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Veröffentlicht am 24.03.2026

Eine wahre Perle

Hana
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Alena Mornštajnovás „Hana“ werde ich so schnell nicht vergessen, wie könnte ich? Diese Geschichte hat mich gepackt und hineingesogen, wie im Rausch habe ich sie innerhalb kürzester Zeit inhaliert und doch ...

Alena Mornštajnovás „Hana“ werde ich so schnell nicht vergessen, wie könnte ich? Diese Geschichte hat mich gepackt und hineingesogen, wie im Rausch habe ich sie innerhalb kürzester Zeit inhaliert und doch manch-mal einfach nicht weiterlesen können - zu grausam ist das Geschilderte, zu sehr ist die Welt gerade wieder aus den Fugen, zu beklemmend die Realität, zu illusorisch die Vorstellung, damals könne sich heute nicht wiederholen. Die Geschichte der jungen Mira beginnt mit einem süßen Gebäck an einem Sonntagnachmittag und endet bei Hana, ihrer merkwürdigen Tante, die immer Brotkanten in der Tasche hat, wie um sich daran festzuhalten. Dazwischen liegt eine verfluchte Liebe, ein Moment bloß - eine falsche Entscheidung, die alles und jeden verändert, ein Krieg; ein verlorenes Leben.

Einen Blick aus Kinderaugen auf eine unberechenbare, grausame Welt gewährt uns die Autorin in wunderschöner, poetischer Sprache; einen noch unwissenden Blick, der sich vortastet zur eigenen Geschichte, der die Erinnerungen erst noch entdecken muss, die doch das Leben der ganzen Familie bestimmen.

Versteckt unter einem etwas seltsamen, mich nicht gerade ansprechenden Cover verbirgt sich eine wahre Perle von Buch, ein Buch, das sich spielend bei den großen Klassikern zum Thema Holocaust einreihen kann.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Leider viel zu kurz!

Unten im Tal
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Es ist das Jahr 1994. In einem winzig kleinen Tal an der Sesia treibt ein Tier sein Unwesen. Eine Spur getöteter Hunde säumt seinen Weg, die Menschen sind besorgt und spekulieren, ob Hund oder Wolf dahinter ...

Es ist das Jahr 1994. In einem winzig kleinen Tal an der Sesia treibt ein Tier sein Unwesen. Eine Spur getöteter Hunde säumt seinen Weg, die Menschen sind besorgt und spekulieren, ob Hund oder Wolf dahinter steckt, brechen auf zur Jagd auf den Mörder und Unruhestifter. Doch auch den mit dem Fall betrauten Forstpolizisten Luigi beschäftigen mehr Dinge, als seinem Seelenfrieden gut tun. Seine Frau Elisabetta erwartet ihr erstes Kind, sein etwas missratener, kleiner Bruder Fredo ist nach Jahren der Abwesenheit zurückgekehrt, um sich seinen Teil des Elternhauses zu holen, trinkt aber die Tage durch und wirbelt auch sonst einigen Staub auf. Leben und Tot, Natur, Mensch und Tier prallen hier und jetzt für einen kurzen Moment aufeinander und knüpfen ein Band, hauchen ihre gemeinsame Geschichte in die Welt.

„Unten im Tal“ von Paolo Cognetti ist ein in dichten Vignetten erzählter, multiperspektivischer Roman über Familie und Loyalität, über die innere Zerrissenheit der Menschen in einem Dorf, wo Fortschritt und Tradition kollidieren, der einen intensiv eintauchen und einen authentischen Blick erhaschen lässt. Er hat nur leider ein großes Manko - er ist viel zu kurz!

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Veröffentlicht am 27.07.2024

Über das Verstehen und die Versöhnung mit dem Schweigen

Vati
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Nach „Die Bagage“, der Geschichte ihrer Familie mütterlicherseits, spürt Monika Helfer in dem Nachfolger nun literarisch ihrem „Vati“ nach, tastet sich an den Mann heran, der zeitlebens so wenig greifbar ...

Nach „Die Bagage“, der Geschichte ihrer Familie mütterlicherseits, spürt Monika Helfer in dem Nachfolger nun literarisch ihrem „Vati“ nach, tastet sich an den Mann heran, der zeitlebens so wenig greifbar schien. Es ist ein zärtliches Erinnern an einen gedanklich oft abwesenden, leicht in der Unschärfe liegenden Vater und dessen große Liebe für Bücher, sein Vermächtnis an sie und die größte Konstante ihrer Beziehung. Mit wenigen Worten, ohne verschwenderische Umschreibungen und Ausschmückungen, ja, fast nüchtern und dabei gleichsam dicht und lebendig erzählt die Autorin über das Hadern mit der Familie und der Herkunft, über das Verstehen und die Versöhnung mit dem Schweigen.

Bei aller Einfachheit gelingt es Monika Helfer in mir ganz starke Gefühle zu erzeugen. Ich bilde mir ein, es sei ein Teil meiner Geschichte, es sei vielleicht meine Tante, die hier berichtet. Es schwingt eine Atmosphäre mit, die mich in das Haus meiner Großmutter versetzt, mitten hinein in die Bagage meiner Mutter, so unglaublich vertraut und tröstlich. Fast schleichend begleitet mich in den letzten Jahren derselbe Gedanke, wenn ich ein Buch zuklappe. Unweigerlich frage ich mich, was meine Mutter wohl zu diesem Buch sagen würde, denn auch uns verband die Leidenschaft für Geschichten, die viel Raum für Gespräche und Diskussionen bot. Ich weiß, die Monika Helfer hätte sie gemocht.

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Veröffentlicht am 27.07.2024

Ein sehr poetischer Coming of Age-Roman

Freischwimmen
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„Angesehen werden ist das eine, gesehen werden etwas ganz anderes.“ S. 121

Es sind Sätze wie diese, die „Freischwimmen“ von Caleb Azumah Nelson ausmachen. Spitze Sätze von großer Intensität, die unter ...

„Angesehen werden ist das eine, gesehen werden etwas ganz anderes.“ S. 121

Es sind Sätze wie diese, die „Freischwimmen“ von Caleb Azumah Nelson ausmachen. Spitze Sätze von großer Intensität, die unter die Haut gehen und dort nachhallen. Jetzt, Tage später, kommen mir seine Worte immer wieder in den Sinn und halten mich mehr gefangen, als ich geahnt hatte.

Du und sie. Nur Personalpronomen, keine Namen. Mehr schenkt uns der Autor nicht und überlässt seine Protagonisten damit einer sicher sehr bewusst eingesetzten Anonymität, welche mich zu Beginn ein bisschen auf Distanz hielt, dann aber plötzlich ganz nah heranholte, zur direkten Beobachterin machte. Schon bei eurer ersten Begegnung erkanntet ihr euch. Beide schwarz, jung, Künstler, ja, doch das war es nicht (alleine). Eure Verbindung geht tiefer; von außen gut verborgen liegen die Verletzungen, trieben in genau diesem Moment an die Oberfläche und euch beide unaufhaltsam aufeinander zu.

„Was ist eine Verbindung? Was ein Riss? Was ein Bruch?“ S. 30

„Freischwimmen“ ist der Struggle eines jungen Menschen, für den Sicherheit nicht existiert und das Leben ein Kraftakt ist, überleben heißt; zu lieben hinausschwimmen, das sichere Ufer verlassen bedeutet - und zu riskieren, unterzugehen. Es ist die Geschichte einer tiefen, ersten Liebe und großer Freundschaft und des schmalen Grats zwischen beidem. Ein sehr poetischer Coming of Age-Roman, der die zarte, geschundene Seele eines jungen Mannes freilegt, dem nur noch die Flucht in die Passivität bleibt.

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Veröffentlicht am 27.07.2024

Über den Sinn des Lebens

Auf der anderen Seite des Flusses
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Ein Mann verlässt am Morgen sein Haus, quert innerhalb weniger Stunden einen Fluss und eine Landesgrenze, riskiert viel und muss erst alles verlieren, bevor er zu sich selbst zurückfinden kann.

Der argentinische ...

Ein Mann verlässt am Morgen sein Haus, quert innerhalb weniger Stunden einen Fluss und eine Landesgrenze, riskiert viel und muss erst alles verlieren, bevor er zu sich selbst zurückfinden kann.

Der argentinische Autor spielt auf faszinierende Art und Weise mit dem uns gesellschaftlich anerzogenen Bild dessen, was Richtig und was Falsch, welches Lebensmodell unbedingt erstrebenswert und welches verwerflich ist. Eingebettet in das südamerikanische Lebensgefühl zeichnet Pedro Mairal das Portrait eines Mannes in seinen besten Jahren, dem die Verantwortung für Frau und Kind, der Erwartungsdruck der Gesellschaft und die finanzielle Last über den Kopf wächst - ohne, und das hat mir ausgesprochen gut gefallen, mit dem Finger auf vermeintlich Schuldige zu zeigen oder Partei zu ergreifen. Lässt ihn sich in Tagträumen und Erinnerungen verlieren, gedanklich ab- und umherschweifen, das Leben und seine früheren Entscheidungen Revue passieren; beschreibt dessen Ringen um Selbstbestimmung und persönliche Freiheit. Lucas taumelt und strauchelt, fällt, und dann plötzlich - Stille, Gewissheit. „Auf der anderen Seite des Flusses“ entscheidet sich die Zukunft des Protagonisten, offenbart sich die Fragilität des Glücks.

Ein schmales Büchlein mit umso gewichtigerem Inhalt über den Sinn des Lebens, das Scheitern an Vorstellungen, und ein empathischer, einfühlsamer Blick hinter die Midlife-Crisis. Sprachlich bestechend und mit humorvollen Untertönen.

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