Rasant wie ein Actionfilm
Der Junge, der das Universum verschlang„Der Junge, der das Universum verschlang“ von Trent Dalton ist ein wunderbarer, etwas mystisch angehauchter Coming of Age-Roman, der mich von der ersten Seite an fesseln und innerhalb weniger Tage durch ...
„Der Junge, der das Universum verschlang“ von Trent Dalton ist ein wunderbarer, etwas mystisch angehauchter Coming of Age-Roman, der mich von der ersten Seite an fesseln und innerhalb weniger Tage durch seine 550 Seiten tragen konnte. Wir begleiten den 12jährigen Eli, der in einem heruntergekommenen Vorort Brisbanes unter denkbar schlechtesten Bedingungen aufwächst; der Vater unter dubiosen Umständen von der Bildfläche verschwunden, die Mutter ein (ehemaliger) Junkie, der Stiefvater ein Drogendealer. Einen Jungen, dessen Bruder nicht sprechen, dafür aber umso mehr zu sehen vermag, dessen beste Freunde und Babysitter verurteilte Schwerverbrecher sind. Eli sucht inmitten dieses Chaos mit anrührender Aufrichtigkeit den richtigen Weg, einen guten Weg, doch erst einmal gilt es groß zu werden, die Gliedmaßen weitestgehend beisammen zu halten und herauszufinden, wie man im Angesicht des Falschen, des Schlechten, des Schäbigen seine Würde und Menschlichkeit bewahrt. Immer auf der Suche nach Helden (jeder Junge braucht doch einen Helden, oder?) und Antworten verliert Eli den Glauben an das Gute niemals und findet seinen eigenen Weg „um das Haus niederzubrennen oder die Welt in Brand zu stecken“. S. 339
Der frühe Verlust des Vaters und damit eines verlässlichen Vorbilds, Perspektivlosigkeit und Hoffnung, Traumata und deren Bewältigung, die Macht der Phantasie und des festen Glaubens, wahre Freundschaft und die erste Liebe, der Zauber der Zeit und ein toter blauer Zaunkönig - all das steckt verrückter Weise in diesem Roman, der nur zum Teil fiktiv ist, verarbeitet der Autor doch große Teile seiner eigenen Biografie darin, und das spürt man in jedem Satz. Der Ton ist authentisch schnoddrig, jugendlich-flapsig und dennoch von Herzlichkeit geprägt, das Tempo so rasant wie in einem spannenden Actionfilm. Dalton konnte mit dieser Geschichte einen großen Erfolg in seiner Heimat Australien verzeichnen und auch wenn am Ende alles etwas zu gut ineinander greift, um noch realistisch zu sein, habe auch ich sie mit Begeisterung (und der einen oder anderen Rührungsträne im Augenwinkel) gelesen.