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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2024

Rasant

Die Kugeln des Bösen
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Zum Inhalt:
Auf den Präsidenten wird geschossen und Alex Li war in der Nähe. Um seine Unschuld zu beweisen, versucht er, den wahren Verantwortlichen zu finden und verstrickt sich und seinen Mentor Wu ...

Zum Inhalt:
Auf den Präsidenten wird geschossen und Alex Li war in der Nähe. Um seine Unschuld zu beweisen, versucht er, den wahren Verantwortlichen zu finden und verstrickt sich und seinen Mentor Wu in ein Netz von politischen Gefälligkeiten und Abhängigkeiten. Ein Netz, aus dem man kaum entfliehen kann.

Mein Eindruck:
Auch wenn man sich mit den fremdartigen Namen schwer tut (und diese für mitteleuropäische Öhrchen alle ähnlich klingen), wird man irgendwann doch von Tempo und Sprachwitz mitgerissen. Die Perspektivwechsel (immer nah beim jeweiligen Mann - fast alle Charaktere sind männlich, die Damen zum größten Teil höchst attraktives Beiwerk) sorgen für zusätzliche Rasanz. Leider versinkt der Autor des Öfteren in Erklärungen zu Waffengattungen und der dazugehörigen Munition, die bestimmt meisterhaft recherchiert sind, den nicht wirklich daran interessierten Leser bestenfalls irritieren, schlimmstenfalls nerven. Die Aufklärung des Falls und seiner Hintergründe bestärkt den Politik-Verschwörungstheoretiker, der es ja schon immer gewusst hat, - ist aber wahrscheinlich leider nah an der Realität.

Mein Fazit:
Wenn man sich in die fremde Kultur eingelesen hat, superspannend und schwarzhumorig

Noch eine Anmerkung: Dieses Buch ist Teil einer Reihe. Da sich hier viele Verweise auf das erste Buch finden, sollte man unbedingt den Vorgänger zuerst lesen oder ihn ganz ignorieren. Viele Aha-Effekte verpuffen sonst.

Veröffentlicht am 30.01.2024

Ermittlungen

Das Mörderarchiv
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Diese Rezi dreht sich um die Hörbuchfassung

Zum Inhalt:
Annie wird von ihrer Großtante Frances eingeladen. Als sie in der englischen Provinz eintrifft, ist Frances tot und Annie und ihr Großcousin werden ...

Diese Rezi dreht sich um die Hörbuchfassung

Zum Inhalt:
Annie wird von ihrer Großtante Frances eingeladen. Als sie in der englischen Provinz eintrifft, ist Frances tot und Annie und ihr Großcousin werden mit einem kuriosen Testament konfrontiert: Wer Frances Mord innerhalb einer Woche aufklärt, erhält ihren ganzen, umfangreichen Besitz, falls keiner der beiden es fristgemäß schafft, wird alles verkauft und der Erlös geht an die Krone. Da Frances einer Weissagung glaubte, die ihr ein mörderisches Ende offerierte, hat sie ein großes Archiv angelegt, welches Großnichte und Stiefneffe jetzt durchstöbern.

Mein Eindruck:
Der Krimi ist wirklich gut und mit seinen zwei Zeitebenen (die Vergangenheit erschließt sich durch Frances' Tagebuch) perfekt durchgetaktet. Doch eins ist er nicht: Lustig! Das soll jetzt gar kein Kritikpunkt sein, aber die Werbestrategie führt in die Irre. Die Personen sind lebensecht und nicht "skurril", die Geschichte spannend und nicht "humorvoll". Ganz im Gegenteil muten einige Handlungsstränge und Figuren eher tragisch und traurig denn komisch an.
Perrin beschreibt Umgebung und Figuren perfekt, wunderbar unterstützt durch die Qualität der Sprecherin Anne Düe. Diese beherrscht es perfekt, den Personen stimmlich Unterschiede zu verleihen, so dass man die schnippische Ava genauso vor dem geistigen Auge sieht wie den genervten Anwalt Wally oder den blasierten Immobilienmakler Oliver. Die Anzahl der Charaktere reicht aus, um bei der Mördersuche genügend zu verwirren, sie ist aber gleichzeitig überschaubar genug, dass die Figuren unterscheidbar bleiben.
Der Showdown hat es in sich, alles wird zufriedenstellend geklärt. Einzig ein kleiner Ausblick zu den Figuren abseits von Annie fehlt leider. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau.

Mein Eindruck:
Kriminell gut

Veröffentlicht am 29.01.2024

Erinnerungen

Das kleine Haus am Sonnenhang
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Zum Inhalt:
Alex Capus denkt an eine Zeit in zurück, als er - noch nicht verheiratet und vor seinem ersten Buch - ein kleines Haus in den italienischen Bergen besaß.

Mein Eindruck:
Ein bisschen wehmütig ...

Zum Inhalt:
Alex Capus denkt an eine Zeit in zurück, als er - noch nicht verheiratet und vor seinem ersten Buch - ein kleines Haus in den italienischen Bergen besaß.

Mein Eindruck:
Ein bisschen wehmütig wird einem schon, wenn man Capus lauscht, - denn so fühlt es sich an. Als ob ein älterer Verwandter von seiner Jugend erzählt und man sitzt staunend daneben. Kerzen auf dem Tisch, Lagerfeuer inmitten von Zelten. Herrlich unaufgeregt und nahbar sieht man seine Weggefährten praktisch vor dem geistigen Auge. Falls es also keinen echten Erinnerungen sein sollten, hat Capus den Ton solcher Erzählungen perfekt getroffen. Zwar gibt es keine Höhepunkte, aber das Leben ist einfach ein langer, stetiger Fluss und manchmal benötigt man genau so eine Geschichte. Ohne große Tiefen ohne spektakuläre Höhen, aber echt und ein bisschen lustig, ein bisschen traurig.

Mein Fazit:
Schön und leider zu schnell vorbei

Veröffentlicht am 26.01.2024

Willkommen in der Geisterwelt

Der Totengräber und der Mord in der Krypta (Die Totengräber-Serie 3)
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Zum Inhalt:
Der beste Freund von Leos Chef wird tot aufgefunden. Auf dem entwickelten Foto seiner Leiche findet sich ein geisterhafter Schatten. Kurioserweise war der Tote ein entschiedener Gegner des ...

Zum Inhalt:
Der beste Freund von Leos Chef wird tot aufgefunden. Auf dem entwickelten Foto seiner Leiche findet sich ein geisterhafter Schatten. Kurioserweise war der Tote ein entschiedener Gegner des momentan populären Spiritismus. Gleichzeitig muss sich Leos Kollege mit einem verschwundenen Kind aus der besseren Gesellschaft auseinandersetzen. Wie gut, dass der Totengräber Augustin Rothmayer so seine Ideen und Verbindungen hat.

Mein Inhalt:
Mit diesem dritten Teil ist dem Autor Oliver Pötzsch die bislang spaßigste Geschichte um den Totengräber gelungen. Denn obwohl einige soziale Missstände durchaus ernst thematisiert werden, bringen auf der einen Seite die skurrilen Figuren und auf der anderen die unorthodoxen Methoden die Leser zum Schmunzeln. Die Nöte im Umgang mit kapriziösen Müttern auf Einkaufsbummel, reichen Frauen mit Spiritismus-Fimmel oder nervige Schreiberlinge der Presse oder Kriminalliteratur - Leo von Hertzfeldt bleibt nichts erspart. Als Gegenpart dazu fungiert ein ernster Kern mit abgeschobenen Kindern, Judenfeindlichkeit und medizinischen Abartigkeiten, der einen erschauern lässt. Zusätzlich spannend bleibt die Entwicklung im Leben abseits des Büros, - hier hat sich Pötzsch mit seinem Schluss noch einiges an Pulver für folgende Bücher und Konstellationen der Zusammenarbeit gesichert.

Mein Fazit:
Möge der Totengräber noch viele Gräber schaufeln

Veröffentlicht am 21.01.2024

Ein Meisterstück

A Haunting in Venice - Die Halloween-Party
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Zum Inhalt:
Ein Mädchen behauptet auf einer Party, dass sie vor einiger Zeit einen Mord gesehen hat. Keiner scheint ihr zu glauben (Joyce ist als Lügnerin bekannt), doch kurz danach ist sie tot und Ariadne ...

Zum Inhalt:
Ein Mädchen behauptet auf einer Party, dass sie vor einiger Zeit einen Mord gesehen hat. Keiner scheint ihr zu glauben (Joyce ist als Lügnerin bekannt), doch kurz danach ist sie tot und Ariadne Oliver, die durch die Geschichte um den Todesfall beeindruckt werden sollte, engagiert Hercule Poirot, den Mord zu klären. Oder sind es zwei Morde?

Mein Eindruck:
Diese Geschichte ist eindeutig eine von den besten, die Agatha Christie ihrem belgischen Privatdetektiv zum Enträtseln aufgegeben hat. Denn nicht nur gilt es, die Vergangenheit im Blick zu behalten, um die Zukunft zu einer besseren zu machen, nein, Agatha gibt ihren Lesern genügend Wissen an die Hand, um den Fall selbst lösen zu können. Wie dabei die Rädchen ineinander greifen und Hercule gemeinsam mit den Lesern Richtung Ziellinie schreitet, ist wie immer ein Genuss, der von Thomas Loibls Stimme gebührend unterstützt wird. Das Nachwort des Drehbuchschreibers hätte es nicht unbedingt gebraucht, da dieser nur die Verhunzung der Vorlage für den Film erklärt: Klassischer Fall von um Entschuldigung bitten, ohne sich zu entschuldigen. Doch da dieses der Güte des Buches keinen Abbruch tut, bleibt es bei der vollen Bewertung.

Mein Fazit:
Eine gute Geschichte entstellt nichts, - auch kein schlechter Film