin bekannt, sie ist unbequem und es muss sich zeigen, ob sie noch zum Problem wird. Das große Problem für den letzten Band wird am Ende angesprochen und bietet somit den zweiten Cliffhanger. Eins muss man Ewing lassen, Cliffhanger kann sie!
Fazit: „Die weiße Rose“ ist für mich ein klassischer Mittelband, da man schon unterhalten wird, aber wenn man die ganze Reihe gelesen hat, wird man sich an die Handlungen aus dem zweiten Band am wenigsten erinnern können, dessen bin ich mir jetzt sicher. Denn es gab nur zwei große Bögen, die auch noch wenig Zug hatten. Dafür kann mehr an Charakterarbeit geleistet werden. Ash gewinnt viel mehr an Profil und prompt weiß auch seine Liebesbeziehung zu Violet mehr zu überzeugen. Aber nach dieser eher lahmen Vorstellung, muss der dritte Band jetzt wieder einen raushauen!