Dieser Geschichte wird mit wunderschönen Worten Leben eingehaucht
Like water in your hands„Vielleicht liege ich immer noch irgendwo zwischen den Falten meiner Tagträume vergraben.“ (S.111)
Was für ein Debüt! Eine Atmosphäre, die ich mit einer spärlich beleuchteten Stadt verglich, die von der ...
„Vielleicht liege ich immer noch irgendwo zwischen den Falten meiner Tagträume vergraben.“ (S.111)
Was für ein Debüt! Eine Atmosphäre, die ich mit einer spärlich beleuchteten Stadt verglich, die von der sternenübersäten Nacht getränkt wurde. Dieses Gefühl, als würde man die einzige Person sein, die abends noch unterwegs ist und seinen Gedanken nachhängt. Das alles habe ich während des Lesens durchlebt. Der wundervolle Schreibstil, bei welchem ich mir mehrere Zitate herausschreiben musste und die authentischen Charaktere, die sich alle wie eine große Familie anfühlen. Selten hat mich eine Liebesgeschichte so berühren können! (TW: Depression)
Das Cover: Sehr ästhetisch mit einer spannenden Komposition. Die zarten goldenen Muster, die das gesamte Motiv umrahmen gepaart mit dem ovalen Untergrund in Türkis ziehen gleich an. Auch die Blüten wurden sehr ansprechend eingesetzt. Doch am meisten begeistert mich die Farbauswahl. Es wirkt alles in sich stimmig und stellt etwas „Neues“ dar, sodass es nicht in dem Meer von Liebesromanen untergeht. Absolut gelungen! Ebenso bezaubern die Illustrationen, welche sich in der Klappenbroschur verstecken und bestimmte Teile des Textes zieren - zusätzliche Hingucker!
Die Handlung: Arwa ist erst vor Kurzem zu ihrer Tante nach Wien gezogen und fühlt sich von der Größe, den Geräuschen und Menschen der Stadt völlig überfordert. Kontakte knüpfen fällt ihr schwer, weswegen sie sich in ihrem Zimmer verschanzt und sich lieber ihrer Kunst widmet. Als sie eines Abends auf Tariq trifft und durch ihn neue Freundschaften schließt, ändert sich ihr Alltag. Doch Tariq hat mit seinen eigenen Wünschen und den Erwartungen seiner Familie zu kämpfen und auch Arwa hat ihr Päckchen mit sich zu tragen. Beide stellen überraschenderweise fest, dass sie einander Halt geben. Doch können sie sich auch allein ihren Zweifeln und Gefühlen stellen?
Meine Meinung: Ein wenig hadere ich, meine Gedanken zu dieser Geschichte zum Ausdruck zu bringen. Warum? Weil es verdammt viele Gedanken sind! Gefühle, die mich beim Lesen begleitet haben, Parallelen zu meinem Aufwachsen und der ständige Drang weiterlesen zu müssen. Hier wurde völlig auf Kitsch und überzeichnetes Drama verzichtet, was sich wirklich positiv auf mein Leseerlebnis auswirkte. Der tiefe Einblick in die Kultur von Arwa und Tariqs Familien lohnt sich definitiv und ich habe mich gefreut, wie es in die Geschichte eingeflossen ist. Überrascht hat mich jedoch, wie sehr ich mich in vielen Punkten wiedererkennen konnte. Zum einen habe ich als Kind auch zusammen mit meiner Familie den Bollywoodfilm „Kuch Kuch Hota Hai“ geschaut oder sortiere beim Essen immer noch die Bittermelonen heraus, wie Tariqs Bruder. Mir sind beim Lesen beinahe die Augen ausgefallen, wenn solche Parallelen aufgetaucht sind – umso glücklicher haben sie mich auch gestimmt, da ich mich selten so mit einer Geschichte identifizieren konnte. Auch ernste Themen wie Diskriminierung, Zugehörigkeit und Arwas und Tariqs Depressionen wurde hier sehr sensibel behandelt und greifbar beschrieben. Das lag besonders an Mehwish Sohails wirklich lobenswerten Schreibstil. Hätte ich es vorweg nicht gewusst, hätte ich niemals vermutet, dass es sich hierbei um ihr Debüt handelt.
Die Charaktere: Arwa ist eine gelungene Protagonistin. Durchaus mit wundervollen Ecken und Kanten, absolut liebenswert, aber man sollte sie nicht unterschätzen, da eine starke Löwin in ihr schlummert. Ihre Entwicklung war bewundernswert! Mit Tariq habe ich am längsten gebraucht warmzuwerden. Hier lässt sich tatsächlich auch mein einziger Kritikpunkt finden: Die Distanz zu ihm. Er war mir leider nicht so greifbar, wie die restlichen Charaktere, dafür hat mir sein Durchsetzungsvermögen und das Verwirklichen seiner Träume sehr zugesagt. Meine persönliche Favoritin war jedoch Maya. Ihre offene, direkte und herzliche Art haben zur Dynamik beigetragen und ich hoffe so sehr, dass wir noch mehr von ihr zu sehen bekommen. Doch auch Asma, Ibrahim, Nuh und viele weitere haben sich in mein Herz geschlichen. Ich hoffe sehr, dass wir eventuell noch einen Band zu Ibrahim bekommen werden, da es noch so viel Ungesagtes von ihm gibt.
Fazit: Bevor das Ganze hier ausufert, setze ich einen Punkt. Diese Geschichte konnte mich in ihre Wohlfühlatmosphäre einlullen – hat dabei jedoch nie die ernsten Untertöne ausgelassen. Für mich definitiv einer der besten Liebesromane. Ich kann ihn nur empfehlen, besonders, wenn man im New Adult Bereich eher weniger fündig wird (so wie ich). Einzig zu Tariq hätte ich gerne noch einen besseren Draht aufgebaut, doch das ist mein einziger Kritikpunkt hier. Von mir gibt es hier 4,5/5 Sternen und eine große Leseempfehlung!
„Egal wo ich bin, wie ich mich fühle, die Welt ist immer auf volle Lautstärke und Helligkeit aufgedreht.“ (S. 29)