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Veröffentlicht am 14.03.2022

Ein wunderbarer Anti-Held

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
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30 Jahre nach dem Mauerfall erhält Michael Hartung, erfolgloser Videothekenbesitzer, überraschend Besuch eines Journalisten. Besagter Journalist ist auf der Suche nach einer noch nicht ausgelutschten und ...

30 Jahre nach dem Mauerfall erhält Michael Hartung, erfolgloser Videothekenbesitzer, überraschend Besuch eines Journalisten. Besagter Journalist ist auf der Suche nach einer noch nicht ausgelutschten und neuartigen Ost-West Geschichte und beim Stöbern des Stasi Archives auf Michael Hartung gestoßen. Hartung soll angeblich verantwortlich für eine der größten Massenflucht von Ost nach West sein, indem er einen Zug entsprechend umgeleitet hat. Doch dies entspricht nicht ganz der Wahrheit, doch Hartung verdient im Jahre 2019 und im Netflix Zeitalter nicht überdurchschnittlich viel mit der Videothek und erklärt sich bereit ein Interview zu geben. Nichtahnend welche Wellen dies schlägt.

Hartung ist ein ganz wunderbarer Anti-Held, tollpatschig, liebenswürdig und vor allem klug. Er hinterfragt den auch nach über 30 Jahren noch immer herrschenden Ost-West Konflikt in Deutschland auf ganz wunderbare Weise:

„Vielleicht sollten wir damit aufhören von den Ostdeutschen und von den Westdeutschen zu sprechen. Ich meine, was hat ein Hamburger mit einem Oberbayern zu tun? Und ein Mecklenburger mit einem Sachsen? Wir sollten aufhören, uns gegenseitig zu beschuldigen und zu belehren."

Manche Betrachtungsweise ist vielleicht ein wenig überspitzt und übertrieben dargestellt. Als Beispiel die Medienwirksamkeit der Geschichte, aber dennoch spiegelt dies auch den immer herrschenden Druck und Konkurrenzkampf in dieser Branche wieder.

Zugegeben, ich bin im vereinten Deutschland aufgewachsen und habe mir daher vom Buch erhofft, ein wenig Ost-/West Geschichte mitzuerleben. Die kam hier meines Erachtens ein wenig zu kurz.

Im Großen und Ganzen handelte es sich hier um eine intelligente und unterhaltsame Lektüre, deren Ende relativ vorhersehbar war, der Geschichte aber trotzdem guttut!

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Veröffentlicht am 04.03.2022

Ein etwas anderer Arenz

Meine kleine Welt
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In 66 Kurzgeschichten erzählt Ewald Arenz aus dem Familienalltag seines Alter Ego Heinrich und dessen nicht ganz so alltäglichen Familie. Er selbst nennt es liebevoll "Vignetten; kleine Einblicke in den ...

In 66 Kurzgeschichten erzählt Ewald Arenz aus dem Familienalltag seines Alter Ego Heinrich und dessen nicht ganz so alltäglichen Familie. Er selbst nennt es liebevoll "Vignetten; kleine Einblicke in den manchmal absurden Alltag". So erleben wir oftmals eine Familie am Rande des Wahnsinns, gepaart mir jeder Menge Humor, aber auch ernsthaften Hintergrund.

Anders als in seinen bisherigen Romanen hat Arenz hier die Schreibform der Kurzgeschichten gewählt. Unterhaltsam, witzig und ironisch erzählt Arenz hier den Alltag dieser komplett chaotischen Familie und bedient dabei die einen oder anderen Klischees. Manche Geschichten kamen mir ein wenig übertrieben und an den Haaren herbeigezogen vor, mag allerdings evtl auch daran liegen, dass ich selbst keine Kinder habe (in diesem Fall zum Glück? ). Eltern werden sich in diesen Geschichten jedoch bestimmt wieder finden können.
Gefallen hat mir außerdem, dass das der Witz nicht einfach nur flach daher kam, sondern jede Pointe eine gewisse Tiefgründigkeit mit sich trug. Das verlieh dem ganzen die gewisse Würze, die das Buch nicht albern machte.

Zum Abschluss kann ich daher sagen, dass diese kleinen Familiengeschichten eine willkommene und gekonnte Ablenkung zu den derzeitigen Geschehnissen in dieser Welt waren

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