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Veröffentlicht am 07.01.2019

Blick hinter die Fassade einer Vorzeigestadt: Familiendrama über Zugehörigkeit und Mutterschaft

Kleine Feuer überall
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Der Roman beginnt mit der Katastrophe. Das Haus der Familie Richardson steht in Flammen. Es handelt sich um Brandstiftung, denn in jedem Schlafzimmer waren kleine Feuer gelegt worden. Die drei Geschwister ...

Der Roman beginnt mit der Katastrophe. Das Haus der Familie Richardson steht in Flammen. Es handelt sich um Brandstiftung, denn in jedem Schlafzimmer waren kleine Feuer gelegt worden. Die drei Geschwister Trip, Lexie und Moody verdächtigen ihre jüngste Schwester Izzy, die sich schon immer merkwürdig und aufmüpfig benommen hat und verschwunden ist.

Sodann springt der Roman sechs Monate zurück in die Vergangenheit in das Jahr 1996 und erzählt, wie die mittellose Künstlerin Mia Warren mit ihrer Tochter Pearl in das Vorzeigestädtchen Shaker Heights gezogen ist, von den Richardsons eine günstige Wohnung erhielt und für sie als Haushaltshilfe arbeitete und wie ein befreundetes Ehepaar der Richardsons sich um die Adoption eines ausgesetzten chinesischen Babys bemühten.

Shaker Heights ist ein künstlich angelegter Ort, in dem alles gesittet und geordnet zugeht. Die Bewohner sind angepasst und weichen nicht von der Norm ab. Diese Geradlinigkeit wird vorbildlich von Elena Richardson verkörpert, nur deren jüngste Tochter Izzy, das schwarze Schaf der Familie hat schon von Kleinauf gegen die Befolgung von Regeln rebelliert. Elena ist ein Mensch, der sich um andere kümmert und die ihren Wohlstand uneigennützig mit anderen teilt. Als Mia in die Idylle zieht, die als freie Künstlerin ein ganz anderer Typ Mensch ist, ist Izzy fasziniert von ihr.
Elena kommt durch einen Zufall einem Geheimnis Mias auf die Schliche und beginnt in ihrer Eigenschaft als Journalistin zu recherchieren. Sie ahnt nicht, was sie mit dem Wühlen in deren Vergangenheit auslösen wird.

"Kleine Feuer überall" blickt hinter die Fassade einer Vorstadtidylle. Der Roman handelt von mehreren Familien, die ganz unterschiedlich zusammengesetzt sind. Interessant sind dabei vor allem die Mutter-Kind- und insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehungen. Hier werden Fragen aufgeworfen, was eine Familie und eine gute Mutter ausmachen, indem problematische oder gesellschaftlich umstrittene Aspekte wie Abtreibung, Leihmutterschaft, Adoption und Rassismus erörtert werden.

Nachdem das Buch mit einem Paukenschlag beginnt, wird das Leben der Richardsons und die Entwicklung der Verbindung zu Mia und die Freundschaften der Richardson-Kinder zu Pearl erzählt, bis der Roman durch die Aufdeckung von Mias Geheimnis und eine umstrittene Adoption zunehmend an Dynamik gewinnt. Faszinierend ist auch die Weiterentwicklung der Charaktere, die alle individuell beschrieben sind, so dass trotz der Vielzahl der Figuren der Überblick nie verloren geht und jeder auf den Leser lebendig wirkt.

"Kleine Feuer überall" ist ein sehr gut konstruiertes Drama, eine Geschichte über unterschiedliche Familien, über die Rolle der Frau und Mutterschaft, Erwachsenwerden, Rassismus im Alltag und die unbedingte Einhaltung der Norm, um den Traum einer perfekten Harmonie durchzusetzen. Besonders gut gefallen hat mir die Vielzahl der Charaktere, in die man eintaucht und die ganz und gar nicht schwarz-weiß gezeichnet sind. Unter ihnen gibt es kein eindeutiges Gut oder Böse, so dass die Handlung nicht abflacht oder vorhersehbar wäre und eine spannende Faszination entfacht.

Veröffentlicht am 05.01.2019

Unterhaltsame Liebesgeschichte über zwei Menschen, die erst die Vergangenheit bezwingen müssen, um offen für die Liebe zu sein, stellenweise wirkte die Liebesgeschichte etwas konstruiert

Doch Liebe findet ihre Zeit
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Antonia ist Inhaberin einer Verpackungsfirma in München und Kunstliebhaberin. Als sie zusammen mit ihrer Schwester Susanne bei einer Ausstellung des Künstlers Julian Markward ist, verliebt sie sich in ...

Antonia ist Inhaberin einer Verpackungsfirma in München und Kunstliebhaberin. Als sie zusammen mit ihrer Schwester Susanne bei einer Ausstellung des Künstlers Julian Markward ist, verliebt sie sich in eine seiner Skulpturen, die aus persönlichen Gründen allerdings unverkäuflich ist. Antonia möchte das nicht hinnehmen und nach einem Streitgespräch, das durch Julians Machoallüren provoziert wird, kann sie ihm einen Deal abringen: Er darf bis zu seinem Umzug in seine neues Apartment in der Einliegerwohnung in ihrer Villa wohnen und soll ihr als Gegenleistung als "Gesellschafter" dienen. Bei Vertragsbruch muss er ihr das Kunstwerk für 10.000 € überlassen.
Antonias Plan ist es, Julian das Leben bei ihr möglichst unerträglich zu machen, so dass er freiwillig aufgibt und sie die ersehnte Skulptur erhält.
Die beiden Streithähne stellen allerdings schon bald fest, dass der jeweils andere gar nicht so arrogant ist wie er bzw. sie vorgibt zu sein und dass sich hinter den Fassaden zwei verletzliche Seelen verbergen.

Antonia und Julian sind beide Mitte Dreißig, wirken aber durch den etwas kindischen Deal unreifer. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das beschrieben wird und bei dem von Anbeginn vorhersehbar ist, wie die Kabbeleien zwischen den beiden enden werden.

Der Weg dorthin ist jedoch abwechslungsreich und unterhaltsam geschrieben. Komische Szenen wechseln sich mit tiefgründigeren Episoden ab und als Leser ist spürbar, dass sowohl Antonia als auch Julian schon schlimme Dinge erlebt haben, die ihr Leben prägen und die ihre etwas eigenwilligen Verhaltensweisen erklären.
Während bei Antonia offensichtlich ist, dass sie unter dem frühen Verlust ihrer Eltern als Sechsjährige zu leiden hatte und deshalb auch nicht gemeinsam mit ihrer Schwester aufwachsen konnte, bleibt Julians Vergangenheit und was ihn quält, länger im Verborgenen.
Dieser Aspekt und die zu erwartende Annäherung der beiden, die anfangs schier unmöglich erscheint, sorgen für Spannung und den nötigen Reiz, weiter zu lesen.
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, die Übergänge und Perspektivenwechsel sind fließend und lassen den Leser gleichermaßen Einblick in beide Protagonisten erhaschen.
Etwas ungewöhnlich fand ich dabei, dass der Roman in keine Kapitel untergliedert ist.

"Doch Liebe findet ihre Zeit" ist eine Liebesgeschichte, die unterhaltsam, stellenweise durch Antonias Spielchen etwas unglaubwürdig und albern ist und sie deshalb konstruiert wirken lässt. Ich fand ihr Verhalten für eine Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens übertrieben kindisch z.B. als sie Julian durch einen samstäglichen Einkauf im Supermarkt zu verärgern versuchte. Über diese Provokationen hinaus ist der Roman jedoch emotional und lebensnah geschrieben. Es geht um Kindheitstraumata und Ängste, die bewältigt werden müssen, um ein befreites Leben führen zu können, in dem auch die Liebe Platz hat.

Auch die Nebenhandlung über Antonias Onkel und seine Beziehung zu dem an Parkinson erkrankten Paul, die gemeinsam in ein Seniorenheim gezogen sind und nun voneinander Abschied nehmen müssen, fand ich originell und konnte dem Roman noch mehr Tiefe verleihen.

Veröffentlicht am 04.01.2019

Witzige, aber nie alberne Geschichte über einen jungen Mann, der ein unverbesserlicher Besserwisser ist, aber gleichzeitig nie erwachsen geworden ist

Klugscheißer Royale
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Timo Seidel arbeitet seit dem Abitur in einem Callcenter in Köln und hatte bisher wenn Ehrgeiz, an dem Studentenjob etwas zu ändern, da auch seine Freundin Cleo sein Leben mitfinanziert hat.
Als er zurecht ...

Timo Seidel arbeitet seit dem Abitur in einem Callcenter in Köln und hatte bisher wenn Ehrgeiz, an dem Studentenjob etwas zu ändern, da auch seine Freundin Cleo sein Leben mitfinanziert hat.
Als er zurecht entlassen wird und ihn gleichzeitig seine Freundin verlässt, ist er gezwungen, endlich etwas an seinem bequemen Leben zu ändern. Mit viel Glück erhält er nach vorübergehender Arbeitslosigkeit eine befristete Anstellung als Englisch-Lehrer an einer Abendschule, da er als Halb-Amerikaner zweisprachig aufgewachsen ist.
Durch die Arbeit, die ihm überraschenderweise Spaß macht, entwickelt er sich auch charakterlich weiter und wird damit auch wieder attraktiver für Cleo.

Als "Klugscheißer Royale" bezeichnet sich Timo selbst und fühlt sich als Lehrer wie James Bond. Er ist sehr von sich überzeugt, auch wenn er objektiv in seinem Leben noch nicht viel erreicht hat.
Der Roman ist aus der Sicht Timos und erfrischend witzig geschrieben. Man kann den Klugscheißer nicht wirklich ernst nehmen, hinter dessen Schale sich doch ein sympathischer Charakter verbirgt, der Verantwortung für sich und andere übernehmen kann.
"Klugscheißer Royale" erzählt eine witzige, aber nie alberne Geschichte über einen jungen Mann, der ein unverbesserlicher Besserwisser ist, aber gleichzeitig nie wirklich erwachsen geworden ist. Im Verlauf des Romans lernt man aber noch eine andere Seite Timos kennen und er reift merklich über die wenigen Monate, die die Geschichte andauert.
Auch wenn Timos Arbeit als Lehrer als ungelernter Pädagoge erstaunlich problemlos vonstatten geht, bietet der Roman eine gute Unterhaltung, die nicht so banal ist, wie das Cover und der saloppe Klappentext vermuten lassen.
"Klugscheiße Royale" ist ein Roman, den sowohl Männer als auch Frauen lesen können und der sich auch ideal als Urlaubslektüre eignet.

Veröffentlicht am 02.01.2019

Sehr in die Länge gezogener Roman über einen Neuanfang, bei dem nicht wirklich viel passiert

Der Glanz eines neuen Tages
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Lorna hat vor einigen Jahren ihre Eltern verloren und Schwierigkeiten, die Tode, insbesondere den der Mutter, zu verarbeiten. Ihr Therapeut empfahl ihr deshalb, andere Menschen auf ihrem letzten Weg zu ...

Lorna hat vor einigen Jahren ihre Eltern verloren und Schwierigkeiten, die Tode, insbesondere den der Mutter, zu verarbeiten. Ihr Therapeut empfahl ihr deshalb, andere Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten, weshalb sie sich in einem Hospiz engagiert. Als die ältere Dame Betty, die für Lorna zu einer Ratgeberin geworden war, stirbt, erbt sie Dackel Rudy und findet den Mut für einen Neuanfang. Sie kehrt in ihre Heimat Longhampton zurück und übernimmt eine Galerie, die dringend einer Generalüberholung bedarf. Zusammen mit der älteren Künstlerin Joyce, die mit Terrier Bernard ein zurückgezogenes Rentendasein führte, entwickelt sie neue Ideen und legt den Anspruch ab, selbst wie ihre Mutter künstlerisch zu wirken.

"Der Glanz eines neuen Tages" ist die Geschichte über einen Neuanfang und die persönliche Weiterentwicklung Lornas.
Lorna ist ein sehr sozialer Mensch, die sich um andere, vor allem auch um ältere Menschen kümmert. Dabei vernachlässigt sie ihr eigenes Leben und trauert nach all den Jahren noch intensiv um ihre Eltern. Auch mit ihrer Jugendliebe Sam, der sie in Longhampton neu begegnet, hat sie nie wirklich abgeschlossen.

Trotz des Umfangs des Romans mit weit über 500 Seiten, passiert im Roman und im Leben Lornas nicht wirklich viel. Interessanter erscheint ihre ältere Schwester mit ihrer eigenen Familie, die ein Geheimnis birgt.

Lorna ist ein wirklich herzensguter, sympathischer Charakter, die durch den Kontakt mit den älteren Damen und dem Aufbau der Galerie persönlich reift und aus ihrem Schneckenhaus herauskommt. Weite Teile der Handlung, wie die künstlerischen Aspekte über das Stricken von Blumen oder das Malen nach Tönen empfand ich allerdings als ermüdend ausführlich beschrieben und auch die in meinen Augen unausgegorene Liebesgeschichte zwischen Lorna und Sam, die sich am Ende vergleichsweise rasant entwickelt, konnte mich nicht überzeugen.

Viele verschiedene Aspekte des Romans wie die Beziehung Lornas zu ihrer Schwester Jess, zu ihrer ältesten Nichte Hattie oder auch zu ihren Eltern und ihrem Heimatort Longhampton, den sie so lange gemieden hat, bieten interessante Anreize, leider wurde davon allerdings keiner tiefgründiger beschrieben.

Veröffentlicht am 31.12.2018

Ein "hyggeliges" Buch, das das dänische Lebensgefühl idealisiert, wenig tiefgründig und vorhersehbar ist. Netter Auftakt der "Romantc Escapes"

Das kleine Café in Kopenhagen
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Kate arbeitet bei einer PR-Agentur und erhält erstmals einen größeren Auftrag. Das dänische Kaufhaus Hjem plant in London eine Filiale zu eröffnen und benötigt dafür noch entsprechende Werbung. Kate soll ...

Kate arbeitet bei einer PR-Agentur und erhält erstmals einen größeren Auftrag. Das dänische Kaufhaus Hjem plant in London eine Filiale zu eröffnen und benötigt dafür noch entsprechende Werbung. Kate soll sechs Journalisten für eine Pressereise überreden, damit diese in Dänemark das "Hygge"-Gefühl vermittelt bekommen.
Die Mehrheit der Journalisten freut sich auf diese gesponserte Reise, nur Ben reagiert genervt und kann dem Hygge-Hype nichts abgewinnen.

Kates Reisegruppe erweist sich als wahrer Kindergarten und sie hat zu Beginn massive Probleme, die Gruppe beisammen und bei Laune zu halten. Schon bald spüren alle den Wohlfühlfaktor in dem glücklichsten Land der Welt und lassen sich bei Sightseeing, gutem Essen und Aktivitäten in der Gemeinschaft auf das Hygge-Gefühl ein. Anteil daran hat das Café Varme, in das sich Kate morgens gern auf einen ruhigen Kaffee zurückzieht und dessen Inhaberin Eva die Mutter des Kaufhausbesitzers Lars Wilders ist.
Allmählich entspannt sich auch Kate, die durch die Reise einem enormen beruflichen Druck ausgesetzt ist und zieht sich dabei immer stärker zu Ben hingezogen, hinter dessen harter Schale sich ein weicher Kern verbirgt.

"Hygge" ist nicht nur ein Einrichtungstrend, den von den "hyggeligen Dänen" übergeschwappt ist, sondern ein Lebensgefühl, das vor allem für Behaglichkeit und Wohlbefinden steht. Die Vermittlung dieses Gefühls steht im Zentrum des Romans und soll sich nicht nur auf die Journalisten, sondern auch auf den Leser übertragen.

Der Roman ist auch wirklich nett geschrieben und man verfolgt die Entwicklung Kates von einer etwas unsicheren jungen Frau bis hin zu einer kreativen PR-Agentin, die merkt, dass es noch mehr im Leben gibt als der berufliche Erfolg.

Die Geschichte ist wenig tiefgründig, Land und Leute Dänemarks werden durch eine rosarote Brille gesehen und idealisiert. Wie von selbst erfahren auch noch so kritische Journalisten die Erleuchtung und nehmen etwas von der dänischen Lebenseinstellung mit nach London. Mit ein bisschen kochen, ein bisschen backen, die Wohnung neu einrichten - so leicht scheinen sich Sorgen und Probleme in Wohlgefallen aufzulösen und auch Kate zu ihrer wahren Bestimmung zu führen.

Die Liebesgeschichte ist vorhersehbar, was aber nicht weiter schlimm ist, da bis zum Happy End die ein oder andere Hürde noch überwunden werden muss.

"Das kleine Café in Kopenhagen" ist der Auftakt der Buchreihe "Romantic Escapes", die mit "Die kleine Bäckerei in Brooklyn" im Mai 2019 fortgesetzt wird und in der Food-Journalistin Sophie im Fokus der Handlung steht.