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Veröffentlicht am 18.10.2024

Besserland

Besserland
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Die Autorin Alexandra Friedmann beschreibt die Geschichte ihrer Familie, die Ende der 1980er Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion emigrieren will, und zwar nach Amerika. Aufgrund verschiedener Umstände ...

Die Autorin Alexandra Friedmann beschreibt die Geschichte ihrer Familie, die Ende der 1980er Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion emigrieren will, und zwar nach Amerika. Aufgrund verschiedener Umstände landet sie erst mal in Wien und von dort aus weiter nach Deutschland.
Das alles erzählt die Autorin in einem sehr anekdotenreichen humorigen Ton, fast so wie die Geschichte von Schwejk. Anfangs war ich gelinde gesagt – stocksauer. Die Familie lebte gut in Russland, für russische Verhältnisse sogar sehr gut. Die im Klappentext erwähnten antisemitischen Angriffe wurden mit gerade einem Satz erwähnt, der Vorfall ist eigentlich fast banal. Auch machte die Familie nicht den Eindruck, als würde sie ihre jüdische Religion leben wollen. Es wurde nicht einmal erwähnt, dass sie da etwas vermissen. Statt dessen hat der Vater zusammen mit seinen Freunden vor allem ein Bestreben: schnell, ohne viel – am besten ganz ohne – Arbeit ganz viel Geld zu bekommen. Dafür wird geschoben und bestochen und vor allem kriminell falsch abgerechnet. Als das aufzufliegen droht, beschließen Freunde, in die USA auszuwandern- und die Familie Friedmann kommt ziemlich schnell auf die Idee, dies ebenfalls zu tun. Die Vorbereitung dazu ist schlichtweg mangelhaft, wirkliche Ideen hat man keine und alles außerhalb von Russland wird sich als Paradies auf Erden ohne Arbeit – einfach als Besserland – vorgestellt. Genau solche Asylbewerber schüren aber die Wut der Deutschen, die hart arbeiten müssen, um ihre Familien ernähren zu können.
Mit dem Buch versöhnt habe ich mich dann insofern, dass mir klar wurde: die Autorin war zu dem Zeitpunkt 5 Jahre alt und sie wurde zu den Plänen nicht gefragt, sondern ihr wurde in Bezug auf Besserland einfach alles versprochen. Deshalb kann man sie nicht dafür verantwortlich machen. Sie hat das Buch irgendwie auch aus Sichtweise eines Kindes geschrieben, eher wie ein modernes Märchen oder eine Komödie. Oft ist es richtig witzig, was den Leuten da so alles passiert – eine Verfilmung bietet sich an. Auch die Sicht der Einwanderer auf Deutschland ist relativ naiv und führt zu komischen Situationen. Ihr Stil gefällt mir gut, das Buch ist schnell und flüssig lesbar.
Ich bedauere ein wenig, dass die Autorin am Ende des Buches nicht eine etwas reflektiertere Sichtweise mit ihren heutigen Erfahrungen auf die damaligen Aktionen beschrieben hat, z. B. in einem Nachwort. So behält das ganze einen „unguten“ Beigeschmack.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Schlafen könnt ihr, wenn ich groß bin

Schlafen könnt ihr, wenn ich groß bin
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Untertitel: Eltern erfolgreich erziehen
Dieser „Ratgeber“ ist aus der Sicht eines Kleinkindes geschrieben. Die Erziehung wird sozusagen auf den Kopf gestellt. Das Kind erklärt den Eltern, wie es sich seine ...

Untertitel: Eltern erfolgreich erziehen
Dieser „Ratgeber“ ist aus der Sicht eines Kleinkindes geschrieben. Die Erziehung wird sozusagen auf den Kopf gestellt. Das Kind erklärt den Eltern, wie es sich seine Erziehung vorstellt, was sie alles falsch machen oder wie sie alles besser machen können. Natürlich ist es eigentlich nicht wirklich ernst gemeint und viele der Tipps sind maßlos überspitzt. Trotzdem ist an vielen Sachen ein Körnchen Wahrheit. Beim Lesen erkennt man sich immer wieder in bestimmten Situationen und denkt doch darüber nach, ob alles so richtig ist. Letztendlich ist das meiste allerdings wirklich nur ein Witz.
Was von der Idee her sicher nett gemeint ist, hapert für meine Begriffe an der Umsetzung. Die ersten Seiten waren noch ganz witzig und auch zwischendrin habe ich mich immer mal wieder amüsiert (bei der Märchen-Übersetzung z. B.), doch schon bald wurde es irgendwie gleichförmig und damit langweilig. Die Wünsche des Kindes waren immer ähnlich, die Erklärung dazu eben auch. Mehr und mehr viel mir das Lesen immer schwerer. Anfangs dachte ich noch, das ist ein Buch, dass ich nur Leuten ohne Kinder schenken könnte. Weil Eltern vielleicht nicht wirklich darüber lachen können. Doch mehr und mehr dachte ich, nein – eher doch was für Eltern, die genau in solchen Situationen stecken und zumindest dann ab und zu mit dem Griff zum Buch Entspannung finden könnten. Doch nachdem ich beim Lesen mehrfach eingeschlafen bin, werde ich das Buch niemandem empfehlen. Mein Fazit: die Idee ist gut, die Umsetzung nicht unbedingt.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Totenleuchten

Totenleuchten
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Totenleuchten ist ein Krimi der in Finnland, genauer gesagt in Lappland am Polarkreis spielt. Mitten im Winter findet bei den Samen ein Markt statt, Huskyrennen und abends ein Fest. Während des Festes ...

Totenleuchten ist ein Krimi der in Finnland, genauer gesagt in Lappland am Polarkreis spielt. Mitten im Winter findet bei den Samen ein Markt statt, Huskyrennen und abends ein Fest. Während des Festes verschwindet ein junger Mann und wird am nächsten Tag erstochen aufgefunden, und zwar auf Art der Samen. Kommissarin Linda Lundin ist gerade vom Süden in den Norden gezogen und soll die Ermittlungen leiten. Doch sie hat einige Probleme, so dass erst einmal die einheimischen Polizisten ermitteln müssen, allen voran Margareta. Wenige Wochen vor dem Tod des Jungen war dessen bester Freund ertrunken. Hängen die beiden Tode zusammen? Die Ermittlungen sind schwierig, denn die Personaldecke ist mehr als dünn und gerade Linda fehlen auch noch viele Informationen über die Sitten und Spezialitäten der Einheimischen.

Der Krimi hat mich nicht restlos überzeugt. Gut fand ich die Karte am Anfang des Buches. Sehr gut fand ich die Beschreibungen über die Sitten der Bräuche und das heutige Leben im hohen Norden. Ich konnte mir die Probleme und vor allem die Kälte gut vorstellen. Letztere würde mich auch von einem Besuch abhalten – entgegen der Ankündigung im Klappentext.
Was die Krimihandlung angeht, so war ich eher enttäuscht. Die Autorin hält sich sehr lange an der „Vorrede“ auf, d. h., es wird sehr ausführlich auf die Samen usw. eingegangen. Ich fand das zwar interessant, aber die Spannung ging damit gegen Null. Es gab für mich einfach zu viele Nebenhandlungen und teilweise überflüssige Abweichungen. Auch die Auflösung des Mordes hat mich nicht wirklich überzeugt. Eher schon die Klärung, warum der eine Junge ertrunken ist.

Mein Fazit: ich habe viel über die Samen gelernt und das Buch war nicht langweilig, für einen Krimi gibt es aber auch noch viel Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Ein Laden, der Glück verkauft

Ein Laden, der Glück verkauft
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Theodora, genannt Teddi, wächst mit ihrem jüngeren Bruder auf einer Farm in Kentucky auf. Zu Vater und Bruder hat sie ein sehr gutes Verhältnis. Die Mutter ist sehr hart und oft distanziert. Die Oma liebt ...

Theodora, genannt Teddi, wächst mit ihrem jüngeren Bruder auf einer Farm in Kentucky auf. Zu Vater und Bruder hat sie ein sehr gutes Verhältnis. Die Mutter ist sehr hart und oft distanziert. Die Oma liebt sie über alles. Während der Bruder sich für die Natur interessiert, hat Teddi nur einen Wunsch: sie möchte alte Möbel restaurieren. Dafür hat sie auch großes Talent. As sie am Straßenrand ein kleines Möbelstück verkauft, bekommt sie eine Visitenkarte eines Charlestoner Antiquitätenhändlers. Sie will unbedingt, diesen Beruf erlernen. Doch die Mutter schenkt ihr statt dessen eine Schreibmaschine und möchte sie zwingen, eine Ausbildung als Sekretärin zu machen. Teddi packt ihre Sachen und fährt nach Charleston und arbeitet dort im Antiquitätenladen, von dem sie viele Jahre lang die Visitenkarte hatte. Als der Chef des Ladens später stirbt, eröffnet sie einen eigenen …

Beth Hoffmann ist ein wundervolles Buch gelungen. Sie zeigt, dass es sich lohnt, für seine Wünsche und Vorstellungen zu kämpfen, auch wenn es immer wieder Niederlagen gibt. Sie zeigt, wie viel Freundschaft und Familie Wert ist und wie die Freundlichkeit, die man anderen Leuten gibt, auf einen zurück kommt. Natürlich ist das ganze auch wie ein modernes Märchen. Immer, wenn es Teddi ganz schlecht geht, bekommt sie oft unerwartet Hilfe: beim Verkauf ihrer ersten Möbel, bei der Aufnahme des Kredits, beim Verkauf der Farm oder beim Verschwinden des Bruders. Aber gerade, weil sie selbst so oft unterstützt wurde, gibt Teddi das weiter: sie hilft verschiedenen Tieren, bezahlt ihrer Oma das Heim, beschenkt eine notorische Diebin. Das alles klingt so hintereinander geschrieben sehr kitschig, aber gerade das ist das Buch nicht wirklich. Natürlich gibt es einige solche Stellen, aber sie passen immer wunderbar in die Handlung. Ich habe mich am Nachmittag hingesetzt und mit dem Lesen angefangen – spät Abends war ich damit fertig – überrascht, wie die Zeit vergangen ist. Aber ich konnte nicht aufhören. Nach dem Lesen fühlte ich mich traurig, weil das Buch zu Ende war. Gleichzeitig aber sehr froh. Dieses Buch hat eines: es ist absolut warmherzig.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Eisiges Geheimnis

Eisiges Geheimnis
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Grace ist fast 18 und lebt mit ihrer Tante allein in der Nähe des Waldes ziemlich einsam. Sie beobachtet vom Fenster aus, wie am Zaun eine Frau niedergestochen wird. Als sie zu Hilfe eilt, muss sie feststellen, ...

Grace ist fast 18 und lebt mit ihrer Tante allein in der Nähe des Waldes ziemlich einsam. Sie beobachtet vom Fenster aus, wie am Zaun eine Frau niedergestochen wird. Als sie zu Hilfe eilt, muss sie feststellen, dass die Sterbende ihre seit 11 Jahren verschollene Mutter ist, die sie nicht erkannt hat. Ihre letzten Worte sind, dass sie sich um das Geld kümmern soll. Polizistin Macy ist hochschwanger, soll sich aber noch um den Fall kümmern. Denn sie war auch die Zuständige vor 11 Jahren, als die Mutter von Grace verschwand. Der Fall wurde nie geklärt.
Und auch jetzt ist es schwer. Auf Grace wird im Krankenhaus ein Anschlag verübt, trotzdem ist sie Macy gegenüber eher zurückhaltend.

Das Buch beginnt ganz super. Die ersten rund 100 Seiten habe ich in einem Ruck gelesen und war begeistert. Die Beziehungen der Menschen untereinander sind kompliziert. Jeder ist mit jeden verwandt, bekannt oder verbandelt. Alle halten etwas zurück, jeder hat sein Geheimnis. Leider war es danach eine Enttäuschung für mich. Vielleicht lag es einfach daran, dass ich nicht mehr so viel Zeit hatte und so nicht mehr so viele Seiten hintereinander lesen konnte. Mir fiel es dann immer schwerer, die Personen auseinanderzuhalten. Wer gehört zu wem, wer ist gerade der Ex-Mann, der aktuelle Mann, der Liebhaber (oder eben Ex-Frau usw.). Fast jeder hat oder hatte irgendeine Beziehung zueinander, Fremdgehen war wohl normal. Das nervte mich mit der Zeit, weil ich das Gefühl hatte, dass einige der Beziehungen nicht wirklich etwas mit dem Fall zu tun hatten. Alle Personen wurden mir mehr oder weniger unsympathisch und selbst Grace, die eigentlich das Opfer war, fand ich nicht wirklich „nett“. Je länger das Buch dauerte, desto mehr langweilte ich mich irgendwie und am Ende war es mir fast egal, wer der Täter war und warum. Ich war nur froh, dass das Buch zum Schluss kam.

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