80er Jahre Feeling
Tainted LoveDer Kriminalroman „Tainted Love“ von Vincent Tal ist weit mehr als eine klassische Whodunit-Geschichte – er ist vor allem eine atmosphärisch dichte Zeitreise in den Sommer 1986.
Im Mittelpunkt steht Martin ...
Der Kriminalroman „Tainted Love“ von Vincent Tal ist weit mehr als eine klassische Whodunit-Geschichte – er ist vor allem eine atmosphärisch dichte Zeitreise in den Sommer 1986.
Im Mittelpunkt steht Martin Ritter, ein eher unscheinbarer Bibliothekar, der im nordhessischen Zonenrandgebiet lebt. Seine Beziehung zu der Journalistin Christine Lehmann verleiht der Handlung eine persönliche, fast intime Ebene. Ihre Verbindung beginnt in einer Nacht des Schreckens – dem Verschwinden eines kleinen Mädchens – und entwickelt sich über Jahre hinweg weiter. Diese gemeinsame Vergangenheit schwebt wie ein Schatten über den Ereignissen des heißen Sommers, in dem plötzlich ein lange versunkener BMW aus einem See auftaucht.
Die große Stärke des Romans liegt in seiner Atmosphäre. Die 1980er-Jahre werden nicht nur beschrieben, sondern regelrecht spürbar gemacht. Ob Walkman auf den Ohren, das Klicken eines Videorekorders oder das Warten auf entwickelte Fotofilme – all diese Details erzeugen ein lebendiges, authentisches Zeitgefühl. Vor allem die Musik spielt eine zentrale Rolle: Songs begleiten die Figuren, spiegeln ihre Emotionen wider und verankern die Handlung fest in dieser Ära.
Diese nostalgischen Elemente sind jedoch kein Selbstzweck. Sie verstärken die Grundstimmung des Romans: eine Mischung aus Hitze, Trägheit und unterschwelliger Bedrohung. Der Sommer wirkt fast wie eine eigene Figur – drückend, verlangsamend, aber zugleich enthüllend, denn er bringt buchstäblich Verdrängtes an die Oberfläche.
„Tainted Love“ ist damit ein Krimi, der weniger auf schnelle Action setzt, sondern auf Atmosphäre, Charakterentwicklung und das langsame Freilegen von Geheimnissen. Wer Freude daran hat, sich in eine vergangene Zeit zurückversetzen zu lassen, wird hier voll auf seine Kosten kommen.