Spukhausgeschichte zwischen Horrorroman, Drama und Mysterythriller
Das gierige HausIn Chicago steht ein Haus, das seit einem erweiterten Suizid in den 1970er-Jahren unbewohnt ist. Um das Haus ranken sich zahlreiche Mythen, was vor allem auf Kinder und Jugendliche eine Faszination ausübt. ...
In Chicago steht ein Haus, das seit einem erweiterten Suizid in den 1970er-Jahren unbewohnt ist. Um das Haus ranken sich zahlreiche Mythen, was vor allem auf Kinder und Jugendliche eine Faszination ausübt. So gelangt auch der achtjährige Paul mit seinen beiden Freunden im Rahmen einer Mutprobe in das Haus - und nie wieder zurück. Seine ältere Schwester Jessie, die ihn dazu angestiftet hat, muss mit der Schuld leben.
Sie wird früh selbst Mutter und beschäftigt sich 13 Jahre nach Pauls Verschwinden erneut mit dem Haus, das unverwüstlich immer noch steht und seinen Hunger noch lange nicht gestillt hat.
"Das gierige Haus" greift eine altbekannte Plotidee um ein Horrorhaus auf, das über Jahrzehnte hinweg Menschen anlockt und darin begräbt. Dieses Haus scheint sich von Menschen, insbesondere von Kindern, geradezu zu ernähren.
Nachdem 1973 eine ganze Familie darin ums Leben gekommen ist, wurde auch Jessies Familie durch den Verlust ihres Bruders zerstört. Doch Paul ist nicht das letzte Kind, das dort sein Leben lässt.
Wie das Haus trotz der bekannten Gefahr immer wieder Menschen anzieht, so entwickelt auch die Handlung eine Sogwirkung. Aus der Sicht von Jessie geschildert, ist ihre Wut und Trauer spürbar. Gleichzeitig ist die Befürchtung präsent, dass sich in dem Haus weiterhin schlimme - blutige - Dinge ereignen werden, insbesondere als Jessie selbst Mutter eines Sohnes ist, der sie täglich an Paul erinnert.
Das Haus wird vermenschlicht, es pulsiert und atmet, wird zu einem Monster stilisiert und sorgt für Grusel und Unbehagen. Dennoch handelt es sich nicht um einen reinen Splatter-Horrorroman. Jessies Entwicklung von einem aufmüpfigen Teenager zu einer verantwortungsvollen jungen Frau und kämpferischen Mutter steht genauso im Vordergrund wie die nachbarschaftlichen Beziehungen in dem Wohnviertel und der enge, fürsorgliche Zusammenhalt aufgrund der gemeinsam erlebten tragischen Ereignisse.
Obschon bei Spukhausgeschichten nicht unbedingt rationale Erklärungen zu erwarten sind, wird sich hier zumindest darum bemüht. Das Ende des Buches, das sich zwischen Horrorroman, Drama und Mysterythriller bewegt, ist allerdings kurz gefasst und im Vergleich zur jahrzehntelangen, unberechenbaren Brutalität des Hauses zu einfach gestrickt.