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Veröffentlicht am 22.01.2023

Eine inszenierter Mord schockt die Ermittler - doch die Dorfbevölkerung schweigt

In tiefen Seen
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Commissario Grauner und sein Team werden zu einem grauenhaften Tatort gerufen - auf einer Wiese am Rande eines Dorfes im Passeiertal liegt eine furchtbar zugerichtete Leiche - als Bestandteil inmitten ...

Commissario Grauner und sein Team werden zu einem grauenhaften Tatort gerufen - auf einer Wiese am Rande eines Dorfes im Passeiertal liegt eine furchtbar zugerichtete Leiche - als Bestandteil inmitten einer grotesken Inszenierung. Der Tote ist ein verarmter Künstler aus dem Dorf, den jedoch niemand näher gekannt haben will und von dessen grausamem Todeskampf in der Mordnacht angeblich niemand etwas mitbekommen hat - sehr unwahrscheinlich aufgrund der Schwere der erlittenen Verletzungen.

Warum schweigen die Menschen im Dorf? Grauner, Saltapepe und Tappeiner beginnen zu ermitteln. Sie stoßen auf Zusammenhänge, die weit in dunkle Zeiten der Vergangenheit zurückreichen, es ergeben sich viele Ermittlungsrichtungen. Eine Spur führt nach Florenz in die Welt der großen und teuren Kunst. Auch die industrielle Vergangenheit des Dorfes, die geologischen Gegebenheiten, die Machtverhältnisse im Dorf könnten eine Rolle spielen. Commissario Grauner, seine Assistentin Sylvia Tappeiner, Ispettore Saltapepe und diesmal sogar der sonst nicht gerade für Übereifer bekannte Staatsanwalt Belli gehen den verschiedenen Spuren nach. Welche der verschiedenen Ansätze entpuppen sich als Sackgassen oder hängt am Ende doch alles irgendwie mit allem zusammen?

Der achte Fall des Südtiroler Ermittler-Teams um Commissario Grauner und seinen neapolitanischen Kollegen Ispettore Saltapepe kommt mit einer gehörigen Portion Humor um die Ecke, ohne dabei allerdings die Ernsthaftigkeit der Ermittlungsarbeit und das Grauen des Verbrechens zu vernachlässigen. Trotzdem tut der lockere Erzählstil diesem Buch sehr gut, denn nach dem aufgrund schlimmer Schicksalsschläge innerhalb des Teams eher melancholisch geprägten Vorgängerband, merkt der Leser schnell, dass die Ermittler zu alter Lockerheit zurückgefunden haben. Lenz Koppelstätter spannt diesmal auch geografisch und historisch einen weiten Spannungsbogen, der die Geschichte bis zum Ende problemlos trägt und für einige Überraschungen sorgt. Die Serie verliert auch im achten Teil nichts an ihrer Attraktivität und Spannung - ein weiterer sehr lesenswerter Grauner-Krimi.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Eine herrliche Reminiszenz an die eigene Fußballjugend

Spiel ab!
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"Spiel ab!" ist eine wunderbar zu lesende Geschichte über drei Männer in den besten Jahren, die in Bochum als Trainerteam bei der C-Jugend-Fußballmannschaft des örtlichen Kreisligavereins einsteigen und ...

"Spiel ab!" ist eine wunderbar zu lesende Geschichte über drei Männer in den besten Jahren, die in Bochum als Trainerteam bei der C-Jugend-Fußballmannschaft des örtlichen Kreisligavereins einsteigen und dort sehr viel für und über das Leben lernen - auch und vor allem, dass es gar nicht so leicht ist, eine Gruppe pubertierender Jugendlicher in Zaum zu halten.
Förster ist Anfang Fünfzig und kann mit Fußball so gar nichts anfangen. Er jongliert eher mit Worten, weniger mit Bällen. Als sein Freund Fränge die C-Jugendmannschaft des örtliche Fußballvereins übernimmt und Förster als Co-Trainer verpflichten möchte, ist er mehr als skeptisch. Aber er läßt sich überreden und erlebt zusammen mit dem nicht gerade als zuverlässig bekannten Fränge und dem befreundeten Lehrer Brocki eine sehr intensive Zeit.
Ich weiß nicht, ob Autor Frank Goosen am Ball besondere Fähigkeiten besitzt, aber am Wort ist er ein Virtuose. Für jeden, der in seiner Jugend Fußball bei einem kleinen Verein ohne große Ambitionen, sondern in erster Linie zum Spaß gespielt hat, und für Menschen, die sich mal als Trainer in einer Jugendmannschaft versucht haben, bildet "Spiel ab!" eine herrlche Reminiszenz an die eigene Vergangenheit. Viele Anekdoten, die Goosen hier erzählt - und die zum Großteil der eigenen Trainerkarriere im Jugendbereich seines Heimatklubs entspringen - kennt der Leser aus seiner eigenen, ganz persönlichen Fußball-Geschichte.
"Spiel ab!" macht Spaß, ist brilliant geschrieben, bildet die Situation in unterklassigen Fußball-Vereinen wunderbar ab und spart nicht mit versteckter Kritik am heutigen Fußball-Business. Ein großer Lesespaß rund um die ehemals schönste Nebensache der Welt...

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Veröffentlicht am 15.01.2023

Liv Lammers ermittelt in einem äußerst verzwickten Fall

Brennende Gischt
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Sturmnacht auf Sylt - eine alte Kate brennt lichterloh. Die Feuerwehr ist schnell vor Ort, retten kann sie nicht mehr viel. Schon gar nicht das Leben eines Mannes, denn im Keller der ausgebrannten Kate ...

Sturmnacht auf Sylt - eine alte Kate brennt lichterloh. Die Feuerwehr ist schnell vor Ort, retten kann sie nicht mehr viel. Schon gar nicht das Leben eines Mannes, denn im Keller der ausgebrannten Kate findet sich die Leiche eines Inselbewohners, der mit dem kürzlich verstorbenen Besitzer der Kate gut bekannt war. Schnell ist klar - der Mann wurde ermordet.

Liv Lammers und ihre Kollegen von der Mordkommission Flensburg machen sich auf den Weg nach Sylt. Erst scheint der Mord sinnlos, aber dann kommen immer mehr Details an Licht und immer mehr Inselbewohner aus den verschiedensten Kreisen geraten aus unterschiedlichen Gründen in den Fokus der Ermittlungen. Nun heißt es sortieren, Verbindungen checken, Ruhe bewahren. Aber das ist gar nicht so einfach, denn schon bald geschieht ein weiteres Verbrechen. Zu allem Überfluß erhält Liv Lammers familiären Besuch, den sie gar nicht gebrauchen kann, und gerät selbst mehrfach in Gefahr. Und dann ist da ja noch der Maulwurf in den eigenen Reihen der Polizei, der schon beim vorhergehenden Fall oft manipulativ ins Geschehen eingegriffen hat.

"Brennende Gischt" ist die spannende Fortsetzung der Nordsee-Krimireihe von Autorin Sabine Weiß um die junge Kriminalkommissarin Liv Lammers, die zwar manchmal ungewöhnliche Wege geht, aber meistens erfolgreich ist. Sabine Weiß baut frühzeitig einen weiten Spannungsbogen auf, der zwar mehrfach umgelenkt wird und trotzdem letztlich zielsicher in Richtung schlüssige Aufklärung der Fälle steuert. Sehr spannend, toll geschrieben, angenehm zu lesen - ein rundum gelungener Krimi, der Lust auf mehr Fälle mit der sympathischen Flensburger Kommissarin Liv Lammers macht.

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Veröffentlicht am 15.01.2023

Mord auf Sylt - ein Spitzenkrimi mit sehr viel Lokalkolorit

Schwarze Brandung
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Liv Lammers stammt von Sylt und liebt ihre Heimat eigentlich aus tiefstem Herzen. In jungen Jahren musste sie jedoch aus privaten Gründen die Insel verlassen und sich auf dem Festland eine eigene Existenz ...

Liv Lammers stammt von Sylt und liebt ihre Heimat eigentlich aus tiefstem Herzen. In jungen Jahren musste sie jedoch aus privaten Gründen die Insel verlassen und sich auf dem Festland eine eigene Existenz aufbauen. Mittlerweile ist die 29jährige Kriminalkommissarin bei der Mordkommission in Flensburg und steht mit einer pubertierenden Tochter und einer herzensguten Großmutter als Zufluchtsmenschen mitten im Leben.

Als auf Sylt eine Frauenleiche am Strand gefunden wird, muss Liv wider Willen in ihrer Funktion als Kommissarin zurück auf die Heimatinsel, die sie lange Zeit gemieden hat. Hin- und hergerissen zwischen persönlichen Empfindungen, Ermittlungseifer und Jahre zurückliegenden Ereignissen, die Livs Leben nachhaltig geprägt haben, versucht die Ermittlerin auch mit den Animositäten ihres älteren Kollegen fertigzuwerden, der sie für viel zu jung und unerfahren für die Mordkommission hält.

Aber Liv ist entschlossen sich durchzukämpfen. Welche Rolle spielt in diesem Fall ein In-Gastronom der Insel, welche Rolle ein Reinigungsservice, welche Rolle ihr Neffe, der die Tote offensichtlich kannte, welche Rolle ihre Familie um den herrischen Patriarchen Ocke Lammers und welche Rolle ihr ehemaliger Surflehrer? Fragen über Fragen, so viele mögliche Zusammenhänge.

Liv Lammers erster Fall auf Sylt stellt sich schnell als ziemlich vertrackt heraus. Autorin Sabine Weiß versteht es geschickt, falsche Fährten zu legen, wichtige Zusammenhänge herstellen und wieder abzubauen, Spannung aufzubauen und die Ermittlungen immer weiter in Richtung Aufklärung zu treiben, ohne dass es langweilig oder offensichtlich wird. Die wirklichen Zusammenhänge der Tat werden erst am Ende schlüssig aufgelöst. Viele Fragen und Handlungsstränge bleiben jedoch auch noch offen, so dass Sabine Weiß sehr viel Stoff für weitere spannende Nordsee-Krimis mit Liv Lammers auf Sylt bleibt.

Sehr lesenswert, äußerst spannend - eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.01.2023

Ein kolossaler Meisterroman - herausragend recherchiert

Blüte der Zeit
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Die Autorin Sabine Weiß schafft es auch im dritten Band ihrer Trilogie historischer Romane zum Themenkomplex "Geschichte/Goldenes Zeitalter der Niederlande" mühelos, ihre Leser mit Hilfe einer in historisch ...

Die Autorin Sabine Weiß schafft es auch im dritten Band ihrer Trilogie historischer Romane zum Themenkomplex "Geschichte/Goldenes Zeitalter der Niederlande" mühelos, ihre Leser mit Hilfe einer in historisch belegte Fakten und wahren Begebenheiten eingebetteten fiktiven Geschichte innerhalb kürzester Zeit in ihren Bann zu ziehen. Ihr gelingt es eindrucksvoll, einen der breiten Masse der Leser weitgehend unbekannten Teil der europäischen Geschichte auf interessante Weise lebendig werden zu lassen.
Bereits nach wenigen Seiten bemerkt der Leser die Hingabe mit der Sabine Weiß ihre Geschichte aufbaut, die Akkribie, mit der die Autorin historische Fakten recherchiert und in ihren Roman einbaut um ein weitgehend korrektes und detailgetreues Abbild der Zeit zu schaffen, in der die Handlung stattfindet.
Diese in jeder Zeile spürbare Leidenschaft, gepaart mit dem Einfallsreichtum in Bezug auf die Themenauswahl der Hauptgeschichte - nach Architektur und Baumeisterkunst in den Vorgängerbänden, diesmal die Kunst des Gartenbaus - und der trotzdem federleicht anmutenden Leichtigkeit des Erzählstils, zaubern dem Leser bereits nach wenigen Seiten ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen, das bis zum Ende des Buches nicht mehr weichen will.

Mit "Blüte der Zeit" ist Sabine Weiß ein weiteres Mal ein kolossaler historischer Roman gelungen, der Maßstäbe setzt und der den Leser mit der erlebten Geschichte vollauf zufrieden zurückläßt.

Monumental, fesselnd, berührend - einfach rundherum gelungen und stimmig!

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