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Veröffentlicht am 05.06.2024

Eine vielschichtige Geschichte über Täter und Opfer

Alef
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Katharina Höftmann Ciobotarus „Alef“ ist eine vielschichtige Geschichte über Täter und Opfer und die Bewältigung der Vergangenheit und für mich bereits jetzt eines der wichtigsten Bücher, dass ich überhaupt ...

Katharina Höftmann Ciobotarus „Alef“ ist eine vielschichtige Geschichte über Täter und Opfer und die Bewältigung der Vergangenheit und für mich bereits jetzt eines der wichtigsten Bücher, dass ich überhaupt je gelesen habe. Es geht um Vertreibung und Flucht, Stolz und Stärke, Wurzeln und Flügel und die große Frage, ob man jemanden mit jeder Faser seines Seins lieben und dabei man selber bleiben kann. Ist die Liebe alle Widrigkeiten des Lebens wert?

Ich habe in der Schule, wie sicher jede*r hier, viel über den Holocaust gelernt und auch den obligatorischen Besuch im KZ gemacht. Ich habe Anne Franks Tagebuch, verschiedene Aufzeichnungen von Überlebenden und auch fiktive Geschichten gelesen und diverse Filme (Spielfilme sowie Dokumentationen) über den zweiten Weltkrieg gesehen. Ich habe die Schuld meiner Vorfahren in vielen Situationen aufgezeigt bekommen und verstanden aber sie war dennoch nie wirklich meine Geschichte. Das hatte bei aller Grausamkeit eine Distanz, die ich nicht wirklich überbrücken konnte. Ich war entsetzt, ja, fassungslos, habe mitgefühlt und verachtet aber wirklich MICH angesprochen und gemeint hat es nicht. Eitan und Maja aber haben mich mitgenommen in die Vergangenheit, die nicht vergangen ist sondern immer noch präsent und somit auch zu mir gehört, mein Leben betrifft, mich schuldig spricht. Eitan hat meinen Blick auf das Schwert mit dem Hakenkreuz im eigenen Wohnzimmer gelenkt, auf den offenen Antisemitismus, der immer noch da und real ist und auch mein Leben streift. Ich habe mit Bella am Fenster gesessen und auf Sigi gewartet, 69 Jahre lang, was ist da schon vergangen und vergessen? Ich habe vielleicht zum ersten Mal verstanden, was der Holocaust bis heute mit den Menschen macht und welche Kreise er zieht, bis wo sein Arm reicht.

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Ich liebe diese Verrückten!

Vater unser
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Wie cool war das denn bitte gerade? Hab Angela Lehners „Vater Unser“ in einem Rutsch durchgelesen und bin ziemlich angetan von diesem Debüt, was mich kaum mehr wundert, denn anscheinend bin ich a. innerlich ...

Wie cool war das denn bitte gerade? Hab Angela Lehners „Vater Unser“ in einem Rutsch durchgelesen und bin ziemlich angetan von diesem Debüt, was mich kaum mehr wundert, denn anscheinend bin ich a. innerlich selbst Österreicherin oder b. war ich früher selbst Österreicherin oder c. mag ich einfach die österreichische Literatur unheimlich gerne.

Familienzusammenführung (und Aufarbeitung) in der Klappse - klingt etwas surreal und crazy, ist es auch, dabei aber auch sehr herzerwärmend, berührend, traurig und humorvoll. Eva Gruber wird ins Spital eingeliefert, weil sie behauptet eine Kindergartengruppe erschossen zu haben, was schon ein starkes Stück ist und durchaus neugierig auf die Dame und deren Geschichte macht. Dort trifft sie dann zufällig auf ihren magersüchtigen, wirklich arg bedauernswerten Bruder Bernhard, zu dem sie vor Ewigkeiten den Kontakt abgebrochen hat und spätestens jetzt schwant einem so langsam, dass in der Familie vielleicht nicht alles perfekt lief. Wir begleiten die junge Protagonistin nun zurück in die Vergangenheit, begleiten ein sensibles Mädchen in sein fragiles Elternhaus; dabei bleibt immer etwas unklar was Sein und was Schein und wer hier eigentlich verrückt ist, die Grenzen zwischen Gesund und Krank verschwimmen, chapeau für diesen gelungenen Kniff, liebe Angela Lehner. Seit „Einer flog über das Kuckucksnest“ habe ich keine so liebenswert gezeichneten Verrückten mehr erlebt, eine große Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Ein so wichtiger Anstoß!

Der Bastard von Istanbul
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Armanoush, entwurzelt und auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und Asya, die die ihre am liebsten auslöschen würde; zwei junge Frauen, hin und hergerissen zwischen Vergangenheit und Zukunft, Tradition ...

Armanoush, entwurzelt und auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und Asya, die die ihre am liebsten auslöschen würde; zwei junge Frauen, hin und hergerissen zwischen Vergangenheit und Zukunft, Tradition und Moderne, überwinden ein altes, kulturelles Trauma.

Elif Shafak beweist in „Der Bastard von Istanbul“ wieder einmal großes erzählerisches Talent. Kunstvoll verwebt sie die Geschichten der Türken und Armenier miteinander und legt Stück für Stück eine gemeinsame Vergangenheit frei, die den Hass der Gegenwart Lügen straft und tief mit Istanbul, dieser besonderen Stadt, die niemandem und allen gehört, verflochten ist. Kritisch, doch mit viel Empathie und Zärtlichkeit betrachtet Shafak ihre Figuren und deren Verhalten; umso unfassbarer erscheint mir die Tatsache, dass die Autorin damals wegen dieses Romans (zum Glück erfolglos) von der türkischen Regierung verklagt wurde. Ein dunkles Stück Geschichte gilt es noch aufzuarbeiten und der Autorin gelingt mit diesem Roman ein Anstoß, der nicht urteilt aber aufzeigt - wichtig, bitte lesen!

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Schlichtweg umgehauen

Was Nina wusste
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„Was Nina wusste“ beruht auf wahren Begebenheiten, die David Grossman basierend auf vielen Gesprächen mit seiner Freundin (und Vorbild der Figur Vera) Eva Panić-Nahir in einen eindrucksvollen Roman verwandelt ...

„Was Nina wusste“ beruht auf wahren Begebenheiten, die David Grossman basierend auf vielen Gesprächen mit seiner Freundin (und Vorbild der Figur Vera) Eva Panić-Nahir in einen eindrucksvollen Roman verwandelt hat. Von ganz großen Gefühlen und seelischen Abgründen erzählt diese drei Generationen und einen grausamen Krieg umspannende Geschichte; von einer Liebe größer als das Leben selbst, von Verlust und Scham, von einer unsäglichen Traurigkeit und der heilsamen Kraft der Worte und Erinnerungen, ja, des Wissens um die eigene Biografie und Identität. Vera, Nina, Gili - drei Frauen aus drei Generationen, vereint und gleichzeitig getrennt durch ein unausgesprochenes Trauma, begründet in einer Lüge. Als junge Frau verbringt Vera, nach dem Selbstmord ihres geliebten Ehemannes Miloš gebrochen und als Verräterin Titos bezichtigt, drei Jahre im sogenannten Umerziehungslager für Frauen von Goli Otok. Doch während es Vera bei aller Grausamkeit, die ihr auf der Insel widerfährt, gelingt Mensch zu bleiben, aufrecht zu stehen, zerbricht die kleine Nina an der Trennung von ihren Eltern und dem großen Schweigen, das darauf folgt. „Was Nina wusste“ ist die schmerzhafte Aufarbeitung eines Familiengeheimnisses, das sich wie Gift ausbreitet, von der Scham nährt und keine Liebe in seiner Nähe wachsen lässt.

Kennt ihr dieses Gefühl, dass eure Gedanken zu viel, zu groß und gleichzeitig zu klein und schwach sind, um eine Geschichte von solcher Intensität und Wucht, so einer Wahrhaftigkeit in Worte zu fassen? So geht es mir gerade mit David Grossmans „Was Nina wusste“ - es hat mich schlichtweg umgehauen

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Schöne Anekdoten

Erste Person Singular
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Ich mag Haruki Murakami sehr, das ist kein Geheimnis. Ich fühle mich in seinen Geschichten und Romanen ziemlich ausnahmslos wohl, falle hinein und genieße sowohl die schlichten, kleinen Momente als auch ...

Ich mag Haruki Murakami sehr, das ist kein Geheimnis. Ich fühle mich in seinen Geschichten und Romanen ziemlich ausnahmslos wohl, falle hinein und genieße sowohl die schlichten, kleinen Momente als auch die fantastischen Aspekte seiner Literatur. „Erste Person Singular“ ist nach „Von Beruf Schriftsteller“ mein zweiter Erzählband Murakamis und während in VBS ganz klar persönliche Anekdoten gesammelt wurden, verschwimmen die Grenzen von Realität und Fiktion in seinem neuen Erzählband und lassen mehr Raum für eigene Gedanken und Interpretationen. Tiefgründig und doch spielerisch leicht erscheinen Murakamis Geschichten; seine klassischen Lieblings-Themen wie Jazz und Baseball greift er hier ebenso wieder auf wie den Zauber der ersten Liebe und die mitunter geheimnisvollen Wege des Schicksals.

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