Amy Liptrot ist mit „Nachtlichter“ eine beeindruckende Geschichte über die uralte Verbundenheit von Mensch und Natur geglückt, der wir heute im Taumel des Fortschritts nur noch ganz selten nachspüren ...
Amy Liptrot ist mit „Nachtlichter“ eine beeindruckende Geschichte über die uralte Verbundenheit von Mensch und Natur geglückt, der wir heute im Taumel des Fortschritts nur noch ganz selten nachspüren können. Umso kostbarer sind für mich solche Momente und Worte, die als ein tiefes Gefühl in mir nachhallen. Gespickt mit Informationen über Flora und Fauna der Orkneyinseln nimmt uns die Autorin mit auf ihre sehr persönliche Suche nach innerem Gleichgewicht und Zufriedenheit. Nature Writing vom Allerfeinsten; mich hat die Lektüre glücklich und auch ein bisschen demütig gemacht. Ganz wunderbar ins Deutsche übersetzt von Bettina Münch.
Ein kleines Dorf im Schwarzwald Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Menschen leben ein einfaches, karges Leben, ohne größere Überraschungen oder Träumereien. Als wie aus dem Nichts ein geheimnisvoller Junge ...
Ein kleines Dorf im Schwarzwald Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Menschen leben ein einfaches, karges Leben, ohne größere Überraschungen oder Träumereien. Als wie aus dem Nichts ein geheimnisvoller Junge auftaucht sind die Dorfbewohner verzückt. Eine engelsgleiche Ruhe und Geduld geht von dem jungen Gabriel aus, seine geradezu überirdische Schönheit zieht jeden in den Bann und es zeigt sich, dass der Knabe heilende Fähigkeiten hat, die auf eine besondere Bildung hindeuten. Doch der junge Mann, der keine Erinnerungen mehr an seine Herkunft hat, bleibt den Einwohnern ein Mysterium und als gleich zwei Frauen sich in ihn verlieben beginnt der Wind sich zu drehen. Die reine, gute Seele Gabriels löst in den Herzen der Dörfler Missgunst aus, sät Eifersucht und Zwietracht und fordert das eine oder andere Opfer.
„Ohne sich selbst schuldig zu machen, ist er es, der bei anderen die Sünde auslöst oder zumindest sündige Wünsche und Sehnsüchte hervorlockt. [...] Der Bursche gleich einem Tier, das von Geburt an lauter und rein ist wie jede Gotteskreatur und dabei allein von seinem Instinkt getrieben wird. Selbst das wildeste Tier tut ja nichts Böses. Der Wolf zum Beispiel handelt nicht böse wenn er das Lamm reißt, es liegt in seiner Natur.“ S. 124/125
Ein packender Heimatkrimi im besten Sinne ist Marie Brunntaler mit „Wolf“ gelungen. Die Sprache ist etwas altertümlich und einfach gehalten, dabei aber sehr lebendig und perfekt zum Setting der Geschichte passend; sie führte mich an der Hand mitten hinein in das Leben an diesem abgeschiedenen Ort, wo eigene Gesetze herrschen. Von Anfang an liegt eine leicht bedrohliche Spannung über der Geschichte, der ich mich nicht entziehen konnte und die sich Stück für Stück entlädt bis am Ende nur eine Frage übrig bleibt - wer ist gut und wer ist böse? Der feine Blick der Autorin auf die archaischsten Wesenszüge der Menschen in all ihren Facetten ohne ins Klischeehafte abzudriften hat mich beeindruckt. Ein ganz tolles, besonderes Buch!
Das Thema ist so alt wie die Menschheit selber - eine Liebe, die nicht sein darf und doch nicht aufzuhalten ist. Eine Frau und ein Mann, beide liiert und glücklich, eigentlich, beginnen eine leidenschaftliche ...
Das Thema ist so alt wie die Menschheit selber - eine Liebe, die nicht sein darf und doch nicht aufzuhalten ist. Eine Frau und ein Mann, beide liiert und glücklich, eigentlich, beginnen eine leidenschaftliche Affäre, wohl wissend dass es ihrer beider Leben völlig derangieren wird. Sehenden Auges stürzen sie sich mit Wucht in diese intensive Liebschaft, so süß und aufregend und wahrhaftig, dass mir beim Lesen ganz schwindlig wird und während mein Kopf die ganze Zeit denkt „das ist völlig verrückt und dumm und falsch, das bereut ihr noch ganz arg“ ist mein Herz, mein Bauch, mein ganzer Körper bereits komplett davon überzeugt, dass nichts anderes möglich, gar nicht vorstellbar ist. Wie ein sinnliches, erotisches Tagebuch liest sich die Erzählung zu Anfang; eine Chronik der Leidenschaft in kurzen knappen Sätzen, atemlos, als wüsste sie, dass ihr nicht viel Zeit bleibt. Leider, leider gelingt es der Geschichte trotz seiner doch recht knappen 190 Seiten und großer sprachlicher Kraft nicht, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten; im Mittelteil begann ich mich zunehmend über die beiden Protagonisten und dieses ganze Hin und Her zu ärgern und ein irgendwie geartetes Ende herbeizusehnen. Der unvermeidliche Aufschlag auf dem Boden der Realität kommt dann trotzdem mit einer überraschenden Brutalität und lässt mich mit einer leichten Schwermut und ernüchtert über das Leben und seine Fallstricke zurück. Die Widmung der Autorin lässt mich vermuten, dass es sich um eine autobiografisch beeinflusste Erzählung handeln könnte und das kann ich mir auch sehr gut vorstellen - eine tiefe Traurigkeit, Wut und Resignation spricht aus der banalen Erkenntnis „An Liebe stirbst du nicht“ und ich glaube, nein, ich fühle Géraldine Dalban-Moreynas jedes Wort.
Ein berührender Roman und längst nicht so leichte Kost wie das wunderschöne Cover (Coverliebe auf den ersten Blick) suggeriert. An dieser Geschichte werde ich noch ein bisschen knabbern.
Eine Mutter verschwindet spurlos und taucht 16 Jahre später wieder auf. Ein junges Mädchen läuft von zu Hause weg, aus Angst seinen geliebten Eltern etwas anzutun. Der Bonak, eine bösartige Kreatur, ...
Eine Mutter verschwindet spurlos und taucht 16 Jahre später wieder auf. Ein junges Mädchen läuft von zu Hause weg, aus Angst seinen geliebten Eltern etwas anzutun. Der Bonak, eine bösartige Kreatur, sucht die Menschen in ihren tiefsten Ängsten heim. Und über allem liegt der reißende Fluss, hält die einzelnen Fäden und führt sie schicksalhaft zusammen. „Untertauchen“ von Daisy Johnson begibt sich auf die Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen; was bedeutet Familie, Identität und Sexualität? Können wir unserer Herkunft und Geschichte entwachsen und Erlösung finden von unserer Schuld? Der Roman ist in drei zeitliche Abschnitte unterteilt; „Das Cottage“ erzählt die Gegenwart, „Der Fluss“ die Vergangenheit (rastlos und ständig in Bewegung), „Die Jagd“ widmet sich dem Raum dazwischen. Erzählt wird außerdem abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Gretel und Margot/Marcus. Diese verschiedenen Erzählstränge verlangen dem/der Lesenden einiges an Konzentration ab. Einmal jedoch den Anspruch abgelegt jeden Satz und Gedanken sofort in Gänze verstehen zu wollen, fiel es mir nicht weiter schwer, am Ball zu bleiben - im Laufe der Geschichte rutscht alles irgendwie an seinen Platz. Die bildhafte, poetische Sprache des Romans hat mich sehr berührt und gefesselt - an dieser Stelle gilt auch ein großes Lob der Übersetzerin Birgit Pfaffinger. Die intensiven Naturbeschreibungen und die der Einsamkeit entsprungene, eigenbrötlerische Art der Protagonisten, sowie das Selbstverständnis, mit welchem die Autorin die Gefühls- und Gedankenwelt, die Verletzbarkeit der Figuren zu erfassen vermag erinnerten mich an „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens.
Ein tolles, ein besonderes Buch und eine absolut begeisterte Empfehlung von mir für jeden, der sich auf eine sprachlich wunderschöne, phantasievolle, manchmal auch melancholische und herzzerreißend traurige, märchenhaft anmutende Erzählung einlassen mag.
In „Unter Wasser Nacht“ von Kristina Hauff begegnen wir zwei Paaren, die sich aus Studentenzeiten kennen und bereits vor langer Zeit den Traum eines gemeinsamen Grundstücks, eines eigenen kleinen Bullerbüs, ...
In „Unter Wasser Nacht“ von Kristina Hauff begegnen wir zwei Paaren, die sich aus Studentenzeiten kennen und bereits vor langer Zeit den Traum eines gemeinsamen Grundstücks, eines eigenen kleinen Bullerbüs, mitten im Wendland an der Elbe erfüllt haben. Doch während Inga und Bodo mit ihren zwei Teenagern das scheinbar perfekte Leben führen, sind Sophie und Thies tief in der Trauer um ihren vor einem Jahr unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommenen Sohn versunken; eine Trauer die noch schwerer wiegt, kämpfen beide Eltern zusätzlich auch mit schweren Schuldgefühlen. Zu oft haben sie mit dem schwierigen, unnahbaren Kind gehadert, sich zu oft schon gewünscht, er wäre nicht mehr da - und der Schatten des Misstrauens schwebt über ihrer Ehe. Was genau ist Aaron in jener Nacht zugestoßen? Als eine fremde Frau in den Ort kommt und sich mit den Paaren anfreundet beginnt sich etwas zu verändern. Die Bekanntschaft mit der interessanten, attraktiven Mara lässt Thies und Sophie zum ersten Mal seit dem Unglück aufatmen, so etwas wie Glück empfinden, Heilung erfahren; und auch die entfremdeten Freunde wieder etwas näher zusammenrücken. Doch bereits nach kurzer Zeit wird ihnen klar, dass Mara nicht zufällig an der Elbe gestrandet ist. Ein Geheimnis umgibt sie, das ihnen näher kommt als manch einem lieb ist und bis in die Vergangenheit reicht.
Sehr atmosphärisch und anschaulich erzählt die Autorin von einem großen Verlust und damit verbundenen Schuldgefühlen, dem langwierigen Prozess des Heilens und (sich) Verzeihens. Der Perspektivwechsel der einzelnen Kapitel verleiht den Protagonisten Tiefe und lässt ihr Handeln, ihre Schwächen und Fehlern menschlicher wirken. Besonders schön fand ich die zahlreichen Schilderungen der Natur; sie erwecken den Fluss, der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist, zum Leben und machen ihn zu einer eigenständigen Figur. Ein spannender Roman, den ich sehr gerne gelesen habe und rein äußerlich jetzt schon eins meiner Lieblingsbücher.