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Veröffentlicht am 02.06.2024

Versteckt unter den augen des Feindes

Der Glashund
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Zum Inhalt:
Berlin, 1936 flirtet Henriette auf Veranlassung ihrer Freundinnen Anneliese und Ruth mit dem Hitlerjungen Rolf Reinhardt, um ihn dann fallen zu lassen. Ein Streich, den die jüdischen Mädchen ...

Zum Inhalt:
Berlin, 1936 flirtet Henriette auf Veranlassung ihrer Freundinnen Anneliese und Ruth mit dem Hitlerjungen Rolf Reinhardt, um ihn dann fallen zu lassen. Ein Streich, den die jüdischen Mädchen sich wegen der Nürnberger Gesetze ausgedacht haben. 6 Jahre später arbeitet Rolf im Dezernat IV, das für die Endlösung der Judenfrage zuständig ist. Da Henriette ein Geheimnis von ihm weiß, setzt er alles daran, sie so schnell wie möglich deportieren zu lassen. Doch Henriette entwischt immer wieder den braunen Schergen, überzeugt davon, dass der Glashund, ein letztes Geschenk ihres Großvaters vor seiner Deportation, ihr Glück bringt.

Meine Meinung:
Das Cover ist schön gestaltet, verrät aber nichts über seinen Inhalt. Der Titel macht neugierig, was es denn mit dem Glashund auf sich hat, der im Klapptext jedoch mit keinem Wort erwähnt wird. Iris Conrad beschreibt in einem flüssigen, authentischen Schreibstil, wie die jüdische Bevölkerung nach und nach entmenschlicht wird. Ich bin der Meinung, solche Bücher kann man nicht oft genug in die Regale der Buchhandlungen stellen, zur Erinnerung und zur Mahnung.
Iris Conrad hat aus Tatsachen und Berichten Überlebender einen fiktionalen Roman geschaffen, der nicht mit großer Dramatik punktet, aber klar und deutlich aufzeigt, wie sehr Hass und Hetze wirken. Mit Henriette erlebt man dies hautnah und doch gibt es die unterschiedlichsten Menschen, die es gut mit ihr meinen und ihr helfen, ob aus Eigennutz, Profit oder Menschlichkeit. Die facettenreichen Figuren sind in ihren Charakteren sehr gut und realistisch ausgearbeitet und dadurch erhält man einen guten Einblick in deren Gedanken. Schon bald ist Henriette gezwungen, unterzutauchen. Ihren ehemaligen Studienkollegen Benjamin aus der jüdischen Kunsthochschule begegnet sie dabei immer wieder und aus Freundschaft wird Zuneigung. Dies ist in diesen Zeiten schwierig, in der Beide um ihr Überleben gegen das Naziregime kämpfen und gleichzeitig Gefahr durch die Bombardierung der Alliierten droht.
Regelrecht spürbar war die Angst von Henriette, aber auch ihr Mut, den sie aufbringen muss, um sich unter den Augen des Feindes in Berlin zu verstecken. Wirklich geärgert hat mich zum Schluss, was aus Rolf Reinhardt geworden ist und nur zu gut kann ich mir das in der Realität vorstellen.

Fazit:
Ein gelungener historischer Roman, der mir neue Einblicke vermittelt hat.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.06.2024

Gefährliche Experimente

Extinction. Wenn das Böse erwacht
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Zum Inhalt:
Der Milliardärs-Sohn Mark und seine Ehefrau Olivia werden in dem gigantischen 400 qm Ferienresort Erebus mitten in den Rocky Mountains entführt und später im Hinterland tot aufgefunden. FBI-Agentin ...

Zum Inhalt:
Der Milliardärs-Sohn Mark und seine Ehefrau Olivia werden in dem gigantischen 400 qm Ferienresort Erebus mitten in den Rocky Mountains entführt und später im Hinterland tot aufgefunden. FBI-Agentin Francis Cash und Sheriff James Colcord sollen den Mord so rasch wie möglich aufklären. Das Ferienresort, in dem dank modernster Technik Mammuts, Riesenhirsche und Riesenfaultiere in ihrem natürlichen Habitat beobachtet werden können, kann sich keine schlechte Publicity leisten. Doch für die beiden Ermittler stellt sich die Frage: Wer hat die beiden getötet? Schon bald gibt es weitere Opfer und Cash und Colcord entdecken, dass es dank der De-Extinktion das gefährlichste Tier auf sie abgesehen hat.

Meine Meinung:
Das Cover suggeriert etwas Falsches, denn es geht nicht um einen Dinosaurier. Douglas Preston besticht den Leser mit einer interessanten Landschaft, in der man prähistorische Tiere beobachten kann. Durch seinen flüssigen Schreibstil und detailreicher Beschreibung hatte ich das Gefühl, vor Ort persönlich die Tiere zu beobachten. Relativ rasch wird die Harmonie dieser fantastischen Welt jedoch gestört und man ist mitten in einer Mordermittlung. Beide Ermittler Cash und Colcord sind sympathisch, konnten mich aber nicht richtig erreichen.
Bedauerlicherweise gibt es nicht die gewünschte Unterstützung der Betreiber von Erebus. Dass die Besitzer und Wissenschaftler des Resorts etwas Entscheidendes verbergen, wird relativ rasch klar, doch dauert es einige Zeit, bis das Böse präsentiert wird und es zu blutigen Auseinandersetzungen kommt. Ich empfand es als erschreckend, wie mit Genen experimentiert wird, aus Neugier und um eine gewisse Klientel zu bedienen. Dies regt zum Nachdenken an, denn ist das, was Douglas Preston hier gekonnt in einer interessanten und zum Ende hin actionreichen Story einbindet, reine Fiktion oder doch schon nahe Zukunft? Hierzu empfehle ich, das Nachwort auf jeden Fall zu lesen.

Fazit:
Ein interessanter und zum Ende hin actionreicher Wissenschaftsthriller.

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  • Cover
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Veröffentlicht am 19.05.2024

Krimikomödie für Zwischendurch

Ein Toter lag im Treppenhaus
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Zum Inhalt:
Albrecht Niedermeyer liegt tot beim Zugang zum Keller. Kriminalkommissar Cem Aslam ist sich schnell sicher, hier handelt es sich eindeutig um einen tödlichen Unfall. Da hat er aber die Rechnung ...

Zum Inhalt:
Albrecht Niedermeyer liegt tot beim Zugang zum Keller. Kriminalkommissar Cem Aslam ist sich schnell sicher, hier handelt es sich eindeutig um einen tödlichen Unfall. Da hat er aber die Rechnung ohne die Schriftstellerin Holly McRose gemacht, die ihren Schriftstellerkollegen und Nachbarn Amadeus Wolf so lange damit in den Ohren liegt, dass es sich um Mord handeln müsse, bis er sich Baby Maxine um den Bauch schnallt und zusammen mit ihr ermittelt.
Niedermeyer war zwar nicht sehr beliebt, doch hatte er Kontakt zu skurrilen Personen, denen Holly und Amadeus unprofessionell auf den Zahn fühlen.

Meine Meinung:
Das Cover passt wunderbar zu der Geschichte, die uns Autor Andreas Neuenkirchen in seinem Cosy Crime präsentiert. Zwei Schriftsteller, die zufällig Nachbarn sind, schließen sich zusammen, um einen Mord aufzuklären. Da sie sich zunächst nicht unbedingt gegenseitig sympathisch sind und obendrein in unterschiedlichen Genre schreiben, gibt es hier schon den einen oder anderen verbalen Schlagabtausch. Zu den Protagonisten fand ich leider keinen richtigen Zugang, bedauerlicherweise kann ich aber auch nicht definieren, woran das lag. Die kuriosesten Personen begegneten mir bei den Ermittlungen und somit kam etwas Würze in die Story, die manchmal eine gewisse Leichtigkeit für eine Krimikomödie im Schreibstil vermissen lässt. Manche Dialoge waren mir zu langatmig und verwirrend, daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Dass sich die beiden Hauptcharaktere bis kurz vor dem Schluss siezen, empfand ich keinesfalls als störend, im Gegenteil, ist es doch ein Zeichen von Höflichkeit und Akzeptanz, die sich die Protagonisten gegenseitig entgegenbringen. Da Andreas Neuenkirchen offenbar plant eine Fortsetzung zu schreiben, bin ich nicht abgeneigt weiteren Ermittlungen von Holly und Amadeus zu folgen und bin auf die Weiterentwicklung neugierig.

Fazit:
Krimikomödie, der manchmal eine gewisse Leichtigkeit im Schreibstil fehlt und meine Erwartungen nicht ganz erfüllte.

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Veröffentlicht am 24.04.2024

Eine wahre Geschichte

Wir waren nur Mädchen
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Zum Inhalt:
1940 studiert die schüchterne 20-jährige Johanna Schaft Jura in Amsterdam. Während einer Feier lernt sie ihre Freundinnen Philine und Sophie kennen. Zunächst sind sie noch unbeschwert, doch ...

Zum Inhalt:
1940 studiert die schüchterne 20-jährige Johanna Schaft Jura in Amsterdam. Während einer Feier lernt sie ihre Freundinnen Philine und Sophie kennen. Zunächst sind sie noch unbeschwert, doch dies ändert sich im Mai 1940 mit der Besetzung durch die Nazis. Plötzlich dürfen Philine und Sophie nicht mehr an die Uni und ihr Alltag wird immer schwerer. Hannie, wie sich Johanna jetzt nennt, versucht so gut wie es geht ihren Freundinnen zu helfen. Dabei gerät sie eher zufällig in den Widerstand. Aus dem schüchternen Mädchen entwickelt sich eine couragierte Frau, die ihre ganze Kraft dem Widerstand widmet. Schon bald wird sie zu der meistgesuchten rothaarigen Frau Hollands.

Meine Meinung:
Das Cover zeigt eine junge Frau mit offenem Blick, der Titel verrät nicht, worum es in dem Buch geht und die Autorin ist mir unbekannt. Nun wurde meine Neugier geweckt und ich widmete mich dem Klapptext, der eine Widerstandskämpferin als Femme fatale suggeriert. Dies ist etwas verwirrend, denn das ist Hannie Schaft auf keinen Fall.
Fast schon etwas nüchtern und doch bewegend beschreibt die Autorin Buzzy Jackson in ihren Debütroman den kurzen Werdegang der jungen Hannie Schafft während des Krieges zwischen 1940 und 45. Fast zufällig gerät Hannie in den Widerstand und wächst mit ihren Aufgaben, die sie zwar bejahend und mutig annimmt, doch in ihrem Innern manchmal vor Angst davonlaufen möchte. Bewunderung empfindet sie für die jungen Schwestern Truus und die 14-jährige Freddie, die bereits im Widerstand agieren und bald schon ihre Stütze und Freundinnen werden. Tief bewegt war ich davon, wie jung diese drei Mädchen waren, und dennoch so couragiert gegen die Besatzer und dem Unrecht auf gefährliche Weise stellen und selbst zur Waffe greifen, denn das ist durchaus nicht selbstverständlich. So beschäftigte mich ständig die Frage: „Ob ich so heldenhaft wäre?“ Ich hoffe, dass sich niemand mit dieser Problematik auseinandersetzen muss; und deshalb sind solche Bücher wichtig, gerade in der heutigen Zeit.

Fazit:
„Wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten“ und deshalb kann ich diesen Roman empfehlen, der mich tief bewegt hat.

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Veröffentlicht am 24.04.2024

Julia bricht die eigenen Regeln

Just Another Missing Person – Findest du sie, wirst du alles verlieren
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Zum Inhalt:
Julia Day ermittelt in dem Vermisstenfall der 22-jährigen Olivia. Bisher war sie immer korrekt und unbestechlich. Bisher, doch nun ändert sich alles. Jemand stellt ihr ein Ultimatum und droht ...

Zum Inhalt:
Julia Day ermittelt in dem Vermisstenfall der 22-jährigen Olivia. Bisher war sie immer korrekt und unbestechlich. Bisher, doch nun ändert sich alles. Jemand stellt ihr ein Ultimatum und droht mit seinem Wissen, was sie und ihre Tochter vor einem Jahr getan haben. Wird Julia deshalb einen Unschuldigen des Mordes an der vermissten Olivia überführen? Für Julia beginnt ein Alptraum, doch sie ist nicht bereit, so leicht aufzugeben.

Meine Meinung:
Der Klapptext lässt einen spannenden Thriller erhoffen und das Cover, mit seinen kräftigen Farben eines Sonnenuntergangs und einer einsamen Person am Strand – hat das gewisse Etwas.
Erzählt wird aus der Sichtweise von DCI Julia Day, Lewis, dem Vater der Vermissten und der Mutter des Verdächtigen. Die Kapitel sind mit den Namen der jeweiligen Protagonisten überschrieben, so erhält man Einblick in die Gedanken und Handeln der jeweiligen Figuren. Den Schreibstil empfand ich jetzt eher nüchtern, deshalb konnte ich zu keinem Protagonisten eine Beziehung aufbauen. Julias innere Zerrissenheit konnte ich jedenfalls nicht spüren. Lewis‘ Gedankenspiel verwirrte mich teilweise und forderte ein konzentriertes Lesen. Es gibt viele Fäden, die sich erst nach und nach zusammenfügen und Raum für Cliffhänger geboten hätten. Meinen Lesefluss störten leider Sätze, die die letzten Worte dreimal wiederholten; ob gewollt oder versehentlich, kann ich nicht beurteilen.
Bald konnte ich erahnen, was es mit Olivias Verschwinden und Lewis auf sich hat, und ich war neugierig auf die Auflösung. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse und lassen kurz Spannung aufkommen, die ich bedauerlicherweise die meiste Zeit vermisst habe. Letztendlich habe ich von einem Thriller mehr Spannung erwartet.

Fazit:
Enttäuschenderweise entwickelte sich der angeblich raffinierteste Thriller des Jahres recht spannungslos.

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