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Veröffentlicht am 13.09.2022

Kurzweiliger Krimi mit viel ostfriesischem Lokalkolorit

Surfermord in Neuharlingersiel. Ostfrieslandkrimi
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Mit "Surfermord in Neuharlingersiel" setzt der Autor Rolf Uliczka seine Erfolgsreihe um die Wittmunder Kriminalkommissare Bert Linnig und Nina Jürgens fort.

Diesmal geht es mitten in der Urlaubszeit ...

Mit "Surfermord in Neuharlingersiel" setzt der Autor Rolf Uliczka seine Erfolgsreihe um die Wittmunder Kriminalkommissare Bert Linnig und Nina Jürgens fort.

Diesmal geht es mitten in der Urlaubszeit nach Neuharlingersiel, wo in einem Camper offensichtlich ein Mord geschehen ist. Der Baugutachter Theo Thönes hat sich nicht zuletzt durch seine berufliche Tätigkeit einige Feinde gemacht, so dass die Suche nach dem Mörder sehr breit angelegt ist und umfangreiche Ermittlungen erfordert. Im Laufe der Geschichte kommen viele Details und unschöne Verwicklungen ans Licht, wobei oft nicht ganz klar ist, ob die Einzelheiten Einfluss auf diesen Fall haben oder unabhängig vom Mord in Neuharlingersiel von Bedeutung sind. Für den Leser entwickelt Rolf Uliczka zunächst ein undurchsichtiges Geflecht an Verdächtigen, Intrigen und möglichen Motiven, ehe er nach und nach der Auflösung entgegensteuert - nicht ohne den Leser noch auf so manche falsche Fährte zu locken.


Insgesamt wieder ein sehr gelungener, flüssig zu lesender Ostfriesland-Krimi, der jedoch aufgrund mehrfacher ausführlicher Beschreibungen desselben Sachverhalts aus verschiedenen Blickwinkeln einige Längen aufweist. Dennoch sehr lesenswert - Rolf Uliczka steht für gute, leichte Krimi-Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 13.09.2022

Es sieht nicht gut aus für das größte Land-Ökosystem der Welt

Amazonas
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Martin Specht ist ein Experte für das Amazonasgebiet. Er beschreibt in seinem Buch "Amazonas. Gefahr für die grüne Lunge der Welt" die vielfältigen Herausforderungen Gefahren, die dieses weltweit größte ...

Martin Specht ist ein Experte für das Amazonasgebiet. Er beschreibt in seinem Buch "Amazonas. Gefahr für die grüne Lunge der Welt" die vielfältigen Herausforderungen Gefahren, die dieses weltweit größte Land-Ökosystem des Planeten aktuell ausgesetzt ist.

Er beschränkt sich dabei nicht allein auf die vielzitierte und von vielen in ihrer Interpration oft missbrauchte Bedeutung des Gebietes für das Klima der Welt, sondern erzählt vor allem anschaulich von der existenziellen Grundlage eines intakten Amazonasgebietes für die dort lebenden indigenen Bevölkerungsgruppen.

Specht beschreibt eindrucksvoll, wie die Indigenen als einzige in der Lage sind, mit dem und im Regenwald zu leben, ohne ihn zu zerstören oder unverhältnissmäßig auszubeuten. Er spart nicht an berechtigter Kritik an den Regierungen der Anreinerstaaten, den profitsüchtigen Unternehmen und den ebenso korrupten, wie brutalen kriminellen Kartellen, die in der Gegend tätig sind, aber er zeigt auch auf, dass die Europäer und US-Amerikaner in Zeiten der Kolonialisierung und Industralisierung ihren erheblichen Beitrag zur Ausbeutung dieses Lebensraumes geleistet haben.

Außerdem deutet Specht sein objektiv nachvollziehbares Verständnis für die ausbeuterischen Handlungsweisen der Regierungen an, und bietet jede Menge Lösungs- und Alternativmöglichkeiten an, die dafür sorgen könnten, dass diesem zerstörerische Verhalten der Verantwortlichen Einhalt geboten werden könnte.

Ein aufrüttelndes Buch, das Probleme anschaulich aufzeigt, Lösungsmöglichkeiten bietet und zu Diskussionen und realen Handlungen auffordert - ehe es zu spät ist...

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Veröffentlicht am 12.09.2022

Persönlich und fernab des Mainstream - auch das ist Amerika

Die Vereinigten Zutaten von Amerika
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Anna Engelke und Jörg Thadeusz stellen in ihrem Buch "Die Vereinigten Zutaten von Amerika" ein sehr persönliches Amerika vor - fernab des Mainstream, sympathisch und mit ebenso selbstbewußten, wie starken ...

Anna Engelke und Jörg Thadeusz stellen in ihrem Buch "Die Vereinigten Zutaten von Amerika" ein sehr persönliches Amerika vor - fernab des Mainstream, sympathisch und mit ebenso selbstbewußten, wie starken Charakteren.

Die pointierten Portraits von 16 Menschen, die alle auf eigene Art einzigartig sind und jeweils mindestens eine erstrebenswerte Charaktereigenschaft symbolisieren, zeigen eindrucksvoll, wie auch (oder gerade) in Amerika Menschen im Kleinen wirken und dabei viel bewirken können.

Das Buch erschien bereits 2012 und gibt auch zehn Jahre später noch Hoffnung, dass im Amerika nach dem präsidialen Trump-Supergau, der beim Erscheinen des Buches wohl noch nicht absehbar war, und auch nach Corona - bei aller Zerissenheit des Landes - weiterhin engagierte, weltoffene und einfach gute Menschen existieren.

Als kleines Schmankerl gibt es für den Leser zum Ende jeden Portraits ein Rezept aus dem persönlichen Repertoire des jeweiligen Protagonisten. Mal einfach, mal Haute Cuisine - halt genauso abwechslungsreich, wie der "melting pot" USA und die hier vorgestellten Charaktere.

Sehr lesenswert und inspirierend

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Veröffentlicht am 11.09.2022

Eindrucksvoller zweiter Band der Norderney-Saga um die starken Frauen des Inselsalons

Sturm über dem Inselsalon
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In ihrem zweiten Roman der auf vier Bände ausgelegten historischen "Inselsalon"-Reihe rund um die starken Frauen des "ersten Friseursalons am Platze" auf Norderney, nimmt die Autorin Sylvia Lott ihre Leserinnen ...

In ihrem zweiten Roman der auf vier Bände ausgelegten historischen "Inselsalon"-Reihe rund um die starken Frauen des "ersten Friseursalons am Platze" auf Norderney, nimmt die Autorin Sylvia Lott ihre Leserinnen und Leser mit in die schweren, entbehrungsreichen und mit Schicksalsschlägen gespickten Jahre des ersten Weltkriegs und in die darauffolgende, nicht minder problembehaftete Nachkriegszeit.

Während ihre Männer im Krieg Dienst für das Deutsche Kaiserreich leisten, haben Seniorchefin Jakomina Fisser und die eingeheiratete Juniorchefin Frieda Fisser, unterstützt von Friedas' Freundin Grete, sowie den Familienmitgliedern, Nachbarn und treuen Angestellten alle Hände voll zu tun, den Salon und ihre persönlichen Leben möglichst unbeschadet durch die schweren Zeiten zu manövrieren. Das gelingt nur teilweise, in vielen Aspekten jedoch auch nicht, denn der Krieg fordert letztlich auch von den Frauen des Inselsalons einen hohen Tribut - von jeder Einzelnen.

Aber vor allem Frieda läßt sich nicht unterkriegen - sie geht voran, übernimmt Verantwortung und "funktioniert", auch wenn die Kräfte oft am Ende sind. Aber reicht das - gerade in der Zeit nach dem Ende des Krieges mit Depression, Rezession, Geldentwertung, Lebensmittel- und Versorgungsknappheit mit Grundgütern - um den Salon am Leben zu halten ohne sich selber zu verlieren?

Sylvia Lott ist mit "Sturm über dem Inselsalon" ein eindrucksvolles Buch gelungen, das mit sehr vielen, akribisch recherchierten, historischen Fakten über das Norderney der 1910er Jahre aufwarten kann. Viele Schauplätze der Handlung kann der geneigte Leser bei einem Besuch auf der Insel auch heute noch problemlos wiederfinden. Auf der Grundlage der historisch belegten Ereignisse und tatsächlichen Orte baut die Autorin eine toll zu lesende, realistsich wirkende Handlung auf, die zwar Fiktion ist, aber ohne Weiteres auch so passiert sein könnte.

Ein eindrucksvoller zweiter Band einer uneingeschränkt zu empfehlenden Reihe, der Lust auf die beiden noch folgenden Fortsetzungen macht.

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Veröffentlicht am 10.09.2022

Lisa Eckhart ist eine sprachliche Urgewalt

Boum
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Der Roman "Boum" von Lisa Eckhart läßt sich in keine Schublade stecken. Er ist von allem ein bisschen: Liebesgeschichte, gesellschaftskritisches Essay, Krimi, Märchen, erotische Erzählung, Horrorgeschichte...

Auch ...

Der Roman "Boum" von Lisa Eckhart läßt sich in keine Schublade stecken. Er ist von allem ein bisschen: Liebesgeschichte, gesellschaftskritisches Essay, Krimi, Märchen, erotische Erzählung, Horrorgeschichte...

Auch wenn das Buch "Boum" heißt und damit nach dem im Buch vorkommenden, selbstherrlichen und irgendwie durchgeknallten französischen Terrorexperten Monsieur Boum benannt ist, so ist er jedoch nicht die Hauptperson dieses Werkes. Das ist vielmehr Aloisia, eine junge Österreicherin, die scheinbar der Liebe wegen nach Paris kommt und dort in völlig abstruse Verwicklungen gerät.

Während der Massenmörder "Le Maestro Massacreur" unter den Straßenmusikern der Stadt der Liebe wütet und Monsieur Boum, sowie ein eher melancholischer Kommissar sich mehr oder weniger motiviert auf der Jagd nach ihm befinden, gerät Aloisia an Clopin, den König der Bettler und wird von ihm in unglaubliche Welten eingeführt.

Ebensowenig wie sich dieses Buch einem Genre zuordnen läßt, ist es nicht möglich einen eindeutigen roten Faden in der Story zu lokalisieren. Vielmehr spricht Lisa Eckhart immer wieder unterschiedliche Handlungsstränge an, die mehr oder weniger - oder auch mal gar nicht - in Zusammenhang stehen.

Dieses literarische Geflecht macht es dem Leser sehr schwer zu folgen, aber dem Hörer des von der Autorin selbst gelesenen Hörbuchs offenbart sich ein Hörgenuss selten gekannten Ausmaßes. Lisa Eckhart ist eine sprachliche Urgewalt - spitzfindig, intelligent, wortgewaltig, provozierend, politisch unkorrekt, einfühlsam - einfach Lisa Eckhart!

Ein Hörgenuss von besonderer Qualität...

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