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Veröffentlicht am 18.10.2024

Asphaltengel

Asphaltengel
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Finnland in der Gegenwart. Eigentlich eine fast ganz „normale“ Familie: Mutter, Vater und 2 Töchter. Nur der Vater ist aus dem Maghreb eingewandert und Muslim. Die Mutter ist Finnin und zum Islam übergetreten. ...

Finnland in der Gegenwart. Eigentlich eine fast ganz „normale“ Familie: Mutter, Vater und 2 Töchter. Nur der Vater ist aus dem Maghreb eingewandert und Muslim. Die Mutter ist Finnin und zum Islam übergetreten. Mehr und mehr entwickelt sie sich zu einer fanatischen Muslima, die viel strenger als der Vater die Gebote des Koran einhält und auch überwacht. Alles wird verboten: Fernsehen, die Familienfotos aus früheren Zeiten, Bekleidung … Die Töchter leiden sehr unter den vielen Verboten und dem Streit zwischen den Eltern. Die ältere Samira zieht mit 18 aus. Die jüngere Leila erlebt das Drama zu Hause und in der Schule – zu Hause die strenge Mutter, in der Schule die Ausgrenzung, weil sie anders aussieht, andere Sachen trägt, nicht „in“ ist.
Asphaltengel werden muslimische Mädchen genannt, die an ihrer Familie oder der Umwelt zerbrechen und sich dann irgendwo herunterstürzen. Und auch Samira scheint so ein Asphaltengel zu sein, als sie am Fuße einer Treppe schwerverletzt gefunden wird …
Das Buch hat mich beeindruckt. Ich habe es fast in einem Zug durchgelesen und dann erschrocken festgestellt, wie sehr ich darüber die Zeit vergessen habe. Dabei ist der Inhalt einesteils schockierend in der Brutalität der Jugendlichen untereinander, in der Ausgrenzung, teilweise dem Hass. Auf der anderen Seite beschreibt es aber – ohne erhobenem Zeigefinger – wunderbar die Probleme, die zwischen den unterschiedlichen Kulturen entstehen, die Probleme die junge (nicht nur) muslimische Mädchen beim Aufwachsen haben. Der Spagat zwischen ihrer Religion und den Anforderungen zu Hause und der modernen europäischen Welt mit der Offenheit und den anderen Sitten in der Gesellschaft, bei Freunden, in der Schule. Es wirbt für viel mehr Toleranz und Verständnis und sollte von vielen – auch jungen Leuten – gelesen werden.
Gestört hat mich nur, dass viele Ansprachen in Finnisch oder Arabisch waren und man umständlich im Glossar nachsehen musste. Dabei waren sehr viele dann Flüche oder Fäkalsprache, so habe ich das Nachschauen oft gelassen.
Davon abgesehen war es aber ein wirklich sehr gutes Buch.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Sturmtöchter

Sturmtöchter
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Australien 1945 in einen kleinen Ort lebt die Familie Partridge. Rupert Partridge ist Maler, der nach dem Krieg allerdings so einige Probleme hat. Bei einer Ausstellung lernt er Ginger kennen. Sie ist ...

Australien 1945 in einen kleinen Ort lebt die Familie Partridge. Rupert Partridge ist Maler, der nach dem Krieg allerdings so einige Probleme hat. Bei einer Ausstellung lernt er Ginger kennen. Sie ist 16 und kommt aus einer schwierigen Familie. Die Mutter bekommt ein Kind nach dem anderen, der Vater ist entweder nicht da oder schlägt sie. Ginger bekommt von Rupert das Angebot, für ihn als Modell zu arbeiten. Sie geht darauf ein, um ihre Mutter mit dem Geld zu unterstützen. Bei Fam. Rupert wird sie erst gar nicht nett aufgenommen. Die beiden anderen Modells (alle drei werden „Flowers“) genannt sind etwas abweisend, die Frau des Malers eher neutral, die Tochter Shalimar ein völlig verwöhntes Kind. Und dann gibt es noch die eigenartige Puppenmacherin im Wald und deren Tochter. Dann wird Shalimar ermordet und Rupert für die Tat gehenkt.
Australien in der Gegenwart: Elizabeth ist Fotografin und die Enkelin von Rupert. Für einen Bildband fährt sie zum Haus ihres Großvaters und trifft dort auf Ginger. Doch die will nichts von den alten Zeiten und Rupert erzählen …

Das Buch liest sich sehr gut, es ist interessant geschrieben. Eine Familiengeschichte – etwas anders. Die Zeit um 1945, wo ein Künstler noch verrufen war, besonders wenn er mit Aktmodellen arbeitete. Die Zeit, als diese Modell als „leichte Mädchen“ verschrien waren. Die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg. Alles wird gut beschrieben. Man kann sich richtig reinversetzen. Das Geschehen um die Familie baut sich nach und nach auf, die Spannung steigt an. Auch durch den Wechsel von 1945 zur Gegenwart. Man will unbedingt wissen, was damals passiert ist, warum Rupert seine Tochter ermordet hat. Was Ginger damit zu tun hat. Die Auflösung dann hat mich allerdings erstaunt und enttäuscht und erschien mir nicht realistisch, vor allen mit den nachfolgenden Folgen und Ereignissen. Glaubhaft ist dann wieder, wie das in die Gegenwart hineingewirkt hat.
Insgesamt ein gut lesbares Buch, das neben „nur“ Unterhaltung auch viele Einblicke in die Zeit von 1945 in Australien gibt. Wer Familiengeschichten mag, dem wird das Buch gefallen. Allerdings hat es noch Potential nach oben.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Nr. 13

Nr. 13
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Köln – Kommissar Daniel Zucker sitzt im Rollstuhl und muss sich seinen Platz im Team hart erkämpfen. Eine alte Frau – verwirrt und zum Teil dement – meldet einen Mord im Haus gegenüber. Verübt soll ihn ...

Köln – Kommissar Daniel Zucker sitzt im Rollstuhl und muss sich seinen Platz im Team hart erkämpfen. Eine alte Frau – verwirrt und zum Teil dement – meldet einen Mord im Haus gegenüber. Verübt soll ihn ein Mönch haben. Das Haus ist eine Wohngemeinschaft von Pädophilen, die dort nach der Haftentlassung ein neues Leben versuchen. Zuerst findet Daniel nichts. Doch dann geschieht ein Unfall nach dem anderen. Und in einem alten jüdischen Ritualbad wird eine Frauenleiche gefunden. Es stellt sich heraus, dass alles irgendwie zusammenhängt. Und Daniel hat noch mehr Probleme, denn seine Ehe steht mehr als nur auf der Kippe …

Ich habe das Buch fast in einem Ritt durchgelesen. Schon fast von Anfang an ist eine Grundspannung vorhanden, die sich mehr und mehr aufbaut. Die Probleme eines im Rollstuhl sitzenden Kommissars in einer funktionierenden Ermittlung werden gut dargestellt. Auch die Probleme in einer entsprechenden Ehe. Alles ist sehr realistisch und die Figuren wirken überzeugend und sympathisch. Auch die Ermittlungen und die handelnden Personen bei den (Ex)Pädophilen erschienen mir sehr realistisch und nicht einfach nur schwarz-weiß gezeichnet. Es wird um Verständnis geworben, ohne sie zu dämonisieren oder zu idealisieren. Bei alle dem kommt die oben erwähnte Spannung zum Tragen – mal will weiterlesen, wissen wie es ausgeht, warum etwas passiert und wer der/die Täter sind. Insgesamt sehr gut gelungen. Ich kenne den Vorgängerband leider (noch) nicht, werde mir ihn aber jetzt besorgen.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Tanz der Tarantel

Tanz der Tarantel
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Apulien, die südlichste Ecke von Italien, von Touristen noch nicht so entdeckt. Die Hamburgerin Elena lebt dort mit ihrem Sohn Ben bei ihrem Onkel Gigi. Bei einem örtlichen Fest zu Ehren von Santo Paolo ...

Apulien, die südlichste Ecke von Italien, von Touristen noch nicht so entdeckt. Die Hamburgerin Elena lebt dort mit ihrem Sohn Ben bei ihrem Onkel Gigi. Bei einem örtlichen Fest zu Ehren von Santo Paolo tritt eine Pizzica-Band auf. Gefeiert von den Menschen. Doch der Gründer der Band, Nicola Capone, wird danach tot von Elena in einer Kapelle gefunden. Sie selbst wird erst einmal des Mordes verdächtigt, doch Commissario Cozzoli hilft ihr. Mehr oder weniger gemeinsam versuchen sie, den Mörder zu finden …

Mir fällt die Beurteilung des Buches insofern schwer, weil es als ein Krimi angekündigt ist. Allerdings handeln die ersten 80 Seiten (also fast 1/3) ausschließlich von der Beschreibung der Landschaft und der diversen Bräuche dieser Gegend, allen voran der Kult um die Tarantel. Hier ist es der Autorin gut gelungen, die Landschaft, die Bräuche und die Menschen zu beschreiben. Man hat Bilder vor Augen und kann sich alles wunderbar vorstellen. Das Buch war gut lesbar und nicht langweilig. Was mir durchgehend an dem Krimi fehlte, war die Spannung. Es wurde so viel beschrieben und erklärt, das ich manchmal komplett aus den Augen verlor, dass es eigentlich um einen Mord und die Ermittlungen dazu geht. Jedenfalls bis weit über die Hälfte hinein. Zum Ende zu wurde die Handlung dann etwas rasanter, auch wenn für den Mörder bald zumindest eine richtige Richtung hat. Am Ende des Buches fand ich die Werbung für das Vorgängerbuch. Dieses muss man nicht gelesen haben, um den jetzigen Inhalt zu verstehen. Aber der Vorgänger war ein Roman und „Tanz der Tarantel“ war für mich über weite Strecken auch einer und kein Krimi.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Dinner for one, Murder for two

Dinner for one, Murder for two (Ein Pippa-Bolle-Krimi 2)
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Pippa Bolle ist auf dem Weg nach England. Sie soll in dem kleinen Ort in der Nähe von Stratford-upon-Avon das Haus ihrer Oma hüten und die Tiere versorgen. Doch ihre Familie hat das nur als Vorwand verwendet, ...

Pippa Bolle ist auf dem Weg nach England. Sie soll in dem kleinen Ort in der Nähe von Stratford-upon-Avon das Haus ihrer Oma hüten und die Tiere versorgen. Doch ihre Familie hat das nur als Vorwand verwendet, denn Pippa soll eine internationale Theatertruppe betreuen, die zum Shakespeare-Festival unter dem deutschen Regisseur Hasso von Kestring auftreten wird. Doch von Kestring entpuppt sich als regelrechtes Ekel und schikaniert die Schauspieler und den von Deutschland angereisten Reporter, wo er nur kann. Als dieser bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, stellt sich bald heraus, dass das Auto manipuliert wurde. Und dann stirbt von Kestring und jeder ist verdächtig, denn jeder hat etwas zu verbergen. Und so wird Pippa wieder mal unfreiwillig zur Ermittlerin …

Das 2. Buch über Pippa Bolle schließt nahtlos an den Vorgänger an. Wieder geschehen Morde und wieder sind die Ermittlungen eher am Rande wichtig. Im Vordergrund stehen neben Pippa diverse Tiere und skurrile Vorfälle. Dadurch bekommt das Buch einen eigenen Witz. Für richtig harte Krimifans eher ein Graus, ansonsten aber ein großer Spaß. Gut zu lesen und in diesem Fall mit viel Liebe zu England und Shakespeare geschrieben. Ich war schon 2 x in den Cotswolds und kenne auch Stratford. Beim Lesen des Buches hatte ich sofort die Bilder vor Augen und das Gefühl, ich begleite Pippa auf mir bekannten Wegen. Das Urlaubsgefühl war wieder da.

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